Montana Sacra – Der heilige Berg

 

Film oder Selbstfindungstrip, Der heilige Berg von Alejandro Jodorowsky ist ein Werk was man nicht so schnell vergisst.

Die 70er Jahre eine Zeit wo so einige Filme entstanden sind, die bis heute ihres Gleiches suchen. Alejandro jodorwsky schuf mit El Topo ein Film, der ein ganzes Genre begründete und auch eine Bewegung, Das Mitternachtskino aka. Midnight Movies. Filme die im Kino immer in der Spätvorstellung gezeigt wurden und sehr erfolgreich waren. Genrefilme ohne ein richtiges Genre. Sein nachfolger Film war Der heilige Berg. Mit diesem Streifen schuf Jodorowsky sein Magnus Opus. Auch ist der Film seiner Zeit weit voraus und nimmt Anleihen am Autorenkino der 60er Jahre, vor allem bei Godard. Ein Film der einen mit auf eine Reise nimmt.

Die Handlung von Der heilige Berg ist etwas, was man kaum in Worte fassen kann. Denn bis die eigentliche Handlung einsetzt, dauert es über 30 Minuten und bis dahin, spricht auch kaum jemand. So bekommt man als Zuschauer eine Figur zu sehen, die später als Dieb bezeichnet wird, welche aber aussieht wie Jesus. Dabei deuten das die Bilder und Szenen auch an. So läuft der Dieb durch eine Stadt wo verschiedene Zeitepochen aufeinandertreffen. So landet er beim Alchemisten, welcher einen Trip plant um den heiligen Berg zu finden. Dazu fehlte aber noch der Dieb und uns werden die anderen Figuren vorgestellt.  Schon ist eine Stunde vergangen und im Grunde merkt man schon, die Handlung ist eigentlich nicht so wichtig. Auch die Charaktere die man kennen lernt, alles ist nur da um da zu sein. Das wär bei jeden anderen Film etwas sehr negatives. Doch hier passt es perfekt ins Konzept.

Jesus und seine Jünger, doch der Alchemist macht aus scheiße Gold.

Der Anfang des Films macht eigentlich deutlich, schaut her die Hauptfigur ist Jesus. Denn er wird wieder geboren und wandelt durch die Welt. Wird dabei sogar als Götze dargestellt, welche er aber zerstört. Auch eine Szene mit einem Heiligen gibt es. Im Grunde bleibt einem als Zuschauer nichts anderes übrig zu denken, dass dieser Charakter Jesus ist. Doch Jodorwosky führt den Zuschauer an der Nase rum. Denn der Trip den man durch macht in Der heilige Berg, sieht etwas anderes vor. Die Figur ist nicht Jesus es ist nur ein Dieb, ein Betrüger. Aufgedeckt wird es vom Alchemisten.

Der Alchemist ist die zentrale Figur im Film und wird von Alejandro jodorowsky gespielt. Sie ist auch die erste welche wir sehen. In einer Szene die uns ein spirituelles Ritual zeigt, wo der Alchemist zwei Frauen den Kopf kahl rasiert. Er ist es aber auch, welcher uns durch den Film führt. Doch er kann noch mehr, er macht aus Scheiße Gold. Eine Metapher, eine von vielen, doch zeigt sie wie kritisch der Film ist. Was aber nicht so offensichtlich ist. Denn Jodorowsky zeigt uns in dem Film immer wieder, dinge die unlogisch sind und nicht passen. Dazu gibt es aber auch viel Sozialkritik. Andere Szenen funktionieren nur im Kontext des ganzen Films.

So versammelt der Alchemist den falschen Jesus und die anderen Begleiter. So wirkt es fasst als Jesus und seine Jünger zusammen kommen. Denn die Suche nach dem heiligen Berg ist auch eine Glaubensfrage. Denn diesen magischen Ort gibt es in jeder Region. So muss es ihn auch wirklich geben. So startet die Reise nach einer Stunde Laufzeit.

Braucht ein Film eine Handlung?

Die Handlung erzählt uns eine Geschichte und zeigt uns Figuren und hält uns 2 Stunden bei der Stange, manchmal ist die Handlung besser oder schlechter. Dennoch ist es ein Bestandteil von einem Film. Obwohl es immer wieder Filme gibt, welche die Handlung zwar nutzten aber am Ende ist sie egal. Wie bei Enter the Void. Doch davor war schon Godard, der seine Figuren immer wieder durch eine Handlung laufen lies, die manchmal auch nur da ist. Das hat man auch bei Der heilige Berg. Hier ist der Weg das Ziel und nicht was mit den Charakteren passiert.

So lebt der Film von seinen Bildern und der Reise, welche die Charaktere machen. Die werden uns zwar vorgestellt. Doch wichtig sind die Informationen nicht. Sie dienen einen anderen zweck. Sind sie doch sehr Sozialkritisch. Von Spielzeugherstellern, die Kinder auf kommende Kriege vorbereiten. Finanzminister, die ein dekadentes Leben führen und den Mord an Millionen Staatsbürgern beauftragen. Polizei, welche entmannt werden. Alles ist voller Metaphern und Kritik.

Jede Figur lernen wir kennen um am Ende fest zustellen, sie sind nun auf der Reise und all sind doch gleich. Keine Figur sticht heraus oder ist irgendwie wichtig. Alle gehören nur zu dem Alchemisten, der sie begleitet um ihnen etwas besonderes zu Zeigen um eine neue Ebene zu erreichen. Das passiert am Ende. Hier bricht der Film die vierte Wand und man fragt sich am Ende, warum das alles?

Wann ist ein Film ein Film und hat das alles eine besondere Bedeutung?

Schon am Anfang macht der Film es seinen Zuschauer nicht leicht. Mit einer Minuten langen Szenen, wo Frösche und Echsen die eroberung Mexikos nach stellen, dazu gibt es kaum Dialoge und man erlebt Bilder und Szenen, die keinen Zusammenhang haben. All das wirkt wie eine weiter Entwicklung, wie Godard es damals mit Weekend gemacht hat. Nur noch konsequenter und ohne kompromisse. Einfach einen Film zeigen,viel mehr eine Idee. Etwas mehr, etwas was unser Bewußtsein erweitern soll. Wir sollen über das was wir als Zuschauer sehen nachdenken. Doch warum oder den Sinn dahinter erfahren wir nicht.

Der heilige Berg befassst sich mit der frage nach dem Ich und was sind wir eigentlich? Die Antwort gibt es am Ende, doch es keine die man will, es ist vielleicht auch die Enttäuschung oder die ultimative Wendung. Ein simpler Trick und doch so wirkungsvoll. Denn die letzte Einstellungen verändert alles. Die knapp 110 Minuten Vorher, wirken auf einmal so, als ob man nur hoffte man bekommt etwas wie El Topo zu sehen. Doch jedes mal wenn man dachte, wie es weiter gehen wird, kommt etwas neues.

Es ist ein Film also muss es stimmen was wir sehen? Es sind nur Tricks und schnitte, die uns anlügen, eine falsche Realität zeigen, mit 24 Bilder pro Sekunde. Das will uns Der heilige Berg sagen. Da gibt es keine ultimative Wahrheit, keinen Gott. Die Reise ist zu Endehat uns aber nicht verändert, warum auch? Es ist nur ein Film. Man kann aus Scheiße halt Gold machen. Dabei wird der Film für den Zuschauer aber zu einer spirtuellen Reise, auch wenn am Ende vielleicht keine Antwort steht. Man nichts gelernt hat, dennoch findet man etwas. Die Frag ist nur: Was?

Bilder erzählen mehr als wir denken.

Nachdem man feststellt, dass Der heilige Berg zwar Handlung hat, doch die immer wieder in den Hintergrund rückt. So konzentriert sich der Film viel mehr auf seine Bilder. So erlebt man vor allem am Anfang einen unglaublichen Trip, voller surrealer Bilder,  wo man auch nicht geneigt ist heraus zu finden, was Jodorowsky uns damit sagen will. Doch schnell wird klar, vieles ist einfach nur da um Symbolhaft zu sein. Andere Szenen dagegen, sagen etwas aus und wollen uns etwas sagen. Als Zuschauer muss man filtern und mit denken oder man lässt sich von den Bildern berauschen.

Da sich Der heilige Berg beim Surrealismus bedient, wie schon die Vorgänger Filme von Jodorowsky. So ist es natürlich nicht einfach zu erfassen was man sieht. Viele Bilder sind so abstrakt und ohne Kontext, das man meinen könnte sie wären nur im Film, damit sie existieren. Dabei erzählen sie aber auch die Geschichte des Streifens. Da die aber nicht in Dialogen wieder geben wird oder nur bruchstückhaft. Muss man viel mehr auf die Bilder achten. Was natürlich im verlauf des Films immer schwerer wird. Denn der Regisseur macht es einem schwer.

Es gibt zwar Farben im Film die immer wieder vor kommen,wie das Babyblau und andere helle Farbtöne. Doch alle immer wieder in unterschiedlichen Szenen und bei verschiedenen Figuren. Auch andere Symbol tauchen auf und verschwinden wieder. Selbst die Reise über den großen Teich und dann die Prüfungen. Alles ist wie ein wilder Rausch und manches ist einfach nur da um zu schocken. Anderes wiederum nicht.

Am Ende ist es nur ein Film.

Durch den ganzen Surrealismus und die abstrakten Szenen, wird man mit vielen Bildern konfrontiert, die schocken. Auch das Blut selten rot ist im Film gehört dazu. Man wird mit dingen konfrontiert. Szenen über Religion, Sozialkritik, ja selbst eine Maschine mit der man Sex hat und das Leben zeigt. Alles bekommt man in den knapp zwei Sunden zu sehen. Alles läuft aber auf das Finale hin. Auch wenn man als Zuschauer vielleicht schon aufgegeben hat. Denn Der heilige Berg ist sehr fordernd. Am Ende bekommt man dann etwas zu sehen, etwas mutiges, was man sich bei anderen moderneren Film wünscht. Etwas Konsequentes.

So bricht der Film viele Konventionen des Filme machens, nimmt dem Zuschauer Anhaltspunkte. Zeigt dinge die keinen Sinn ergeben. Doch es ist halt nur ein Film. Das will uns Der heilige Berg klar machen. Doch dies hat natürlich auch seinen Preis. Denn zugänglich ist er nicht und als Zuschauer wird man etwas schwer haben.

FAZIT:

Der heilige Berg ist ein Meisterwerk, auch wenn man als Zuschauer in den 115 Minuten sehr viel sieht und erlebt und alle Genrekonvention ignoriert. So hat man einen Trip vor sich. Szenen die Kritik üben, andere die einfach nur abstrakt sind. Alles trifft auf eine Handlung, die am Ende aber auch egal ist.

  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 9/10
    Kamera - 9/10
9.0/10
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Handlung:

Der Dieb irrt ziellos durch eine verkommene, verdorbene Stadt. Auf der Spitze eines Turms trifft er den Alchimisten. Der Erleuchtete versammelt gerade eine Gruppe mystischer Wesen um sich. Gemeinsam mit ihnen will er sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Heiligen Berg machen, denn auf dessen Gipfel sollen neun Unsterbliche das Geheimnis des ewigen Lebens hüten. Neun mächtige Herausforderer sind vonnöten, um es mit den Hütern aufzunehmen und ihnen das Geheimnis zu entreißen. Mit dem Dieb ist die Gruppe endlich komplett…

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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