In den vergangenen Jahren gab es immer wieder SciFi Filme und auch welche, die sich an dem Cyberpunk Genre versucht haben. Doch viele von ihnen kommen nicht mehr ins Kino. Scheinbar ist es einfacher und manchmal lukrativer einen Film direkt an Netflix und Co. zuverkaufen und dann zu sehen was passiert. So wahrscheinlich auch im Fall von Mute, der Cyberpunk Neo Noir Thriller von Duncan Joney ist nun bei dem SVoD Anbieter gelandet und man muss das Haus nicht mehr verlassen um einen guten Film zu sehen. Dazu spielt der Film in eine futuristischen Version von Berlin, viele Menschen sprechen deutsch und auch sonst bietet der Film alles was das Genre ausmacht. Dazu hat der Comic Captain Berlin von Jörg Buttgereit auch einen kleinen Auftritt im Hintergrund. Man könnte meinen die Macher haben es gut gemeint bei der Recherche zum Thema Berlin.

Die Handlung spielt im Berlin der Zukunft, ungefähr 40 Jahre von heute an. Die Stadt hat sich weiter entwickelt und ist ein Ort voller Kulturen und Menschen aus allen Ländern. Dabei finden auch desertierte US Soldaten Zuflucht aber auch amisch. Denn der Hauptcharakter ist Leo, ein stummer Barkeeper und dazu noch amisch. Das Leben in Berlin ist für ihn zwar etwas kompliziert aber er hat die Liebe seines Lebens in Naadirah gefunden. Doch diese verschwindet auf einmal und so macht sich Leo auf die Suche nach ihr und stößt dabei auf eine ganze andere Seite der Hauptstadt.

Man merkt dem Film deutlich an, dass man hier vielleicht nur einen Genrefilm drehen wollte. Doch man will auch vieles anders machen. So wirkt Mute wie eine modernes Update von Blade Runner was auf Casablanca und dem Film Noir trifft. Dabei wirkt die Stadt in den Neonfarben immer so als ob sie niemals schläft und man erfährt nicht viel was in der Vergangenheit passiert ist. Dennoch erlebt man eine veränderte Welt und Kulturen treffen friedlich aufeinander. Dabei rückt die Handlung auch immer wieder in den Hintergrund.

©Keith Bernstein / Netflix

Neo Noir trifft auf Cyberpunk in Mute

Auch diese Mischung ist nicht neu, war es auch einst diese, welche Blade Runner so berühmt machte. Man könnte fast meinen, dass Mute nun ein geistiger Nachfolger ist und viel mehr noch, eine bessere Fortsetzung, als die eigentliche zu Blade Runner. Doch bevor wir hier zu weit abschweifend zurück zum Film. Am Anfang lernen wir alle wichtigen Charaktere kennen und manche sind auch sympathisch und da geht es auch los. Der Spielfilm spielt uns dem Zuschauer, denn mancher Charakter ist nicht das was er vorgibt. Der ehrlichste ist Leo von ihm wissen wir am Anfang auch am meisten. Er trägt Mute auch und er ist es auch dem wir Folgen und immer mehr von der Welt kennenlernen.

Die Welt von Mute ist eine besondere, es ist zwar sehr typisch für den Cyberpunk aber da sie in Berlin spielt, fühlt sich alles etwas anders an. Es gibt so viel zu entdecken, an jeder Ecke findet man kleine Details. Dabei tauchen wir immer tiefer in diese Welt ab aber irgendwann fällt auch auf. Da ist nicht viel Handlung und in den zwei Stunden Laufzeit, passiert manchmal wenig und der Film lässt sich treiben. Dabei löst der Film ein paar Wendungen schon vorher auf und als Zuschauer kann man sich auch einiges denken. Denn gibt es noch ein paar Auflösung die funktionieren und wo wir am Ende erst den Zusammenhang erfahren aber wenn man etwas mitdenkt, erahnt man schon viel was am Ende passieren wird.

Einige Charaktere haben auch viel dreck am Stecken und werden als sehr mies dargestellt. So wird langsam klar, wer hier der Böse ist. Dabei fällt aber auch das die Dynamik zwischen diesen Charakteren immer wieder schwankt. Man akzeptiert scheinbar die Vorlieben des anderen aber ans eigene Kind soll er nicht. Im Finale gibt es einen Moment, wo man damit spielt und das ganze noch etwas tragischer machen will. Das funktioniert natürlich, weil es auch mit den Emotionen des Zuschauers spielt.

Spannungsreich oder arm?

Im Verlauf von Mute stellt man sich als Zuschauer die Frage, kommt da noch was. Auch wenn die Suche von Leo immer wieder spannend ist und wir mehr über einzelne Charaktere erfahren, so lässt sich die Handlung manchmal etwas zu viel Zeit für nichts. Natürlich sieht man so mehr von der Welt die man erschaffen hat. Dennoch fragt man sich, muss man jetzt diesen Charakter dabei zusehen, was er da gerade macht. Es ist natürlich auch eine Entwicklung und zeigt was für ein perverser Typ er doch ist und das obwohl es kaum jemand in seiner Umgebung bemerkt. Dennoch sind es auch andere Szenen die vielleicht etwas stören. Man möchte auf Biegen und brechen unbedingt zeigen, dass man Cyberpunk ist. So tauchen ein paar Figuren auf, die nur dafür da sind.

Diese Momente sind es aber auch welche die Spannung aufbauen. Denn wir wissen nicht was mit Naadirah passiert bzw. wir können es uns nur denken. Doch wer ist der Schuldige, wer steckt dahinter. Hier kommt Mute dann mit ein paar wirklich guten Wendungen daher, dieser werden aber auch nur so am Rande erwähnt und so fragt man sich dann doch, was man hier eigentlich machen wollte? Einen spannenden Cyberpunk Film mit Neo Noir Einschlägen oder einen Film der einfach nur ein paar Charaktere in der Zukunft zeigen will. Dennoch ist Leo ein guter Charakter und durchlebt so einiges im Film.

©Keith Bernstein / Netflix

Optik

Der Film sieht einfach toll aus. Das futuristische Berlin und die Neonfarben überall, die Welt ist davon eingehüllt. So fühlen sich die Szenen ohne Neonlicht ganz anders an in Mute haben auch eine andere Bedeutung. Man wird gleich in die Welt hineingezogen und wahrscheinlich versucht man so viele Details wie nur möglich zu entdecken. Denn dieses Berlin ist voll davon und der erwähnte Comic ist nur einer davon. Man hat das Gefühl, das könnte wirklich ein zukünftiges Berlin sein. Dabei gibt es auch sehr viel was auf den Cyberpunk hin andeutet, die Technik, die Autos, die Menschen. Es gibt alles und manches steckt wohl noch etwas in den Kinderschuhen. Doch es gibt schon Prothesen und schon Roboter die in einem Klub für Menschen tanzen. Dabei gibt es auch modifizierte Menschen die man immer wieder sieht.

Auch die Kamera fängt alles sehr gut ein. Dazu gibt es paar wirklich tolle Kamerafahrten, manchmal fragt man sich aber auch warum dies gerade gemacht wird. Warum sehen wir so viele Details einer Bowlingbahn, könnte hier etwas passieren? Die Frage bleibt leider offen. Viel mehr baut man hier zwei Charaktere auf. Dafür passiert auch immer wieder etwas im Hintergrund auch im Finale, man achtet auf viele Details und die fängt die Kamera wieder ein. Es gibt auch ein paar interessante Schnitte bzw. Blenden. Das Highlight ist aber sicherlich die Beleuchtung mit dem Neonlicht und die ganze Welt. Durch Leo treffen altmodische Dinge auf die Zukunft.

©Keith Bernstein / Netflix

Fazit.

Mute ist ein interessanter Neo Noir Cyberpunk Film, der bei der Handlung etwas schwächelt aber wunderschön aussieht. Man bekommt eine toll Welt geboten und Berlin als Schauplatz ist definitiv etwas anderes. Der Film lohnt sich auf jeden Fall.

Mute

Movie title: Mute

Director(s): Duncan Jones

Actor(s): Alexander Skarsgård, Paul Rudd, Justin Theroux, Seyneb Saleh, Gilbert Owuor, Robert Sheehan, Nikki Lamborn, Noel Clarke, Daniel Fathers, Florence Kasumba

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
7.3/10
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