Dead or alive

Dead or Alive

 

Takashi Miike startet mit Dead or Alive eine Trilogie die sich immer neu erfindet.

Takashi Miike und seine Filme, so unterschiedlich viele sind, so gibt es immer wieder Themen die er aufgreift. Jedenfalls am Anfang seiner Karriere, im späteren Verlauf ändert sich das etwas. Dennoch erkennt man immer wieder bestimmte Punkte die sich durch seine Filme ziehen. Es sind immer wieder Aussenseiter, die versuchen Fuß zu fassen oder starke Probleme mit der Gesellschaft haben. Selbst bei Ichi – The Killer findet man dies wieder. Doch bevor er den Film schuf, drehte er 1999 Dead or Alive, einen Film der auch einen Kultstatus hat und das alleine wegen den ersten sechs Minuten und dem Finale. Doch auch zwischen dem gibt es viel zu sehen und zu entdecken. Dabei spielt Miike mit den Genres und liefert einen anderen Blick auf den Gangsterfilm.

Die Handlung von Dead or Alive beginnt mit verschiedenen Personen und ein paar davon werden getötet. Bis der Cop Jojima zu einem Tatort gerufen wird. Dazu lernen wir den Gangster Ryuichi kennen, welcher chinesische Eltern hatte und sich in Japan nicht so wohl fühlt aber die Unterwelt aufmischen will. Mit seiner Bande und seinem Bruder versucht er Macht zu erlangen. Während Jojima versucht die Mordfälle aufzuklären und muss seine gescheiterte Ehe reparieren und versuchen Geld aufzutreiben für die Operation seiner Tochter.

Der Film baut seine Charaktere langsam auf und erzählt uns ihre Geschichte. Dabei geht Miike aber anders vor als Kitano, denn hier wirkt alles nicht so eiskalt und dramatisch. Auch wenn viele Dinge der Handlung sehr melancholisch wirken und auch eine traurige Stimmung haben. So schwingt immer noch etwas anderes mit. Dabei geht Dead or Alive mit seinen Charakteren gnadenlos um und es bleibt keine Zeit für Gefühle. Doch arbeitet es alles auf das finale Duell hin, welches zwar unerwartet kommt aber es kommt. Dabei agieren beide Charaktere zum größtenteils aneinander vorbei und treffen sich gerade drei mal im Film. So ist es auch kein Katz und Maus Spiel beider, es ist etwas anderes. Es geht mehr in die Richtung von Michael Manns Heat.

Die ersten sechs Minuten

Ein Anfang wie bei Dead or Alive hat man selten, denn die ersten sechs Minuten sind ein Feuerwerk von unmengen an Szenen, eine Montage aus Bildern. Schnelle Schnitte erzählen die Handlung und man hat keine Ahnung was das alles eigentlich soll. Das geht schon damit los, das Riki Takeuchi und Show Aikawa zusammen hocken und den Takt vorgeben sie zählen, 1,2..1,2,…1,2,3,4 und Dead or Alive geht los. Diese Szene bricht die vierte Wand und dinge die wir in den ersten sechs Minuten des Films sehen, werden zwar immer wieder aufgegriffen, doch viele sind einfach nur da. Dazu denkt man als Zuschauer auch das hier das Tempo des Films vorgeben wird. Doch Miike belehrt einem schnell des besseren.

Die ersten sechs Minuten von Dead or Alive sind auch voller Gewalt und Sex. Etwas was sich auch nur bedingt durch den Film ziehen wird. Es ist quasi die Einführung in die Handlung, die Vorgeschichte warum die Charaktere im Film so handeln. Es wird uns alles gezeigt was für die Handlung wichtig ist. Dabei natürlich auch etwas mehr, weil wie Figuren sehen die nie wieder auftauchen werden, weil sie tot sind und warum sie gestorben sind erfahren wir als Zuschauer nicht. Es geht wohl einen Bandenkrieg und Ryuichi will die Unterwelt übernehmen. Doch in den ersten sechs Minuten von Dead or Alive sehen wir noch etwas anderes.

Dieser Bilderausch und Tempo, zeigen die wilde Seite von Miike und des Films, denn danach ist der Zuschauer bereit für alles was folgen mag. Auch wenn das Tempo und die Geschwindigkeit danach zurück genommen werden und fast schon zu langsam ist. So ist man nicht verwundert, wenn man das Finale sieht. Sondern denkt sich, klar das musste so kommen. Natürlich wirkt es immer noch sehr absurd, doch es funktioniert.

Was sonst noch in Dead or Alive?

Nach den ersten sechs Minuten von Dead or Alive schwingt der Film um in etwas ruhigeres. Wir lernen alle wichtigen Charaktere kennen und wie sie leben. Dabei fällt asuf, dass das Thema von Freundschaft und Familie wichtig ist. Doch auch die Yakuza, Triaden und die Polizei ist immer wieder Thema. Niemals schlägt sich der Film auf eine Seite, sondern beobachtet nur in ruhigen und langsamen Bildern bekommen wir die Geschichte von Ryuichi und Jojima erzählt, welche bald zu Feinden werden, obwohl sie kaum miteinander zu tun haben. Je länger Dead or Alive läuft, desto tiefer tauchen wir in den Sumpf aus Verbrechen und Freundschaft ein.

Auch wenn der Anfang des Films sehr viel Gewalt zeigt, so sind doch ein paar der heftigsten Szenen im Film verteilt. Das geht von Tierporno drehen bis hin zum tot eines Mädchen in Pisse und scheiße, durch einen Yakuza Boss. Der Film kommt immer wieder mit solchen Szenen an, damit man den Anfang nicht vergisst. Alles ist eine Abwärtspirale in einen erbitterten Kampf, der am Ende ausgetragen wird. Dabei baut der Film das aber immer nur in Bruchstücken auf und lässt es uns dann vergessen, nur damit es mit einem Knall zurück kommt.

Immer wieder verlässt der Film auch seinen Pfad und erzählt uns etwas über die Chinesen die nach Japan gekommen sind und philosophiert etwas darüber. Das geht von Personen die weder Japaner noch Chinesen sein wollen, bis zu einem Koch in einem chinesischen Resturant so. Dazu ist Ryuichi auch Einwandererkind. All diese Charaktere sind es die Dead or Alive ausmachen und zeigen uns völlig andere Figuren, die sonst im japanischen Kino kaum beachtung finden würden, zu der Zeit als Dead or Alive entstand.

Optik

Während die ersten sechs Minuten von Dead or Alive nur so vor Tempo einem entgegen schleudert. So ist der restliche Film das komplette Gegenteil. Alles ist ruhiger und Miike nutzt viele längere Einstellungen um eine Szene zu zeigen, dazu kommt das man das nicht langsam angeht, sondern als Zuschauer ist man im Adrenalinrausch des Anfangs und dann bremst Dead or Alive auf einmal und führt seine wichtigen Charaktere ein. Alles in einem typischen Stil für die Zeit. Man merkt das Matrix die Filmwelt auch modisch die Filmwelt beeinflusst hat. Die Gangster tragen alle schwarze Sonnenbrillen und lange schwarze Mäntel. Natürlich ist das eigentlich der Stil vieler Animecharaktere.

Während die Kamera immer ruhig ist oder unkonventionelle Kameraeinstellungen zeigt, die hier wohl typisch japanisch sind. Wo anders würde man sicherlich nicht so Filmen. Dazu ist die Farbgebung auch sehr trist, wie die Gegend. Die Gruppe um Ryuichi trifft sich irgendwo im Watt bei Gräbern und feiert die Rückkehr des Bruders. Einer beobachtet das durch ein Glas und wir sehen immer wieder was er sieht. So bekommt man auch direkt Verbindung zu der Gruppe, ist der Film sonst immer entfernt von den Charakteren ist er hier doch nah dran. Ist es auch das letzte Mal das sie wirklich Spaß haben.

FAZIT:

Dead or Alive ist ein Erlebnis, nach den ersten sechs Minuten bekommt man einen ganz anderen Film zu sehen, der im Finale wieder richtig aufdreht. Im Grunde kann man Dead or Alive nicht richtig beschreiben, im Kern ist der Film ein Drama in der Yakuza und Gangsterwelt Japans. Dazu ein Polizist mit privaten Problemen. Dazu bricht der Streifen auch schon mal die vierte Wand und am Ende ist alles egal. Ein Absurdes Meisterwerk, was mit vielen heftigen Szenen startet nur im Film ab und an noch einen drauf zusetzen.

Movie title: Dead or Alive

Director(s): Takashi Miike

Actor(s): Shô Aikawa, Renji Ishibashi, Riki Takeuchi, Hitoshi Ozawa, Shingo Tsurumi, Kaoru Sugita, Susumu Terajima

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  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
8.3/10
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Handlung:

Der skrupellose Ryuichi (Riki TAKEUCHI), Sohn chinesischer Einwanderer, sucht Macht und Geld in der Unterwelt des Tokyoter Vergnügungsdistrikts Shibuya. Als Kopf einer kleinen, schlagkräftigen Gang, deren Morde und Raubüberfälle die alteingesessenen japanischen Yakuza und die chinesischen Triaden provozieren, steht er schnell im Mittelpunkt eines blutigen Bandenkrieges.Der unterbezahlte Cop Jojima (Show AIKAWA) soll in diesem Chaos der Kriminalität für Ordnung sorgen. Auch in dessen Privatleben könnte es besser laufen: Seine Frau ist ihm fremd geworden, vermutlich weil beider Tochter sterbenskrank ist. Nur noch eine teure Operation kann ihr helfen. Auch Ryuchi hat eine schwache Seite: seinen aus den USA zurückgekehrten Bruder, der erst jetzt realisiert, wie sein Auslandsstudium finanziert wurde. Der Kampf um Macht und Moral eskaliert, bis der Yakuza und der Cop sich am Ende gegenüberstehen, aber nicht mehr dieselben sind…

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