Scorpion

Sasori – Scorpion

Sasori – Scorpion ist der Anfang einer Kultfilmreihe mit Meiko Kaji.

Die 70er Jahre war ein Jahrzehnt, was so prägend war für die Filmwelt wie kaum ein anderes. Zwar haben ein paar Regisseure davor auch immer wieder neue Stile erfunden. Doch nur in diesem war die Filmwelt im Wandel. Denn das Fernsehen wurde immer beliebter und die Menschen gingen weniger ins Kino. So wurden Filme gedreht, die mehr Gewalt und Sex zeigten und auch Regisseure durften sich mehr austoben. Einer dieser Film ist Sasori -Scorpion, ein Women in Prision Flick, nach dem Manga von Tooru Shinohara,mit Meiko Kaji in der Hauptrolle, welche schon durch Lady Snowblood berühmt wurde. Dazu singt sie auch wieder den Theme Song des Films. Dies ist auch der Anfang von einer Filmreihe rund um die Gefangene 701.

Die Handlung dreht sich um Matsu, welche unschuldig im Knast landet, von ihrem Freund betrogen und für Yakuza Machenschaften verraten, so landet sie hinter schwedischen Gardinen. Hier versucht sie zu fliehen, doch wird geschnappt. Der Gefängnisdirektor versucht sie zu brechen und auch ihr Ex-Freund setzt alles dran das sie im Knast umgebracht wird. Eine endlose Folter für Matsu beginnt. Doch ihr Wunsch nach Rache ist größer als jeder Schmerz. Die Story von Sasori – Scorpion ist typisch für das WiP Genre und dennoch macht der Film einiges anders.

Die Geschichte von Sasori – Scorpion dreht sich um Matsu und wie sie im Knast versucht zu überleben. Dabei erfahren wir auch immer mehr über ihre Vergangenheit, dabei spricht sie kaum ein Wort im Film und dennoch hinterlässt sie einen prägenden Eindruck, auch für die anderen Figuren, die immer etwas im Hintergrund bleiben. Hier funktioniert das, weil wir alle nötigen Informationen haben und es nur Nebencharaktere sind, welche meist nur kurz wichtig sind. Alle wichtigen Figuren im Film werden so gezeichnet, das man ihre Leitmotive kennt und weiß was sie wollen und das ist meist den Tod von Matsu.

Der Knast die Hölle auf Erden

Da Großteils des Films im Knast spielen, erleben wir natürlich auch viele Dinge in ihm. Interessant ist, das Sasori – Scorpion kaum den Alltag zeigt. Zwar gibt es ein paar Szenen, die zeigen wie Matsu ankommt und wie die Damen untersucht werden, dazu auch kurz beim Essen und auch in der Dusche. Doch alles gehört immer zu der Handlung, nie schweift der Film ab und zeigt uns die Damen bei ihrem Alltag. Selbst ein Würfelspiel wird hier zu einem wichtigen Punkt in der Handlung, zeigt es uns einem Nebencharakter und andere Damen, wie Böse sie doch sind.So erfährt man nichts über das Leben in dem Gefängnis. Außer es geht um die Bestrafung. Es gibt nur eine kurze Szene im Film, wo die Mädels im Erdbeerfeld sitzen und sich die Lippen rot schminken. Doch hier geht es wohl auch mehr um die Symbolik und wie böse diese Grupppe ist.

Matsu muss soviel im Film leiden, das zieht sich durch den ganzen Film, dabei bekommt sie aber auch immer wieder kurze Momente der Rache. Das wird immer wieder vorher schon angedeutet, doch die Handlung ist hier gnadenlos. Man gewinnt kaum ein Charakter lieb. Selbst Matsu ist durch ihre eiskalte Art und sturheit, zwar so Bad Ass wie es nur geht. Doch sympathisch wirkt die Figur nicht. Man versteht zwar warum sie sich rächen will und hofft auch das sie diese Rache bekommt. Doch durch die Kälte des Films wirkt alles sehr weit entfernt. Wir sind zwar als Zuschauer immer in der Handlung aber wirken doch wie ein Beobachter. So baut der Film aber auch eine Spannung auf, denn man will wissen, was als nächstes passiert, noch mehr Folter für Matsu oder endlich die Erlösung in Form von der Flucht und der Rache.

Meiko Kaji

Sie ist die den Film aus macht, Ihr Schauspiel ist es welche Matsu diese  Kälte verleiht. Denn Meiko Kaji verkörpert die junge Frau perfekt, welche unschuldig im Knast landet. Sie macht Matsu zu diesen eiskalten Racheengel. Dabei ist es natürlich auch eine Rolle die viel von ihrer fordert. Denn sie spricht nicht viel und alles wird über ihre Augen ausgesagt Die Rache, die Abneigung, den Willen nicht aufzugeben. Eigentlich fehlt nur noch eine symbolische Kreuzigung und ihr Jesus gleicher Charakter wär perfekt. Doch es ist halt diese Rolle, die auch so berühmt gemacht hat. Viel mehr wahrscheinlich Tarantino, welcher Fan von Lady Snowblood ist. Doch auch von Sasori – Scorpion, denn er nutzt den Theme Song für Kill Bill Vol.2.

Auch der Look von Kaji im Film ist so ikonisch, das er immer wieder zu sehen ist. Ihr Outfit aus dem Finale, nutzt Sion Sono auch in Love Exposure. So ist Sasori und Meiko Kaji eine große Quelle für unterschiedliche Einflüsse. Ihr Schauspiel, prägte viele Women in Prision Filme und zeigt was man alles mit Augen ausdrücken kann.

Farben und Symbolik

Was Sasori – Scorpion aus macht ist etwas nicht die Gewalt und die Nacktheit. Sondern der Look. Was Regisseur Shun’ya Itô hier erschaffen hat, ist wahre Exploitations Kunst. Denn visuell spielt der Film nur so mit Farben und Symbolen. Die Hauptfarbem im Film sind Rot und Blau. Die Kleidung der Gefangenen ist Blau, ja selbst die Handtücher und auch das Gefängnis ist immer wieder in blaues Licht getaucht. Dazu kommen aber auch andere Farben. So entsteht ein bunter Neonrausch der Lichter. Dabei hat alles aber einen Sinn. Nehmen wir die Szene in der Dusche. Hier steckt so viel Symbolik drin und das nutzen von Farben. Dazu aber auch ser experimentelle Kameraarbeit.

Die Szene in der Dusche, hier soll eigentlich ein Mädchen beschuldigt werden, doch Matsu verhindert das. Die Anführerin ist so sauer, das sie auf Matsu los geht und mit dem Kopf durch eine Glasscheibe stößt. Hier geht es zu bruch und durch die Wunden wird sie zu einem Dämonen, sie greift zu einer Scherbe und verfolgt Matsu. Dabei leuchtet ihr Gesicht grün und sie sieht aus wie ein Rachedämon aus alten japanischen Horrorfilmen. Auch scheint sie zu schweben. Am Ende kann Matsu entkommen, der Gefängnisdirektor bekommt die Glasscherbe ins Auge und die Anführerin stirbt. Diese Szene vereint alles was den Film aus macht. Alle Opfern von Matsu scheint vorher grünes Licht ins Gesicht, auch ist alles immer sehr brutal und auch blutig. Dazu die Kamera, es gibt viele Einstellungen, die man vorher so noch nie sah.

Es gibt aber noch mehr in dem Film. Als man die Defloration von Matsu zeigt, in ihrer Hintergrundgeschichte, so färbt sich das weiße Laken rot, in einem Kreis, so wie die japanische Flagge. Auch gibt es eine Szene wo sie am Boden liegt und ihr Haar bewegt sich durch Schnitte, fast Stop ’n Motion nach oben so dass es wie flammen aussieht. Ihr Gesicht wird dabei auch grün angeleuchtet und der Boden erleuchtet hell Rot wie Flammen.

Kamera, Blut und Titten.

Das besondere an Sasori – Scorpion ist auch die Kamera, wir hatten ja schon die Einstellungen, der Film hat aber noch mehr. So wirkt der Film fast wie eine Fundgrube von modernen Techniken, die jeder Regisseur mal ausprobieren will. Dabei spielt Regisseur Shun’ya Itô auch damit, das es nur ein Film ist und er an Sets dreht. Fast wie am Theater, nutzt er den Minimalismus in verschiedenen Szenen. Wenn wir mehr über Matsu erfahren, ist das wie ein Theaterstück, so dreht sich sogar eine Wand und zeigt eine andere Szene, alles in einer Einstellungen, mit Körper Double. Erst beim Schnitt ist der richtige Schauspieler wieder im Bild. Auch bei der Liebesgeschichte davor. Es gibt kein Schlafzimmer, Meiko Kaji ist nur in einem weißen Laken eingewickelt, in einem blauen Raum.

Auch das Gefängnis, hier wechselt Set mit Soundstage immer wieder ab. Der Hintergrund, der Himmel alles ist abhängig von dem was passiert. Dabei nutzt man auch die Kurosawa Schule. Denn als Matsu einzige Freundin stirbt und sie den leichnahm davon trägt. Fängt der Wind an leicht zu wehen und auch der Regen geht los. Hier nutzt man also auch die Umgebung um die Gefühle zu zeigen, denn selbst hier ist Matsu eiskalt. Vorher gibt es einen Aufstand und auch hier nutzt man wieder bestimmte Kameratechniken. So wirkt diese Szene in der Grube und der Angriff auf dem Wärter, fast wie aus einem Sam Peckinpah Film. Denn es läuft in Zeitlupe ab, die Musik und Hintergrundgeräusche verstummen, man hört nur bestimmte Dinge und dann schlägt eine Gefangene mit der Schaufel zu. Danach dauer es einem kurzen Moment und boom. Blut spritzt nur so aus dem Nacken des Wärter und der Aufstand geht los. Chaos bricht aus und die Ruhe ist vorbei.

In Sasori – Scorpion gibt es natürlich auch Nacktheit, wir sind aber in Japan. So gibt es keine Aufnahmen vom Schambereich, hier ist der Film auch der Kreativ mit seinen Aufnahmen und Einstellungen. Bei der Duschraumszene, kann man genau sehen wie die Mädels versuchen immer den Schambereich zu verdecken, so das man nichts sieht. Dafür gibt es viele Brüste. Die Gewalt im Film ist auch sehr sexuell und das von Männern und Frauen zu gleichermaßen. Hier werden auch Männer vergewaltigt und nicht nur die Frauen. Dennoch ist der Umgang mit den Insassinnen und vor allem mit Matsu sehr Menschenverachtent.

FAZIT:

Sasori – Scorpion ist der Anfang von einer Kultreihe. Der Film zeigt deutlich, das er mehr ist als der typische Women in Prision Genrefilm. Denn hier trifft Kunst auf Exploitation.Alleine die Kamera und auch das Nutzen der Farben im Film,verleihen dem Film etwas besonderes. Dazu kommt das Schauspiel von Meiko Kaji, welche die eiskalte Rächerin gibt. Sie spricht wenig und nutzt nur ihre Augen für den Ausdruck von Gefühlen. Sie verleiht der Rolle etwas besonderes.

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
7.8/10
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