10 Cloverfield Lane

Nicht immer muss es eine Fortsetzung sein, das beweisst 10 Cloverfield Lane.

Als 2008 der Film Cloverfield in die Kinos kam, wurde das Found Footage Genre wieder verändert. Denn man sah ein Monsterfilm aus der Perspektive der Menschen die mittendrin sind. Etwas was man bei dem 2014 Godzilla auch probierte aber es nicht geschafft hat. Doch Cloverfield löste einen Hype aus, es gibt unzählige Fantheorien über das Monster und was alles damit zu tun hat. 2016 und gut acht Jahre später, tauchte ein Film aus dem Nichts aus. Die Rede ist von 10 Cloverfield Lane. Ein Streifen der keine wirkliche Fortsetzung ist, sondern im selben Universum spielt.

Die Handlung von 10 Cloverfield Lane beginnt mit Michelle die fluchtartig ihr Haus verlässt und weg fährt. Ein Anruf von ihrem Freund ignoriert sie. Doch dann passiert ein Unfall und sie wacht in einem Raum auf. Dieser gehört zu einem Bunker. Das erfährt sie von Howard, er hat ihn gebaut. Er erzählt Michelle das die Welt untergegangen ist, es gab einen Angriff und er sie gerettet hat. Doch stimmt das wirklich? Auch Emmett hat seine zweifel, obwohl er dabei war als der Angriff erfolgte. Denn Howard wird immer Paranoider und scheinbar gibt es draussen und auch im Bunker ein paar Geheimnisse.

Schnell wird bei der Handlung klar, das man als Zuschauer sehr lange das Gefühl hat, Howard erzählt das nur um Michelle besich zu behalten. Doch dann gibt es eine Wendung und man denkt er hat recht. Schnell ändert sich das wieder und man weiß nicht was man glauben soll. Ja die Handlung schafft es uns zu verwirren und das mit einfachen Mitteln. Denn es ist beklemmenden in dem Bunker, dazu kommt Howard und wie er sich entwickelt und seine Stimmungsschwankungen. Dazu ist man von Anfang auf der Seite von Michelle.

© 2016 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Kammerspiel, die Begrenzung des Raums.

Filme können uns als Zuschauer in viele Stimmungen bringen, das liegt zum Teil an der Handlung aber auch auch der Kameraführung. Denn man kann ein Raum groß oder klein Wirken lassen je nach Kamerawinkel und position. Das passiert auch bei 10 Cloverfield Lane, obwohl viele Aufnahmen im Weitwinkel gefilmt ist, fühlt sich alles eng an, was an dem Bunker liegt und das wir ihn nach und nach kennen lernen.  In diesem Mikrokosmos werden wir uns als für die nächsten 90 Minuten bewegen.

Wir lernen jeden Raum und seine Eigenarten kennen. So fühlt es sich an als ob der Bunker in 10 Cloverfield Lane auch eine Person ist. Denn wie üblich im Film ist alles wichtig was wir sehen. Hier gibt es kleine Details die wir erst nach und nach entdecken, wie die Figuren im Film. Das baut natürlich eine unglaubliche Spannung auf und die Atmosphäre ist düster und bedrückend. Wie der Bunker, das fühlt man als Zuschauer genauso, wie es die Charaktere auch müssen.

Durch die Limitierung der Umgebung und die drei Charaktere die man sieht, fokussiert sich alles auf sie. Was sie tun und denken. Dabei zeigt der Film nach der Anfänglichen betrübtheit, auch sowas wie ein paar fröhliche Momente. Das aber in einer Montage. Doch auch diese Heiterkeit endet mit einem Vorfall, der die nächste Wendung bringt. Als Zuschauer vergisst man sogar irgendwann, dass es bei 10 Cloverfield Lane um einen Film dreht der SciFi Elemente hat. Denn die wenigen Szenen im Verlauf des Films vergisst man schnell und man könnte auch glauben das gehört zu Howards plan.

Wahrheit und Lüge. Was ist mit Howard los?

Auch wenn Michelle die Hauptfigur in 10 Cloverfield Lane ist, so ist Howard doch der Charakter der Wichtig ist. Denn er ist Dreh und Angelpunkt im Bunker, ist es doch seiner und er macht die Regeln. Dabei ist seine Geschichte und was er Michelle und Emmett erzählt wichtig. Denn als Zuschauer müssen wir genauso wie die Figuren im Film abschätzen, stimmt das oder nicht. Denn nach und nach gibt es Hinweise das Howard nicht immer die Wahrheit sagt und vielleicht sogar andere Probleme hat.

Howard funktioniert als Charakter so gut, weil John Goodman ihn so überzeugend spielt. Von dem freundlichen entten Kerl, der Michelle nur gerettet hat, dabei aber wie ein Psychopath wirkt. Denn er hält sie am Anfang in dem Raum gefangen. Dabei wollte er sie nur schützen. Das wirkt nicht so glaubhaft, weil er irgendwie merkwürdig wirkt. Das liegt an dem Schauspiel von John Goodman. Immer wieder kommen neue Szenen dazu, wo er zeigt was er kann. Denn Howard wirkt bald wie eine tickende Zeitbombe. Das schafft John Goodman unglaublich gut zu spielen. So stiehlt er hier auch Mary Elizabeth Winstead die Show oder zeigt das er der Gegnerspieler ist. Vor dem man Angst haben muss.

Das interessante an Howard ist auch, das wir als Zuschauer ihn manchmal mögen, denn wie schon erwähnt, wissen wir nicht ob das was er sagt stimmt oder nicht. Dabei gibt es Wendungen die uns das zwar glauben lassen, doch bald schon kommt der nächste zweifel. Denn egal wie groß die Bedrohung draussen ist, er ist vielleicht eine viel größere im Bunker.

© 2016 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Von Found Footage zu ruhiger Kamera.

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Auch wenn 10 Cloverfield Lane keine Fortsetzung von Cloverfield ist, sondern im selben Universum spielt. So gibt es eigentlich kaum eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Filme. Natürlich nur bis zu einem bestimmten Punkt in der Handlung. Doch auch rein Optisch unterschieden sich beide Filme extrem. Cloverfield war ein Found Footage Film und spielt auch damit und man hatte viele verwackelte Bilder und alles wirkte hektisch. Doch bei 10 Cloverfield Lane wirkt alles ruhig und es gibt viele langsame Kamerafahrten und längere Einstellungen.

Genau dieses ruhige Kameraarbeit ist es auch, welche die beklemmtheit des Films unterstützt. Dazu gibt es aber auch ein paar nette Referenzen an andere Filme. Denn am Anfang des Films gibt es eine Luftaufnahme die etwas an Shining erinnert und eine der wenigen im Film ist, die uns eine weite Welt zeigen. Eine andere Anspielung ist Mary Elizabeth Winstead im Lüftungsschacht des Bunkers. Hier wollte man wohl einen kleinen Gag einbauen, denn sie spielte in Stirb Langsam 4.0 die Tochter von John Mcclane. Eine der berühmtesten Szenen aus dem ersten Stirb Langsam Film ist Bruce Willis im Lüftungsschacht.

© 2016 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

FAZIT:

10 Cloverfield Lane ist ein extrem spannender Film, der aus einer simplen Idee etwas großartiges macht. Das Thema ist zwar nicht neu, wurde super umgesetzt. Alleine die Schauspielleistung von John Goodman ist es wert den Film zuschauen. Dazu bieten die letzten 20 Minuten eine Wendung nach der anderen, die auch funktionieren, denn man rechnet irgendwann nicht mehr damit.

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 9/10
    Spannung - 9/10
  • 8/10
    Atmosphäre - 8/10
8.6/10

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Handlung:

Auf einer wenig befahrenen und spärlich beleuchteten Landstraße kommt es nachts zu einem folgenschweren Unfall. Die junge Autofahrerin Michelle verliert das Bewusstsein und kommt erst im Keller eines Bunkers wieder zu sich. Der frühere Soldat Howard behauptet, dass er ihr Leben gerettet hat, während die Menschheit durch einen nuklearen Angriff nahezu ausgelöscht worden ist.

Die wenigen Überlebenden der Katastrophe verschanzen sich seit jenem verheerenden Tag tief unter der Erde. Niemand traut sich an die Oberfläche, von der gewaltige Geräusche in das Erdreich dringen.

Doch Michelle hegt ihre Zweifel an den Geschichten, die Howard ihr zu verkaufen versucht. In Emmett, dem Dritten im Bunker, findet sie einen potentiellen Verbündeten. Gemeinsam beschließen sie einen Ausbruch aus der trügerischen Sicherheit des Bunkers, um den Fängen des immer paranoider werdenden Howard zu entkommen.

Bilder: © 2016 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

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