Matango ist Horror mit Pilzen aus dem Hause Toho!

Japan ist eins der wenigen Länder, welche ihr Trauma in Filmen verarbeitet und dabei alles sehr in den Fantasy bzw. SciFi Bereich geht. Nehmen wir nur Godzilla, dieser Film ist die Verarbeitung des Traumas der Atombomben. Regisseur des Films war Ishirô Honda, dieser drehte 1963 für Toho den Film Matango, einen weiteren Film der die Atomareverstrahlung beinhaltet aber dieses Mal geht es auch um Pilze. Da der Film auf einem Buch von William Hope Hodgson basiert. Natürlich ist der Film etwas anders und man merkt ihm deutlich sein alter an, wer gern eine andere Interpretation erfahren will, dem sei an dieser Stelle noch das Hörspiel von Jörg Buttgereit empfohlen (HIER), es nutzt auch den Roman aber auch den Film.

Die Handlung beginnt mit sieben Menschen auf einer Jacht, sie haben Spaß und machen einen Ausflug. Doch in der Nacht geraten sie in ein Gewitter und das Schiff geht fast unter, auch wird der Mast zerstört. Sie treiben auf dem Meer umher, es gibt keine Chance auf Rettung. Doch dann stranden sie auf einer einsamen Insel. Etwas stimmt aber nicht, auch als sie noch ein anderes Schiff finden, welches von einer Art Schimmelpilz befallen ist, schöpfen sie keinen Verdacht. Doch nach und nach drehen alle langsam durch und die Gefahr auf der Insel wird zu spät erkannt.

Am Anfang von Matango bekommen wir die Charaktere vorgestellt aber irgendwie will der Funke nicht überspringen. Denn keiner ist wirklich sympathisch und alles wirkt merkwürdig. Es ist das Gefühl des Unheils, was von Anfang an verbreitet wird. Was vielleicht an der ersten Szene liegt, denn wir erfahren von einem Charakter was passier ist. Dazu kommt, dass es sehr lange dauert, bis die wirkliche Gefahr benannt wird. Man hebt sich das fürs Finale auf, was ein guter Versuch ist aber den Film auch etwas das Tempo nimmt.

Die Menschen, Die Insel, Das Überleben

Die Handlung von Matango hat alles um einen guten Film abzuliefern, was man am Ende auch bekommt. Doch gibt es auch hier Abzüge in der B-Note. Denn immer wieder zieht sich der Film und dabei geht Matango gerade mal 89 Minuten. Es fühlt sich für den Zuschauer länger an, was vor allem am Anfang liegt. Hier lässt man sich viel Zeit, erst auf der Jacht und dann auf der Insel. Das Erkunden dauert eine gefühlte Ewigkeit und ist nur minder spannend. Dabei wird es dann interessanter, wenn man das Schiff findet. Hier fragt man sich als Zuschauer was ist passiert und was macht es auf der Insel. Es gibt dafür aber keine Erklärung. Eins ist den Charakteren aber klar, sie sollten dort bleiben. Das ist aber der Anfang vom Ende.

Auf das Überleben wird sich vor allem in Matango konzentriert. So ist die Bedrohung von außen der Pilz nie wirklich eine Gefahr, es sind eher die realistischen Probleme, wie knappes Essen und Trinkwasser. Die ganze Handlung um den Pilz und was er mit den Menschen macht, passiert eher am Rande und wird erst nach und nach in Matango eingebaut. Es gibt zwar immer wieder Anhaltspunkte, wie die fehlenden Spiegel oder die kurzen Momente wo etwas am Fenster ist oder im Schiff. Doch diese sind kurz und werden nie richtig genutzt.

Die Insel in Matango wird zwar genutzt aber auch hier verschenkt man bei der Spannung und Atmosphäre viel Potenzial. Denn es gibt zwar immer wieder Momente in der Handlung, wo ein paar Charaktere sich auf der Insel bewegen, doch wirklich erkunden tut sie niemand. So bleiben natürlich auch die Pilze unentdeckt und werden so erst im Finale genutzt. Natürlich baut das auch etwas Spannung auf, weil man als Zuschauer wissen will was da nun los ist.

Der Horror

Nach 54 Jahren ist es für einen Film schwer die Menschen noch zu schocken oder zu gruseln. Denn die Zeiten haben sich geändert und auch die Bedrohungen und gefahrene haben sich geändert. In Matango hat man auch sehr viel Sozialkritik drin, denn das Leben in Tokyo wird als zügellos beschrieben und die Menschen kommen auf der Insel mit dem Leben nicht mehr klar. Dazu auch die Atombomben abwürfe der USA und was die Strahlung mit den Menschen macht. So steht der Pilz hier für die Mutationen, die durch die atomare Verstrahlung hervor gerufen wurden.

Die Gefahr von außen durch den Pilz ist hier aber sehr schleichend, denn viel mehr kommt alles von innen aus der Gruppe. Die Menschen werden langsam verrückt und kämpfen nur noch für sich. Das geht so weit das man sogar zu Waffengewalt zurück greift und versucht jemanden zu entführen nu, damit man eine Frau hat. Hier merkt man deutlich das Alter des Films. Sex ist noch kein Thema und es wird nur angedeutet und niemals wirklich besprochen. Dieser Horror wird aber gut dargestellt und funktioniert noch aber auch nur bedingt. Vieles wirkt aus heutiger Sicht sehr harmlos.

Im Finale wird der Horror dann doch sehr deutlich, auch wenn das alles sehr surreal wirkt und man sich fragt: ob es vielleicht nicht nur ein Traum ist? Es ist auch nur eine Erzählung einer Person. So ist die letzte Wendung im Film auch der letzte Schock. Doch dieser funktioniert auch nur bedingt, denn man kann es sich eigentlich denken, nach all dem was man vorher sah.

OPTIK

Gedreht im Toho-Scope und in einem Studio sieht man Matango kaum sein alter an. Er wirkt Zeitlos auch wenn Kleidung und sicherlich die Neonfarben von Tokyo heute anders aussehen. So ist die Optik doch sehr überzeugend, vor allem die Jacht und der Sturm sind wirklich gute Effekte. Dabei ist alles sehr einfach gehalten und man spielt auch immer wieder mit dem Zuschauer. Hier merkt man deutlich die Erfahrung von Ishirô Honda, der mit Godzilla schon einen Monsterfilm drehte mit vielen Spezial Effekten.

Bei der Kamera merkt man natürlich das alles etwas in längeren Szenen gedreht wurde, es gibt auch Momente wo der Horror zum Vorschein kommt, vor allem in einer Szene. Hier erleben wir zum ersten Mal den Pilz in Aktion, denn etwas schleicht auf dem Schiff rum und wir sehen es nur angedeutet bis die letzte Einstellung der Szene zu sehen ist. Für einen kurzen Moment gibt es das Böse zu sehen. Doch dann dauert es wieder. Wenn das Finale erst mal los geht und Matango zum Leben erwacht, sieht man auch viele Kostüme und Effekte, die alle gut gefilmt wurden.

FAZIT:

Matango ist ein kleiner unbekannter Film von Toho, welcher interessant ist aber man sieht ihm auch sein alter an und merkt das sich seit 1963 sehr viel getan hat und Horror doch anders funktioniert als damals. Auch wenn man immer noch etwas Grusel verspürt, so legt der Film mehr Wert auf das Überleben der Charakter als auf die Bedrohung von außen.

Matango

Movie title: Matango

Director(s): Ishirô Honda

Actor(s): Akira Kubo, Kumi Mizuno, Hiroshi Koizumi, Kenji Sahara, Hiroshi Tachikawa, Yoshio Tsuchiya, Miki Yashiro, Hideyo Amamoto, Takuzô Kumagai, Akio Kusama, Yutaka Oka, Keisuke Yamada

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 6/10
    Atmosphäre - 6/10
7.0/10
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