Unmoralische Engel

In Unmoralische Engel erleben wir drei Frauen in drei Geschichten, in drei Zeitepochen. Doch was verbindet sie?

Walerian Borowcyzk ist einer der Skandal Regisseure der 70er Jahre, vor allem mit La Bete schuf er ein Meisterwerk der erotischen Filmkunst. Doch der polnische Regisseur drehte noch weitere Filme und versuchte die Grenzen der gängigen Konvention des Films auszuloten und zu sprengen. Dies tat er auch bei Unmoralische Engel, ähnlich wie bei seinem Unmoralische Geschichten, gibt es in dem Film Episoden. Doch bei diesem Film stehen drei Frauen im Mittelpunkt und diese sind wirklich unmoralisch. Doch was verbindet die drei Geschichten? Es ist ein Film über Moral und Sitte und zeigt die Scheinheiligkeit der Welt und Menschen. Dabei ist die Sozialkritik aber immer versteckt und auch der Umgang mit den Personen die Auftreten, vor allem in der ersten Episode.

Die Handlung von Unmoralische Engel ist aufgeteilt in drei Episoden, diese drehen sich um drei Frauen und jeder Teil spielt in einer anderen Zeitepoche. Dabei wird aber sehr deutlich, das die Frauen immer im Mittelpunkt stehen. Schon bei der ersten und längsten im Film dreht es sich um eine Bäckerstochter namens Margherita, welche den Maler Raffael den Kopf verdreht und sein Untergang sein sollte. Die zweite dreht sich um die Teenagerin Marelice und ihr Kaninchen. Doch ihre Eltern sind sadistisch veranlagt und verstehen ihre rebellische Tochter nicht. Dies hat böse Konsequenzen für alle in der Geschichte. Die letzte und dritte Episode von Unmoralische Engel dreht sich um Marie, welche entführt wird und nur ihr Hund kann sie retten.

Margherita

Die erste Geschichte von Unmoralische Engel dreht sich und Margherita, eine junge Bäckers Tochter. Sie trifft eines Tages nach dem sie sich mit ihrem Liebhaber vergnügt hat auf dem Maler Raffael und dieser ist von ihr angetan. Sofort nimmt er sie mit zu sich nach Hause und Margherita wird seine Muse. So zeichnet er sie und sie haben Sex. Sie frönen die Leidenschaft. Doch der Papst will den Vatikan neu gestalten und hier soll Raffael helfen. Er lehnt erst ab, doch durch Schulden nimmt er den Auftrag an. Margherita ist immer mit dabei und nach und nach wird deutlich was sie eigentlich treibt. Dabei ist sie Eva und die Schlange in einer Person. Das Paradies wird ihr langweilig und sie fängt an ein böses Spiel zu spielen.

Da Unmoralische Engel ein Episodenfilm ist, wird bei der ersten Episode nicht wirklich so deutlich, da sie mit knapp 50 Minuten Laufzeit auch die Längste des Films ist, wirkt es fast eher wie ein eigenständiger Spielfilm der nicht vervollständigt wurde. Denn die Handlung springt manchmal von einem Punkt zum nächsten und es fehlen Informationen. So ist die Charakterzeichnung von Margherita zwar da und was sie am Ende plant wird auch deutlich, doch die Figuren um sie herum und wie mit ihnen spielt, wird nicht so deutlich. So wünscht man sich fast das es länger geht und mehr vom  dem sieht. Denn die Grundzüge der Handlung sind wirklich gelungen.

Alleine die Sozialkritik und dem dekantismus des Vatikans im Mittelalter und die Scheinheiligkeit der Kirch wird hier sehr deutlich. Auch gibt es einige Anspielung daran das Michelangelo wahrscheinlich Schwul war. Denn in dieser Episode sieht man mehr nackte Männer als das man Margherita nackt sieht. Zwar hat sie immer etwas durchsichtiges an, doch so wirklich nackt sieht man sie nie.

Marelice

Die zweite Geschichte in Unmoralische Engel dreht sich um die Jugendliche Marelice. Ihre Geschichte spielt in Frankreich im 19. Jahrhundert. Also etwas moderner als der Vorgänger. Doch genauso Kontrovers. Denn Marelice liebt ihr Kaninchen und ist sehr rebellisch gegenüber ihrer Eltern, in der Zeit ist das sehr verwerflich. So liegt sie nackt auf der Wiese und masturbiert neben ihr Haustier. Doch die Eltern wollen das sie sich unterwirft und langsam erwachsen wird. So töten sie das Kaninchen und geben es Marelice Unwissen zum Essen. Doch sie beschließt sich zu Rächen und das auf einer sehr diabolische Art und Weise.

So Unschuldig wie Marelice am Anfang der Geschichte wirkt, ist sie nicht. Das wird sehr schnell deutlich, so Eiskalt und berechnend wie sie ihren Plan durchzieht, hat das schon etwas von einem Rachefilm in einem exotischen Setting. Hier verbaut man auch anleihen an das Rape ‘n Revenge Genre ein. So bekommt man als Zuschauer eine Rachegeschichte serviert, die es in sich hat. Denn wie die Geschichte davor ist hier das Ende auch wieder bitterböse. Dabei wird aber deutlich, das Marelice trotz ihres unschuldigen Aussehen es Faust dick hinter den Ohren hat. Hier werden auch die Charaktere besser gezeichnet und man empfinde eine tiefe unsympathie für die Eltern.Von den drei Episoden in Unmoralische Engel ist es diese die am besten funktioniert.

Auch hier würde die Handlung und Figuren einen ganzen Film hergeben, wenn man die Figuren noch mehr tiefe verleiht. Dazu zeigt man auch den Rassismus der damals geherrscht hat, obwohl hier der Schwarze nicht ganz der Böse ist, so nutzt seine Figur das Klischee doch gut aus und liefert damit eine düstere und harte Szene ab, wie er mit Marelice um geht. Dazu ist es auch eine sehr Symbolhafte Szene , welche den Schritt von der Kindheit in das Leben als Erwachsener symbolisiert, das alles mit Blut der Entjungferung, danach ist Marelice auch eine andere. Eine  Eiskalte Frau, schlimmer als vorher, alles nur für die Rache die sie plant.

Marie

Die dritte und letzte Episode von Unmoralische Engel ist auch die kürzeste. Denn Marie wird entführt und schnell von ihrem Hund gerettet. Dazwischen gibt es ein paar Szenen die aus einem Thriller entstammen können. Alles wirkt wie typisch 70er Jahre Eurokult nur sein kann. Denn die Handlung der Episode spielt in der aktuellen Zeit, also in den 70ern. Das wird schnell deutlich, Outfits, Umgebung alles wirkt typisch für das Jahrzehnt. Dabei auch die Handlung. Denn es handelt sich wie gesagt um eine Entführung.

Hier wird auch sehr deutlich, dass die Handlung nicht mehr hergibt als das was man gesehen hat. Zwar könnte man einiges ausbauen. Doch am Ende bleibt nicht viel übrig. Denn die Handlung ist dünn und reicht wirklich gerade einmal aus um die paar Minuten Spielzeit zu füllen. Auch wenn es interessant ist, das der Hund von Marie sie rettet. So wirkt es doch als ob man hier noch mal etwas provozieren will, vor allem mit der letzten Szene des Films. So kann man eine Kontroverse einbauen, die vielleicht gar keine ist. Dennoch verbindet das die Handlung von Episode zwei und drei.

Mit Marie hat man aber auch die uninteressantes der drei Frauen am Ende des Films, hier wär es vielleicht besser gewesen diese Story am Anfang von Unmoralische Engel zu packen. So endet der Film etwas schwach. Dennoch liefert auch diese Episode etwas Spannung und durch den Synthiesoundtrack ist es eine andere Richtung, als bei den zwei Geschichten davor.

Erotik und die Kamera

Walerian Borowcyk ist berühmt für seine kontroversen Filme und Kameraeinstellungen, doch bei Unmoralische Engel hält er sich etwas zurück. Zwar wirken vielen Einstellungen bei Margherita wie ein Gemälde und ihre erotische Ausstrahlung ist auch sehr deutlich. Doch hier ist er doch etwas frommer als bei anderen Filmen. Natürlich passt das auch zu der Handlung der Episode, denn sie ist die Sünde und die Unschuld in einer Person. Das wird sehr deutlich als Raffael über den Garten Eden redet und die Geschichte von Eva und der Schlange erzählt und wir auch Margherita sehen, wie sie ihren Plan vollführt und dabei auch einen Apfel isst. In Montagen sehen wir immer wieder viele Symbolhafte Bilder, die das verdeutlichen. Dazu aber auch die Kritik an der Religion. Auch ist alles mit einem Weichzeichner aufgenommen und die weichen und warmen Farben des Bildes, passen perfekt zu der Zeit.

Bei Marceline ist die Kamera ähnlich, doch alles wirkt etwas düsterer und hektischer, je weiter die Geschichte voran geht. Fängt alles ruhig an, mit längeren Einstellungen der nackten Marceline. Hier gibt es auch mehr detailierte Aufnahmen zusehen, inklusive Großaufnahmen. So wirkt diese Episode noch Kontroverse. Denn sie es auch, die Andeutung von Zoophilie zum Beispiel und natürlich auch die Rache. Die Szene im Schlachthaus mit dem hektischen Bild und die Vollführung der Rache von Marceline. Auch die Szene in der wir sehen, dass sie ihre Unschuld verloren hat und ihr Schritt voller Blut ist, verdeutlicht sehr stark die Handlung und was sie bedeutet.

Marie ist dann die Ausnahme, hier ist das Bild kühler und wirkt wie ein typischer Film aus den 70ern. Auch der Schnitt und die Kamera passen perfekt dazu. Es ist auch hier natürlich perfekt umgesetzt für die Zeit. So zeigt Unmoralische Engel, was für ein Regisseur Walerian Borowcyk ist.

FAZIT:

Unmoralische Engel von Walerian Borowcyk ist ein Film der sicherlich einige Kontroversen hervorrufen kann. Dabei besticht der Episodenfilm in den ersten zwei Episoden mit guter Handlung und einem tollen Setting, nur die letzte Geschichte ist schwach und etwas kurz. Dennoch ist es ein Film der unterhalten mag, doch durch die vielen ruhigen Bilder und die Erzählweise, kann der Streifen auch für einzige etwas zu zäh sein. Denn es ist kein simpler erotischer Film. Er zeigt drei Frauen die unterschiedlicher nicht sein können. Dennoch verbindet sie etwas und genau dieses Rätsel muss jeder für sich selber lösen.

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Erotik - 7/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
  • 6/10
    Unterhaltung - 6/10
6.8/10
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Handlung:

01 “Margherita”, die leidenschaftliche und ehrgeizige Geliebte des Malers Raffael, verdreht in dieser Parabel über Lust und Liebe Künstlern und Kirchenmännern der Renaissance den Kopf.

02 “Marelice” ist ein junges Mädchen im Fin de Siècle, dessen ganze Zuneigung und Zärtlichkeit einem weißen Kaninchen gehört – bis es ihr eines Tages brutal entrissen wird und Marelice Rache nimmt.

03 “Marie”, die smarte Frau eines reichen Pariser Galeristen, wird von einem brutalen Sex-Ritualisten entführt. Ihr Ehemann ist hilflos, aber dann rettet sie ihr treuer Hund, ein rassiger Dobermann.

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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