Mit Audition zeigte sich Takashi Miike von einer neuen Seite. Achtung diese Review kann spuren von Spoilern enthalten.

1999, Japan, der Regisseur Takashi Miike ist noch am Anfang seiner Karriere, obwohl er schon seit 1991 Filme dreht, ist er nur in Japan bekannt und seine Filme sind eher ein Geheimtipp. Doch ein Film sollte das Ändern, die Romanverfilmung von Audition, ein Streifen der ihn seinen Internationalen Durchbruch bringen wird und ihn für immer Legendär machen sollte. Ein Film der einen Kultstatus bekommen hat. Was danach folgte war ein Hype um einen Regisseur und seine Filme, es folgten Filme wie Ichi – The Killer, Izo oder Gozu. Takashi Miike wurde ein Weltstar, zwar dreht er immer noch viele Genrefilme, doch er wurde bekannter und beliebter. Sei es bei den Fans des Arthouse Kinos oder bei den Freunden des blutigen Films. Das liegt alles an diesem Film, doch warum ist Audition genau der Film der das schaffte?

Die Handlung beginnt mit Aoyama und seiner Frau, diese liegt im Sterben und der Sohn will seine Mutter noch überraschen. Jahre später der Sohn studiert und der Vater ist Einsam. Sein bester Freund, hat eine Idee er will ein vorsprechen planen für einen Film der niemals gedreht werden soll. Dort soll Aoyama eine neue Frau finden. Bei dem durchgehen der Bewerberinnen sieht er Asami und hat schon seine Wahl getroffen, als der Tag der Vorsprechen kommt, kann es Aoyama kaum erwarten und dann trifft er Asami. Was folgt ist eine Romanze, doch irgendwas stimmt nicht.

Was Takashi Miike hier als Regisseur abliefert mit der Handlung ist schon harter Tobak. Denn als Zuschauer verfolgen wir einen Charakter der sich verliebt, doch schnell hat man das Gefühl etwas stimmt nicht und nach und nach kommen wir der Wahrheit näher, doch die Auflösung ist schockierend und lässt uns an dem Zweifeln was wir sahen. Denn wir wissen ja eine Rückblende lügt niemals oder vielleicht doch?

Weglassen und erzählen

gut 80 Minuten lang lebt Audition davon, das wir mehr über die Charaktere erfahren in Dialogen und dass sie sich treffen. Dabei ist Aoyama fast blind vor Liebe, denn er hört nie auf seinen besten Freund, der immer wieder Nachforschungen über Asami anstellt und er findet immer wieder Ungereimtheiten. Das sollte uns als Zuschauer auch warnen, doch wir ignorieren es genauso. Wir wollen wissen wie es weiter geht und was genau da passiert. Was ist es, was Asami ausmacht. Warum ist sie so anziehend? Je weiter der Film läuft, desto mehr wissen wir über sie, doch so recht weiß man nicht was los ist. Das Gefühl das was nicht mit ihr stimmt wird immer größer und dann kommt der Moment.

Wie Aoyama werden wir auch aus den Fugen gerissen, was folgt ist eine Montage von Szenen die wir schon kennen und irgendwie doch nicht. Wir erfahren neues und sehen das der Film uns Informationen vorenthalten hat. Dabei sehen wir einen nie enden wollenden Albtraum und dennoch erfahren wir mehr über Asami und Aoyama und auf einmal ergibt das ganze einen Sinn. ALs Zuschauer sind wir aber längst in der Falle, denn es ist nicht das Finale, nein es ist der Anfang, für etwas größeres, schlimmeres. Aoyama muss sich Asami stellen oder besser gesagt er ist ihr unterlegen.

Was Audition bei der Handlung macht ist einfach, Miike lässt bei den Gesprächen immer wieder stellen aus, das merkt man sogar manchmal denn es gibt Jumpcuts, doch was wir als Stilmittel abtun, ist einfaches weglassen von Informationen. Wir sehen die Welt immer nur aus Aoyamas Augen und wie er sich das alles Vorstellt. Denn wir erfahren in dem Albtraum auch mehr über ihn und seine Wünsche und was er gemacht hat. Figuren tauchen auf und auf einmal ergeben manche Szenen vom Anfang mehr Sinn. Das alles führt aber nur zu einem Punkt, dem Finale.

Einsamkeit

“Alle Menschen in Japan sind  Einsam.” Ein Satz aus Audition, welcher perfekt den Film wiederspiegelt. Denn Aoyama ist Einsam und alleine, obwohl er einen Sohn hat und Freunde. Dennoch fehlt ihm etwas, denn “Männer können nicht ohne Frauen leben.”. Diese Einsamkeit sehen wir als Zuschauer immer wieder im Film. Die Personen sind zwar zusammen aber meist doch alleine, weil nie weitere Personen im Raum sind. Anders als in vielen Takashi Miike Filmen ist der Hauptcharakter kein Außenseiter, er steht mitten im Leben und hat Freunde, nur ist er Einsam.

Asami ist die Außenseiterin, durch das was man über sie erfährt, ist sie auch alleine und einsam und hat wohl mit Aoyama jemanden gefunden der sie unterstützt. Dennoch ist sie eine Figur am Rande der Gesellschaft, man erfährt es nach und nach. Dabei muss man als Zuschauer aber filtern, was wahr ist und was nicht.

Die Einsamkeit im Film wird auch immer wieder anders angedeutet. Am Anfang sieht man Männer bei einem Konzert, es dürfte wohl ein Idol Konzert sein und durch die Kommentare erfährt man, dass alle die dort hin gehen Einsam sind. Es spielt halt auf eine Kultur an, welche aus Menschen besteht die wirklich einsam und alleine sind und auch eher Außenseiter. Hier trifft man dann doch auf die typischen Figuren eines Takashi Miike Films. Doch am Ende ist es nur eine Randerscheinung, hier dominiert die Einsamkeit in Audition.

Rache der Frau

Die Rolle von Asami im Film ist wohl eher eine Metapher als eine wirkliche Figur. Denn bis zum Ende hin ist nicht klar, was sie eigentlich will. Die Rückblenden, bzw. der Albtraum von Aoyama deuten auf etwas hin und dann die letzten 30 Minuten von Audition zeigen uns eine ganz andere Person. Sie ist auf einmal das Böse, was schmerzen zuführt und foltert. Etwas was man vorher nicht erwartet hättet. Es ist viel mehr eine Figur die alle Frauen aus dem Film vereint. Denn Aoyama scheint wohl sehr umtriebig gewesen zu sein und mit Gefühlen gespielt zu haben oder sie ist einfach nur eine verrückte Frau.

Als Zuschauer muss man die ganzen Informationen verarbeiten, denn der Schock und die Wendung sitze tief und was folgt, lässt einem keine Zeit zum Denken oder zum Atmen. Denn das Tempo steigt, so wie auch die Spannung. Es zeigt einfach, wie sehr man sich in einer Person täuschen kann. Denn Asami ist nicht die für die man sie hält. Sie ist etwas anderes und was genau, das lässt der Film offen. In Audition bekommen wir nur Fragmente zu sehen und müssen selber denken, was nun passiert und ob das Real ist.

Optik

Das Motto des Films, die Einsamkeit, sieht man auch bei den Bildern. Seit es Aoyama beim Angeln, alleine in der Landschaft mit seinem Freund. So sind immer wenige Personen im Bild, außer es spielt in einem Büro, doch auch hier sind es nur wenige Menschen. Man hat immer das Gefühl, die Welt von Audition ist leer und alle sind Einsam. Das sieht man auch bei den Bildern. Zwischen Aoyama und Asami ist immer eine Distanz. Beim Vorsprechen sehen wir sie erst aus der Ferne und dann nur von hinten und die Kamera fährt an ihr vorbei und wir sehen eine Nahaufnahme von Aoyama. Bis wir das sehen, was er sieht, dauert es.

Das Vorsprechen besteht aus einer langen Montage von den Damen und den beiden Herren, welche sich alle anschauen bis zu einem Moment und dann zerbricht das Bild und wir merken, dass da noch mehr im Raum sind. Die Einsamkeit wird kurz unterbrochen aber nicht für lange. Diese Montage ist aber auch die erste Wendung im Film, denn das Tempo ist anders, alles wirkt etwas schneller und freundlicher, bis Asami auftaucht. Hier wechselt alles in das Unbekannte, wir wissen nicht was sie will und wer sie eigentlich ist. Alles was wir über sie erfahren, wird später wieder auf dem Kopf gestellt.

In der zweiten Montage, welches der Albtraum von Aoyama ist, hier erfahren wir in Rückblenden mehr über Asami und was sie ihm erzählt hat, was vorher durch Schnitte und Kameraeinstellungen ausgelassen wird. Warnhinweise darauf, das sie vielleicht doch ein paar Probleme hat, die Warnungen des besten Freundes ignorieren wir als Zuschauer genauso wie Aoyama, alles durch den Schnitt und die Kamera.

FAZIT:

Audition ist am Anfang ein Drama über Einsamkeit und wie zwei Menschen sich finden, doch dann wendet sich das Blatt und der Zuschauer wird geschockt und das funktioniert perfekt. Der Film packt einem, denn man hat immer das Gefühl, das etwas nicht stimmt. Die unheimliche Atmosphäre und die Spannung steigert sich bis zum Finale und dann kommt keine Erlösung, es kommen qualvolle Minuten, welche uns zeigen, wie Grausam die Liebe sein kann. Takashi Miike hat hier einen seiner besten Filme gedreht.

Audition

Movie title: Audition

Director(s): Takashi Miike

Actor(s): Ryô Ishibashi, Eihi Shiina, Tetsu Sawaki, Jun Kunimura, Renji Ishibashi, Miyuki Matsuda, Toshie Negishi, Ren Ôsugi, Shigeru Saiki, Ken Mitsuishi, Yuriko Hirooka, Fumiyo Kohinata

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  • 9/10
    Handlung - 9/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
  • 9/10
    Spannung - 9/10
  • 9/10
    Atmosphäre - 9/10
9.2/10
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Handlung:

Seit dem Tod seiner Frau kümmert sich der Geschäftsmann Aoyama allein um die Erziehung seines Sohnes. Auf dessen Drängen entschließt er sich eines Tages, nach einer neuen Frau Ausschau zu halten. Sein engster Freund, ein TV-Produzent, organisiert daraufhin ein Vorsprechen für ein fiktives Filmprojekt, bei dem Aoyamas Wahl auf die ebenso schöne wie rätselhafte Asami fällt. Eine Entscheidung, die er alsbald bedauern wird…