Das Auge des Bösen: Ein weitere Giallo

Es klingt schon recht merkwürdig, dass ein Film nach über 10 Jahren seiner Herstellung erst in den deutschen Kinos gelaufen ist. Doch das ist dem Film Das Auge des Bösen passiert. Entstand der Film 1972 und kam erst 1983 in die deutschen Lichtspielhäuser. Das der Film ein Giallo war und 1983 sicherlich die Giallowelle schon längst Vergangenheit war, schien dem Verleih nicht zu stören. Man hatte ja ein paar Namen mit den man Werben konnte und auf dem Poster sagt man auch es wär nach Edgar Alan Poe. Jedenfalls bekam als der Kinobesucher einen Giallo mit Howard Vernom in einer Rolle und sehr vielen schönen Damen, wie Barbara Bouchet (Don’t Torture a Duckling).

Die Handlung beginnt in einem geheimen Bordell in Paris, hier wird eine junge Prostituierte Francine getötet. Man hat auch schnell einen Täter gefasst. Denn Antoine Gottvalles ist einer ihre Stammkunden und war zu letzten in ihrem Zimmer. Doch er beteuert seine Unschuld. Als er im Gericht angeklagt und verurteilt wird, verflucht er all. Ihm gelingt sogar die Lust, doch auf dieser wird er geköpft. Kurze Zeit später passieren aber weitere Morde, ist es der Geist von Gottvalles oder war er wirklich unschuldig und der richtige Mörder ist noch auf freien Fuß.

Sah man den Film, versteht man als Zuschauer vielleicht, warum es so lange dauerte bis Das Auge des Bösen in Deutschland veröffentlicht wurde. Obwohl viele Genreperlen des Giallo immer noch auf eine Veröffentlichung warten. So ist dieser Film nicht der beste des Genres. Man merkt hier sehr deutlich, dass man nur auf der Erfolgswelle mitschwimmen wollte um etwas Geld zu verdienen. So packt man zwar ein paar bekannte Namen in den Film. Selbst der legendäre deutsche Playboy Rolf Eden spielt eine kleine Rolle im Film und am Ende enttäuscht der Film dennoch.

Es sind die Augen

Die Handlung bei einem Giallo kann manchmal nicht die beste sein, denn man kennt alles aus irgendeinen Krimi. Dazu ist sie manchmal nur Mittel zum Zweck, den man muss ja den Killer irgendwie von Punkt A zu Punkt B bekommen. Doch bei Das Auge des Bösen passiert so viel, dass der Killer eigentlich nur so nebenbei passiert und auch die Polizei zwar ermittelt aber man bekommt immer wieder neun Verdächtigen präsentiert. Was auch komplett normal für einen Giallo sein kann. Nur hier fühlt es sich nicht so an.

Man baut zwar die Handlung auf und bis der eigentlich Killer los legt dauert es auch etwas. Doch es fehlen viele Momente in der Handlung die Spannung aufbauen lassen. Man beschäftigt sich immer wieder mit bestimmten Charakteren und wenn wir mal ein Opfer sehen, ist es doch sehr verdächtigt, das er gleich sterben wird. Dabei scheint auch sich nicht so sicher zu sein, warum das gerade passiert. Als Zuschauer fragt man sich das und dann schlägt der Film mit einem Mord zu oder einem neuen Verdächtigen.

Dabei fängt Das Auge des Bösen interessant an. Denn man beginnt mit dem Ende, wir sehen den unbekannten Killer den Eiffelturm herunter fallen und dann erleben wir alles in einer Rückblende und der Kommissar erzählt kurz im Off auch noch dazu. Stimmen aus dem Off gibt es nicht wirklich im Film, doch manchmal hören wir einen Charakter nachdenken und das wirkt auch sehr unpassend, so als ob man hier noch schnell Charakterentwicklung sein müsste bevor dieser ablebt.

Ist das noch ein Giallo?

Der Giallo hat sich selbst geprägt durch bestimmte Motive. Da ist der unbekannte Killer, der immer mit schwarzen Handschuhen und einem Mantel tötet und wir nie wissen wer es ist bis zur Auflösung am Ende. Dazu ist der Film meist sehr durch gestyled und auch die Morde. Bei Das Auge des Bösen hat man zwar einige dieser Punkte, doch es will alles nicht so richtig zünden. Was vielleicht an der Machart des Films liegt. Wir haben nie eine richtige Hauptfigur die in der Sache ermittelt. Obwohl wir einen Ausländer im Film haben, doch der Buchautor ist nur ein Nebencharakter und wir sehen auch immer wieder der Polizei bei der Arbeit zu.

Dass der Giallo und der Krimi fast gleich sind, liegt wohl auch daran das es im Grunde dasselbe Genre ist. Doch der Giallo entwickelt sich zu etwas anderen im Laufe der Zeit und als Filmgenre eh. Doch Das Auge des Bösen hat vor allem beim Drehbuch sehr viele Probleme. Man wechselt von einem Charakter zu dem anderen und wieder zurück. So baut man zwar paar Figuren einen die wichtig erscheinen aber warum erfahren wir nie oder erst am Ende und dann kommt der Punkt wo die Handlung und die Auflösung wer der Killer ist, sehr abgedreht wird und man übers Ziel hinaus schießt.

Optik

Ein Giallo kann ein Film sein der mit vielen Farben arbeitet und vor allem Rot. Doch bei Das Auge des Bösen bekommen wir so was nicht geboten. Das erste Opfer trägt zwar noch rote Unterwäsche aber das ist schon das höchste der Gefühle. Man hält sich bei dem Film sehr zurück und versucht zwar immer wieder ein paar nette Aufnahmen zu zeigen, doch vergisst man dabei auch Spannung zu erzeugen, wir sehen zwar den Killer wie er etwas macht. Doch das wirkt fast schon wie eine Parodie, wenn er mit einem Glasschneider völlig wahllos ein Kreis in eine Glasscheibe schneidet und danach sieht sie aus als ob sie jemand eingeschlagen hätte. Die Opfer im Haus bekommen davon natürlich nichts mit.

Bei vielen Morden im Film hatte man eine besondere Idee. Denn immer wenn der Mörder jemanden tötet, wird die Szene wiederholt und das mit schnellen Schnitten. Das wirkt einfach nur merkwürdig, als ob der Film wie eine Schallplatte springt. Es ist zwar nett gedacht aber so umgesetzt, einfach dieselbe Szene zu wiederholen, funktioniert nicht wirklich. Mit anderen Kameraeinstellungen oder andere Ideen wären besser. Auch der Sturz vom Eiffelturm mit der Schattengestalt. Es ist ein billiger Trick, das man auf dem Film es eingestanzt hat. Man sieht es aber sehr deutlich. Es ist dennoch optisch überzeugender als die Morde.

Fazit:

Das Auge des Bösen gehört zu den vielen Giallis die nur entstanden, damit ein Produzent etwas Geld verdienen kann und man sieht es dem Film auch an. Zu wenig Sleaze, zu wenige interessante Ideen. Kaum Spannung und eine echt absurde Auflösung wer der Mörder ist.

Movie title: Das Auge des Bösen

Director(s): Ferdinando Merighi

Actor(s): Anita Ekberg, Rosalba Neri, Evelyne Kraft, Howard Vernon, Pietro Martellanza, Barbara Bouchet, Robert Sacchi, Eva Astor, Renato Romano, Rolf Eden, Piera Viotti, William Alexander

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 6/10
    Schauspiel - 6/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
5.8/10
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