Babystrich im Sperrbezirk

Mit Babystrich im Sperrbezirk bekommt der Zuschauer einen deutschen Mondo geliefert an dem nichts echt ist.

In den 1980er Jahren war die Welle des Sexploitation in Deutschland am ab schwächen. Durch die VHS kam der Porno in die Wohnzimmer und im Kino wollten die Menschen andere Dinge sehen. Doch es wurden immer noch Filme  produziert, diese wurden immer reißerischer. So auch Babystrich im Sperrbezirk. Ein Film getarnt als Dokumentation. Alles was man sieht soll echt sein. Es fällt aber schnell auf, das vieles aus anderen Filmen stammt und viele Interviews wirken auch gestellt und so ist an diesem Mondo nichts echt und man bekommt eine Mogelpackung. Doch die hat es in sich.

Die Handlung dieser Pseudodokumentation dreht sich um Huren in ganz Deutschland. So wirft man einen Blick auf verschiedene Orte und was dort so alles passiert. So gibt es Interviews mit Nutten und auch Zuhältern. Dabei sieht man immer wieder Szenen von Freiern, wie sie Sex mit den Frauen haben oder auch Männer die mit anderen Männer schlafen. In den 80ern war man schon etwas aufgeschlossener gegen über Homosexuellen. Auch wenn man in Berlin noch ein Klo als Treffpunkt zeigt, was natürlich nicht so weit von der Realität entfernt ist. Hier könnte auch eins der weniger Interviews sein, welches wahrscheinlich echt ist.

Das Konzept mit Straßeninterviews und Szenen die Aufklären soll, das haben die Schulmädchen Report Filme bekannt gemacht und so nutzt man dies auch bei Babystrich im Sperrbezirk. Doch hier ist alles noch gestellter als es schon bei den Schulmädchen der Fall war. Hier versucht man den Film auch als Dokumentation zu verkaufen. Gehalten im Mondo Stil, doch ähnlich wie bei Libido Mania ist hier alles nur gestellt. Szenen aus anderen Filmen wieder verwertet. Doch als Zuschauer wird man dennoch unterhalten.

Wiederverwertung

Schon am Anfang des Films wird deutlich, man hat hier viele Szenen wieder verwertet und das manchmal ganz schlecht. So war der Cutter wohl bei der Szene in Berlin nicht der beste. Denn bevor man den Drogenstrich sieht, erblickt man kurz Katja Bienert und der geneigte Fan, weiß sofort, dass das folgende Bildmaterial aus dem Film Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo stammen. So entlarvt der Film sich schnell selbst und zeigt dem Zuschauer das es keine Dokumentation ist. Dies zieht sich durch den ganzen Film.

Hier wird deutlich, das sich Regisseur Otto Retzer durch das Archiv der Lisa Film arbeitet, so findet man auch Szenen aus Lass Jucken Kumpel wieder und anderen Filmen. Hier bekommt man quasi ein Best Of der deutschen Sexploitationsfilme geboten. Ob das nun schlecht oder gut ist. Es funktioniert, macht den Film unterhaltsam und verleiht ihn auch seinen Charm. Disqualifiziert ihn aber als ernst zu nehmende Dokumentation über das älteste Gewerbe der Welt.

Aufklärung

Da Babystrich im Sperrbezirk versucht dem Zuschauer aufzuklären über das Verhalten von Menschen die käufliche Liebe anbieten, ist wohl verständlich das man viel nackte Haut sieht oder vielleicht auch nicht. Doch wir haben es halt mit einem Sexploitationsfilm zu tun, der sich als Dokumentation tarnt. Denn wie wir wissen, ist alles wohl gestellt. Als einzige Authentisches geht wohl das Interview mit Domenica durch. Sie war wirklich eine Professionelle und erzählt wohl wirklich von ihrem Leben. Das passiert aber erst ganz am Schluß. So verdrängt man als Zuschauer auch gerne, das etwas was man im Film sieht echt sein könnte.

Die Frage ob man nach dem Film schlauer ist, kann man aus heutiger Sicht wohl kaum noch beantworten. Denn 1983 ist lange vorbei und die Zeiten haben sich geändert.  So sind Preise und verhalten der Freier sicherlich etwas anders. Obwohl manches immer noch bestand hat, wie die BDSM Spiele, die auch kurz gezeigt werden. Doch geht man nie genau darauf ein, was die perversen Freier eigentlich genau wollen. Auch sonst geht man nur oberflächlich an das Thema ran.

Am Anfang des Films werden auch immer wieder Minderjährige Damen interviewt, die vielleicht auch Anschaffen gehen, was natürlich illegal war aber auch hier ist man nah an der Realität oder war es. Jedenfalls zeigt der Film hier auch trotz das alles gestellt sein mag, die Schattenseiten des Gewerbes und auch im weiteren verlauf, versucht man Objektiv zu sein. Das gelingt erstaunlich gut, auch wenn der Film dennoch sehr reißerisch ist.

FAZIT:

Babystrich im Sperrbezrik will eine Dokumenation sein, ist am Ende aber ein Zusammenschnit aus Sexploitationsfilmen und vielleicht auch Pornos. Das alles wird zusammen gehalten von Interviews, ein paar davon dürften echt sein, viele wirken aber reichlich gestellt. So bekommt der Zuschauer einen Sexploitation geboten, der unterhält aber wenig Aufklärt.

  • 4/10
    Handlung - 4/10
  • 4/10
    Schauspiel - 4/10
  • 5/10
    Regie - 5/10
  • 6/10
    Unterhaltung - 6/10
  • 3/10
    Erotik - 3/10
4.4/10
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Hinter diesem Titel verbirgt sich der erste authentische Film-Report über das Thema “Sex in Deutschland”. Die käufliche Liebe in all ihren Spielarten wurde ausschließlich an Original- Schauplätzen zwischen St. Pauli und München, zwischen Berlin, Frankfurt und Köln gefilmt, wobei Liebesdienerinnen und -diener bereitwillig Rede und Antwort standen. Alles, was man über die geheimen erotischen Wünsche der Deutschen wissen will, erlebt man hier in dokumentarischen Bildern und knallharten Interviews, die an schonungsloser Offenheit nichts zu wünschen übrig lassen.

“Babystrich im Sperrbezirk” ist nicht irgendein Sex-Report, sondern ein authentischer Film-Bericht über das Thema Nr. 1, der kein Blatt vor den Mund nimmt und schockierende Einblicke in das Gewerbe mit dem Sex gewährt. Der Film sollte Eltern zur Warnung und Töchtern zur Abschreckung dienen, denn einmal registriert, heißt ein Leben lang gebranntmarkt! Und vom Freierlohn kann man sich viel kaufen – bloß kein Glück! “Babystrich im Sperrbezirk” lässt kein Genre des horizontalen Gewerbe aus: von der billigen Absteige bis zum exklusiven Sauna-Club, vom Homo-Bordell bis zur Peep-Show für Frauen, vom Nutten-Seminar bis zum Babystrich im Sperrbezirk, von Deutschlands “Kult-Hure” Domenica bis zur Leder-Lady im Privat-Etablissement…

 

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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