Ein wirklich junges Mädchen

Ein wirklich junges Mädchen

Ein wirklich junges Mädchen ist nicht nur ein Film der versucht viele Tabus zu brechen, sondern auch der Vorreiter von Feuchtgebiete.

Die 70er Jahre ein Jahrzehnt in dem viel passiert ist im Kino, kein anderes war so offenherzig und die Regisseure haben so viel probiert. Dabei entstand auch einige Filme die versucht haben Grenzen und Koventionen zu sprengen. Ein Film der dabei vielleicht etwas unterging und nie die Beachtung fand, die er vielleicht verdient hätte, war Ein wirklich junges Mädchen. Der provokante Film über das erwachsen werden und die Entdeckung der eigenen Sexualität von Regisseurin Catherine Breillat zeigte schon 1976 deutlich, das man Grenzen überschreiten kann und Filme Nymphomaniac haben sicher auch hier ihren Ursprung. Selbst parallelen zu Charlotte Roches Bestseller Feuchtgebiete lassen sich finden.

Die Handlung von Ein wirklich junges Mädchen dreht sich um Alice, sie ist 14, obwohl ihr Alter im Film nicht gesagt wird, jedenfalls in der deutschen Synchronisation, so ist die Handlung da doch eindeutiger, bis auf dem Klappentext der deutschen DVD. Jedenfalls sie verbringt ihre Sommerferien bei ihren Eltern. Sie fängt aber auch ihren Körper zu entdecken, schämt sich aber für ihn und kommt mit ihrer eigenen Sexualität nicht klar. Doch dabei hat sie dennoch Interesse und spielt immer wieder an sich rum. Dabei hat sie auch interesse für einen Jungen, der ist zwar schon über 20 aber sie will ihn haben und nutzen.

Sehr schnell wird deutlich, dass Ein wirklich junges Mädchen sehr provokant ist und Alice eine junge Frau die ungefähr weiß was sie will. Das erzählt sie uns aus dem Off, denn sie fängt an ein Tagebuch zu führen und wir hören als Zuschauer auch immer wieder ihre Gedanken, sie erzählt uns ihre Geschichte. So versucht der Film uns eine Teenagerin zu zeigen, die irgendwo zwischen Rebellion und Geilheit schwankt. Dabei kommt es aber auch vor, das andere Charaktere nie so wirklich gezeichnet werden. Sogar die Eltern sind nur Figuren zum Teil die da sind.

Provokation aber um welchen Preis?

Der Film braucht nicht lange um deutlich zu machen, das er provozieren will. Das geht los mit einem Rückblick was Alice im Internat macht. Sie sitzt auf dem Klo und pinkelt und quält damit auch ihre Freundin, sie antwortet nicht und raucht genüsslich eine. Als Zuschauer ist man also in einer Situation in der man eine Szene sieht, wo alles schmutzig ist und Ekel erregen soll. Was natürlich auch funktioniert, dazu sieht man Alice auch urinieren und dies auch in Großaufnahme, zwar kann man so auch einen Fetisch bedienen. Doch erotisch ist das ganze nicht in Szene gesetzt. Kaum eine Stelle im Film wirkt wirklich erotisch.

Nach diesem Anfang zieht Ein wirklich junges Mädchen das immer weiter durch und so spielt Alice auch mit Mensturationblut. Als Zuschauer kann man im verlauf des Films an seine Grenzen kommen. Doch das hat auch seinen Preis, währen die Bilder sehr symbolhaft sind, so ist die Handlung manchmal zu flach. Denn viele Charaktere sind nur da und man bekommt kaum eine Erklärung. Selbst die Eltern von Alice müssen darunter leiden, das sie nur da sind. Es wirkt manchmal so als wären sie nur da um da zu sein, damit man die Geilheit des Vaters auf die Tochter zeigen kann und wie sie damit spielt. Das wirkt so als ob man gerade noch Inzest andeuten will, nur damit man einen Haken machen kann auf der Checkliste der Provokationen.

So funktioniert die Provokation der Handlung zwar gut, doch das schadet im Verlauf des Films immer wieder der Geschichte und den Charakteren. Damit wird der Film zwar immer wieder sehr Surreal, doch das funktioniert auf die Dauer nicht. Man möchte dennoch mehr wissen und manches wirkt auch sehr schnell beendet, man vermeidet die Dramen, natürlich liegt das auch daran, das wir alles nur sehen wenn Alice dabei ist, doch auch dies bricht der Film ab und zu.

Alice nicht im Wunderland

Alice ist die Hauptfigur in der Geschichte und manchmal hat man das Gefühl, dass der Film auch gern wie Alice im Wunderland sein will. Dabei fällt das Outfit von Alice auf, denn sie trägt manchmal auch Blau, auch wenn es kein blaues Kleid ist, sondern mehr ein Oberteil und ein weißer Rock. In diesem Moment wirkt sie sogar Unschuldig und ist lieb und nett. Doch das kann sich immer wieder schnell ändern. So reisen wir durch ihr eigenes Wunderland. Dabei ist aber klar, hier gibt es keinen verrückten Hutmacher und auch keinen weißen Hasen der immer zu spät kommt. Das Wunderland von Alice in Ein wirklich junges Mädchen ist die Sexualität.

Die Sexualität hat viele formen im Film, nur der Sexualakt an sich, wird nie so deutlich gezeigt. Denn Alice will noch nicht, sie mag ihren Körper dafür zu wenig. Doch sie mag den Jungen, ein Konflikt der das letzte drittel des Films beschäftigt. Vorher erfahren wir viel über sie und ihren Körper und was sie mit ihm macht. Das geht los damit das sie masturbiert und dann ihren Namen an einem Spiegel im Internat schreibt. Sie führt aber auch gern mal dinge in ihre Vagina, Steine. In einer Traumsequenze sogar ein Wurm. Hier wird auch deutlich, das Feuchtgebiete von Charlotte Roche wohl einige Ideen aus dem Film übernommen hat, nur wurde es besser umgesetzt.

Im Grunde wirkt Ein wirklich junges Mädchen wie eine Fantasie Welt, denn wir wissen nicht wann es spielt. In TV  gibt es Rock ’n Roll und Pop zu hören, auch in einer Bar sitzen viele Jungs die aussehen als ob sie gleich für ein Fonzy Double Vorsprechen wollen. Es wird auch vom Krieg gesprochen, vielleicht sind wir in den 60ern, vielleicht auch in den 70ern und auf dem Land bleibt die Zeit in den 50ern stehen. Der Mode nach kann es auch alles sein. Es ist am Ende vielleicht nur ein feuchter Albtraum einer Teenagerin.

Gefilmte Provokation

Immer wieder kam es schon auf, Ein wirklich junges ädchen hat sehr viele explizite und provokante Szenen zu bieten. Das ist für ein Film von 1976 doch etwas erstaunlich, zwar verschwammen in diesem Jahrzehnt die grenzen von Sexploitation und Pornografie immer wieder. Doch dieser Film bietet einiges was doch etwas weiter geht. Wie schon erwähnt uriniert Alice in ein klo, das sieht man in Großaufnahme, eine weitere Szene ähnlichen Schlag gibt es später. Hier nutzt sie ihre Möse um den Jungen ihrer Träume zu verführen, vorher pinkelt sie noch mal. Immer wieder gibt es solche Szenen im Film, Alice nutzt viele Dinge die sie in ihre Vagina einführt. Dabei ist sie auch sehr kreativ.

Sonst bietet der Film nicht viel worüber man Sprechen kann, die Szenen die explizit sind und provozieren wollen, sind die welche herausstechen. Das ist auch der Grund warum der Film am Ende existiert. Er will provozieren, dabei aber auch die Gefühle einer jungen Frau die langsam erwachsen wird zu verdeutlichen. Denn alles ist nie so gefilmt als würde es anregend wirken, außer man steht auf bestimmte Dinge. Manche Szenen sind so deutlich, wenn Alice ein Hühnerei zerdrückt, ist das nichts anders als die Andeutung ihres ersten Eisprungs und das ihre Menstruation einsetzt.

Die gefilmte Provokation funktioniert und man denkt über das gesehen nach und versucht es zu interpretieren. Dabei sticht die eine Traumsequenze heraus, die mit einem schrillen Ton eingeleitet wird. Hier liegt Alice am Boden gefesselt mit Stacheldraht und Jim versucht einen Wurm in ihre Vagina einzuführen, am Ende ist er aber frustriert und zerstückelt ihn und legt ihn auf ihren Venushügel. Viel Spass bei der Szene zu interpretieren, ist es ihre Angst von der Entjungferung oder doch etwas anders? Vielleicht ist es auch nur eine Szene die wirklich provokant sein soll oder ist Alice im inneren noch von der Moralvorstellung ihrer Eltern gefesselt und kann nicht los lassen um frei zu sein.

FAZIT:

Ein wirklich junges Mädchen ist ein provokanter Film über das Aufblühen der Sexualität einer Teenagerin und wie sie damit umgeht. Dabei vergisst der Streifen leider immer wieder seine Charaktere zu vertiefen, so wird viel Potenzial nicht genutzt.

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 6/10
    Anspruch - 6/10
6.8/10
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Handlung:

Die 16-Jährige Alice entdeckt mit großem Interesse ihre eigene aufkeimende Sexualität. Schwankend zwischen Lust und Scham, dem Erkunden des eigenen Begehrens und dem Zurückschrecken davor, verbringt sie die Sommerferien bei ihren Eltern in der Provinz. Hier ist sie wie gefangen zwischen ihrem ordinären Vater und ihrer hysterischen Mutter. In dieser Atmosphäre scheint für Alice alles mit Sexualität zu tun zu haben…

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