Der Tod trägt schwarzes Leder

Was passiert wenn ein Film der im Original Die Polizei bitte um hilfe heißt in Deutschland als Der Tod trägt schwarzes Leder verkauft wird? Man kommt auf die Idee es sei ein Giallo. Doch ist der Thriller von Massimo Dallamano wirklich einer?

Das italienische Kino der 70er Jahre, ein Ort voller Genreperlen die es zu Entdecken gibt. Viele davon sind nie in Deutschland erschienen oder sind heute nur noch schwer erhältlich, doch Labels wie Camera Obscura machen es den Zuschauer und Genrefan einfacher, denn immer wieder veröffentlichen sie Perlen jener Zeit auf DVD und jetzt auch auf Blu-ray. So auch der 1974 entstandene Film Der Tod trägt schwarzes Leder. Ein Film der durch seinen Titel wohl als Giallo in Deutschland war genommen wird, dabei ist der Film weit davon entfernt ein Giallo zu sein. Denn betrachtet man sich den Streifen, so wird deutlich, hier bekommt man einen Thriller serviert der wohl seiner Zeit auch etwas voraus war.

Die Handlung beginnt mit einem Selbstmord eines Schulmädchen, doch die Leiche ist nackt und einige Spuren deuten wohl auf einen Mord hin. So fängt die Polizei an zu Ermitteln, dazu kommt auch die junge Staatsanwältin, welche den Fall betreut. Schaut man also den Film und verfolgt die Handlung von Der Tod trägt schwarzes Leder hat man das Gefühl man schaut eine längere Episode von Law & Order, nur das Massimo Dallamano gut 16 Jahre eher dran war als Dick Wolf. So erleben wir als Zuschauer eine spannende Geschichte rund um die Ermittlungsarbeit der Polizei in dem Fall.

Dabei bringt die Handlung etwas ans Licht, was heute immer noch super funktioniert und auch schon Thema in einigen modernen Krimiserien war. Ein Escortring aus Schulmädchen. Dabei wär es aber einfach gewesen hier in einem Exploitationsfilm abzudriften. Doch das passiert nicht, jedenfalls nicht so extrem. Zwar gibt es immer wieder etwas Nacktheit der jungen Damen. Doch man verzichtet dabei doch auf viele Details. Dabei schien man aber wohl doch einiges mehr produziert zu haben. Schaut man auf die Extras, denn es gibt gut 5 Minuten an Hardcore Material,welche die Tonband aufnahmen die man hört verbildlichen.

Gialloelemente und Sozialkritik

Es gibt Szenen im Film die erinnern schon an einen Giallo, das ist wenn der Killer auftaucht, der bestimmte Personen erledigen soll. In seinem Outfit komplett in Schwarz mit Fleischerbeil bewaffnet, könnte man schon meinen man ist in einem Giallo. Dabei nutzt der Regisseur diese Szenen aber auch um die Spannung zu steigern, vor allem bei der zweiten Szene wo der Killer auftaucht. Das hat eine Minuten lange Verfolgungsjagd zur Folge und hier fiebert man richtig mit. Denn ist es nicht immer klar ob die Person entkommen kann oder nicht. So ist man wie gefesselt dabei und hofft auf das beste.

Doch im Grunde können diese Szenen auch aus jedem Thriller stammen, so ist Der Tod trägt schwarzes Leder kein Giallo im eigentlichen Sinne, denn auch die Suche nach dem Mörder ist nur etwas Nebensache. Denn es geht im Film viel mehr um die Polizeiarbeit und dem was aufgedeckt wird. So wird er auch inszeniert, das Hauptaugenmerk liegt auf der Ermittlung und den Verhören. So ist man sogar so fortschrittlich, dass man auch die Forensik mit einbezieht und andere für damalige Verhältnisse moderne Elemente und nein es gibt keine Szene im Striplokal.

Dafür bietet der Film aber auch eine gute Portion Sozialkritik, denn die Mädchen werden mit schnellen Geld gelockt und alles führt in hohe Politischekreise. Dabei wird natürlich versucht zu zeigen wie böse die Politiker sind und alles versuchen es zu vertuschen. Dabei ist die Polizei gut, das ist natürlich etwas einfach gehalten. Denn es sollte klar, so einfach ist es nicht. Dennoch gibt es ein gutes Bild der Zeit und wie junge Frauen sich versuchen zu emanzipieren, alleine die Diskussion über die Pille und das man mit 15 auch Sex hat.

Action, Spannung und etwas Gewalt

Bei einem Film wie Der Tod trägt schwarzes Leder erwartet man eigentlich keine großen Actionszenen und es gibt auch keine, bis auf eine Verfolgungsjagd. Hier nutzt man wieder Stilmittel die damals noch neu gewesen sein müssen, dann es ist viel Dynamik in der Actionszene und so baut man auch Spannung auf. Dazu kommt der Verzicht auf musikalische Untermalung. So hört man nur die Motorgeräusche und den Funkverkehr der Polizei. Das verleiht der Szene etwas besonders, weil der Fokus des Zuschauers so das was man sieht verlagert wird. Das steigert die Spannung noch mal, ohne das uns die Musik sagt das es jetzt spannend sein muss.

Der Film ist voller Spannungsmoment und durch das hohe Erzähltempo lässt die auch selten nach. Denn man wird direkt in die Handung geworfen mit dem Mord und schon beginnt die Polizeiarbeit, welche hier fast schon dokumentarisch gefilmt ist. Alles steigert die Spannung, dazu kommt die Nebenhandlung mit dem Killer. Diese bietet wie schon erwähnt auch immer wieder Moment von hoher Spannung. So nutzt Der Tod trägt schwarzes Leder die Handlung und seine Charaktere immer wieder um den Zuschauer zu fesseln.

Nimmt man hier die Szene als die Staatsanwältin vom Killer verfolgt wird. Diese dauert gefühlt eine Ewigkeit aber nicht weil sie so langweilig ist. Sondern weil wir der Zuschauer haut nah dabei ist, Durch Nahaufnahmen vom Gesicht und der Killer der im Hintergrund rum schleicht. Das Opfer was Angst hat und flieht. Alles ist sehr gut inszeniert und zieht den Zuschauer in seinen Bann. Auch die kurzen Momente der Gewalt, sind blutig und drastisch. Obwohl im Finale man deutlich sieht, das man kleine Sprengkörper genutzt hat für die Einschüsse und etwas zu wenig Blut.

Kamera und der Soundtrack

Wir hatten ja schon kurz das Thema der Cinematographie im Film. Doch betrachten wir es noch mal etwas genauer. Denn Der Tod trägt schwarzes Leder bietet eigentliche viele Elemente die immer noch genutzt werden. Vor allem im Krimi oder Thriller. So ist die Kamera bei den Verhören und der Polizeiarbeit immer etwas distanziert. Ruhiger manchmal dauert eine Szene auch etwas länger ohne das zu einer anderen Kameraeinstellung geschnitten wird. Das führt natürlich dazu, wenn der Film die Spannung steigert, die Kamera und die Einstellung sich ändern. Man ist näher am Geschehen und auch der Schnitt verändert sich und wir Temporeicher.

Wir hatten ja schon die Verfolgungsjagd, natürlich kann man diese Szene nicht mit modernen Actionfilmen vergleichen. Dafür nutzt man aber interessante Kameraeinstellungen, wenn der Killer mit seinem Motorrad fährt, selbst eine kurze Szene die vom Motorrad aus gefilmt wurde ist dabei. So versucht man die Action schon mehr aus dem Geschehen zu Filmen als nur aus der Zuschauerposition, das funktioniert auch gut.

Der Soundtrack von Stelvio Cipriani schreit förmlich nach Polizeifilm, die jazzigen Klänge des Titelthemas, ziehen einen in den Film, während der Vorspann läuft und wir Schülerinnen und Schüler sehen, welche eine Schule verlassen. Das deutet schon an, was uns in den restlichen 90 Minuten erwartet, dabei kommt das Titelthema immer wieder vor im Film und wird an bestimmten stellen genutzt.

FAZIT:

Der Tod trägt schwarzes Leder ist ein sehr spannender Thriller mit einer Portion Sozialkritik. Dabei gibt es ein hohes Erzähltempo und etwas erinnert der Film an die Blaupause für Law & Order, denn man ist sehr nah an der Polizeiarbeit dran und fast schon Dokumentarisch gefilmt und erzählt, bekommt der Zuschauer eine interessante Geschichte erzählt, die dazu auch noch sehr spannend ist.

 

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 9/10
    Spannung - 9/10
8.3/10
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Handlung:

Hinter der bürgerlichen Fassade schlummert das Grauen: Auf einem Dachboden wird ein erhängtes fünfzehnjähriges Mädchen gefunden. Alles deutet auf einen Freitod hin. Doch die Nachforschungen der Kommissare Valentini und Silvestri sowie der Staatsanwältin Vittoria Stori fördern eine erschreckende Wahrheit ans Licht. Die Spur führt ins Kinderschänder-Milieu, und plötzlich schweben die engagierten Kriminalbeamten selbst in Gefahr, Opfer eines skrupellosen Killers zu werden, der auf dem Motorrad und bewaffnet mit einem Schlachterbeil die Straßen unsicher macht…

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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