Tag

Sion Sono liefert mit Tag sein Statement zum Thema Sexismus, Misogynie und Feminismus ab.

Sion Sono gehört zu den vielseitigsten Regisseuren aus Japan, denn seine Filme sind immer sehr unterschiedlich und die Themenvielfalt ist unglaublich. Dabei geht er auch kritisch mit Themen um oder verfilmt auch mal eine Mangavorlage als Rap Musical. Genrekonventionen kennt er auch nicht. Dabei fällt auf, er macht was er will. Dabei dreht er aber viele Genrefilme und auch sein 2015 entstandener Film Tag, der in Deutschland den schönen dummen Unteritel a High School Splatter Movie bekommen hat. Denn es ist ein Film wo fast nur Frauen zu sehen sind, dabei ist es auch ein Remake der Filmreihe Riaru onigokko, welche auf dem Buch von Yûsuke Yamada basieren. Der Streifen von Sono nimmt sich nur die Geschichte als Vorbild.

Die Handlung beginnt mit Mitsuko die sich auf Klassenfahrt befindet, ihre Mitschülerinnen veranstalten auf einmal im Bus eine Kissenschlacht. Dabei verliert sie ihren Stift, als sie sich bückt um ihn aufzuheben. Werden alle ihre Mitschülerinnen getötet und nur sie ist überleben und so beginnt Mitsuko vor dem Unbekannten bösen zu fliehen. Es verfolgt sie und schon bald landet sie in einer anderen Realität und ihr Leben wird zu einem surrealen Albtraum.

Die Handlung von Tag ist sehr verworren und immer wieder ohne eine Erklärung landet Mitsuko in einer anderen Realität. Doch genau wie der Zuschauer hat sie auch keine Ahnung was eigentlich los ist. Hier zeigt sich auch die Stärke der Handlung, denn man versucht uns das was passiert zu erklären, sondern wir erleben es noch. Dennoch setzen sich einige Puzzleteile nach und nach zusammen. Am Ende wird aber auch deutlich, dass Sion Sono hier etwas mehr schaffen wollte, als einen übernatürlichen Horror Action Film. Es ist ein Statement zu bestimmten Themen. Denn die Handlung wird nur von Frauen getragen und so spielt der Regisseur auch mit dem Zuschauer.

Ist die Handlung eigentlich wichtig?

Im Verlauf des Films, wird klar das Mitsuko hier der Ursprung von dem ist was passiert. Doch warum ist das? Gibt es darauf eine logisch Antwort im Verlauf des Films? Die Antwort drauf lautet im Grunde Nein. Denn sie ist zwar die Hauptfigur und alles passiert in alternativen Realitäten wo sie immer wieder eine andere Figur verkörpert. Doch das große Ganze ist etwas anderes. Denn Regisseur Sion Sono hat mit der Figur mehr vor, sie ist eher Sinnbild für viele Charaktere in Filmen, Videospielen, Animes oder Mangas. Dabei ist ihr Trip und was sie erlebt eigentlich nur ein Teil von dem was wir am Ende erfahren. Doch macht es manchmal wenig Sinn. Es ist viel mehr ein Aufzeigen von gängigen Genrekonventionen und Stereotypen.

Am Ende fragt man sich als Zuschauer, warum sah ich dies jetzt eigentlich. So ist der Film und die Handlung oberflächig betrachtet sehr nichts sagend. Denn Tag ist voller surrealer Szenen. Die ganze Handlung erinnert an einem David Lynch Film. Dazu sehen wir das Böse nie, es wird am Ende zwar in einer Person manifestiert, doch auch diese steht für etwas. So wird man als Zuschauer wohl etwas weniger Spass haben, wenn man vielleicht dachte, man bekommt einen Partysplatter Film geboten. Denn der Film wurde durch ein paar Youtube Videos berühmt, die den Anfang zeigen. Hier wird halt ein Bus voller Mädchen in zwei geteilt, das wirkt auf sich alleine gestellt, natürlich sehr blutig und merkwürdig. So will man wissen warum das alles passiert.

Die Auflösung am Ende ist banal und was Mitsuko macht ist wenn man den ganzen Grund für alles kennt auch sehr fragwürdig. Denn könnte es falschen Ausweg für die betroffenen Person liefern, die so etwas in Echt erleben. Natürlich ist hier nicht die Rede von der eigentlichen Handlung, sondern von für das wofür sie steht.

Ein Fingerzeig gegen Sexsismus und Misogynie in der modernen Welt.

Ihr kennt ihn sicherlich alle den berühmten deutschen Komiker, welcher auf der Bühne steht und immer wieder “Kennste?” sagt. Er ist das beste beispiel für Sexismus und Misogynie in der Popkultur. Er reduziert Frauen auf bestimmte Stereotypen und macht sich über sie lustig. Millionen von Menschen lachen darüber, viele beschweren sich auch über ihn und finden das nicht lustig. In Film Tag spielen diese beiden Themen auch eine wichtige Rolle. Denn Mitsuko ist der Spielball von Männern, das wird am Ende deutlich. Im Verlauf von Tag wird das auch bei den Bildern deutlich, immer wieder rennt sie davon und kämpft gegen etwas unsichtbares. Etwas was eigentlich gar nicht da ist oder da sein sollte. Sie wird dabei auch immer wieder zu einem Lustobjekt. Wenn der Wind aufeinmal ihren Rock hoch weht und der Zuschauer ihr Höschen sehen kann. Ein berühmter fetisch in Japan. Der sehr oft auch in Animes und Mangas vor kommt.

Der Film ist eine provokation, denn er zeigt das was er anprangert. Er nutzt die Stereotypen für sich. Sehr deutlich wird dies bei der Szene der Hochzeit, wenn die Gäste durchdrehen. Der Ehemann von Mitsuko ein Typ mit Schweinemaske ist. Die ganzen Damen im Raum anfangen sich zu entkleiden und sie bedrägen. Der angeblich schönste Tag im Leben einer Frau, wird zum puren Horror, was er ja auch ist. Alle reden über ein und lässteren noch mehr. Man wird in eine Rolle gezwängt und dann sind alle lüstern und scharf. Das ausziehen ist die Lust, die Frauen nun empfinden sollen. Denn nach manchen religiösen Weltbildern, dürfen sich Mann und Frau nach der Hochzeit endlich vereinen und ficken.

Doch Mitsuko als Braut will das nicht und fängt ein Massaker an und wehrt sich, was in einem blutigen Kampf endet. Dazu tauchen hier auch wieder Figuren auf, die schon in einer anderen Realität zu sehen waren und auch hier sind sie Böse. Der Film hat sehr viele dieser Motive, wie eine Frau sein und immer wieder wird Mitsuko in diese Rolle gepresst. Sie versucht aber immer zu entkommen. Der letzte Ausweg im Film, ist darum etwas fragwürdig aber für die Handlung sehr passend.

Optik

Man merkt deutlich den Film an, dass hier Sion Sono am Werk war. Denn Tag hat eine tolle Kameraführung und einstellungen. Je länger der Film läuft, desto verträumter werden manche Aufnahmen und manche am Ende auch sinn. Denn das Thema der Kissenschlacht und die weißen Federn sind immer wieder Thema. Am Ende färben sie sich aber Rot, denn ist es wohl ein Sinnbild für die Unschuld. Doch auch die veränderung von Mistuko in den anderen Realitäten wird interessant eingeführt. Denn immer wieder blickt sie in einem Spiegel und erkennt sich selbst nicht mehr. Denn sieht sie anders aus. Immer wieder zeigt uns Sono sie auch beim rennen und die Kamera verfolgt sie.

Die Kamera fliegt auch immer wieder über sie oder hinter ihr her. In diesen Momenten ist die Kamera in Tag sehr subjektiv, denn man nimmt die sicht des Bösen ein ohne es zu sehen. Es verfolgt sie und es scheint kein entkommen zu sein. Diese Aufnahmen gibt es in fast jeder Realität zu sehen, doch am Anfang sind sie am Stärksten und immer wieder wenn die Handlung einer Welt fast abgeschlossen ist, es ist immer wieder Höhepunkt des ganzen. Was die Andeutung das es vielleicht nur ein Videopsiel ist, sehr verstärkt. Es könnte aber auch ein 3D Film in der Zukunft sein. Denn in dieser alternativen Version, ist es auch das erste Mal das Männer auftauchen. Ein Plakt zeigt sie und ein Mann steht davor, es wirkt so als würde er masturbieren.

Es sind aber auch die Szenen in Tag, wo man einfach die Höschen der Mädchen sieht oder die Kameraeinstellung so ist, das man unter dem Rock von Mistuko schauen kann. Hier fragt man sich, ist es wirklich Provokation oder gewollt. Am Ende will Sion Sono zeigen wie wir Männer ticken und was dem Zuschauer anmacht. Er spielt damit und bricht es auch wieder. Denn auf der anderen Seite zeigt der Film viele brutale Stellen und dann wechselt er zu verträumten Szenen die eine Ruhe und friedlichkeit ausstrahlen.

FAZIT:

Tag ist ein Film der Aufzeigen will, wie man in der modernen Welt, vor allem in Japan mit jungen Frauen umgeht und wie sie unterdrückt werde und als Sexobjekt angesehen werden. Dabei nutzt Sion Sono auch genau dies um zu Provozieren. Am Ende ist der Film ein surrealer Trip in einer Welt voller Frauen wo es kaum Männer gibt, die wenigen Männer sind das Böse und manchen die Frau zum Spielball. Als Zuschauer bekommt man einen wunderschönen gefilmten Film zu Gesicht.

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 6/10
    Effekte - 6/10
  • 6/10
    Unterhaltung - 6/10
  • 7/10
    Anspruch - 7/10
7.0/10
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Handlung:

Ein Bus voll mit Schulmädchen wird Teil eines schrecklichen Massakers: Eine mysteriöse Windböe schneidet den Bus durch und tötet dabei alle Mädchen außer der jungen Mitsuko. Diese flieht vor der unheimlichen Macht, nur um sich kurz darauf in einer Zeitschleife wiederzufinden, in der ihre Freundinnen noch am Leben sind. Ein erneutes Massaker zwingt Mitsuko jedoch wieder zur Flucht und ihr wird bewusst, dass sich dies alles um sie zu drehen scheint…

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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