Hi8: Resurrectio ist deutsches Independent Horrorkino mit einem Twist.

Die deutsche Horrorszene ist voller mieser billiger Horrorfilme, die man gern vergessen will nach dem man sie gesehen hat. Erstaunlicherweise haben diese Filme dennoch Fans und jeder Schund wird bejubbelt und als Reviewschreiber muss man einiges sehen was an Körperverletzung grenzt. Zum Glück gibt es aber auch Filme wie Hi8: Resurrectio, welche zwar auch einige Probleme haben, sich aber vom Rest deutlich abheben und dank ordentlichen Schauspiels und einem durchdachten Drehbuch am Ende punkten können. So zeigt Regisseur und Drehbuchautor Stefan Sierecki nach einem holprigen Anfang, das er Talent hat und weiß wie man Spannung aufbaut. Dazu auch ein Gespür für dreckige Bilder hat. Denn Hi8: Resurrectio ist schmutziges, dreckiges, deutsches Independent Horrorkino.

Nach einem Anfang, wo uns eine Stimme aus dem Off den blutigsten Film der jemals gedreht wurde verspricht, Achtung Spoiler, wird nicht passieren. Geht es los mit Steven, einen jungen Filmstudenten, welcher einen Horrorfilm drehen will, doch in Deutschland ist der Horrorfilm nicht beliebt und man bekommt kein Geld für ein Genrefilm, außer Constantin produziert ihn. Jedenfalls ein Anruf durch eine Freundin und er bewirbt sich bei 666 Films und am nächsten Tag geht es gleich los. Hier taucht Michael auf und er nimmt Steven mit. Irgendwo im nirgendwo angekommen, geht es los. Sieben Tage lang soll Steven hier nun einen Film drehen, es wird wohl ein Snufffilm. Am Anfang weigert sich die Hauptfigur noch, doch schnell macht er mit und masturbiert auch schon mal bei Sichtung der Aufnahmen. Ein Spiel der Verführung beginnt.

Im Grunde ist die Handlung von Hi8: Resurrectio auf den ersten Blick nichts besonderes und man denkt, ein weiterer deutscher junger Regisseur dreht einen Splatterfilm. Doch schnell wird einem beim schauen klar, ja am Anfang mutet das alles auch so an. Aber nach und nach merkt man, es ist etwas anderes. Immer wieder gibt es Szenen die auf etwas übernatürliches Hindeuten, als Zuschauer bleibt man hier aber immer wieder im Dunkeln. Es geht auch um die Verführung von Steven zu dem Bösen.

Abstieg in die Hölle?

Die Handlung von Hi8: Resurrectio ist sicherlich an vielen Punkten einfach gestrickt und am Ende wird man dennoch überrascht, weil diese Einfachheit einen auch manche Dinge übersehen lässt. Denn sind die sieben Tage nicht nur wahlos gewählt und weil es eine Woche sind. Es steckt mehr dahinter, dazu immer wieder die Anspielungen an Gott und den Teufel. Was will Michael wirklich? Warum lässt sich Steven so schnell verführen, warum ist Raphael einfach Stumm und trägt eine Maske und warum 666 Films? All diese Fragen werden nicht wirklich beantwortet, doch tragen sie auch die Handlung von Hi8: Resurrectio. Als Zuschauer bleibt man so am Ball, außer man ist nur hier wegen der Effekte. Dann wird man aber Großteils des Films keinen Spaß haben.

Steven wird am Anfang dazu gezwungen das alles zu Filmen, das ändert sich schnell am zweiten Tag folgt schon die Verführung und er spielt das Spiel mit. Die Dame im Käfig darf auch noch Leben. Dennoch ist etwas merkwürdig. Steven wird immer mehr zum Bösen und zum Antrieb des ganzen und macht freudig erregt mit, bei dem wilden Treiben. Michael entpuppt sich nach und nach als ein starker Verführer, der dennoch an seine Grenzen stößt.

Die Nebenhandlung rund um die beiden Freunde von Steven ist Sinnlos und führt zu nichts, bis zu der Szene nach dem Abspann. Dennoch wirkt es so, als ob man diese einbaut für etwas Humor, die schlechten Popkulturellen Anspielungen, sind auf dem Niveau von Big Bang Theory und führen auch zu nichts, weil sie nie wieder auftauchen. Die Geschichte um den verschwundenen Bruder wird sogar aufgegriffen und ist hier nicht nur Mittel zum zweck.

Horror, Effekte, Snuff?

Beim Anschauen von Hi8: Resurrectio hat man es als Zuschauer nicht leicht, der Anfang deutet auf einen ganz anderen Film hin, was vielleicht ein interessanter Trick ist, was Ende folgt ist ein düsterer Film über eine Produktion eines Snufffilms ganz nach Kundenwunsch. Wär da nicht das große Ganze, der Twist. Hier driftet der Film immer wieder ins übernatürliche ab, diese kurzen Momente sind es auch, das man hofft man sieht davon mehr. Leider gibt es nicht viel davon zu sehen. Diese kleinen Momente aber sind es, was Hi8: Resurrectio so besonders macht. Der Twist am Ende lässt auf mehr hoffen. Dabei ist alles offen und man bekommt eine nette Idee geboten.

Der Film bietet einige blutige Effekte  und diese sind gelungen. Dabei sind sie aber nicht das Hauptaugenmerk, es geht um Steven und was er tun muss für 666 Films. Dazu sein verschwundener Bruder. Was ist er bereit zu tun, damit er seinen Film drehen kann? Es ist vielleicht auch die Metapher auf den deutschen Filmemacher, welcher gern Genrefilme drehen muss aber am Ende nur irgendwelche Tatorte für die ARD drehen kann oder ganz schlimme Kostümdramen? Es ist vielleicht auch die Abrechnung mit all dem was man als Filmstudent durch machen muss. Vielleicht ist Hi8: Resurrectio aber auch nur ein einfacher Horrorfilm aus Deutschland, der mehr sein will als ein Wald und wiesen Splatterfilm. Natürlich spielt er in einem dunklen Keller und man sieht nicht viel von draussen. Dennoch ist es mehr als das übliche.

Optik

Die Optik von Hi8: Resurrectio ist düster und dreckig. Dazu ist der Look zwar nicht billig aber manche Bilder erinnern doch an unterschiedliches Filmmaterial, was sicherlich Absicht war. Da man ja auch verschiedene  Kameras im Film sieht. Man merkt hier auch sehr deutlich, das man Ahnung vom Filme machen hat. Dennoch die Kamera zeigt Bewegung und die Einstellung von Talent, dazu gibt es keine Szene die in die Länge gezogen werden.

Bei den Splatterszenen ist der Film meist immer etwas zu dunkel, die Beleuchtung im Film setzt wohl zum Teil auf das natürliche Licht und das ist manchmal einfach viel zu Dunkel. Man erkennt kaum etwas, in anderen Szenen funktioniert dies aber gut und man baut so auch Atmosphäre auf, vor allem dann wenn Steven sich das gedrehte Material anschaut. Hier sieht man wie er langsam zur bösen Seite abdriftet. So zeigt sich deutlich, dass Hi8: Resurrectio mehr ist als der typische deutsche Wald und wiesen Splatterfilm.

FAZIT:

Hi8: Resurrectio ist ein dreckiger und düster deutscher Horrorfilm, der mit einem netten kleinen Twist am Ende überzeugen kann. Davor bekommt man eine Geschichte geboten, welche sehr holprig anfängt, dann immer besser wird und überzeugen kann. Es zeigt sich das aus den deutschen Horror Independent Bereich mehr kommen kann, als billige Splatter Schlachtfeste.

Resurrectio

Movie title: Hi8: Resurrectio

Director(s): Stefan Sierecki

Actor(s): Piet Baltissen, Uwe Choroba, Marc Gruss, Moloch, Carola Schmidt, Joris Schwarz, Robin Stehr, Oliver Troska

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  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 6/10
    Schauspiel - 6/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 7/10
    Effekte - 7/10
6.5/10
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Handlung:

In “Hi8“ begleiten wir den Filmstudenten Steven, der den blutigsten Horrorfilm aller Zeiten drehen möchte, seine Diplomarbeit. Problem aber: das Geld. Auch sein Produktionsdozent unterstützt Steven in seinem Vorhaben nicht. Er vergleicht den Horrorfilm als ein unakzeptables Medium und zeichnet keinen Künstler aus. Steven ist natürlich auch bewusst, dass es in Deutschland schwierig ist, Genrefilme zu verbreiten, aber er gibt die Hoffnung nicht auf. Eine mysteriöse Internetseite, die eine Freundin von ihm entdeckt hat, gibt ihm jedoch wieder Hoffnung. Eine einzige Textzeile, die in einem Rahmen aus einem flammenden Meer umgeben ist, erscheint auf dem Bildschirm: „In dieses Höllenfeuer stürzen Gottes Boten hinab, Engel.“ Dies scheint Steven gar nicht zu stören, denn der Inhalt des Textes ist in seinen Augen von größerer Bedeutung. Seine Blicke erfassen nur filmen, Geld, sofort Bezahlung. Doch der Klick auf den “Sende“-Button entfacht nun eine Erfahrung, die durch Verstand, Fleisch und Knochen geht… Wörtlich ausgesprochen: Er wird die Hölle auf Erden erleben.