We Are the Flesh

Das Kinopublikum zu schocken wird immer schwerer. Dennoch versuchen es immer wieder Filme,manchmal ist aber auch alles anders als man denkt. So ein Fall ist We Are The Flesh.

Das moderne Kino kennt keine grenzen mehr, immer wieder gibt es Film die versuchen die Grenzen auszuloten. Sei es ganz extreme Filme wie die Vomit Gore Filme oder auch Lars von Trier der mit Nymphomaniac sicherlich einige Zuschauer schockte. Dazu gibt es immer wieder Filme die kontrovers diskutiert werden und somit auch die Meinungen spalten. So ein Fall ist auch We Are The Flesh, denn der mexikanische Film klingt auf den ersten Blick wie ein Endzeitdrama, doch entwickelt sich schnell zu etwas anderem.

Die Handlung des Films in Worte zufassen ist schwer. Denn schnell verlässt der Streifen die grenzen der normalen Erzählung und wird zu einem Bilderrausch mit episodenhaften Szenen, die dem Zuschauer wohl dem Verfall in den Wahnsinn zeigen. Jedenfalls auf dem ersten Blick. Doch irgendwie hat man immer das Gefühl, dass da mehr ist. Denn der Ort wo sich die Geschwister und der Mann aufhalten, scheint ein Raum zu sein wo es keine Zeit gibt, so verlieren die Figuren und der Zuschauer das Zeitgefühl. So entwickelt sich alles anders und man irgendwie kann man das ganze auch aus Biblischer sicht interpretieren.

Selbst wenn man nicht so Bibelfest ist und vielleicht nicht alles bemerkt, so wirkt die Handlung von We Are The Flesh doch fast schon wie die Erzählung von Adam und Eva, hier aber als Geschwister und eine Frau heißt Maria, was aber auch ein biblischer Name ist. Die Geschwister werden von dem verrückten älteren Mann verführt um ein Tabu zu brechen, was sie dann auch tun. Ab diesem Zeitpunkt wirkt der Ort wie die Hölle und die Schwester nennt ihren Bruder auch Luzifer. Wie der erste gefallen Engel der dann in der Hölle verweilte.

We Are the Flesh
© Drop-Out Cinema eG

Tabubrüche im Film, kann We Are The Flesh das auch?

Seit es bewegte Bilder gibt, versuchen Filmemacher das Publikum zu schocken und zu provozieren. Das ging los mit Splatter und Gewalt aber auch Sex und Nacktheit. Alles wurde immer mehr und mehr und irgendwann flachte es wieder ab und dann gibt es immer wieder Filme, die es dennoch versuchen. So auch We Are The Flesh und auch dieser Film macht es dem Mainstream Publikum nicht leicht. Denn die Themen sind schon extrem und so ist es wohl kein Wunder das mancher Tabubruch wirklich funktioniert.

Die Liste der Themen sind lang die We Are The Flesh in seiner kurzen Laufzeit auffährt. Dabei beginnt er aber noch ganz harmlos und man führt uns die Figuren ein, was aber auch schon auf einem sehr künstlerischen Weg passiert. Denn Informationen was mit der Welt passiert ist, erfährt man nicht. Doch irgendwann ist der ältere Mann da und treibt die beiden dazu das sie Sex mit einander haben. Da hätten wir Inzest, ein großer Tabubruch. Dann folgt auch schon Aufnahmen von einem Blowjob der nicht gestellt ist. Dann gibt es Sex, dazu später mehr.

Ist diese Spirale los getreten, so bombardiert uns der Film immer wieder mit etwas neuen. Von Menstruationsblut bis hin zu Urin ist alles dabei. Auch Nekrophilie ist dabei, auch eine Vergewaltigung. Sollte man so eine Dichte an extremen Szenen nicht gewohnt sein. So verfehlen diese Stellen in We Are the Flesh nicht ihre Wirkung.

© Drop-Out Cinema eG

Symbolik und Samen

Ein Film wie We Are The Flesh ist natürlich auch voller Symbolik, doch meist nicht so offensichtlich wie andere Filme. Denn der Ort wo die Figuren sich aufhalten, wirkt wie eine Hölle, etwas was sie auch nicht verlassen können oder wollen. Denn der Ort den sie am Anfang noch ausbauen, wirkt wie eine Art Höhle oder auch der Unterleib einer Frau, so deutet eine Öffnung drauf hin das sie sich im inneren einer Vagina befinden, jedenfalls Symbolisch.

Ja Sex ist ein Bestandteil im Film, was im Finale in einer Orgie gipfelt, wo auf einmal sehr viele Menschen auftauchen. Zu diesem Zeitpunkt hat man im Film aber schon einiges gesehen und es wirkt wie der letzte Rausch einer Partynacht. Was dann der letzte twist am Ende auch irgendwie ist. Denn Enden tut der Film so wie man es nie erwartet hättet. So lässt einem der Schluß noch fragender zurück als es der Streifen eh es schon macht.

Auch gibt es eine Szene wo der sexuelle Höhepunkt zum tot führt. Das Ejakulat was spritzt ist auch der letzte tropfen Leben und verlässt somit die Figur. Doch alles macht die Handlung dann noch komplexer, denn mit einer Wendung wird alles wieder verändert, verdeutlicht aber auch das es vielleicht nicht die Endzeit ist, sondern ein Ort jenseits von Zeit und Raum,vielleicht ist es aber auch nur ein Theaterstück.

Kamera im Farbenrausch

Zwar ist We Are The Flesh nicht so bunt wie ein Kinderfilm, dennoch ist jeder Szene in eine Farbe gehüllt. Meist ist es Rot aber auch andere Farben kommen immer wieder vor. So verleiht das dem Streifen auch noch einen unwirklichen Look. Denn es fehlt dass natürliche Licht, alles wirkt künstlich. So kann jede Szene mit ihrer Farbe eine bedeutung haben, untersützen sie auch die Handlungsstränge und lassen vielleicht alles etwas einordenen.

Der Film ist wirklich gut in Szene gesetzt und der Regisseur beweisst immer wieder ein Händchen für gute Einstellungen. Dabei wird der Zuschauer aber auf die Probe gestellt. Denn immer wieder gibt es Szenen, die scheinbar nur provozieren will. Großaufnahmen von einer Vagina und einem Penis und das Sekunden lang. Andere Szen wie die Stelle wo die weibliche Figur Nekrophil wird, sind ganz anders fast schon voller Lust in Szene gesetzt und erinnert etwas an die Nekromantik Filme von Jörg Buttgereit.

Andere Szenen deuten etwas an, was dann durch den Schnitt auf die nächste Einstellung dem Zuschauer gezeigt wird, das er hier falsch lag mit dem was er dachte. Doch ein Highlight ist sicherlich, die Einstellung der Körperwärme Kamera bei der ersten Sexszene, das ist schon etwas besonderes und ist auch der Anfang für alles was danach folgt an Tabubrüchen. Dabei zeigt We Aare The Flesh aber immer wieder deutlich, das man zwar hier Szenen zeigt, die im Mainstream sicherlich selten sind aber dabei versucht er auch seine Art ein kunstfilm zu sein.

© Drop-Out CinemaeG

FAZIT:

We Are The FLesh ist sicherlich ein Film der die Meinungen der Menschen spalten wird. Für die einen ist es nur eine aneinandereihung von Tabubrüchen, für die anderen ist er viel Mehr. Der Film bietet viel Freiraum für interpretationen und am Ende ist alles anders als man denkt. So bekommt man einen kontroversenen Film geboten, der gut gemacht ist und viel Gesprächsstoff sorgen wird.

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Extrem - 7/10
8.0/10
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Handlung:

Lucian und seine Schwester Fauna suchen in einer vernichteten Stadt nach Schutz und Nahrung. Der Einsiedler Mariano besetzt eines der letzten unzerstörten Gebäude und gewährt den beiden Unterschlupf – wenn sie sich Marianos ungewöhnlichen Bedingungen fügen. Aus seinen Augen sprüht der nackte Wahnsinn, doch die Geschwister willigen ein.

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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