Jess Franco verfilmt mit Mädchen für intime Stunden seine Version des Romans von Octave Mirbeau, natürlich mit Lina Romay.

Die 70er Jahre und Jess Franco, in diesem Jahrzehnt hat der Spanier wahrscheinlich die meisten seiner 200 Filme gedreht. Der Mann der das Filme machen liebte und immer noch verschrien wird als Schund Regisseur, zeigte in vielen seiner Werke, was für ein Talent er hatte. Wahrscheinlich 1974 dreht er den Film Mädchen für intime Stunden. Dabei beruht der Streifen auf den Roman Le Journal d’une femme de chambre (Tagebuch einer Kammerjungfer/Tagebuch einer Kammerzofe) von Octave Mirbeau. In der Hauptrolle ist seine Lebensgefährtin und Muse Lina Romay zu sehen. Natürlich ist das alles viel mehr Frei nach dem Autor und dabei entstand eine erotische Komödie, die das Talent von Frau Romay nutzte. Es ist aber auch ein Film, welcher perfekt in die Zeit passt und ab und an etwas an die Werke von Walerian Borowczyk erinnert.

Die Handlung von Mädchen für intime Stunden beginnt in einem Bordell, die Polizei macht eine Razzia und Celestine und ihre Freundin können gerade noch so fliehen. Sie trennen sich, Celestine landet auf einem Anwesen und dort trifft sie auf Sebastian, dem Gärtner. Der natürlich erstmal eine schnelle Nummer mit ihr schiebt, doch ihr dann Helfen will, wie andere im dem Haus danach auch noch. So wird sie die Kammerzofe des Hauses und erlebt so einige Abenteuer, denn scheinbar sind alle sehr besessen von Sex und wollen immer nur mit Celestine, egal ob Mann oder Frau.

Man merkt Mädchen für intime Stunden an, das hier Jess Franco auf der Welle der beliebten erotischen Filmen mit schwimmt.  Obwohl er ja immer viel nackte Haut in seinen Filmen hatte, ist dieser Film etwas anders. Er wirkt mehr wie ein Kostümstück und er versucht an den französischen Stil, was natürlich etwas leichter und frivoler ist, als seine Aufnahmen die man sonst kennt. Die Handlung selber ist typisch für die Zeit und erinnert an viele andere Filme, auch wenn es wohl auf einem Buch basierte.

Ein Mädchen für alle.

Man kennt es ja, die Handlung wo ein Mädchen in einem Haushalt kommt und alles durch einander bringt. Das ist typische Komödienhandlung und wird oft genutzt. Manchmal wechselt auch die Rolle und es ist ein Mann. Bei Mädchen für intime Stunden ist es genauso. Celestine ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, alles dreht sich um sie. Daraus baut man dann die Handlung, wo wir die anderen Charaktere kennenlernen. Da ist alles dabei. Es ist fast schon ein Aufzeigen, was die feine Gesellschaft hinter verschlossenen Türen gemacht hat. Hier ist jeder durchtrieben und will es mit der wunderschönen Celestine treiben.

Es fällt auch auf, das Celestine sich gern allen Männern und Frauen hingibt. Denn scheinbar kennt sie nichts anders. Das wird auch in einem Dialoge sehr verständlich. Hier gesteht ihr jemand seine Liebe und sie sagt, sowas hat sie noch nie gehört. Sie ist es gewohnt das alle sie nur für Sex benutzten und es das ist was sie auch will. Sie will die beste geliebte von allen sein. Keine Romantisierung der Hure, kein verschobener Blick auf die Liebe. Es geht einfach um Sex und wie sich zwei Menschen vereinen. So merkt man es auch. Dabei gibt Celestine auch die Lehrmeisterin in Sache liebe und alles ist so locker flockig leicht erzählt, das die Zeit nur so verfliegt.

Dabei schafft es Franco bei Mädchen für intime Stunden auch die Charaktere gut zu zeichnen, wir lernen alle gut kennen und erfahren mehr über sie. Wie über Sebastian den Gärtner, der immer viel zu schnell kommt und eine Ehefrau hat, die auch gern mal will aber sehr eifersüchtig ist. Der Sohn des Grafen, der einen großen Penis hat aber noch keine Ahnung wie er ihn einsetzen soll. Seine Cousine, welche verliebt in ihn ist aber sehr fromm erzogen wurde. Alle treffen auf Celestine und sie verändert ihr Leben.

Humor

Den Witz in Mädchen für intime Stunden muss man schon etwas suchen. Es ist keine verlacht Komödie und auch der Situationshumor kommt immer wieder etwas zu kurz. Viel mehr will der Film unterhalten mit seiner leichten Handlung. Zwar gibt es natürlich auch ein paar dramatische Szenen, doch diese sind nur notwendig um ein paar Charaktere mehr tiefe zu verleihen. Dabei hat der Film vor allem in der deutschen Synchronisation erstaunlich viel Over Acting, was die Schauspieler gar nicht machen. Das fällt vor allem bei Lina Romay auf, ihre deutsche Stimme übertreibt viel mehr als ihr Schauspiel. Das ist natürlich etwas unfreiwillig komisch, wenn man genau drauf achtet. Auch gibt es ein paar Filmfehler. So schleicht sich Celestine morgens weg, immer wieder ist dabei ihr Haar offen oder zusammen gebunden.

Dennoch bietet Mädchen für intime Stunden ein paar wirklich lustige Szenen. Eine Davon dreht sich, wie sollte es auch anders sein, um Celestine. Jeder möchte mit ihr eine Nummer schieben. Doch immer wieder klopft es an der Tür und ein andere kommt der auch dies möchtet. So versteckt sie alle irgendwo im Zimmer. Es ist schon beachtlich, wie Franco es schafft diese doch so lange Szene zu drehen und dabei den Humor zu behalten. Das ganze ist wirklich sehr unterhaltsam und alle Schauspieler geben ihr bestes. Howard Vernon auf richtig alt geschminkter Opa ist eh ein Highlight, er kann nicht mehr aber möchte dennoch trotzdem. So muss Celestime ihn immer erotische Literatur vorlesen.

Erotik

Anders als die deutschen erotischen Filme aus den 70ern, hat Mädchen für intime Stunden ein paar wirkliche erotische Szenen, was natürlich vor allem an Lina Romay liegt, welche hier wirklich zeigt was sie kann. Die wunderschöne junge Schauspielerin, glänzt sogar angezogen mit erotischer Ausstrahlung. Natürlich zeigt der Film auch viel nackte Haut und hier versucht Jess Franco auch ein paar nackte Männer zu zeigen, was aber wohl eher an der Kameraeinstellung liegt und nicht gewollt ist. Denn der  Penis eines Mannes wird auf der Leinwand als etwas unschönes angesehen und stößt eher ab, als das er anziehend wirkt. So vermeiden viele Filmemacher in erotischen Filmen ihn zu zeigen.

Bei den Sexszenen hat man den üblich gestellten Sex und es gibt auch rumgehampel aber alles ist in angemessenen Rahmen. Dazu gibt es sogar Veränderungen der Charaktere bei dem Sex. So zeigt Celestine Sebastian wie er länger kann und was er besser machen soll. Das merkt man bei der Szene auch, hier gibt man sich wirklich mühe, es echter aussehen zu lassen. Dabei sind die Dialoge auch hilfreich und gehen aber etwas ins explizite, wie der ganze Film immer wieder. Das Wort Möse fällt öfters.

Je länger der Film läuft, desto mutiger wird er auch. So gibt es nach über eine Stunde auch ein paar nah Aufnahmen der Vulva von lina Romay, wie sie der Cousine des Sohns des Grafen Nachhilfe in der Masturbation gibt und zeigt wie Sex geht. Das wirkt auch erotisch, was aber wie schon erwähnt vor allem an Lina Romay liegt und ihrer Ausstrahlung.

Optik

Man sieht deutlich bei Mädchen für intime Stunden das es sich um einen Jess Franco Film handelt. Es gibt die Zooms und auch die Unschärfen. Dabei hält er sich aber etwas zurück. Viel mehr merkt man auch, dass der Film ein tolles Set hatte, die Ausstattung und die Räumen wirken sher passend für die Zeit in der der Film spielt. Dazu zeigt Franco auch immer wieder durch seine Kameraeinstellungen sein können.

In der schon angesprochen Szene mit Celestine zum Beispiel, wenn immer mehr Leute im Raum sind. Am Ende wenn alles ausgelöst ist, wird der Kamerwinkel auch immer schräger, dies verbildlicht nochmal wie Schräg das ganze eigentlich ist. So zeigt der Regisseur es hier sehr deutlich, was die Szene ist. in anderen Szenen gibt es die Zooms auf den Intimbereich der Frau, das erwartet man ja schon fast von einem Jess Franco Film.

FAZIT:

Mädchen für intime Stunden ist ein sehr unterhaltsamer Film von Jess Franco. In diesem kann man das humoristische Talent von Lina Romay erleben und auch ihre unbeschreibliche erotische Ausstrahlung, welche sie zur Muse von Franco machte. Ein kurzweiliger Film, der sehr passend für die erotischen Filme der 70er steht.

Movie title: Mädchen für intime Stunden

Director(s): Jesús Franco

Actor(s): Lina Romay, Howard Vernon, Olivier Mathot, Pamela Stanford, Lynn Monteil, Philippe Guégan, Raymond Hardy, Catherine Lafferière, Richard Bigotini, Jean-Pierre Bouyxou, Jesús Franco, Jean-Pierre Granet

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  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 6/10
    Erotik - 6/10
  • 7/10
    Unterhaltung - 7/10
7.0/10
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Handlung:

In einem Bordell kommt es zu einer Razzia durch die Polizei. Zwei Prostituierte können fliehen. Unter ihnen ist die junge Celestine. Sie versteckt sich in einem Stall und knüpft Kontakt zu zwei Bediensteten eines wunderschönen Landhauses. Diese schleusen sie dort als Dienstmädchen ein. Kurze Zeit später ist es nichts mehr wie es vorher war. In der Zwischenzeit sucht sie ihr Zuhälter und plant ein Verbrechen. Für Celestine geht es um alles oder nichts.