Midori

Midori – The Camellia Girl (Shôjo tsubaki)

Midori – The Camellia Girl ist die Live Action Version des ero guro Manga Shôjo tsubaki von Suehiro Maruo.

Der Mangaka Suehiro Maruo schuf 1984 den ero guro Manga Shôjo tsubaki, welcher im Jahr 1993 den Anime Film Midori – Das Kamillenmädchen bekam. Im vergangenen Jahr drehte Regisseurin TORICO eine Live Action Version, die heißt international Midori – The Camellia Girl. Dabei interpretierte die Regisseurin die Vorlage etwas anders und schuff etwas neues. Denn die groteske Vorlage ist schwer in einem Film zu zeigen, ohne dabei Konventionen zu brechen und vor allem wenn man doch einen Film drehen will, der sich auch an ein Mainstreampublikum richtet. Dennoch gelingt es der Macherin ein Werk zu kreieren, welches in kurzen Szenen seiner Vorlage Tribut zollt und dabei auch immer wieder bitterböse mit Kritik an die Filmproduktion geht und uns am Ende doch eine andere Welt zeigt.

Die Handlung von Midori – The Camellia Girl dreht sich um die junge Midori, welche mit 14 nur noch mit ihrer Mutter alleine wohnte und auf der Straße Kamillenblüten verkaufte, dabei wird sie auch immer wieder sexuell belästigt. Nach dem Tod der Mutter landet sie bei einem Zirkus, der mehr einer Freakshow der 20er Jahre gleicht und sie wird dort von den Mitglieder Körper und psychisch belästigt. Sie ist das Mobbingopfer. Bis Wonder Masamitsu auftaucht, ein Magier der die Welt aller auf dem Kopf stellt und sich Hals über Kopf in Midori verliebt. Dabei wird sie aber zum Verhängnis aller.

Man merkt der Handlung von Midori – The Camellia Girl an, dass sie eine Manga Vorlage hatte. Denn die Erzählstruktur des Films ist auch immer wieder sprunghaft. Dazu auch die Charaktere und man merkt am Anfang auch immer wieder, dass da wahrscheinlich mehr ist als man zeigen konnte. Dabei nutzt die Regisseurin aber viele verschiedene Stile und springt auch durch die Genre wie ihr liebt ist. Am Ende bekommt man dann aber eine moderne Version in einer grotesken Welt verankerten Version von Die fabelhafte Welt der Amélie.

Wenn dich niemand mag im Zirkus aber du keine andere Welt mehr kennst.

Das Drama rund um Midori im Film ist sehr tragisch, vor allem am Anfang, denn hier erfahren wir alle wichtigen Dinge über sie. Das geht los, das wir erfahren das sie mit 14 schon zu dem Zirkus gekommen ist, das beginnt mit einem Radio Moderator der die Geschichte erzählt, bevor Midori auch aus dem Off das Erzählen übernimmt. Nach und nach sehen wir auch wie die Mitglieder des Zirkus sie behandeln. Der Missbrauch ist in allen Formen vorhanden. Dabei bekommt man Mitleid mit ihr und durch das Auftauchen von Wonder Masamitsu, kommt Hoffnung auf. Doch Midori – The Camellia Girl zerstört das nach und nach. Denn man zeigt uns auch eine andere Seite.

Die Welt des Films ist wie eine bunte Albtraum Welt, denn alles sieht freundlich und fröhlich aus.Doch die Charaktere sind nicht gut und alle nutzen einem nur aus. Das muss Wonder Masamitsu auch erfahren, dabei wirkt er am Anfang noch wie der Teufel, was auch an seinem Aussehen liegen mag und seiner Magie die niemand erklären kann. Dazu kommen Szenen die einem daran zweifeln lassen ob er wirklich magische Kräfte hat oder alles nur Show ist. Dabei dreht sich alles nur um Midori, sie ist der Mittelpunkt, dabei ist sie immer sehr passiv in ihrem Handeln und lässt alles immer nur geschehen. Die wenigen Momente wo sie sich wehrt, versagt sie und verursacht nur noch mehr Unheil.

Der Zirkus und seine Mitglieder wirken aber auch wie aus einer anderen Zeit, was natürlich an der Vorlage liegen mag und dass diese in den 1920er spielt. Hier merkt man auch, dass es der Versuch ist das Groteske der Vorlage in den Film zu bringen, ohne dabei aber viel Gewalt oder Sex zu zeigen. Man deutet mehr an als man sieht.

Bunt, Absurd und Grotesk

Wie schon erwähnt, die Welt von Midori – The Camellia Girl ist sehr Bunt aber auch Absurd und Grotesk. Das liegt vor allen an den Figuren und dem Anfang des Films. Was man hier zu sehen bekommt setzt zwar etwas den Ton für den Film, schwingt aber bald in ein Drama um. So ist die Einführung das Tribut an die ero guro Manga Vorlage. So lernt man die Figuren aus dem Zirkus so richtig kennen, wenn Midori nachts wach wird und einen Dreier sieht, dabei fragt der Mann ob sie nicht mit machen will. Einem Raum weiter gibt es noch eine bizarre Szene, wo zwei Männer liebe machen und einer dem anderen den Augapfel lecken will. (Fun Fact am Rande, das war vor ein paar in Japan auch ein Trend unter Teenagern und ist ein Fetisch) So lernen wir die Figuren kennen, dazu wird Midori auch von einem Armlosen vergewaltigt, der seinen Bandage nutzt um sie zu fesseln, hier kommt auch das Fantasyelement des Films zum Vorschein.

Dieser Trip wird aber immer wieder unterbrochen und taucht aus dem Nichts wieder auf. Das wird vor allem in den letzten 15 Minuten sehr deutlich, hier nimmt der Filme eine unerwartete Wendung und man denkt er steuert auf ein Happy End zu. Doch hier sieht man dann auch das wahre Gesicht von Midori und am Ende bleibt einem nichts. Dazu weiß man nicht, war das alles nur ein Traum oder hat Midori doch alles zerstört? Mit dieser Frage lässt der Film dem Zuschauer alleine. Das ist eine interessante Idee, davor gibt es Kritik an der Filmbranche und den Schauspielern. Dazu etwas Fan Hype aber hier und da ist der Film dann doch zu Brav um wirklich zu überzeugen.

Die Figuren in Midori – The Camellia Girl sind alle sehr Grotesk, selbst die Hauptfigur wirkt nicht so wirklich normal, doch die anderen sind die typischen Freaks, welche sich zur Schau stellen. Dabei sieht man aber nicht viel von den Shows, nur als Wonder Masamitsu auftaucht, sieht man etwas mehr. Doch was die Charaktere auf der Bühne machen bleibt ein Mysterium. Nur der Armlose wird mal gezeigt, er schießt mit Pfeil und Bogen und nutzt dafür seine Füße. Doch die andere Frau scheint mehr an Sex mit den anderen Männern zu sein und hilft dem Zirkusdirektor auch mal beim Nachdenken, in dem sie seine Hand zwischen ihre Beine packt.

Die Cinematographie

Optisch betrachtet hat der Film seinen ganz eignen Stil, welcher aber immer wieder zeigt, dass die Vorlage ein Manga war. Hier gibt es auch immer wieder kurze Szenen die Animiert sind. Doch auch sonst biete Midori – The Camellia Girl einige optische Highlights. Vor allem am Anfang des Streifens. Hier wird man fast mit verschiedenen Stilelmenten zugebombt. Das geht von Schattenspiel bis hin Traumsequenzen. Das schwächt im Verlauf des Films aber immer weiter ab. Auch wenn die Auftritte von Wonder Masamutsi natürlich einige Zaubertricks bieten und auch andere Dinge in der Handlung, doch hier merkt man Shôjo Tsubaki aber auch an das die Produktion nicht soviel Geld hatte und einige Effekte erkennt man leicht.

Der Film hat auch viele längere Einstellungen wo die Schauspieler agieren können und die Kamera sich langsam bewegt. Hier bekommt man dann auch gutes Schauspiel geboten. Man merkt aber auch immer wieder das er sehr typisch japanisch ist. So gibt es in den kurzen Szenen mit Nacktheit nie den Schambereich zu sehen. Dafür gibt es aber auch eine homoerotische Szene, welche aber sehr erniedrigend für den einen Charakter ist. Das wurde auch gut in Szene gesetzt und zeigt dies auch sehr deutlich.

Dazu komm die Farben im Film, er ist sehr bunt, was auch am dem Outfit von Midori liegt.Dazu aber auch die Welt, dennoch wirkt alles sehr trist. Dies liegt an der Handlung die Welt des Films. Doch rein optisch betrachtet liegt Midori – The Camellia Girl irgendwo zwischen einem Tim Burton Film und Die fabelhafte Welt der Amiéle.

FAZIT:

Midori – The Camellia Girl ist ein bunter, düsterer, obskurer, grotesker Film. Der versuch aus der ero guro Manga Vorlage einen Mainstream tauglichen Film zu machen. Das funktioniert, man bekommt eine interessante Handlung geboten und visuell gibt einige überzeugende Szenen.

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 6/10
    Unterhaltung - 6/10
7.0/10

 

OFDb.de:

There are no comments yet

Why not be the first

Kommentar verfassen

More 313 posts in FIlmkritik category
Recommended for you
P.O. Box Tinto Brass
P.O. Box Tinto Brass

Ist P.O. Box Tinto Brass pure Selbstverliebtheit oder ein erotisches Meisterwerk? Tinto Brass gehört zu...