Dario Argento’s Das Phantom der Oper

Blickt man heute auf Dario Argentos schaffen zurück, so denkt man immer an seine Filme aus den 70ern und 80ern. Was danach kommt, wollen manche Fans vergessen, sägen die Filme schon an dem Throne des Regisseurs, spätesten ab Mitte der 2000er waren auch Hardcorefans enttäuscht. Doch kommen wir auf das Jahrzehnt zusprechen, was dazwischen liegt, die 90er. Nach einem kurzen Abstecher in die USA mit Aura und dann wieder zurück nach Italien mit das Stendhal Syndrom. So drehte er 1998 Das Phantom der Oper, der letzte Filme von Argento der es 1999 auch in die deutschen Kinos schaffte. Doch was ist der Film, Horror, Musical, Liebesdrama, Komödie. Ist es noch ein Dario Argento Film?

 

Die Handlung von Das Phantom der Oper weicht zum Teil stark vom Buch ab. Das merkt man schon bei den ersten Szenen, wenn wir ein Baby sehen was mit Korb in einen Kanal gelegt wird, um es los zu werden. Das erinnert vom Bild stark an Tim Burtons Batmans Rückkehr. Das Kind ist das Namenlose Phantom, was von Ratten gefunden wird und groß gezogen wird. Jahre später passieren in der Oper Mysteriöse dinge. So auch Christine, denn sie trifft auf dem Flur einen mysteriösen Fremden, dessen Gedanken sie hören kann. So beginnt der Film wild zwischen den Genres zu wechseln. Denn ab diesen Punkt trifft die Handlung von Das Phantom der Oper auf Dario Argento und seinen Versuch etwas großes zu schaffen.

 

Das größte Problem des Films ist seine Handlung. Denn sie weiß nie so recht was gerade sein Will. Das funktioniert halt auch nur bedingt. Natürlich ist die Liebesgeschichte zwischen Christine, dem Phantom und dem Baron Raoul De Chagny wichtig und wird auch gut in die Handlung eingebunden. Doch manchmal zu wenig. So bleiben einige Fragen offen, auch warum Christine so abhängig vom Phantom ist. Dazu kommen auch unpassende Comedyeinlagen der Rattenfänger. Die in einer absurden Szene gipfeln, wo Argento wahrscheinlich mehr Hommage machen Will an die Reise zum Mond, als das es zu dem Film passt.

 

Denn immer wieder schweift Argento in seinem Film ab und zeigt Szenen, die nicht zum restlichen Film passen wollen. Was aber auch mit einigen Nebenhandlungen der Fall ist.  Hier werden viele dinge angedeutet aber niemals ausgesprochen. So wirkt es manchmal, das es Momentaufnahmen der Oper sind und was dort passiert. Was für uns als Zuschauer aber manchmal etwas verwirrend ist. Vor allem wenn das Phantom auf dem Dach steht und Fantasien hat und auch seine übernatürlichen Fähigkeiten, sind mal da und dann wieder nicht.

phantom der oper 2

Anders als bei der Handlung sieht es bei der Regie und Kameraarbeit aus. Denn hier kann Das Phantom der Oper punkten und es zeigt sich das Dario Argento ein wirklich gute Regisseur ist. Auch wenn die Bilder nicht mehr die Wucht seiner älteren Filme haben und manche Kamerafahrt nicht mehr so spektakulär wirkt, wie in seinem anderen Film der in einer Oper spielt, wo die Kamera noch übers Publikum flog und er durch Kamerafahrten und schnitt extreme Spannung erzeugt bei Terror in der Oper. So nutzt er die imposanten Bilder der Oper um uns den Ort zu zeigen, wo der Film spielt.

 

Denn der Film verlässt bis auf eine Szene niemals die Oper, so spielt sich alles in ihr oder unter ihr ab. Das verleiht der einen Szenen, die außerhalb spielt, bei das Phantom der Oper, etwas Besonderes. So ist sie auch in Szene gesetzt, wie ein Gemälde was sich bewegt. Doch auch, was sich in den Katakomben abspielt, hat Argento sehr gut umgesetzt. So wirken die Gänge beängstigten, wenn Christine oder jemand anders durch sie läuft. Man gab sie hier wirklich reichlich Mühe uns in die Welt von Das Phantom der Oper zu versetzen.

 

Nach Aura und Das Stendhal Syndrom ist es die dritte Hauptrolle für Asia Argento in einem Film ihres Vaters. Doch noch immer ist sie nicht die beste Schauspielerin. Was man ihr immer wieder anmerkt, so übertrieben spielt sie Chrinstine, es wirkt fast schon wie eine Seifenoper. Zwar ist sie wunderhübsch und das perfekte Gegenteil zum Phantom, was hier ohne Maske und Entstellungen aus kommt. Dafür aber andere Probleme hat und mehr ein Psychopath ist. Was Julian Sands wirklich gut darstellt. So wirkt Asia bei Das Phantom der Oper doch etwas fehlbesetzt.

 

Der Soundtrack des Films kommt von Ennio Morricone und ist, wie man es nicht anders erwarten könnte, perfekt und passend zum Film. Immer wieder untermalt seine Musik die Szenen, verleiht ihnen Spannung oder Dramatik, ohne dabei zu aufdringlich zu sein. Da Das Phantom der Oper hier nicht das Musical ist, wird auch nicht gesungen, außer man zeigt eine Szene, wo eine Oper aufgeführt wird.

phantom der oper 3

Das Phantom der Oper war Dario Argentos versuch den Roman zu verfilmen wie er es wollte. Doch nicht immer gelingt es den Film  komplett zu überzeugen. Die Handlung weiß nie so recht was sie sein will und Asia Argento ist nicht die beste für die Hauptrolle. Dafür ist der Film wunderschön gefilmt und auch der Soundtrack ist perfekt.

Dario Argento's Das Phantom der Oper
  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 6/10
    Schauspiel - 6/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 7/10
    Atmosphäre - 7/10
  • 8/10
    Soundtrack - 8/10
6.8/10
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Handlung:

In den Katakomben unter der Pariser Oper lebt das sogenannte Phantom, aufgewachsen als Waisenkind unter Ratten. Es sorgt in feiner Regelmäßigkeit für Tod und Verderben unter denjenigen, die seinen Ratten Leid zufügen oder in seine düstere Unterwelt eindringen. Eines Tages dann trifft das Phantom auf die junge Opernsängerin Christine. Es entsteht eine unerklärliche Bindung zwischen den beiden. Während die Polizei wegen der zahlreichen Morde dem Phantom auf die Spur kommt, begibt sich Christine ungewollt in Lebensgefahr. Die Oper und seine Unterwelt werden zum Schauplatz von Liebe, Tod und Verderben.

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