Lulu: Erotische Version des Werks Lulu. Tragödie in 5 Aufzügen mit einem Prolog

Walerian Borowczyk hat in seinem Leben einige Skandalfilme gedreht und scheute sich nie vor etwas zurück. Machte er aus die Schöne und das Biest in la Bete einen erotischen Film wo das Biest mit der Frau sex hat. 1980 entstand sein Film Lulu, welcher auf den zwei Werken Erdgeist und die Büsche der Pandora von Frank Wedekind beruhen. Auch diente bei der Handlung und dem Film die Oper Lulu von Alban Berg als Vorlage. So erschuf der polnische Regisseur sicherlich einen Film der die Geister scheidet. Denn er nutzt die Vorlage zwar sehr getreu, vor allem das Aufteilen in Akten aber natürlich gibt es hier viel mehr Erotik, welche in dem Original nur unterdrückt da war und man nie so zeigen durfte. Dafür bekommt man aber einen typischen Borowczyk Film über eine junge Frau, die allen Männern den Kopf verdreht.

Die Handlung beginnt mit der jungen Lulu, der Maler Schwarz soll sie zeichnen. Doch ihr frisch angetrauter Ehemann der Medizinalrat mag nicht was er da sieht. Doch er muss weg und so nutzt der Maler die Gunst der Stunde und erliegt Lulu und verführt sie. Das wilde Treiben wird schnell unterbrochen, der Ehemann ist zurück und erleidet einen Herzinfarkt. Einige Zeit später in ihre Villa lebt Lulu mit dem Maler zusammen, doch immer noch verführt sie jeden Mann und hier treibt sie den Maler in den Selbstmord. Doch Lulus reise hat erst angefangen. Wo wird sie enden?

Lulu ist schwerer Stoff und eine Geschichte die vielleicht in diesem Film sehr kompakt erzählt wird, dazu fehlen auch zwei Akte aus der Oper und dem Stück. Dennoch bekommt man einen guten Einblick in eine Welt in der Sitte und Moral noch anders waren und es ist auch der Untergang einer Gesellschaft. Die Kindfrau im Mittelpunkt und sie ist der Untergang aller.

In Geschichte in Akten

Der Film versteckt seien Herkunft nicht, denn alles wird in den Akten erzählt und hier kann man wohl einige Zuschauer verstehen, die damit ein Problem haben. Denn es wirkt sehr episodenhaft was wir sehen und erfahren. Immer wieder springt der Film in die Zeit nach vorne und wir sind in einem Set und Lulu hat einen neuen Ehemann, was davor passiert ist zwar hier und da immer noch Thema. Es gibt aber jedes Mal auch ein neues Problem und meist endet es für jemanden tödlich. Dabei erfahren wir aber, dass Lulu immer wieder Liebhaber hat und niemals treu ist. Sie ist das Abbild einer Generation an neuen Frau in einer Zeit, wo die Ehe und der Wohlstand alles bedeutet. Denn nur wer Reich und einen Ehemann hatte, gehört zu etwas.

In den Dialogen erfährt man immer wieder etwas über die Zeit aber meisten geht es nur um den Hauptcharakter und wie sie sich ihre Zukunft vorgestellt hat. Denn sie will ihre Jugend genießen am Ende hat sie aber aufgegeben, denn ihr Leben ging den Berg runter und sie hat so einige Probleme. Die Armut ist da. Hier ist auch das Problem der Handlung des Films, denn es fehlen zwei Akte, die wichtig wären. Denn wir sind auf einmal in London und Lulu ist arm. Doch wie ist es so weit gekommen? Was davor passiert ist wissen wir. Die zwei Akte würden erklären wie Lulu aus dem Gefängnis nach London gekommen wär und es wären wichtige historische Fakten dabei gewesen. Dennoch bekommt man genug Handlung mit.

Im Grunde ist der Charakter von Lulu ein Männer verschlingendes Monster, das am Ende alle ins Unglück stürzt. Dabei fehlt einem vielleicht auch das Wissen wie es zur Jahrhundertwende damals war, denn die Welt hat sich weiter entwickelt. Auch die Moral hat sich stark gewandelt und die angedeutet lesbische Liebe zu einer Frau wär heute sicherlich nicht mehr das Tabu, wie das Stück es damals war. Dabei ist die Handlung immer noch interessant und die Einbindung von jack the Ripper ist eine echt gute Idee.

Erotik

Walerian Borowczyk hat viele erotische Filme gedreht, doch bei Lulu scheint er es doch etwas anders zu machen. Zwar ist die Hauptfigur immer wieder nackt zu sehen und alle Charaktere verzehren sich nach ihr. Doch die Szenen sind niemals wirklich erotisch in Szene gesetzt und das war wohl auch etwas Absicht. Es wirkt genauso steif und der versuchte Tabubruch wie man es von einem Theaterstück kennt. Denn der ganze Film ist auch wie ein Stück am Theater inszeniert. Dabei verzichtet man natürlich nicht auf Nacktheit und Hauptdarstellerin Anne Bennent ist immer wieder frei von ihrer Kleidung zu sehen.

Genaus ein Tabu bricht auch das Alter der Hauptdarstellerin, denn Anne Bennent war zu den Dreharbeiten gerade alt 16 Jahre alt, doch 1980 war dies wohl weniger ein Tabu als es heute ist. Denn andere Schauspielerinnen zeigten sich damals in jungen Jahren auch nackt, wie Katja Bienert. Dazu wirkt sie auch nicht wie eine 16 jährige und das zeigen ihres Körpers ist auch nicht erotisch, es gehört hier mehr zur Verdeutlichung des Charakters und wie sie ihre Reize einsetzt um das zubekommen was sie will.

Optik

Man kennt es von den Filmen von Walerian Borowczyk dass sie immer einen verträumten Look haben. Auch Lulu fängt damit an. Alles ist hell und schön und man findet viel weiß wieder. Doch im Verlauf des Films wird das Bild immer dunkler und alles wird auch grauer, wie die Aussicht der Figuren. Dazu merkt man den Film an, dass er wie ein Theaterstück aufgebaut ist. Jeder Akt bzw. Szene hat ein Set und das wird nie verlassen. Das kann ein Raum sein oder auch mal ein Raum im Backstagebereich eines Theaters. Alles sieht anders aus und verdeutlicht auch die Lage von Lulu sehr. So sind viele Szenen auch länger gespielt und ohne Schnitt.

Alles wirkt wie ein Gemälde und das ist von Borowczyk auch so gewollt, denn viele seine Filme haben Szenen drin, die man als Bild nehmen könnte. Bei Lulu wirkt das zwar alles immer wieder etwas trist, doch die Bauten der Sets ist erstaunlich, es spiegelt genau die Zeit wieder, wann das Stück spielt. Das geht bei der Kleidung los bin hin zu den Möbeln. Alles wirkt sehr authentisch und man glaubt der Umgebung das sie zu dieser Zeit spielt. Dennoch hat man auch immer das Gefühl in einem Theaterstück zu sein. Was auch am Schauspiel liegen könnte und natürlich an den langen Szenen.

Fazit:

Lulu ist ein sehr interessanter Film, welcher vielleicht nicht die typische Erotik von Walerian Borowcyzk bietet. Dennoch findet man viele Elemente des Regisseurs hier auch wieder. Leider fehlen dem Film zwei Akte aus dem Theaterstück bzw. aus der Oper, hier gehen ein paar Informationen verloren. Dennoch erfährt man viel und merkt deutlich die Kritik an der damaligen Gesellschaft.

Lulu

Movie title: Lulu

Director(s): Walerian Borowczyk

Actor(s): Anne Bennent, Michele Placido, Jean-Jacques Delbo, Hans-Jürgen Schatz, Bruno Hübner, Beate Kopp, Carlo Enrici, Pierre Saintons, Udo Kier, Heinz Bennent

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 4/10
    Erotik - 4/10
7.0/10