Nackt unter Kannibalen

Nackt unter Kannibalen ist ein typischer Joe D’Amato, ein Mix aus viel Erotik und etwas Horror.

Das Kannibalen Genre ist ein Subgenre des Horrorfilms, war es auch sehr kurzlebig und ein Kind der 70er Jahre und etwas Anfang der 80er. Nach dem Höhepunkt Cannibal Holocaust, war es auch schon fast wieder vorbei mit dieser Art von Film. Doch schon davor gab es ein paar Werke, welche versuchten das Publikum zu schocken. Dabei zeigte man exotische Schauplätze und brutale Morde, alles nur um zu zeigen das die Welt noch nicht so zivilisiert ist wie wir denken. Dazu gab es im italienischen Kino ein Mann, welcher gern anders sein wollte: Joe D’Amato. Ein Regisseur welcher gern Pornos gedreht hat aber auch gern mal einen Ausflug in den Exploitationfilm machte, war ja sehr beliebt. Er verband auch beides immer wieder gerne, wie bei In der Gewalt der Zombies. Auch bei Nackt unter Kannibalen liegt die Betonung auf Nackt und nicht auf Kannibalen.

Die Handlung von Nackt unter Kannibalen fängt in einer Irrenanstalt in New York an, hier arbeitet die Reporterin Emanuelle undercover für einem Bericht. Dort trifft sie auch eine Patientin, welche im Dschungel gefunden wurde. In der Klapsmühle beisst sie einer Schwester ein Stück aus der Brust raus. So wittert Emanuelle eine Story und schleicht sich ins Zimmer und befragt und befummelt sie das Mädchen und macht ein paar Fotos. Dort sieht sie ein Symbol auf ihrem Bauch, welches Emanuelle zu Mark, ein Professor in einem Museum. Er erkennt das Symbol, es gehört zu einem Stamm von Kannibalen. Am nächsten Tag brechen sie auf um im Amazonas nach dem Stamm zu suchen. Kannibalismus ist halt immer ein gutes Thema für die Zeitung.

Die Charakterentwicklung von Nackt unter Kannibalen ist nicht vorhanden, hier macht keiner eine Entwicklung durch. Viel mehr gibt es die typischen Horrorklischees, so werden die Bösen bestraft, die guten dürfen überleben und ein paar Helfer, an die sich am Ende des Films keiner mehr erinnert müssen auch dran glauben. Das alles ist in einer Softcore Handlung eingepackt, denn es geht mehr um Sex als Kannibalismus. Es ist die Albihandlung um nackte Menschen zu zeigen.

Der Dschungel, die Kannibalen und Emanuelle

Man könnte meinen Nackt unter Kannibalen zeigt eine emanzipierte junge Frau, welche sich nimmt was sie will. Doch Nackt unter Kannibalen beweist, das es immer noch eine Fantasie von Männer mit Hut und braunen Mantel ist, welche sich ins Bahnhofskino schleichen um den Film zu sehen oder für junge pubertierende Jungs, welche hier sich einen von der Palme wedeln können und danach sagen, sie haben nur ein Horrorfilm geschaut. Denn alles im Film zeigt das die Frau immer noch Hilfe braucht und der Mann der Retter ist. So ist Emanuelle an der Oberfläche, eine moderne Frau, doch im Dschungel ist sie die hilflose, welche den Mann braucht um zu überleben. Dazu die Kannibalen, welche einfach nur da sind und eine Bedrohung darstellen soll, welche auch erst im letzten drittel des Films auftaucht. Vorher hat man ein Dschungelabenteur mit Sex.

Das Finale ist echt sehr fragwürdig. Denn das Paar muss dran glauben, welches hier keine guten Absichten haben. Diamanten klauen und wohl auch Ehebruch. Wenn das mal keine fadenscheinig Moralvorstellung des Drehbuchautors war. Dazu wird dem Mann der Penis abgeschnitten und der Frau die Brüste. Das ist aber nur ein kleiner Teil, vorher werden sie auch immer so dargestellt, als planen sie die Truppe zu verraten. Man hilft sich halt nur so lange bis man am Flugzeug ist, treibt es gern mal oder mit einem anderen. Jedenfalls sind sie die Bösen im Film, denn die Kannibalen machen nur das was sie immer tun. Ihre riten einhalten und eine Frau dem Wassergott opfern. Doch bis dahin dauert es lange.

Der Film nimmt sich viel Zeit für nichts. Es gibt keine Bedrohung im Dschungel. Die Schlange die Emanuelle anfällt, ist nur dafür da um zu zeigen, das sie auch Schwach ist und der Mann sie retten muss. Wo wär der notgeile Mann hin gekommen, hätte sie sich selbst befreit.

Erotik und Effekte

Machen wir uns nicht vor, wer den Film schaut, weil er einen blutigen Kannibalen Film erwartet,wird bitter entäuscht. Denn es gibt zwar ein paar Effekte, welche auch gut gemacht sind. Doch die sind schnell gezeigt und im Vergleich mit anderen Genre vertretern, dann doch harmlos. Nackt unter Kannibalen setzt viel mehr auf die erotische Abendunterhaltung, denn schon in der Irrenanstalt, geht es los. Emanuelle befummelt das Mädchen und fingert etwas. Warum dies passiert, erklärt uns der Film nicht? Es ist vielleicht eine moderne Form der Entspannung bei der Befragung oder soll Emanuelle als nymphomanische Frau darstellen, die eine Wehrlose vergewaltigt? Es ist auf jeden fall die Fantasie eines Mannes, der hofft das so etwas passiert.

Der Film ist voller Momente von der notgeile Teenager in einem hofft, das jetzt wieder Sex kommt und er kommt auch. Das führt auch zu merkwürdigen Szenen. Denn warum müssen sich Mark und Emanuelle irgendwo in New York an einem Fluss lieben, was echt unbequem aussieht? Diese Szene existiert nur, damit man die Kulisse von New York noch mal nutzen kann. Doch jede Frau die man hofft nackt im Film zu sehen, bekommt man auch im Evaskostüm zu sehen.

Optik

Joe D’Amato ist kein schlechter Regisseur und ein paar einfälle im Film können überzeugen. So dumm wie die Szene mit Mark und Emanuelle auch ist, sie sieht gut aus, wenn beide sich lieben und im Hintergrund sieht man New York. Auch im Dschungel hat man die Natur gut eingefangen, nur sieht man deutlich das viele Tieraufnahmen eingekauft sind. Dazu ist der Schnitt manchmal sehr merkwürdig. Man schneidet schnell hin und her in einer Szene, so als ob man etwas mehr bedeutung in diese Sequenz legen will. Doch am Ende ist es einem dann auch Egal.

Auf der anderen Seite bietet Nackt unter Kannibalen auch ein paar Szenen, welche man nur mit Drogen erklären kann. Zum Beispiel: Die Szene wo Emanuelle und Isabelle im See sind und sich waschen und etwas Liebe machen, sieht man einem Affe der raucht. Er nimmt sich eine Malbero aus der Schachtel, spielt etwas mit der Zigarette und beobachtet den beiden beim Treiben zu. Also entweder hatte Joe D’Amato viel Humor und es ist eine Szene voller Metakritik, welche das Publikum wiederspiegeln soll oder man hatte einen Affen und wollte ihn in dem Film einbauen.

FAZIT:

Nackt unter Kannibalen ist ein stumpfer, zum teil langweiliger Kannibalenfilm. Hier setzt man mehr auf Erotik, als auf die Kannibalen. So bekommt man zwar viele nackte und hübsche Frauen zu sehen. Doch Horror oder eine Bedrohung gibt es im Dschungel nicht. Dazu hat der Film eine sehr fragwürdige Moral. Dennoch wird man wegen dem auch unterhalten und es gibt viel schlechtere Genrevertreter.

Movie title: Nackt unter Kannibalen

Director(s): Joe D'Amato

Actor(s): Laura Gemser, Gabriele Tinti, Nieves Navarro, Donald O'Brien, Percy Hogan, Mónica Zanchi, Annamaria Clementi, Geoffrey Copleston, Dirce Funari, Pierluigi Cervetti, Bona Bono, Maria Gabriella Mezzett

Genre: Abenteuer, Horror, Sex, Splatter

More...

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 6/10
    Schauspiel - 6/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 6/10
    Erotik - 6/10
  • 3/10
    Horror - 3/10
  • 5/10
    Unterhaltung - 5/10
5.3/10
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