Sonatine

Sonatine

In Sonatine von Takeshi Kitano trifft der Yakuza Film auf die tiefenentspantheit eines Buddhisten.

Anfang der 90er war Takeshi Kitano zwar schon sehr bekannt, doch mehr durch seine Kunstfigur Beat Takeshi, vor allem durch die TV-Show Takeshi’s Castle. Doch er drehte schon Film, er fing 1989 mit Violent Cop an, danach folgte Bolling Point. Filme die in Japan nicht wirklich erfolgreich waren aber international sorgte er für Wirbel. Sein nächster Film Sonatine schaffte es nach Cannes auf das Filmfestival. Doch auch dieser Film hatte kaum Erfolg in seinem Entstehungsland. Sicherlich ist das japanische Kino immer etwas anders. Doch Kitano schuf mit Sonatine einen Film, der ein abgesang auf das Yakuza Genre ist, dabei verzichtet er zum größten Teil sogar auf die üblichen Stereotypen des Genres.

Die Handlung des Films wird in vielen ruhigen Bildern erzählt, in der für Takeshi Kitano typischen Art, denn es gibt kaum Dialoge im Film. Zwar spricht man aber nie wirklich viel. So erfährt man das die Yakuza Gruppe von Murakawa nach Okinawa soll um dort zu helfen. Doch diese Aktion geht schief und die Truppe versteckt sich am Stand und wartet drauf, was nun folgen wird. Zugegeben die Handlung ist nicht die Stärke von Sonatine, denn sie reicht zwar für den Film aus, doch geht sie niemals wirklich in die Tiefe. Das muss sie aber auch nicht, denn durch die Bilder und wie sich die Gang bewegt und was sie machen, bekommen alle dennoch tiefe. Doch alles wird in Bildern erzählt.

Kitano nutzt das Medium Film und erzählt die Handlung in seinen Bildern. Das alles wirkt durch die entschleunigung auf den ersten Blick sehr langsam und langweilig. Doch nach und nach entfaltet sich das Potenzial von Sonatine. Denn immer wieder blitzt die Gewalt auf und holt uns aus der Meditation zurück. Hier trifft Schönheit auf die Hässlichkeit der Realität.

Kaum Emotionen

In den Filmen von Takeshi Kitano gibt es eins immer wenig Emotionen, vor allem wenn er die Hauptrolle übernimmt. So natürlich auch bei Sonatine, sein Charakter zeigt kaum eine Regung. Sei es bei einer Schießerei, wenn andere um ihm sterben und er lautet tötet. Auch bei der wunderschönen Landschaft von Okinawa, er zeigt kaum eine Regung. Selbst bei der jungen hübschen Frau und ihren nackten Brüsten. Seine Mimik ist immer Eiskalt. Das verleiht aber den Moment in dem sein Charakter dann doch Regungen zeigt etwas besonderes. Davon gibt es ein paar im Film. Denn wenn die Yakuza Truppe sich am Strand versteckt, haben sie schon eine kindliche Freude an der Einsamkeit und lassen ihrem treiben freien lauf.

Keine Emotionen und die Ruhe des Films bewirken aber auch etwas beim Zuschauer. Denn wir sind förmlich gefangen und entspannen mit dem Film, obwohl die Handlung eher tragisch ist und dennoch haben wir wie die Figuren in Sonatine auch Spass. Das liegt natürlich daran, das die Bilder und der Schnitt hier uns immer wieder Dinge zeigen, die vielleicht nicht notwendig sind. Dennoch bringt uns das die Figuren näher. Es ist merkwürdig, wie lange es wir aushalten wenn man Minuten lang das Treiben der Charaktere beobachtet, wenn die Bilder alles ruhig erzählen um am Ende nur einen kleinen Gag zu zeigen.

Nehmen wir die Szene als Beispiel, wo sie ein Sumospiel nachstellen. Hier sehen wir wie der Ring aus Algen gelegt wird und zwei der Gruppe sich darauf vorbereiten. Dabei haben alle aber Spass und machen am Ende mit. Das ganze hätte man in einer Montage von 30 Sekunden zeigen können, hätte vielleicht sogar die selben Effekt. Doch Kitano zeigt es in vielen ruhigen Einstellungen. Dabei sind diese auch mit Musik unterlegt, welche im Film auch immer wieder fehlt.

Unterbrechung der Ruhe durch Gewalt.

Die Ruhe in Sontaine ist allgegenwärtig, so gibt es viele Szenen die keinen Soundtrack haben. Man sieht nur eine Landschaft, jemand läuft entlang oder die Gruppe hat Spass. Hier zeigt dann der Charakter von Takeshi Kitano immer wieder Emotionen. Das erste Mal lächelt er richtig, als sie so tun als würden sie Russisch Roulette spielen. In einer Szene, welche die Fantasie von Murakawa wiederspiegelt, schießt er sich in den Kopf und grinst dabei. Diese Szene steht für den ganzen Film, denn ab diesem Zeitpunkt wird aus dem eiskalten Yakuza auch ein Mensch mit Gefühlen, selbst wenn das eine Todessehnsucht ist.

Diese Ruhe und Spass im Film wird aber immer wieder unterbrochen durch die Gewalt, die uns erinnert wir sind in der Welt der Yakuza. Hier kehrt dann Murakawa auch zu seiner Emotionslosigkeit zurück, weil es notwendig ist. Dabei macht der Film aber etwas mit uns, denn uns als Zuschauer lässt die Gewalt nicht kalt, wir sind eher fassungslos über das was passiert. Denn es kann zu jeder Zeit passieren, in der einen Sekunde hat die Gruppe noch Spass, in der anderen hat einer ein Loch im Kopf und fällt zu Boden. Dabei schaut Murakawa emotionslos los, die Frau wirkt eher geschockt asber auch hier fehlen die Emotionen.

Auch der Sountrack bricht ab, wenn die Gewalt los geht, dann kommt die Ruhe und die Schüsse und Menschen Sterben. Nichts wird glorifiziert, Kitano zeigt das sterben zwar in ruhigen Bilder, doch es wirkt tragisch und langsam. Es sind Qualen die wir sehen, wenn das töten nicht zielgenau ist und Menschen gleich tot sind. Es ist aber auch der Schock den wir als Zuschauer erleben. Das zieht sich bis zum Finale hin, hier unterbricht auch wieder ein Schuß die Ruhe, die Musik und die Schönheit, welche wir in der Szene sehen.

Ruhige Bilder in einer Grausemen Welt zeigen die Schönheit.

Das die Bilder von Sonatine ruhig sind, wurde jetzt schon oft erwähnt. Es ist aber auch einer der wichtigsten Punkte des Films, denn er lebt davon. So sieht man als Zuschauer viele Landschaftsaufnahmen von Okinawa. Doch bevor wir dort landen, sehen wir eine düstere Stadt, es scheint immer nur Nacht zu sein, erst mit der Ankunft in Okinawa und der Mission die schief geht, gibt es Sonnenschein. Es scheint so als ob die Situation, für die Charaktere eher etwas erfreuliches hat, anstatt zu Bangen machen sie das beste daraus. Das zeigen uns auch die Bilder von Sonatine.

Doch noch etwas wird bei dem Film deutlich. Dadurch das wir die Schönheit der Insel sehen, merken wir auch das der Hauptcharakter damit nicht umgehen kann. Seine fehlenden Emotionen auf die Umgebung sprechen das sehr deutlich aus. Dabei kann er auch Spass haben, was uns auch viele Szenen zeigen. Doch auch diese Freude wird von der Gewalt unterbrochen. Kitano scheidet niemals weg, er zeigt immer was passiert, wie der Rest des Films auch hier in ruhigen Bildern. Da wird eine Hinrichtung von drei Menschen zu etwas absurden, weil sie sich nicht regen und die Frau die daneben steht, zeigt auch keine Emotionen.

Am eindringlichsten ist eine Szene am Strand, wenn einer der Gruppe einen Kopfschuss bekommt und wir die blutige Wunde sehen, schneidet man auf den Sand und Blut tropft auf den Boden, kurz danach fällt der Körper zu Boden. Alles wirkt wie eine Ewigkeit. Dabei sieht man die Charaktere die dabei zuschauen keine Emotionen zeigen. Es könnte der Schock sein oder es ist ihnen egal, weil sie wussten das dies passieren würde.

FAZIT:

Sonatine ist ein wunderschöner Film, der eine düstere Yakuza Geschichte in ruhigen Bildern zeigt. Hier wird der Stil von Takeshi Kitano wieder sehr deutlich, man verzichtet auf viele Dialoge und sein Charakter zeigt nur in bestimmten Szenen Emotionen. Das alles macht den Film zu einem tragisch komischen Yakuza Film, voller Gewalt.

 

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
7.8/10
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Handlung:

Murakawa ist ein perfekter Yakuza: bösartig und zu jeder Schandtat fähig. Nur hat Murakawa in letzter Zeit keine so rechte Freude mehr an seinem Beruf. So Boss Kitajima und dessen rechte Hand Takahashi müssen ihn regelrecht dazu verdonnern, mit einigen seiner Gefolgsleute nach Okinawa zu fahren, um dort einer befreundeten Yakuza-Familie in einer Fehde beizustehen.

Kaum sind sie dort angekommen, versucht man auch schon, sie umzubringen: Zuerst sterben zwei Gefolgsleute Murakawas bei einem Bombenanschlag, dann geraten die restlichen Mitglieder der Gruppe in eine Schießerei. Sie beschließen unterzutauchen.

Yakuza-Urlaub am Strand: Sie machen Blödsinn und vergnügen sich mit bizarren Spielen, Murakawa lernt die hübsche Miyuki kennen. Alles könnte gut sein. Dann jedoch erfährt Murakawa, dass der gesamte Okinawa-Ausflug allein dem Zweck diente, ihn und seine Gefolgsleute auszuschalten: Er steht Kitajima und Takahashi im Weg. Murakawa bewaffnet sich ein letztes Mal.

 

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