Elf Uhr Nachts: Jean-Luc Godard erfindet sich neu und beendet seine Werke davor, also fast.

1965 gerade mal fünf Jahre nach dem Jean-Luc Godard mit Außer Atem die französische neue Welle los tritt, beendet er diese 1965 auch schon wieder. Denn was danach kam war zwar immer noch anders aber anders als die Filme davor. Denn mit Week-End hat er auch das Autorenkino beendet. Doch davor gab es noch den Film Elf Uhr Nachts. Ein Spielfilm der so wuchtig wie seine Bilder ist, dabei aber auch kaum eine Handlung erzählt. Viel mehr sind es wieder Szenen aus dem Leben, ähnlich wie bei Außer Atem. Doch wieder anders, er ist auch eine Liebeserklärung an die Bücher und eine Kriegserklärung an das amerikanische moderne Kino.

Die Handlung beginnt mit Ferdinard der gerade mit seiner Frau auf eine Party will, dort trifft er auf die heutige Babysitterin Marianne. Als er sich auf der Party langweilt, weil alle Menschen immer nur Werbung wiedergeben und nichts passiert beschließt er wieder nach Hause zu fahren. Hier bietet er der Babysitterin an sie nach Hause zu bringen. Doch dann beginnt für Beide ein Trip, denn sie kennen sich von Früher und lieben sich. So beschließen sie ab zu Hauen, doch schon bald sind sie in einer Welt voller Gangster und Armut, dabei wird ihre Liebe auf die harte Probe gestellt.

Was Jean-Luc Godard mit Elf Uhr Nachts abliefert, lässt sich nicht einfach beschreiben, mann muss tief in den Film eintauchen, die Bilder und die Handlungsfetzen analysieren um vielleicht dahinter zu kommen, dass da nichts ist außer einer kleinen Liebesgeschichte, welche aber sehr verschachtelt erzählt wird. Am Ende bekommt man einen explosiven Abschluss für eine Schaffensperiode, welche einzig artig war und wohl nie wieder erreicht wird. Das erschaffen von etwas neuen, dabei aber auch das gehasste zu zitieren und zu benutzen.

Liebe und Trennung

Das Grundthema ist dem von Außer Atem sehr ähnlich, was nicht nur an dem Hauptdarsteller Jean-Paul Belmondo liegt, welcher hier wieder die Hauptrolle übernimmt, sondern auch die Art wie die Figuren agieren. Wir haben eigentlich keine Ahnung woher sich Ferdinard und Marianne kennen, zwar erzählen sie von Früher und das sie sich geliebt haben. Doch wieso erfahren wir nicht, sie lieben sich einfach und diese Liebe flammt immer wieder auf. Die Dialoge der Beiden drehen sich um alles und nichts und die Fantasie zu fliehen irgendwohin wo sie sicher sind. Am Ende kommt natürlich alles anders, zwischen drin scheinen sie ihr Glück gefunden zu haben, doch das trügt auch nur und immer wieder trennen sich die Ferdinard der von Marianne immer wieder Pierrot genannt wird, nur um sich kurze Zeit später wieder zutreffen.

Diese Trennung wird halt hin genommen von Pierrot, ja ich weiß er heißt Ferdinard, denn er macht einfach weiter, doch Marianne scheint immer wieder ins einem Leben aufzutauchen und das immer scheinbar zufällig. Doch wie zufällig kann das Ganze am Ende noch sein? Wie viel Liebe steckt in den Zwei Hauptcharakteren. Denn Elf Uhr Nachts dreht sich nur um die Ferdinard und Marianne. Andere Charaktere sind schlicht einfach da und spielen keine besondere Rolle. Sie existieren in dieser Welt einfach. Interessant ist dabei, wie die Zwei miteinander Reden und sie sich ihre Liebe gestehen und immer wieder wird Marianne auch als Lügnerin hingestellt und es gibt Szenen, die lassen daran Zweifeln wie viel Zeit vergangen ist.

Es gibt eine Szene in der Pierrot in einem Café sitzt, weil er auf Marianne wartet und da bestellt er zwei halbe und ein Mann spricht ihn an, sie kennen sich von Früher und scheinbar hat Ferdinard ihn um Geld betrogen und mit seiner Frau geschlafen, das alles ist in der Zeitlinie des Films über ein Jahr her, am Ende geht der Mann einfach wieder. Hier zeigt der Film dann sehr deutlich, dass es einfach nur eine Szene in einem Film ist.

Liebe zum Buch

Der Film beginnt mit Ferdinard der in einer Badewanne seinem Kind ein Buch über Velásquez vorliest. Diese Liebe zu Büchern zieht sich durch Elf Uhr Nachts. Denn auch die Handlung ist ein Buch aufgebaut, vielleicht eins was gerade geschrieben wird, denn irgendwann vergisst man die Kapitel und überspringt ein paar und immer wieder gibt es Kommentare aus dem Off, diese müssen aber nicht zur Handlung passen. Auch wiederholen Ferdinard und Marianne texte oder erzählen dasselbe. Dazu schreibt Pierrot auch ein Roman und schreibt über die Liebe zu Marianne aber auch hier wird alles nur angefangen und irgendwann vergessen. Erklärung gibt es selten.

Das Buch ist aber auch immer wieder Bestandteil von Elf Uhr Nachts, denn Ferdinard liest auch viel und diskutiert mit Marianne darüber. Denn sie muss auch Bücher kaufen und als sie einmal eine Single kauft, regt er sich auf, weil Bücher vor der Musik kommen. Dann erklärt uns Marianne das es ihr gar nicht um die Musik geht oder die Bücher, sondern die Liebe zu Pierrot und das er sie manchmal nicht so beachtet. Sie weiß an diesem Punkt der Handlung auch nicht was sie mit ihrem Leben anfangen will. Alles langweilt sie und es geht nicht weiter. Die Tristesse macht sich an diesem wunderschönen Ort weiter, während Pierrot die Bücher hat, so hat sie nur ihn und nichts weiter.

Da jeder Film aus einem Drehbuch basiert oder sogar ein Buch als Vorlage hat. So hat Jean-Luc Godard auch lange behauptet, dass Elf Uhr Nachts ohne Drehbuch gedreht wurde. Hauptdarstellerin und Ex-Frau von Godrard Anna Karina sagte, dass man ein Drehbuch hatte und das sehr genau umgesetzt wurde.

Leben wie im Film

Da aber Elf Uhr Nachts noch viel mehr ist, es ist ein Film über das Leben im Film und auch Kritik an der Werbung die nach und nach sich in die Filme schlich und vor allem aus den USA kam. Das geht los mit der Szene wo Ferdinard und seine Ehefrau und sie einfach mal für Unterwäsche Werbung macht, welche den Körper formt. Auch auf der Party zitieren die Menschen einfach Werbesprüche und irgendwann an einer Total Tankstelle, geht es so weit, dass Pierrot über Tiger im Tank spricht, was aber Esso war. Dies zieht sich durch den ganzen Film, es ist Kritik an der Filmwelt, welche sich damals schon abzeichnete, getrieben von Werbung für Geld einfach irgendwas in den Film einbauen.

Auch zitieren beide immer wieder Filme, sei es Dick und Doof oder Ferdinard imitiert andere Personen. Dazu bricht er auch die vierte Wand in einer Szene und spricht mit dem Publikum. Doch sowas passiert öfters, fast schon unterschwellig schaut Marianne in die Kamera zu uns und sucht rat oder zeigt an, dass sie wohl lügt. Dazu die sache mit der Leuchtreklame, welche auch einmal einfach Cinema zeigt. Dazu die Autofahrt, welcht wirklich erkennbar ist, dass sich das Fahrzeug nicht bewegt.

Optik

Jean-Luc Godard kehrt zum Cinemascope Format zurück, obwohl er es nicht wirklich mag und die Enttäuschung über den Film den er in diesem Bildformat drehen musste ist immer noch groß gewesen. Doch da Elf Uhr Nachts nur ein Film über das Leben im Film ist, passt es natürlich wieder. Bei der Regie merkt man auch die Stärke von Godard, denn alles was seine Filme ausmachten ist auch hier zu finden. Es gibt Schnitte wo andere nie schneiden würden und auch umgedreht. Dabei ist der Film sehr bunt in Technicolor. Hier zeigt sich dann deutlich, dass es ein Film ist. Auch fängt Marianne einfach zwei Mal an zu singen, einmal steigt auch Ferdinard ein. Alles einfach wie es nur im Film passieren kann.

Es gibt sogar eine Montage im Film, wo wir einfach scheinbar wahllos Szenen sehen von den beiden Hauptcharakteren. Auch spielt Godard mit der Filmmusik, immer wieder ertönt Musik die Spannung erzeugt, nur um dann kurz abzubrechen um dann wieder zu ertönen, doch manchmal passiert nichts. So auch die Kritik an der Werbung, man zeigt immer wieder Total oder die Szenen auf der Party, jeder Raum hat eine andere Farbe und die Menschen geben gelangweilt die Werbesprüche wieder. Alles wirkt so unglaublich wie ein Film nur sein kann. Viele Szenen passieren einfach und man weiß nicht genau warum. Es ist einfach das zeigen von dem Leben der beiden Charakteren in wunderschönen Bildern.

Fazit:

Elf Uhr Nacht ist ein Film voller großer Bilder, die nicht immer eine Bedeutung haben, viel mehr geht es um Liebe und Trennung, die Liebe zum Buch und einfach einen Film der das Leben in einem Film zeigt. Dabei ist der Spielfilm sehr kritisch mit der Werbung aber auch den USA und den Vietnamkrieg. Ein echtes Meisterwerk.

Elf Uhr nachts

Movie title: Elf Uhr Nachts

Director(s): Jean-Luc Godard

Actor(s): Jean-Paul Belmondo, Anna Karina, Aicha Abadir, Pascal Aubier, Raymond Devos, Roger Dutoit, Samuel Fuller, Graziella Galvani, Pierre Hanin, Jimmy Karoubi, Jean-Pierre Léaud, Hans Meyer

  • 9/10
    Handlung - 9/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
9.3/10
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