Der andere Liebhaber

Der französische Regisseur François Ozon hat in den vergangenen Jahren mit seinen Filmen immer wieder für Aufregung gesorgt. Sei es Swimming Pool oder Jung & Schön immer wieder provoziert er in seinen Filmen mit Sex. Auf der anderen Seite dreht er auch Filme die Dramen sind und wo die Erotik kein Thema spielt. Das zeigt wie wandelbar er ist. Doch bei seinem aktuellen Film Der andere Liebhaber provoziert er wieder das Publikum und fordert es heraus. So ist es wohl nicht verwunderlich, dass man hier vergleiche mit Fifty Shades of Grey zieht. Doch nicht etwa weil der Film so schlecht ist. Sondern wegen der Erotik und das was wir sehen. Immer wieder driftet der Film in den etwas härteren Sex ab. Dazu ist es aber auch ein düsterer Thriller, der mit der Psyche des Zuschauers und der Hauptfigur spielt.

Die Handlung beginnt mit Chloé welche gerade bei ihrer Frauenärztin ist, sie hat Magenschmerzen. Diese scheinen aber eher von der Psyche herzukommen, so bekommt sie einen Psychiater empfohlen. Bei den Sitzungen mit Paul Meyer merkt Chloé schnell dass sie sich verliebt hat und spielt etwas mit dem Arzt, sie bekommt aber auch ihr Leben wieder in den Griff. Als Paul ihr sagt, dass er nicht weiter machen kann, weil er sich verleibt hat, beginne beide eine Beziehung. Doch eines Tages sieht Chloé einen anderen Mann der genauso aussieht wie Paul. Auch findet sie in der Wohnung immer wieder hinweise, dass ihr Freund nicht der ist für den sie ihn hält. Der andere Paul ist auch Psychiater und sie beginnt mit ihm eine Affäre, doch langsam kann Chloé nicht mehr unterscheiden was Real ist und was nicht.

Was für ein Film. François Ozon spielt mit dem Zuschauer und wir fallen auf seine Fallen rein. Denn nichts ist wie es scheint und am Ende ist alles noch offen. Man hat das Gefühl, dass man Der andere Liebhaber immer wieder durchschaut hat und dann kommt noch eine Wendung. Was auch zu viel sein könnte, passt hier perfekt und man hat das Gefühl der Sex passt auch dazu. Doch was ist wahr und was nicht?

© 2017 – MANDARIN PRODUCTION – FOZ – MARS FILMS – FILMS DISTRIBUTION – FRANCE 2 CINÉMA – SCOPE PICTURES /JEAN-CLAUDE MOIREAU

Mindfuck Handlung in Der andere Liebhaber

Wir stoßen von Anfang an in die tiefen von Chloé ab, anders kann man wohl die ersten Szenen des Films nicht beschreiben. Während im kurzen Vorspann die Haare von ihr geschnitten werden und die langen zu einer kurzen Frisur werden. Ist die nächste Einstellung in Der andere Liebhaber das Innere der Vulva von Chloé, die Kamera fährt langsam hinaus und man blendet zu ihrem Auge um. Dann geht der Film los und wir verfolgen ihr leben und lernen sie kennen und erfahren einiges über ihre Probleme. Auch die Sitzungen mit Paul lassen hoffen, dass es ihr bald besser geht. Sie findet einen Job. Doch schon bald folgt der Absturz und wir können es nicht aufhalten. Denn als Zuschauer ist man machtlos. Wir müssen mit anschauen was passiert und fragen uns, ist das alles echt?

Mit dem Auftauchen von Louis dem Zwillingsbruder von Paul wird alles noch merkwürdiger und langsam hat man das Gefühl etwas stimmt nicht. Dabei sind wir aber immer auf der Seite von Chloé so das man gar nicht das Gefühl hat, dass mit ihr etwas nicht stimmen könnte. Hier spielt der Film dann immer wieder mit dem Zuschauer. Die Handlung schlägt Wendungen und wir erfahren mehr über die Vergangenheit von Paul aber man erfährt nie das er ein Zwillingsbruder hat. Wer ist also Louis? Wo wird das Hinführen und hier ist die Geschichte von Der andere Liebhaber sehr elegant, denn die Richtung ist eine andere als man denken mag. Zwar gibt es ein paar Hinweise auf das was kommen könnte, doch wirklich erfahren wir nie etwas über das was uns am Ende erwartet.

Alles ist so verschachtelt bei Der andere Liebhaber, dass man nach dem ersten Sehen wohl nicht alles mitbekommen hat. Denn die Wendungen und Wirrungen und das Spiel mit dem was echt ist und was nicht, ist so gut gemacht. Das man als Zuschauer sich irgendwann fragt, ist dieser Nebencharakter nicht auch Böse und hat etwas damit zu tun? Selbst die nette Nachbarin wirkt auf einmal verdächtig.

Erotik und Spannung

Darstellerin Marine Vacth spielte schon in François Ozon Jung & Schön die Hauptrolle. Dort zeigte sie schon ihr können als junge Verführerin. Doch jetzt vier Jahre später, spielt sie die zerbrechliche Chloé, welche nicht immer weiß was sie will beim Sex. Doch nach und nach blüht auch sie auf und ihre Gelüste werden größer. Vor allem mit Louis lebt sie sich aus. Dabei spiegelt der Film verschiedene Vorlieben wieder und geht sogar so weit, dass man hier die Rollen tauscht und Chloé Paul mit einem Umschnalldildo fickt. Der Film geht sehr offenherzig mit dem Thema Sex um, was man sicher schon am Anfang erahnen konnte. Dabei rutscht man aber niemals ins Exploitative ab, sondern zeigt es immer passend zur Handlung.

Die Erotik ist aber auch nur ein kleiner Teil der Handlung von Der andere Liebhaber, man zeigt uns hier die Wandelbarkeit von Chloé aber auch hier spielt man mit uns. Was ist Fantasie und was ist Real. Am Anfang kann man es noch etwas unterscheiden, wenn der Hauptcharakter von einem Dreier mit Paul und Louis träumt.Doch später ist nicht mehr so klar, ob sie wirklich hier Sex hat oder nicht. Das baut auch die Spannung auf. Hier ist die Erotik ein Teil der Handlung, wie es sein sollte und es fühlt sich sehr natürlich an.

Die Spannung im Film basiert auf dem Konzept, dass wir als Zuschauer nie wissen, was gerade echt ist und was nicht. Auch wenn ihr es an dieser Stelle schon öfters gelesen habt. Das ist was Der andere Liebehaber ausmacht. Man wird in die Welt hingezogen und verfolgt fasziniert was passiert und hat immer im Hinterkopf, dass was man da sieht muss nicht echt sein. Dabei lässt man sich auch immer wieder täuschen und so ist man gespannt wie alles Enden wird.

© 2017 – MANDARIN PRODUCTION – FOZ – MARS FILMS – FILMS DISTRIBUTION – FRANCE 2 CINÉMA – SCOPE PICTURES /JEAN-CLAUDE MOIREAU

Optik

Wir hatten es ja schon kurz angesprochen, wie Der andere Liebhaber anfängt. Das zeigt schon deutlich aus man sich einlassen muss. Denn so was passiert doch ab und an immer wieder im Film. Auch wenn nicht so explizit. Doch wenn Chloé Sex hat und einem Orgasmus in einer Szene hat, zoomt die Kamera in ihren Mund und dann in den Rachen, so das wir ihre Stimmbänder sehen. Was auch provokant sein kann. Solche Zooms kommen ab und an auch immer wieder vor und deuten an, dass hier vielleicht etwas nicht stimmt. Auch sonst ist die Kameraarbeit immer wieder sehr unterschiedlich. Vor allem bei Paul und Louis. Hier trennt man die Zwilling immer wieder sehr deutlich, vor allem wie Chloé zu ihnen steht. Wenn sie in der Praxis von Louis sitzt, ist sie sehr distanziert und die Kamera verlagert den Fokus auf die beiden Figuren. Bei Paul sitzen sie nah zusammen und beide sind immer zu sehen im Bild.

Man sieht dem Film an, dass François Ozon Talent hat und schon einige Filme gedreht hat. Dabei wirkt es aber immer sehr unterschiedlich. Denn Der andere Liebhaber ist dunkel gehalten mit kühlen Farben und alles wirkt etwas düster. Was auch die Stimmung des Films widerspiegelt. Dabei wirkt die Kamera bei bestimmten Charakteren auch sehr distanziert und kommt erst mit der Zeit näher. Dazu sind auch Spiegel sehr wichtig bei der Optik, was zum Thema der Handlung gehört. Dazu deutet die Kamera auch nie an, was nun echt ist und was nicht. Alles wird erst nach und nach aufgelöst, was zu einigen WTF Momenten im Film führt.

© 2017 – MANDARIN PRODUCTION – FOZ – MARS FILMS – FILMS DISTRIBUTION – FRANCE 2 CINÉMA – SCOPE PICTURES /JEAN-CLAUDE MOIREAU

Fazit:

Der andere Liebhaber ist ein spannender erotischer Thriller über eine junge Frau, welche einige Probleme hat. Dabei wird mit uns dem Zuschauer gespielt und wir müssen immer genau aufpassen, denn das was man sieht muss nicht stimmen. Dabei kommt auch ein Hitchcock auf, was am Look und der Kamera liegt, vielleicht ist auch etwas Basic Instict dabei, doch am Ende ist der Film sehr eigenständig und das Ende überrascht sicherlich fast jedem Zuschauer.

Der Andere Liebhaber

Movie title: Der andere Liebhaber

Director(s): François Ozon

Actor(s): Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond, Fanny Sage, Jean-Édouard Bodziak, Antoine de la Morinerie, Jean-Paul Muel, Keisley Gauthier, Tchaz Gauthier, Clemence Trocque

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 7/10
    Erotik - 7/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
8.2/10
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Bilder Copyright: © 2017 – MANDARIN PRODUCTION – FOZ – MARS FILMS – FILMS DISTRIBUTION – FRANCE 2 CINÉMA – SCOPE PICTURES /JEAN-CLAUDE MOIREAU

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Filmfan, Autor dieser Seite.

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