Colonel Panics

Colonel Panics

Colonel Panics ist die japanische Version eines Mindfucks im Stil von Primer und Upstream Color.

In den vergangenen Jahren oder auch Jahrzehnten gab es immer wieder Filme, die dem Zuschauer verzweifeln lassen. Sei es David Lynch und seine Werke, die sehr mystisch und kryptisch sind und die Handlung immer wieder abschweift. Dann wär da noch Filme wie Primer die sehr Komplex sind und man als Zuschauer keinen Erklärbär bekommt, warum sie das machen und auch Upstream Color, ein Film der nur zeigt und nicht erklärt. Dann auch ein Bilderrausch wie Enter the Void. Alle haben eins gemein, sie erzählen zwar eine Handlung, doch als Zuschauer muss man mit denken, aufpassen beobachten und versuchen zu verstehen. Dies gilt auch für Colonel Panics, einen japanischen Film aus dem Jahr 2016. Hier wird man als Zuschauer gefordert und am Ende steht fest, man muss sich seine eigene Theorie machen.

Schon der Versuch die Handlung von Colonel Panics auf einen kleinen Nenner zu bringen und versuchen zu erklären, kann nur scheitern. Es geht um zwei Männer, welche ihre Leben leben, einer spielt in der jetzt Zeit, der andere lebt in der Zukunft. Doch beide sind irgendwie verbunden und Zeit scheint in dem Film auch nur eine Theorie zu sein. Dazu gibt es aber noch eine Frau, welche wo ein Liebescyborg ist. Schnell merkt man und der Autor an dieser Stelle auch. Versucht man Colonel Panics zu erklären, endet das in einem Konstrukt aus Dingen,die im Film passieren. Die Frage ist hier viel mehr, was ist Real und was nicht. Das wird nicht erklärt. Denn es geht auch um ein neues VR Spiel und eine Person könnte nur ein Programm sein, zwar zeigt der Film uns das nach der hälfte. Danach kommen aber weitere Mysterien auf einem zu, die geklärt werden wollen und an denen man scheitert.

Japan, Virtuelle Realität und Sex

Eins was immer wieder durch schwingt ist eine starke Sozialkritik an Japan, doch was genau gemeint ist, das muss man als Zuschauer selbst heraus finden. So kann man es deuten, das viele Menschen einfach überarbeitet sind und vielleicht nicht den Job machen, den sie gerne hätten und aufgeben wollen. Das passiert mit dem Charakter in der jetzt Zeit. Er hat einen Job als Autor, während eine alte Bekannte von der Uni, jetzt eine erfolgreiche Buchautorin ist und in Interviews, immer wieder uns den Film erzählt, jedenfalls wirkt es so, arbeitet er nur für eine Online Seite und schreibt Artikel über den Krieg und Japans Politik. Er war auch nicht auf dem Klassentreffen und muss sich nun anhören wie er doch versagt hat. Das alles bedrückt ihn. Ab  hier nimmt der Film ein paar krasse Wendungen. Doch bis dahin passiert noch viel.

Denn neben der jetzt Zeit haben wir noch die Zukunft und was die beiden Männer verbindet ist, sie Masturbieren mit Fleshlights zu unterschiedlichen Dingen. Dazu gibt es immer wieder Szenen von Sex, mit allerlei merkwürdigen Dingen, eine Szene hat einen Mann der für Japan schreit, ein andere will gewürgt werden und ins Gesicht gespuckt werden und einer kommt am Ende auf das Gesicht der Frau, es kann auch die gleiche Person gewesen sein. Charaktere verschwimmen in dem Film, genauso die verschieden Erzählebenen. So gibt es Szenen die an dem selben Ort spielen, nur passiert etwas anderes. Das Gehirn des Zuschauers versucht immer wieder Verbindungen zu finden.

Nach der hälfte des Films gibt es eine Wendung, die scheinbar alles was wir gesehen haben erklärt. Doch dies hält nur kurz an, denn es passiert immer noch mehr und als Zuschauer zweifelt man an der Realität. Denn was ist wahr und was nicht? Alles ist eine Frage wie man es sieht. Auch wird Kafka erwähnt und das könnte hier passen. Eine moderne Version einer Geschichte von Franz Kafka, alles ist verschachtelt und so absurd, das es zu dem Autor passen könnte. Es kann aber auch komplett anders sein.

Die Cinematographie von Colonel Panics

Während die Handlung von Colonel Panics den Zuschauer Kopfzerbrechen bereitet, so ist die Optik des Films wirklich gelungen. Dabei erinnert sie immer wieder, etwas an Upstream Color oder an Enter the Void. Am Anfang verfolgt die Kamera eine der Hauptfiguren von hinten, es dauert etwas bis wir ihn zu Gesicht bekommen. Danach folgen immer wieder Bilder, Digital Störungen des Bildes. Die schon andeuten, hier stimmt etwas nicht. Doch was genau, erfahren wir optisch erst nach und nach. Hier versucht Colonel Panics uns etwas zu erklären, was die Dialoge nicht tun. Doch aus funktioniert nur bedingt. Denn immer wieder lässt ein der Film auch wieder zweifeln an dem gesehen. So ist man als Zuschauer ratlos.

Irgendwann im Film sieht man auch nur noch Verpixelt und beschädigte Bildfragmenten, die sehr viel durcheinander bringen und an diesem Punkt wird klar. Alles was wir gesehen haben muss nicht Stimmen, es nicht mal klar ob alle Personen menschlich sind. Denn auch zeigt uns der Film Szenen,die alles zweifeln lassen. Zwar ist klar das eine der Frauen nur ein Cyborg ist, doch ein paar Wendungen später, ist nicht so klar ob nicht noch mehr es sind. Das alles wird uns in grellen sterilen Bildern präsentiert. Alles wirkt so fern. Dazu wirkt auch alles wie ein Fiebertraum und irgendwann ist man gefangen und am Ende sieht man eine längere Einstellung die auch nichts mehr erklärt. So wird man bei der Handlung und auch bei den Bildern alleine gelassen.

FAZIT:

Colonel Panics macht es den Zuschauer nicht einfach. Man wird mit Bildern und Details bombardiert, sieht Menschen in ihrem Alltag und man sucht eine Verbindung. Alles ist sehr kryptisch gehalten und am Ende weiß man nicht, was Realität war und was nicht. Der Film ist ein Mindfuck, dabei ist er gut gemacht und man bleibt dran und will wissen was als nächstes passiert. Dennoch ist es ein komplexer Film, wo man mit denken muss. Colonel Panics ist keine leichte Filmkost.

Colonel Panics

Movie title: Colonel Panics

Director(s): Cho Jinseok

Actor(s): Sasa Handa, Satomi Hiraguri, Suguru Minami, Tia

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  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 8/10
    Atmosphäre - 8/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
7.2/10
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