The Last Shot zeigt uns was darunter ist

Der Giallo, ein Filmgenre was so italienisch ist wie es nur geht. Obwohl Brian de Palma ihn auch gern zitiert hat in seinen Filmen, wie bei Dressed to Kill, so ist er doch wirklich mit Italien verbunden und vor allem mit Dario Argento und Mario Bava. Doch es gab so viele von ihm, das man sicherlich ganze Seiten damit füllen kann. Jedenfalls war das Genre Mitte der 80er schon tot, doch erfand sich neu. Neben dem Giallo Fantastico gab es auch den Nuovo Giallo oder auf Deutsch den neuen Giallo. So ist es noch nicht so selbstironisch wie es Scream war, doch der neue Giallo ist selbstreflektierend und schrieb die Regeln neu. Bei The Last Shot geht man genau diesen Weg, bedient sich aber auch bei De Palma und Bava.

Die Handlung von The Last Shot beginnt in den USA, Bob Crane wandert als Parkranger durch seinen Park, als er auf einmal eine Vision von seiner Zwillingschwester hat. Sie wird ermordet. So ruft er in Italien an und will wissen ob da was dran ist, doch Jessica ist verschwunden. So macht sich Bob auf nach Mailand. Seine Zwillingsschwester ist verschwunden und auch Kommissar Dansei glaubt ihn nicht wirklich. Doch Bob gibt nicht auf und forscht alleine weiter, bis ein weiterer Mord an einem Model passiert.

Wenn man The Last Shot das erste Mal sieht, wird einem als Zuschauer klar, man sieht einen Giallo. Doch irgendwas ist anders. Die Handlung spielt in der Moderne und man sieht es auch deutlich. Das Setting mit den Models ist seit Mario Bavas Blutige Seide immer wieder gern genommen. Doch man zeigt auch Referenzen zu Brian de Palma und seinen Filmen. So wirkt alles neu und doch bekannt. Eine interessante Mischung.

Nichts darunter

Der italienische Titel des Films Sotto Il Vestito Niente bedeutet so viel wie unter dem Kleid nichts und das beschreibt die Modewelt sehr gut. Das macht auch The Last Shot sehr deutlich, denn alles ist sehr oberflächig und auch unter den Kleidern ist nichts. Denn wenn Carrie von einem Typen geht und sich verfolgt fühlt, hat sie keinen Slip an und somit auch nichts darunter. Alles in dieser Welt ist nur Fassade, das muss auch Bob feststellen. Denn die Welt in der seine Schwester lebte ist alles zwar schön, doch etwas fehlt. Das wird ihm klar und er erwähnt auch, dass sie sie verloren war als die diese Welt betrat.

Diese Welt wird uns in The Last Shot immer wieder gezeigt, wir sehen die Models bei ihrem Leben aber meist nimmt jemand Koks oder ist nackt. Hier merkt man dann auch deutlich, dass er in den 80ern entstand. Auch unter der oberflächlichen Handlung von The Last Shot ist nicht viel drunter. Alle Figuren benehmen sich typisch für einen Giallo. Bob ist der Ausländer der einen Mordfall aufklärt und etwas gesehen hat an das er sich nicht so genau erinnern kann. Was auch dazu führt, dass seine verschwundene Schwester als Mörder infrage kommt. Doch hier baut der Film viele falsche Fährten auf. Obwohl man wie immer das Geschlecht des Killers erst am Ende verrät.

Da The Last Shot so typisch für ein Giallo ist, fragt sich natürlich auch keine Figur, warum Bob Crane so viele Fragen stellt. Sie beantworten alle immer und reden mit ihm. Alles ist so selbstverständlich. Das baut natürlich auch Spannung auf und als Zuschauer ist es in diesem Moment auch egal was der Charakter macht, es passt in die Handlung. So stolpert er durch die Stadt und sucht seine Schwester, denn der Killer hat nicht viel zu tun. Es geht auch um Diamanten und eine Nacht, wo etwas Schreckliches passiert ist.

Sleaze Darüber

Nacktheit und Sex waren schon immer ein Bestandteil von manchen Gialli, man nehme nur Torso. Doch viele kommen auch ohne aus. Es ist auf jeden Fall sehr deutlich, was man bei The Last Shot gemacht hat. Auch wenn Mitte der 80er, der Video Boom schon da war und man sich alles nach Hause ins Wohnzimmer holen konnte, lockte Nacktheit und Gewalt wenigere Menschen ins Kino. Das merkt man auch an den Filmen, während die Actionfilme immer blutiger wurden und übertriebener. So nahm die Nacktheit in vielen Filmen auch etwas ab. Doch The Last Shot hält die Fahne hoch.

Im Film gibt es viel Nacktheit zu bestaunen und manchmal ist das einfach nur um Nacktheit zu zeigen. So schaut Bob aus dem Fenster und sieht eine Frau masturbieren, weder die Frau oder das was sie tat, ist danach noch mal Thema. Auch die Models entkleiden sich immer wieder und darum hat man auch eine Modenschau mit eingebaut. Obwohl hier auch ein Mord passiert. So ist das alles nur Alibi um paar nackte Frauen zu zeigen. Auch Kommissar Dansei sieht einfach mal eine Frau oben ohne, als er Ermittlungen anstellt. Es wirkt alles manchmal doch unpassend, was am Ende aber auch egal ist. Es gehört zu diesem Film und zeigt das nichts unter der Oberfläche ist.

Symbolik

Ein Giallo hat natürlich auch eine Symbolik, damit der aufmerksame Zuschauer vielleicht ein paar Hinweise mehr bekommt. Denn man kann ja unterschwellig einiges andeuten. Sei es bei den Farben oder den Waffen oder wie alles passiert. Manche sind voll damit, manche weniger. Doch immer wieder kann man einiges entdecken, wenn man nur genau hinschaut. Wenn man sich also The Last Shot näher betrachtet, wird man auch hier fündig. Obwohl beim neuen Giallo einiges anders ist. So gibt es doch einen kleinen roten Faden der sich durch den Film zieht und auch bei der Opferauswahl.

Nehmen wir Carrie, welche verfolgt wird. In dieser Szene trägt sie Blau, also die Farbe der Hoffnung. Ihr Kleid und Schuhe sind Blau, darunter trägt sie nichts und dennoch fühlt sie sich verfolgt. Selbst in der Umgebung findet man immer wieder Blau. Es strahlt eine Sicherheit aus, obwohl diese Szene Spannung erzeugt und man fiebert mit ob sie es überlebt. Im Hotel angekommen wiegt sie sich in Sicherheit und wechselt dann das Outfit und trägt Rot. Wie üblich im Film ist Rot immer eine Signalfarbe und bei The Last Shot bedeutet es, dass sie sterben wird.

Es ist die Farbe Rot die immer wieder Szenen dominiert und das wenn ein Opfer zusehen ist. Unterbewusst zeigt uns der Film, diese Person wird als nächstes Sterben und das passiert dann auch. Auch in Rückblenden sieht man die Farbe Rot immer wieder. Hier ist also die Symbolik von The Last Shot oder besser gesagt, was die Farben einem sagen. Sonst aber gibt es nicht viel zu entdecken.

Optik

Man sieht The Last Shot an, dass er ein Giallo ist. Was natürlich auch beabsichtigt ist. Der Killer trägt schwarze Handschuhe und die Mordwaffe ist glänzend. So ist es seit Mario Bavas Blutige Seide oder verfeinert von Dario Argento in Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe. Wir wissen nicht ob der Killer nun männlich oder weiblich ist. Am Ende sind wir natürlich schlauer und sein Geschlecht wird enthüllt. Doch The Last Shot macht das öfters. Bob Crane wird auch mal verfolgt und wir sehen nur die Beine der Person. Dabei ist der Schnitt der Hose und die Schuhe so geschlechtsneutral wie es nur geht. Wir erfahren erst kurze Zeit später wer diese Person ist. Wie in der Modewelt ist das Geschlecht keine wichtige Rolle, sondern es geht nur um das Aussehen. Androgynität kommt vor Männlichkeit oder Weiblichkeit.

Ansonsten fängt der Film die Welt der 80er perfekt ein, alles ist modern und hat den Hauch des futuristischen, wie es damals war. Alles wirkt modern und gleichzeitig auch etwas zeitlos. Man sieht auch deutlich an der Kleidung und den Frisuren in welchem Jahrzehnt wir uns befinden. Dabei setzt der Film aber nicht so sehr auf starke Farben, wie ältere Giallo. Das ist auch eins der Hauptaugenmerke vom neuen Giallo, alles ist etwas kühler gehalten in den Bildern aber immer noch sehr stylish. In einer Rückblende wird das Bild auch im schönsten Sepiaton gefärbt.

Fazit:

The Last Shot ist ein Nuovo Giallo wie er wohl im Buche steht. Dabei bekommt man einen spannenden Film geboten, der in der Modelwelt spielt und somit die Anfänge wieder aufgreift. Dabei zitiert man aber auch die Filme von De Palma und andere. Dennoch erschafft man etwas Eigenständiges. Man packt auch viel Sleaze darüber.

Movie title: The Last Shot

Director(s): Carlo Vanzina

Actor(s): Cyrus Elias, Anna Galiena, Big Laura, Maria McDonald, Bruce McGuire, Catherine Noyes, Nicola Perring, Donald Pleasence, Sonia Raule, Tom Schanley, Mimmo Sepe, Renée Simonsen

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 7/10
    Spannung - 7/10
  • 7/10
    Unterhaltung - 7/10
  • 5/10
    Erotik - 5/10
7.0/10
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