Andrzej Zulawski dürfte einigen hier wahrscheinlich durch seinen Film Possession bekannt sein, der Film der in Westberlin spielt und ein düsterer Horrorfilm ist, der immer noch sehr viele Gehirn zur Überlastung bringt. Doch Zulawski drehte noch mehr Filme. Sehr bekannt dürfte auch Sophie Marceau sein, welche in den 80ern viele europäischen Jugendlichen die Herzen brach mit ihrer Rolle in la Boom 1 und 2. Natürlich wurde die Teenagerin auch langsam erwachsen und drehte andere Filme, hier dürfte wohl Meine Nächte sind schöner als deine Tage vielen noch in Erinnerung sein, dieser Film ist auch von Andrzej Zulawski und schlägt die Brücke zu dem Spielfilm, der hier besprochen wird. Denn Liebe und Gewalt wird in Deutschland auch als Meine Nächte sind schöner als deine Tage 2 verkauft, obwohl er vier Jahre eher entstand, spielt Sophie Marceau auch hier die Hauptrolle und gibt sich sehr freizügig. Dazu ist es eine moderne Verfilmung von Fjodor Michailowitsch Dostojewski Roman Der Idiot.

Die Handlung beginnt mit einem Banküberfall, hier überfällt Micky mit ein paar Freunden eine Bank und sie können erfolgreich entfliehen. Im Zug nach Paris lernen sie Leon kennen. Dieser scheint etwas weltfremd zu sein und benimmt sich merkwürdig. Doch Micky findet Gefallen an ihm und nimmt ihn einfach mit. In Paris angekommen machen sie sich auf den Weg zu Mary, eine junge Prostituierte und Freundin von Micky. Er will sie freikaufen. Leon verliebt sich in sie und scheinbar auch Mary. Doch sie sagt ihm auch das sie immer wieder lügt. Schnell kommt es zu einer Schießerei und Flucht. Auch auf der Verlobungsfeier von Micky und Mary geht nicht alles gut. Doch Leon und Mary können fliehen. Beide verbringen eine Nacht zusammen, doch am nächsten Morgen ist Mary verschwunden. Leon versucht ein leben ohne sie zu Leben, doch schnell taucht sie wieder auf und das Chaos beginnt.

Was für ein Film, kennt man einen Film von Andrzej Zulawski kann man vielleicht erahnen was einem erwartet aber Liebe und Gewalt überrollt einen und fährt dann immer wieder über einen hinweg. Anders kann man es kaum beschreiben was man erlebt. So viel Tempo was hier an den Tag gelegt wird, dabei fährt die Handlung immer weiter fort, irgendwie wirkt alles surreal und doch realistisch. Immer Absurder wird die Handlung.

Komplexe Handlung bei Liebe und Gewalt

Fjodor Michailowitsch Dostojewski Roman Der Idiot als Vorlage zu haben ist schon ein unterfangen. Die komplexe Handlung in einen Film zustecken, haben schon viele versucht. Doch Liebe und Gewalt geht einen anderen Weg, denn man versetzt die Geschichte in die Jetztzeit und verlagert alles nach Frankreich und ändert die Charaktere etwas ab. Dennoch sind die Grundzüge immer noch vorhanden. Alleine schon die Beziehungen der Charakter zueinander und wer zu wem gehört. Alles wird zwar nach und nach erzählt und irgendwie auch erklärt, doch man muss aufpassen.Denn einfach macht es der Film einem nicht. Schon die Dreiecksbeziehung von Micky, Mary und Leon ist so komplex. Am Ende geht es auch noch um Rache und manche Szenen machen nach einer kurzen Erklärung etwas mehr sinn. Als Zuschauer hat man aber das Gefühl man ist gefangen in dieser Spirale aus Gewalt und philosophischen Dialogsfetzen.

Leon ist der Charaktere der hier auch noch die größte Wandlung durchlebt und am Ende komplett dem Wahnsinn verfällt. Am Anfang wirkt er nur etwas naiv und weltfremd, was ihn wohl auch als Idioten abstempelt, wie die Figur in der Romanvorlage. Er ist unschuldig und diese Unschuld nimmt ihn Mary für immer und ab diesem Moment verändert er sich. Er wird immer verrückt, wie die anderen Figuren in Liebe und Gewalt auch. Als Zuschauer gibt es keine Abgrenzungen wer hier nun verrückt ist und wer nicht. Manchmal wirkt Leon nur etwas normaler, was aber an den anderen Figuren liegt. Diese sind im Film dann noch verrückter und hantieren mit einem Flammenwerfer.

Micky hingegen wird schon von Anfang als total verrückt dargestellt und er verändert sich kaum im Laufe des Films, man versteht sein Handeln am Ende nur etwas besser. Dabei macht es einem der Charakter aber auch schwer ihn zu mögen, als Zuschauer fiebert man immer mit Leon mit und hofft das er Mary bekommt. Diese ist aber auch nicht dass was sie sein soll und sie scheint nur ein Leben aus lügen zu führen. Man ist sich nie sicher ob das stimmt was sie sagt.

Anmerkungen am Rande

Man merkt Liebe und Gewalt immer noch sehr deutlich an, dass Dostojewski in seinem Roman einige Bezüge zur Bibel hatte und vor allem der Figur des Christus. Immer wieder gibt es Szenen in dem Film die das Verdeutlichen, sei es im Finale das Küssen der Füße von Mary und das Kreuz im Blut baden. Hier bezieht man sich wohl auf die Kreuzigung Christis. Doch schon vorher in der ersten Nacht von leon und Mary werden ihre Füße geküsst. Es könnte natürlich auch ein Fetisch sein. Wahrscheinlich ist es aber das Mary hier die weibliche Version von Christus darstellt auch in der Position wie sie nackt im Bett liegt. Immer wieder sehen wir Frauen in dieser Pose im Film. Dabei verfällt die Gesellschaft die wir sehen aber immer mehr.

Immer wieder bricht Liebe und Gewalt auch die vierte Wand, ohne das man es so richtig mit bekommt als Zuschauer. Als Mary das erste Mal sagt, dass sie Leon liebt schauen beide in die Kamera und das sehr ungläubisch, als ob es beide Charaktere nicht glauben und hoffen das wir der Zuschauer es vielleicht abkaufen. Solche Szenen gibt es ein paar davon. Am Ende im Theater wird der Film auch mit einer kryptischen Szene beendet, welche auch die vierte Wand bricht. Auch die Augen von Leon verändern sich immer wieder, in manchen Szenen hat er gelbe Augen wie ein Wolf und er heult dann auch wie ein Tier. Scheinbar eine Andeutung, dass seine Unschuld langsam zu etwas animalischen wird und er seine Menschlichkeit verliert.

Optik

Bei der Optik des Films merkt man schnell, dass Regisseur Andrzej Zulawski seinen eigenen Stil hat. Denn auch wenn wir uns wohl in gehobener Gesellschaft befinden. So sieht vieles doch sehr verlassen aus und die Räume sind immer wieder von Farben durchzogen und so prunkvoll alles auch beginnt, so zerfallen und verlassen werden die Häuser am Ende. Auch die Straßen scheinen leer zu sein oder die Menschen ignorieren, was dort passiert. Immer wieder beiden Auseinandersetzungen und Schießereien, scheint nicht mal die Polizei zu kommen und das obwohl die Figuren immer wieder fliehen und sogar ein Polizist eine wichtige Rolle spielt. Am Ende ist das alles aber auch egal. Man sieht nur eine Welt voller Verrückter.

Die Kamera bei Liebe und Gewalt ist immer wieder in Bewegungen und gibt dem Film noch mehr Tempo. Schon der Anfang, wenn die Jungs die Banküberfallen und tanzen und umherspringen und Rauchbomben zünden und dann fliehen. Es füllt sich alles so rasant an und endet auch nicht im Zug. Es dauert sehr lange bis der Film mal den Fuß vom Gaspedal nimmt und einen Gang runterschaltet. Als Zuschauer hat man an dieser Stelle schon das Zeitgefühl verloren und merkt erst dann, dass noch nicht viel Laufzeit vergangen ist.

Auch fängt man mit der Kamera immer wieder tolle Bilder ein, man merkt auch das wir uns in den 80er befinden und alles modern wirkt und dennoch hier auch verlassen und zerfallen. Dabei gibt es viele Einstellungen wo die Schauspieler direkt vor der Kamera agieren und wir so nah drin sind wie es nur geht. Man nimmt dem Zuschauer so auch immer wieder jede Distanz zu dem was passiert und wir sind mitten drin in dem Wahnsinn von Liebe und Gewalt.

Fazit:

Liebe und Gewalt ist ein kleines Meisterwerk des französischen Kinos. Scheinbar aber in Vergessenheit geraten. Sollte man sich den Film anschauen, wenn man etwas komplett anderes sehen will, ein Film der sich von jeder Genrekonvention befreit und einfach das macht was er will. Am Ende wird man mit etwas guten belohnt und will den Film noch mal sehen, damit man mehr von dem versteht, was man sieht.

Liebe und Gewalt

Movie title: Liebe und Gewalt

Director(s): Andrzej Zulawski

Actor(s): Sophie Marceau, Francis Huster, Tchéky Karyo, Christiane Jean, Michel Albertini, Jean-Marc Bory, Roland Dubillard, Saïd Amadis, Ged Marlon, Serge Spira, Julie Ravix, Marie-Christine Adam

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
8.7/10
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