Alphaville

Alphaville

Mit Alphaville schuf Jean-Luc Godard ein SciFi Film Noir, der bis heute immer noch Filmemacher inspiriert.

Jean-Luc Godard ist einer der Filmemacher, die mit jedem Film sich neu erschaffen haben. Vor allem in den 60ern in seiner Hochphase drehte der französische Regisseur einen Film nach dem anderen und keiner war gleich. Dabei stellt man auch schnell Fest, das man hier mit den Genres experimentiert und so immer wieder etwas heraus kam, was neu und anders war. Dennoch erkennt man den Stil von Godard immer wieder. Auch bei Alphaville, hier trifft SciFi auf Film Noir und dabei zeigt sich das man mit einfachen Mitteln einen Film drehen kann, der in der Zukunft spielt und man kommt ohne Aufwendige Spezial Effekt daher. Es ist ein Film der durch seine Dialoge lebt aber auch die Bilder.

Die Handlung ist recht simpel und dennoch sehr komplex. Da alles wie ein typischer Film Noir aufgebaut ist und auch das Geheimagenten Kino mit einfließt. Alles in ein futuristische Setting eingebaut. Der Geheimagent Lemmy Caution, kommt getarnt als Report Ivan Johnson nach Alphaville. Sein Auftrag er soll Professor von Braun finden und auch erfahren wer der mysteriöse Nosferatu ist. Doch schon bald stellt er fest, die Stadt ist ein Ort ohne Emotionen, alles wird von dem Computer Alpha 60 kontrolliert. Dabei trifft er auf Natascha von Braun, die Tochter des Professors. Eine Reise durch die Nacht beginnt, denn scheinbar gibt es keinen Tag in Alphaville, bis zum Ende in einem kurzen Moment.

Es ist immer wieder schwer bei einem Film von Godard die Charakterentwicklung zu erklären, obwohl es bei Alphaville schon etwas einfacher ist. Vor allem bei Natascha die nach und nach auch immer mehr Emotionen zeigt. Der ganze Film wirkt dabei auch recht kühl und die Emotionlosigkeit der Charakter ist immer wieder deutlich, wenn Lemmy Caution durch die Gegend läuft und für reichlich Ärger und aufsehen sorgt und Bilder macht. Dabei aber keiner wirklich eine Regung zeigt oder wütend wird. Doch warum diese Emotionslosigkeit? Das wird nach und nach erklärt und dabei ist der Film immer wieder sehr Philosophisch.

© 2017 STUDIOCANAL GmbH.

Die Frage warum wir Emotionen brauchen?

In Alphaville geht es nicht wie in typischen SciFi Filmen zu der Zeit um eine Bedrohung von außen, von Aliens oder anderen Monstern. So um einem Computer der eine ganze Stadt kontrolliert. Dabei wird schnell deutlich, das die Dialoge im Film auch immer wieder darauf anspielen, das bestimmte Fragen und Begriffe verboten sind. Dazu die Szene im Fahrstuhl und die Etage SS, alle Menschen in der Stadt haben auch eine Nummer am Körper. Es ist also sehr deutlich, das Alphaville auch eine Parabel für den Faschismus ist und alles wird Automatisiert, sogar das Töten. Wer Emotionen zeigt wird hingerichtet, vor Publikum und um sicher zu gehen wird die Person von hübschen Frauen im Badeanzug in einem Swimmingpool abgestochen. Eine Szene die so absurd ist, das sie auch Jahre später bei Monty Phyton hätte laufen können.

Im Grunde ist es diese simple Frage nach den Emotionen und was uns zu einem Menschen macht, welche der Antrieb für den Film ist. Denn immer wieder wird darüber geredet, was Menschen aus macht und welche Dinge wir verstehen, auch warum Emotionen nicht von Bedeutung sind. Alpha 60 erklärt auch das nur die Gegenwart von Bedeutung ist. So kann man sagen, der Kampf gegen die Emotionslosigkeit ist das was Alphaville aus macht und auch den Charakter Lemmy Caution. Denn am Ende ist er es, der Natascha von Braun hilft und ihr eine andere Welt zeigt. Dabei sagt uns der Film auch wir dürfen nicht vergessen.

Schaut man sich jetzt andere Filme an die Jahrzehnte später entstand sind,findet man die Idee das Menschen keine Emotionen mehr haben und den Staat dienen immer wieder. Es ist natürlich auch aus dem Buch 1984 übernommen und in den 70ern dann auch Thema in den Hollywood SciFi Filmen. Starke Ähnlichkeiten gibt es auch bei Equilibrium. Dort ist aber Vergleich zu dem Faschismus noch deutlicher als bei Alphaville.

Was macht uns zu Menschen: die Angst vor dem Fortschritt?

Die Industrialisierung läuft unaufhaltlich fort, immer mehr Maschinen übernehmen die Arbeit von Menschen. Ein Thema was immer wieder im SciFi einhält, wie bei Terminator, wo die Maschinen die Welt übernehmen, die Angst vor dem unbekannten. Das sind alles Zutant die man auch bei Alphaville wieder findet. Denn Lemmy Caution ist der klassische Filmheld, er schießt lieber als zu Fragen. Auch wenn er immer wieder Fragen stellt, doch meist nur warum und damit die Personen verwirrt. Er ist aber auch der typische Detektiv aus einem Film Noir als ein strahlender SciFi Held. Hier war Jean-Luc Godard fortschrittlich und führte den Antihelden in das SciFi Genre ein. Denn nichts anderes ist Lemmy Caution, denn besonders Charmant ist er nicht, er ist aber wie eine Naturgewalt im Film, alle anderen wirken durch die fehlenden Emotionen deutlich unterkühlter. Er geht über Leichen um das zu bekommen was er will. Der Westernheld, der Antiheld, der neue modernen SciFi Held.

Immer wieder stellen die Dialoge im Film die Frage, was macht uns Menschlich? Was passiert wenn wir keine Emotionen haben und uns ein Computer sagt was wir tun sollen? Wir werden selbst zu Maschinen mit Nummern auf dem Körper, wir vergessen wer wir waren und was wir eigentlich wollten. Wir antworten in Phrasen, genau das tun die Menschen in Alphaville, sie antworten in Phrasen. Frauen sind nur dafür da um Männer zu dienen und zu befriedigen. Auch hier ist Lemmy Caution wieder anders und zeigt der Frau am Anfang in seinem Zimmer das er kein Interesse an ihr hat und schießt auf ein Magazin mit nackt Bildern.

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Ein Spiel mit Licht und Schatten.

Da Alphaville auch ein Film Noir ist, sieht man es auch immer sehr deutlich. Godard spielt mit dem Licht und dem Schatten immer wieder. Das geht sogar soweit,das einfach eine Glühbirne im Bild hängt und as Lichtquelle dient und Lemmy Caution sie auch mal anschubst, so das sie sich bewegt und das Licht im Raum verändert. Doch er arbeitet auch mit dem Kontrast im Film. Während Lemmy immer wieder in Grauen und hellen Sachen zu sehen ist, so trägt Natascha immer wieder dunklere Sachen. Durch den Schwarz Weiß Look des Films, welcher natürlich als Hommage an den Film Noir und dem SciFi Film der 50er Jahre gewertet werden kann, bekommt der Streifen auch einen ganz anderes aussehen. Denn man hat das Gefühl das lemmy als Detektiv durch die Stadt bei Nacht zieht und die Neonlichter grell leuchten. So vergisst man auch schnell das es eigentlich die Zukunft ist und nicht Paris.

Dadurch, dass Alphaville eigentlich ein SciFi Film sein soll, welcher in einer nicht definierten Zukunft spielt, vielleicht ist es 1998, weil man immer wieder das Jahr 1968 erwähnt und 30 Jahre später, ist es halt auch sehr auffällig, das sich Jean-Luc Godard gegen den typischen Look des Genres entschieden hat. Durch das Spiel mit dem Licht und dem Schatten entsteht etwas ganz anderes. Es erinnert alles an einem Film Noir und nicht einem SciFi Film, obwohl auch viele Dinge darauf hinweisen, welches Genres es sein soll. Doch der Kontrast und das Licht spielen eine Rolle. Denn Großteils des Films spielen bei Dunkelheit und es gibt nur wenige Szenen wo es Helligkeit gibt,die natürlich wirkt und nicht künstlich. Das verstärkt den SciFi Aspekt von Alphaville.

Paris ist die Zukunft

Anders als andere SciFi Filme setzt Alphaville auch keine aufwendige Sets und Spezial Effekte, denn man filmte einfach Paris bei Nacht. Durch die Grellen Neonfarben im Dunkeln und durch den 60er Jahre Look, der sehr futuristisch war, wirkt das ganze doch wie eine unwirkliche Zukunft. Denn auch die Gebäude mit dem Monitoren, die hier einfach Fernseher sind. Dazu kommt die Computerstimme von Alpha 60 der immer wieder Informationen gibt. Dazu das Tonstudio mit den Mikrophonen, welche Verhören und hier als Alpha 60 dienen. All das funktioniert und es wirkt nie Lachhaft. Es wirkt zwar übertrieben und absurd am Anfang. Dennoch Funktioniert es. Es zeigt aber auch das die Handlung wichtig fpr einen Film ist, denn durch die Dialoge und das verhalten der Personen wird der Film zu einem SciFi streifen.

Man erkennt dennoch das es Paris ist und das ist wohl auch gewollt, denn die Aufnahmen verstecken nichts, sondern machen es auch immer wieder deutlich. Dabei legt man aber Wert auf die Nacht. So ist das Paris in der Nacht eine Zukunft ohne Hoffnung und die Menschen scheinen gar nicht Existent zu sein. So fährt Lemmy Caution von Nord nach Süd und zurück. Die Aufteilung von Alphaville und seiner unterschiedlichen Orten, erfahren wir auch nur im Dialoge. Bei den Schauplätzen des Films, fällt es weniger auf, obwohl manche Orte luxuriöser aussehen, als andere. Am Ende ist es halt eine Zukunft, wo der Mensch der Maschine dient.

Es ist immer  noch Jean-Luc Godard

Schon mit Außer Atem schuf Jean-Luc Godard einen Film der wegweisend war, diesen Stil blieb er natürlich treu. So gibt es bei Alphaville auch viele Einstellungen und Kamerafahrten, wo andere Regisseure wahrscheinlich schneiden würden oder statt einem Cut zu machen weiter Filmen. Obwohl es bei diesem Film keine Jumpcuts gibt, so ist die Kamera doch immer wieder interessant. Lange Kameraeinstellungen und auch Bewegungen. So verfolgt die Kamera Lemmy Caution auch schon mal durch eine Hotel Lobby bis in einem Fahrstuhl. Fährt durch den Raum und dreht sich immer wieder im Kreis. All das zeigt aber auch deutlich, das man hier nicht mit den typischen rechen sollte. Alles ist etwas anders.

Es gibt auch Texteinblendungen und Bilder zu sehen, vor allem Einsteins Relativitätstheorie gibt es öfters zu sehen in manchen Szenen. So sollte man immer wieder nach E=MC² ausschau halten. Denn das kommt öfters vor, auch wenn der Film seine Theorien nie wirklich wissenschaftlich erklärt und man mehr auf die Philosophie setzt, zeigt Godard doch auch immer wieder Elemente die zum SciFi Genre passen.

Dazu spielt Godard auch mit modernen Filmtricks und es gibt gegen Ende hin immer wieder Einstellungen die das Bild im negativen zeigt, somit sehen wir Lemmy und andere aus der Sicht von Alpha 60. Auch die Verfolgungsjagd wurde mit Tempo in Szene gesetzt, was für das alter des Films und für einen Jean-Luc Godard Film doch erstaunlich ist, denn meist setzt er doch nicht auf Action.

© 2017 STUDIOCANAL GmbH.

FAZIT:

Alphaville ist ein zeitloser Klassiker des SciFi Genre ohne dabei ein echter SciFi Film zu sein. denn Jean-Luc Godard setzt hier auf Elemente aus dem Film Noir und entwickelt ein ganz anderes Genre, so kann man nicht genau definieren was der Film nun ist. Am Ende sieht man ein Stück Filmgeschichte, was darüber philosophiert was uns zu Menschen macht und warum Emotionen und die Liebe wichtig ist. Dabei ist der Film aber weder kitschig noch wirklich romantisch. Es ist einfach eine Kernaussage die man uns verdeutlichen will.

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
8.8/10

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Handlung:

Geheimagent Lemmy Caution, alias Ivan Johnson, kommt nach Alphaville, um den entführten Professor von Braun zu suchen. Dieser hat den Computer Alpha 60 entwickelt, der jede Bewegung und jeden Gedanken steuert. Auf dem Weg durch diese absurde Welt bekommt Lemmy Caution eine Gefährtin: Natascha, die Tochter des Professors.

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