Jean Rollin und seine Filme, er drehte Vampirfilme die für immer die Geister scheiden werden. Es ist aber klar das er uns immer wieder in eine Welt eintauchen lässt die anders ist als man sie vorher sah. Dennoch gibt es immer ein paar Gemeinsamkeiten: Wie dieselben Darsteller und das Auftauchen von einem Clown, auch Drehorte scheinen gleich zu sein. Vielleicht lag es am Regisseur, den wenigen Mitteln oder alle Filme sind vielleicht doch miteinander verbunden. Man kann nur rätseln, auch bei Die Folterkammer des Vampirs gibt es einiges wieder zuentdecken. Obwohl der deutsche Titel wieder sehr reißerisch ist, im Original heißt er noch Requiem pour un vampire, was einfach nur Reqiuem für einen Vampir heißt. Was hier schon eine genaue Andeutung an die Handlung ist. Dabei sollte man dran denken, die Handlung ist hier wohl nicht das Wichtigste im Film.

Die Handlung beginnt mit einer Verfolgungsjagd, die beiden jungen Frauen Marie und Michelle sind als Clowns verkleidet. Ihr Fahrer und Freund wird bei der Flucht angeschossen. So verbrennen sie das Auto und fliehen weiter. Nach dem sie sich umgezogen haben, landen sie in einem verlassenen Wald und finden nur eine Burgruine. Hier ruhen sie sich etwas aus. Doch schnell merken sie das etwas nicht stimmt. In den Gewölben treffen sie auf Vampire, die gerade ihre neuesten Opfer missbrauchen. Marie und Michelle werden auch gebissen, denn sie sollen den alten Meister helfen, der langsam zu sterben scheint.

Man merkt es schon, wir sind in einem typischen Jean Rollin Film. Die Handlung wird viel über die Bilder erzählt und es gibt vieles an Symbolik. Dazu taucht auch der Clown wieder auf und die Vampire spielen nur eine Nebenrolle. Wahrscheinlich ist es wieder ein politisches Thema was man anspricht aber so verschachtelt, das man genau darüber nachdenken muss. Dennoch bekommt man genau das was man erwartet. Dennoch ist Die Folterkammer des Vampirs nicht so erotisch wie andere Filme von Rollin.

Jungfräulichkeit, Freundschaft und Vampire in Die Folterkammer des Vampirs

Wenn es die beiden Mädchen im Verlauf des Films es schaffen was passiert ist in ein paar kurzen Sätzen zu erzählen, so ist uns das als Zuschauer auch bewusst. Denn die Reise von Marie und Michelle ist ein Trip der mehr auf das visuelle aus ist, als auf eine Handlung. So dauert es auch bis die Beiden in der Burgruine angekommen sind und auf die Vampire treffen, hier erfährt man dann auch etwas mehr. Ansonsten bleiben es zwei junge Frauen, die wir beobachten bei ihrer Flucht. Es war wohl ein Banküberfall. Denn die beiden Freundinnen stecken am Anfang in Clownskostümen und ballern aus einem fahrenden Auto. Hier verlieren sie ihren Fahrer. Hier wird klar sie sind verloren und das wohl für immer.

Auch landen sie schnell auf einem Friedhof, hier geht eine erst mal verloren und wird bei lebendig Begraben. Immer merkwürdiger wird die Reise von Marie und Michelle. Sie landen in der Burgruine und finden ein Bett und ruhen sich aus und lieben sich. Danach geht dann die Handlung auch etwas voran. Sie treffen auf die Vampire, welche hier ihr Unwesen treiben und scheinbar ein Dasein haben, was nicht unbedingt erstrebenswert ist, alle warten drauf komplett verwandelt zu werden und der Meister ist dem Ende nah. Die Melancholie die Vampire haben ist hier noch mehr verdeutlicht, es zeigt wohin es führt und die Einsamkeit sieht man in jedem Bild und merkt sie auch in der Handlung.

Die Freundschaft zwischen Marie und Michelle ist dabei sehr tief in Die Folterkammer des Vampirs. Diese wird aber auch auf die Probe gestellt im Verlauf des Films. Alles wird auch nur angedeutet und am Ende ist es wohl auch egal, weil der Film vorbei ist und als Zuschauer steht man weiterhin im Dunkeln über das was man gerade gesehen hat. War es nur eine Metapher für etwas oder einfach nur der Versuch von künstlerische Freiheit.

Symbolik

Jean Rollin baut immer wieder Symbolik in seinen Filmen ein, meist sind es immer dieselben Symbole oder ähnliche. Es gibt wiederkehrende Motive, wie der Clown, der in vielen Filmen auftaucht. Auch der Friedhof und seine Kreuze. In Die Folterkammer des Vampirs ist es Michelle die in ein Grab fällt und die Friedhofswärter sie nicht sehen oder beachten. Es könnte sogar sein, das die beiden in einer anderen Welt sind. So wird Michelle begraben und kann entkommen, hier zeigt der Film was die beiden erwartet, wie eine Untote steigt sie aus dem Grab und schon bald sind sie wirklich Vampire. Nur der drang nach Blut fehlt noch. Beide wollen es aber auch nicht werden.

Auch spielt die Jungfräulichkeit hier eine Rolle, denn Marie und Michelle sind beide noch Jungfrauen und laut den Regeln im Spielfilm, darf ein Vampir keine Jungfrau mehr sein. So sollen sie sich entjungfern lassen und Opfer suchen. Hier reagieren beide aber sehr unterschiedlich und es zeigt deutlich den Charakter der beiden Mädchen. Während Michelle immer unschuldig wirkt, ist es sie welche damit keine Probleme hat. Im Gegenzug ist es Marie die gefährlich wirkt. Schon durch ihre rote Kleidung und auch ihr verhalten am Anfang von Die Folterkammer des Vampirs. Hier spielt man mit dem Kontrast und dem wirken der beiden Charaktere auf dem Zuschauer.

Der Vampir wird hier zwar auch als melancholische Wesen dargestellt, der keine Lust mehr hat zu Leben aber seine Nachkommen sind es, welche durchtrieben sind. Eine horde Männer, die Nachts in der Gruft ihre weiblichen Opfer missbrauchen. Das zeigt auch wieder den Kontrast und vielleicht auch die Botschaft die Jean Rollin zeigen wollte. Der zwang der Gesellschaft an die Jugend etwas zu sein, was sie nicht sein wollen. Die Welt war im Wandel und die alten Werte lagen im Sterben, es war die Zeit der sexuellen Revolution. Man kann Die Folterkammer des Vampirs also auch als ein Abild dessen deuten.

Optik

In vielen ruhigen Bildern erzählt uns der Film die Geschichte von Marie und Michelle, denn viele Dialoge gibt es nicht. Das ist aber auch sehr typisch für Jean Rollin. Hier zeigt er uns eine sehr einsame Welt, es gibt kaum Menschen. Die beiden Freundinnen sind meist alleine unterwegs und erkunden die fremde Welt. So sehen wir viele Aufnahmen von den Beiden wie sie durch die Gegend laufen. Hier baut der Film auch seine Atmosphäre auf, alles wirklich unheimlich und wie eine Bedrohung für die beiden Hauptcharaktere. Diese Trostlosigkeit zieht sich durch den ganzen Film. Auch die Burgruine ist verlassen und beide müssen ins Innere um hier etwas zu finden.

Die Szenen in der Gruft der Vampire sind dann ein wahrer Neonfarben Rausch, alles ist mit grellen Neonfarben ausgeleuchtet und man spielt auch mit dem Kontrast. So ist der schwarz Wert zu Hoch und so vertuscht man vielleicht ein paar Effekte. Obwohl man sehr deutlich sieht, dass es eine Gummifledermaus ist, welche von einer Hand an den Schambereich einer Frau gehalten wird. Es ist vielleicht auch Absicht. Ansonsten sind das die Highlights des Films, es ist der Kontrast zum dem was wir vorher gesehen haben. Eine andere Welt, die beiden Mädchen fühlen sich auch hier komplett fehl am Platz.

Fazit:

Die Folterkammer des Vampirs ist mehr ein Bilderrausch als ein normaler Film. Die Handlung ist wenig um dem Film wirklich zu füllen. Dennoch wird man unterhalten und vor allem bei der Atmosphäre kann der Spielfilm punkten. Auch wenn er nicht so erotisch ist wie andere Jean Rollin Filme, so hat er doch etwas, was man kaum beschreiben kann.

Die Folterkammer des Vampirs

Movie title: Die Folterkammer des Vampirs

Director(s): Jean Rollin,

Actor(s): Marie-Pierre Castel, Mireille Dargent, Philippe Gasté, Dominique, Louise Dhour, Michel Delesalle, Antoine Mosin, Olivier Francois, Dominique Toussaint, Paul Bisciglia

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  • 4/10
    Handlung - 4/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 6/10
    Atmosphäre - 6/10
6.3/10
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