Suburra

Mit Suburra kommt ein italienisches Genre zurück ins Kino, was man so zuletzt in den 70ern sah.

Das italienische Genre Kino war vor allem in den 70ern geprägt von allen möglichen Filmen. Vom Giallo, zur Erotikkomödie, Komödien, Actionfilme und natürlich viele Ripoffs. Doch es gab auch andere Vertreter. Wie den Polizetti, hier sah man die Polizei bei der Arbeit, wie sie versucht Verbrecher zu Fangen. Doch gab es auch Filme, die das ganze aus der Sicht der Verbrecher erzählen oder der Opfer wie bei Die Mafia Story. Waren viele Filme ihrer Zeit voraus und immer kühl und mit Sozialkiritk erzählt. Verschwand das Genre von der Bildfläche und in den vergangenen Jahren hatte man meist Gangster/Mafia Filme aus den USA oder Yakuza Streifen aus Japan. Doch Suburra zeigt das auch Italien noch mit mischen kann.

Die Handlung von Suburra ist sehr verschachtelt und spielt über den Zeitraum von mehren Tagen. Die Ereignisse des ersten Tages haben große Auswirkungen auf das was im restlichen verlauf des Films passiert. So lernen wir alle Charaktere kennen und hier wird schon sehr deutlich, das der Streifen uns keine nette Figuren zeigt. Alle haben Probleme und Dreck am Stecken. Den Anfang macht ein Politiker, der einen Dreier auf einem Hotelzimmer hat. Doch die minderjährige Prostituierte stirbt dabei. So wird um Hilfe bei einem Mafiaclan gebeten. Dazu sehen wir Nummer 8, wie er dafür sorgt das jemand etwas unterschreibt. Dazu kommen noch weitere Figuren, wie Samurai.  Er scheint alles geplant zu haben.  Je länger der Film läuft,desto deutlich wird alles und erfährt einiges, ohne dabei etwas erklärt zu bekommen. Alles fühlt sich natürlich an.

Viele Charaktere verderben den Brei?

Wenn ein Film mit vielen Charakteren und deren Handlung daher kommt, kann es unübersichtlich werden und man verliert als Zuschauer doch das Interesse an den Figuren. Bei Suburra  ist das nicht der Fall, denn man will wissen wie es weiter geht und was mit den ganzen Personen im Film passieren. Dabei sind aber alle Figuren nicht die nettesten oder welche wo man deutlichen sagen kann: „Das ist ein guter!“ Sondern es sind Antihelden oder gar die Bösen, obwohl man hier keine genaue Grenze ziehen kann. Es gibt zwar Opfer aber alles wirkt dabei so nüchtern und kühl erzählt.

Dadurch das die Handlung von Suburra aufgeteilt wird in einzelne Tage hat man das Gefühl das man einen kurzen Einblick in die Welt des Verbrechens bekommt. Dabei geht es mit einem Pfarrer los und dann Politik. Dazu folgen dann die Gangster und ihre Clans. Dann kommen die Verbindungen und weitere Probleme. Denn die Handlung zeigt uns eine Welt, in der zwar alles wie Hochglanz Aufnahmen aussehen, es dabei aber dreckig zu geht. Denn schon die Szene mit dem Politiker und der toten Prostituierte, denn nach dem alles mit der Leiche geklärt ist. Fährt er seelenruhig nach Hause und tut so als ob nichts gewesen wär. Er ist eiskalt und berechnend wie viele Charaktere im Film.

So nimmt sich Suburra immer wieder Zeit um uns die Charaktere vor zustellen und nicht einfach hin zu werfen. Denn auch wenn es vielleicht so am Anfang wirkt. So bekommt jeder Charaktere seine eigene Geschichte, manchmal ist die länger oder etwas kürzer. Doch am Ende, weiß man was mit jemandem passiert ist und man hat nie den Überblick verloren.

© KOCH FILMS GMBH

Niemand ist sicher!

In der Welt von Suburra ist kein Charakter sicher. Denn es ist eine düstere und finstere. Schon von beginn erfährt man, das jeder sterben kann und wahrscheinlich viel werden. Es ist alles eine Frage der Zeit und damit spielt der Film auch. Denn man ist sich nie sicher, ob eine Situation nicht eskalieren kann und dann jemand stirbt. Manchmal passiert es auch einfach so. So baut sich die Spannung auf, denn als Zuschauer will man wisse wie es weiter geht und warum das passiert. So gibt es Szenen die ganz harmlos anfangen und man natürlich,weiß die Person soll bedroht werden und zur Ordnung gerufen werden. Doch dann aus dem nichts, wird eine Person getötet.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Auftragsmorde, hier in Suburra meist aus Rache. Denn alles was passiert hat einen Grund und löst meist noch mehr Gewalt aus. So das manche Figuren nur noch eins wollen: Rache! Dabei ist es interessant zu beobachten, wie man sich fühlt beim Zuschauen. Denn obwohl alle Charaktere nicht wirklich Sympathisch sind, hofft man doch für einige das sie überleben. Dabei muss man sich natürlich auch Fragen, darf ich den Charakter überhaupt mögen? Am Ende zeigt Suburra das man auch schlimme Typen mögen darf und das Anithelden von Zeit zu Zeit im Kino nötig sind.

Gewalt: Warum die Gewalt in Suburra noch mehr Gewalt auslöst.

Gewalt erzeugt immer gegen Gewalt und genau diese Spirale zeigt Suburra sehr hervorragend. Denn nicht nur haben die Tage auch Namen, wie Kapitel in einem Buch. Sondern deuten sie auch an, was passieren wird. Je weiter der Film läuft, desto näher kommen wir zur Apokalypse. Doch von Beginn an zeigt der Film sich von seiner rauen und brutalen Seite. Denn wenn Nummer 8 eine Unterschrift will, so Brennt schon das Gebäude und dem Opfer wird Gewalt angedroht mit einem Vorschlaghammer. Dieser kommt sogar noch zum Einsatz, obwohl die bedrohte Person schon zustimmte. Hier zeigt sich warum die Charaktere im Film unberechenbar sind und Gewalt meist für sie die einzige Lösung ist.

Die Gewalt ist im Film ganz natürlich und gehört zu der Welt und als Zuschauer muss man sich auf ein paar drastische Szenen gefasst machen. Dabei gibt es ein paar Szenen die expliziter sind. Dadurch das vieles sehr plötzlich passiert, ist man auch nicht immer drauf gefasst was nun folgt. Doch immer wieder entlädt sich alles in Suburra und am Ende gibt es keine Gewinner. Dafür jede menge Verlierer. Denn Gewalt ist keine Lösung, es kann immer wieder etwas passieren. So wirkt die letzte Szene im Film schon bitterböse und ist auch eine Art Befreiung für einen Charakter. Dennoch wird dieser wohl nie wieder glücklich. Denn das zeigt der Film deutlich, Glück und Freude werde von der Gewalt zerstört.

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Sozialkritik ist alles beim alten in Italien?

Schon in den 70er Jahren waren die Thriller immer sehr politisch und kritisch mit dem was in Italien vor sich ging. Da wir jetzt in einer Welt leben, wo man schneller über alles Bescheid weiß, ist natürlich klar das man einen Thriller über ein Koruptessystem drehen kann und dabei vielleicht nicht wie Der Tod trägt schwarzes Leder, doch einige Politiker davon kommen lässt, weil man nichts machen kann. Diese Hoffnungslosigkeit gibt es in Suburra zwar nicht, doch es gibt eine andere Form.

Denn noch immer sind Politiker bestechlich und haben Se, das ist das erste was man in Suburra lernt. In einer Szene die nicht nur wunderschön gefilmt ist und somit im Kontrast steht, was eigentlich passiert. Ein Politiker hat einen Dreier, dabei ist eins der Mädchen Minderjährig, was ihm aber egal ist. Hier findet man dann auch Parallelen zu Filmen wie Der Tod trägt schwarzes Leder. Auch in diesem Film gab es Politiker die Sex mit Minderjährigen hatten. In 40 Jahren hat sich nicht viel geändert in der Welt und in Italien. Was natürlich auch zeigt wie kritisch Suburra mit dem Thema umgeht und das nicht immer direkt ins Gesicht.

Leise Töne schlägt der Film in seiner Handlung kaum an, denn man wird in diesem Sumpf einfach hinein geworfen und muss nun mit erleben, wie alles den Bach runter geht. Dabei zeigt der Film aber auch immer wieder, wie sehr sich alles verändert hat und manche Charaktere nicht damit klar kommen, das sich die Zeit geändert hat und Söhne nicht so sind wie die Väter. So ist die Frage im Raum, was bedeutet der Wandel in einer Welt voller Traditionen für die Charaktere, was bringen die Veränderungen?

Schönheit trifft auf Zerstörung.

Wie bei der Handlung, zeigt auch der Anfang von Suburra was einem optisch bei dem Film erwartet. Denn auch treffen die Szenen des Dreier, welche Wunderschön gefilmt sind und zeigen dabei doch, Sex mit einer Minderjährigen und Drogenkonsum, in stilvollen Bilder. Doch als Kontrast gibt es Nummer 8 und seine Gang,wie sie einen Mann foltern und im Hintergrund brennt ein Feuer. Hier trifft Schönheit auf Zerstörung durch Schnitte. Immer wieder wird es unterbrochen und man kommt zu der Szene in dem Hotel zurück. Ist sie auch optisch Ausgangspunkt, denn es regnet und der Politiker pinkelt aus dem Fenster, high von den Drogen. Alles Festgehalten auf Hochglanz Bildern.

Der ganz Film spielt mit diesen Kontrasten, denn immer wieder tauchen sie auf. So gibt es viele Aufnahmen von Regen, der einen eine Ruhe vermittelt. Vor allem im Finale und das wird diese Ruhe immer wieder unterbrochen und man wird zurück in die Realität des Films geholt. Dazu denkt man Anfang von Suburra das es nur Nacht ist, immer nur Düster. Bis die ersten Szenen bei Tageslicht kommen.Doch die Nacht ist auch immer wieder in Neonfarben getaucht, zeigt sich doch auch den Wandel der Welt und bei den Mafiaclans.

Auch bei der Action kann der Film überzeugen, hier merkt man dann auch die Hommage an die 70er. Die Schießerei in dem Supermarkt, wirkt ruhig und realistisch. Dabei baut der Film auch Spannung auf und man hofft das ein paar Figuren überleben. So sehr ist man an diese Antihelden gebunden, selbst wenn sie nicht freundlich sind. So sind sie doch die sympathischen im Film. Was dann auch das Finale erklärt und die kleine Erlösung für den Zuschauer.

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FAZIT:

Suburra ist ein kleines Highlight des Mafia Genres, zeigt es uns die moderne Welt der italienischen Gangster. Dabei hat man aber keine Helden oder Opfer, für die man Sympathie empfinden soll. Sondern alle Figuren sind Böse oder tun um ein Problem zu lösen, nicht immer das Richtige. Dennoch sind manche Charaktere sympathisch und man fiebert mit ihnen mit. So bekommt man in 135 Minuten, eine spannende und brutale Geschichte erzählt. Die mit Kontrasten arbeitet.

  • 9/10
    Handlung - 9/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
8.5/10
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OFDb:

Handlung:

Eine minderjährige Prostituierte stirbt nach einer ausschweifenden Partynacht mit dem Parlaments-Abgeordneten Filippo Malgradi, der aus Angst vor einem öffentlichen Skandal den Vorfall zu vertuschen versucht. Besonders, weil er gerade im Begriff ist, für den mächtigen Paten „Samurai“ ein millionenschweres Bauvorhaben umzusetzen, das den Einfluss der Mafia in Rom endgültig zementieren könnte. Doch die ehrenwerte Gesellschaft hat nicht als einzige Organisation ihre schmutzigen Hände im Spiel. Hinter dem Projekt steht eine mächtige Allianz aus korrupten Staatsvertretern, überzeugten Neo-Faschisten und Würdenträgern des Vatikans. Als Malgradis Vertuschungsversuch durch eine Verkettung tragischer Umstände misslingt, ruft dies den gefürchteten Anacleti-Clan auf den Plan, der von dem Bauvorhaben erfahren hat und ebenfalls beteiligt werden möchte. Samurais filigranes Beziehungsgeflecht droht zu zerbrechen und er ist gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Eine gefährliche Spirale aus Erpressung, Korruption, Gewalt und Mord beginnt sich immer schneller zu drehen, um sich unaufhaltsam tief in das dunkle Herz von Rom zu bohren…

Bilder: © KOCH FILMS GMBH

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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