Tenebrae

1982 war der Giallo tot, das Genre hatte ausgedient, zwar gab es immer noch ein paar ausläufer aber kein Regisseur drehte mehr das Genre bewusst. Auch Dario Argento wandte sich ab, schon sein Film Suspiria war ein Giallo Fantastico getaucht in Neonfarben. Danach folgte gleich eine Art Sequel mit Inferno, welches der zweite Film in der Mutter Trilogie ist. Dann aber kam die Wendung, wir sind in den 80er angekommen und 82 war die Filmwelt schon eine andere. Alleine optisch wirkte alles moderner und futuristischer. So entstand auch Tenebrae. Ein neuer Giallo, eine neue Form des Genres. Denn hier ist man sich bewusst was passiert und der Spielfilm spielt darauf immer wieder an. Dazu erkennt man schon den Weg den Dario Argento die nächsten Jahre einschlagen würde. So haben wir nun einen Film der Meta ist ohne das Genre aber zu parodieren, man nutzt die Elemente für sich und erfindet sich neu.

Die Handlung beginnt in New York, Autor Peter Neal ist auf den Weg nach Rom, dort will er sein neuestes Buch Tenebre vorstellen. Am Flughafen bekommt er einen Anruf seiner verlobten Anne. Doch sie haben streit und er bricht auf. Eine fremde Frau war aber an seiner reise Tasche. Währenddessen wird eine junge Ladendiebin in Rom umgebracht und die Spur führt zu Peter Neal, denn der Mörder mordet wie in seinem aktuellen Buch. Dazu sieht man rückblenden zu einer Frau und einem unbekannten Mann, könnte er der Mörder sein und was ist das Motiv des Mörders? Dazu die Frage was die Verlobte von Peter vor und wird er den Mörder ohne Hilfe der Polizei finden können?

Was am Anfang bei Tenebrae noch wie ein normaler Giallo anfängt wird schnell zu etwas anderen. Denn er verändert sich und auch die Motive, zwar spielt Argento hier und da mit dem bekannten aber er fügt etwas neues hinzu. Das verändert das Genre und immer wieder diskutiert man auch über das was passiert in einem Giallo, was auch am Buch vom Hauptcharakter liegt.

Typisch untpyisch in Tenebrae

Ein Giallo zu drehen, wenn das Genre schon nicht mehr existiert und es auch kaum noch Fans gibt, denn es gab so viele in so kurzer Zeit, ist das mutig. Doch Dario Argento macht aus Tenebrae auch etwas neues. So beginnt alles sehr typisch, wir haben den ausländischen Helden, einen Autor der in eine Mordserie verwickelt wird. Hat er etwas gesehen und in seinem Buch niedergeschrieben das den Mörder auf dem Plan ruft? Denn damit beginnt auch der Film der Mörder liest aus dem Buch vor und verbrennt es dann. Dabei ist alles schlicht gehalten und die Handlung verläuft so wie in einem Giallo. Doch dann kommt die erste Wendung und ab diesem Zeitpunkt ist alles anders. Es geht in eine andere Richtung, die am Ende durch die Auflösung auch den typischen Giallo demontiert.

So nutzt Argento die Genreelemente gezielt und spricht sie sogar an. Das viele der Morde im Giallo sehr sexistisch waren und der Mann immer sehr machohaft dargestellt wurden. Das kommt alles zur Sprache auch das typische Mordwerkzeug, die Rasierklinge ist dabei und wird auch angesprochen. Am Ende verrät man sogar den Trick wie man so eine Szene dreht. Dazu die schwarzen Handschuhe und wir haben einen typischen Giallo. Doch dann ändert sich der Film und auch die Morde sind anders. Es gibt ein neues Motiv und das passiert so organisch, das wir als Zuschauer am Anfang gar nicht mit bekommen.

Die Charaktere sind auch typisch und auch hier gibt es einige Wendungen. Denn nicht alles ist so wie man denkt, man spielt bewusst mit dem Typischen und erschafft so etwas Untypisches. All das frischt das Genre auf und bringt es in eine neue Zeit. Dabei erfährt man auch viel über die alten Giallos und deren Motive. Die Handlung hier zieht dann aber einen Schlussstrich und beendet das alles.

Giallo, Argento, was ist anders?

Da es schon öfters angesprochen wurden und wir schon etwas eingetaucht sind. Ja Tenebrae ist ein Giallo aber ein neuer Giallo. Er nutzt zwar die Elemente des Genres aber verändert sie auch und erklärt sie uns. Das passiert vor allem am Anfang des Films, hier baut man die typische Handlung auf, bevor man dann alles über Board wirft und etwas neues schafft. Man spielt fröhlich mit den Elementen und als Zuschauer ist man dem auch ausgeliefert und erfreut sich daran, dass der Film erkennt was er ist. Diese Metaebene wird durch den Autor aufgebaut, sein neustes Buch wird auch als Giallo in einem Laden angepriesen. Somit zeigt man deutlich, wohin es vielleicht gehen wird.

Man erkennt auch sehr deutlich die Handschrift von Argento im Film. Seine Markenzeichen sind aber auch diese verändert er im Verlauf des Films. Dennoch ist immer wieder deutlich zu erkennen was er gemacht hat aber auch wo er hin will. Denn man möchte weg von dem typischen und etwas neues machen. Denn in den US ging die Slasherwelle los und somit muss auch der Giallo erfinderischer werden. Hier passiert das in form eines sehr blutigen Mordes, wo eine weiße Wand vollgespritzt wird mit Blut. Das ganze in Zeitlupe gefilmt und mit zwischen Schnitten auf weitere Axt hiebe. Hier zeigt sich dann deutlich, dass man es nicht mehr mit einem klassischen Giallo zu tun hat.

Optik

Man sieht Tenebrae an, dass Dario Argento ihn in ein leicht futuristisches Setting versetzen wollte. Denn alles wirkt sehr modern und aus heutiger Sicht ist alles sehr 80er. Dennoch hat es diesen Zeitlosen Look, es wirkt immer alles immer noch sehr passend. Würden manche elektronischen Gerät es nicht verraten, so würde man den Film seine Herkunftszeit nicht ansehen. Dazu ist es ein sehr blauer Film, viele Szenen sind in einem blau Ton gehalten, man ist so also nüchtern und realistischer. Keine bunten Neonfarben, alles wirkt realistischer.

Auch die Kamera verändert sich im Laufe des Films, zwar ist es immer noch sehr typisch Argento. Doch er entwickelt sich weiter und treibt es hier schon fast auf die Spitze. Alleine die Szene wenn Schauspielerin Lara Wendel flieht vor einem Hund und er sie immer wieder anfällt und sie schließlich das Haus des Killers findet. Alles fühlt sich lang gezogen an aber nicht im negativenSinn, sondern es ist Positiv. Man baut eine unglaubliche Spannung auf, dazu die Spannung. Auch die über zwei Minuten lange Kamerafahrt an einem Haus entlang, sorgt für Spannung, wir sehen jeden Charakter was er gerade macht im Fenster. Man erwartet etwas das gleich etwas passiert, hier treibt man es auf die Spitze.

Fazit:

Tenebrae ist die Demontierung des Giallo, dabei erfindet Dario Argento aber den neuen Giallo und spielt mit den Genreelementen. Man bekommt einen unglaublich spannenden Film. Dazu die Wendungen um den Täter. Die Kamerafahrten bauen viel Atmosphäre und Spannung auf. Alles wirkt sehr modern obwohl der Film schon ein paar Jahre auf den Buckel hat.

Tenebrae

Movie title: Tenebrae

Director(s): Dario Argento

Actor(s): Anthony Franciosa, Christian Borromeo, Mirella D'Angelo, Veronica Lario, Ania Pieroni, Eva Robin's, Carola Stagnaro, John Steiner, Lara Wendel, John Saxon, Daria Nicolodi, Giuliano Gemma

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  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 9/10
    Spannung - 9/10
  • 8/10
    Atmosphäre - 8/10
  • 9/10
    Soundtrack - 9/10
8.3/10
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BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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