Denkt man an deutsche Fernsehfilme, so hat man viele schreckliche schnulzen im Kopf, mit den man im ZDF gefoltert wird. Bei den Privaten gibt es ab und an auch mal ein paar bessere, doch die meiste Zeit ist die Qualität nicht die beste. Dennoch gab es eine Zeit da war das anders, da war ein Fernsehspiel etwas besonderes und das ging soweit, dass man die Menschen sogar getäuscht hat bei der ersten Ausstrahlung, denn man hielt es für echt. So passierte es bei Das Millionenspiel. Produziert wurde der Film schon im Jahr 1970, doch es gab Probleme nach der zweiten Ausstrahlung mit den rechten und erst 2002 durfte der Film wieder gezeigt werden. Jetzt gibt es ihn auch auf DVD. Doch was macht ihn so besonders? Er hat das Thema Menschenjagd und parodiert dabei auch das TV-Programm. Dabei scheint man sogar einiges voraus gesagt zu haben.

Die Handlung dreht sich um Lotz. Er ist Kandidat bei der TV-Show Das Millionenspiel. Er muss sieben Tage überleben damit er eine Millionen DM bekommen kann. Dabei sind ihn aber immer drei Killer auf den Fersen. Sie wollen ihn umbringen, damit sie ein Preisgeld von 120.000 DM zu bekommen. Während im TV-Studio der Moderator dem Publikum erzählt was gerade passiert und sie auch immer wieder sehen was eher am Tag alles vorgefallen ist, kämpft Lotz weiter um sein überleben. Denn das Spiel ist ernst und wenn er verliert ist er tot. Kann er es schaffen?

Sollte euch die Handlung von Das Millionenspiel bekannt vorkommen, es gibt Ähnlichkeiten zu The Running Man mit Arnold Schwarzenegger. Doch der deutsche TV-Film ist eher entstanden und basiert auch auf einem Buch. Es sind sehr interessante Vorfälle. Die Frage ist natürlich ob sich Stephen King damals von einer deutschen Produktion fürs Fernsehen inspirieren lassen hat oder er kannte einfach die Vorlage oder es ist alles nur purer Zufall.

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Bitterböse TV Satire in Das Millionenspiel

Die Handlung von Das Millionenspiel ist wie eine TV-Show aufgezogen, man bekommt am Anfang eine TV-Ansagerin zu Gesicht, welche uns erklärt was wir gleich sehen werden. Dann geht es auch schon los mit Lotz der im Hotel sich versteckt und auch TV schaut. Doch seine Verfolger sind in der Nähe, ein Zimmermädchen hat ihn verraten. Doch er kann entkommen. Dann geht es in TV-Studio und hier geht die Show los, man erklärt uns was passiert und welche Möglichkeiten es gibt. Alles wirkt wie eine echte TV-Show, was auch an Dieter Thomas Heck liegen mag, der hier einfach nur so tut als würde er eine Sendung moderieren, das verleiht dem Film auch das gewisse etwas. Als Zuschauer hat man wirklich das Gefühl man siehe eine solche Show.

Wie Bitterböse man es aber mit dem TV meint, sieht man in den TV-Werbespots die immer wieder auftauchen. Auch hier hat man das Gefühl, man hat es anderen Filme schon vorweggenommen, denn alles ist so böse gemacht. Es geht los mit einer Verhütungsspritze, welche es heut zutage wirklich gibt. Über Mineralwasser, was einen neuen Lebensstil verspricht. Es gibt auch Pillen die einen schlank werden lässt. Bis hin zu Werbung für einem Frisör, welcher einem die Haare macht wenn man tot ist, man soll auf der Beerdigung auch schön aussehen. Dieser Spot ist auch an einer sehr unpassenden Stelle gesetzt, so das es der Moderator auch anmerkt.

Lotz wird auch als etwas widerspenstig dargestellt. Er war wohl nie der Wunschkanidat der Macher, er ist etwas zu schlau und widersetzt sich auch schon mal. Dennoch hat er gute Chancen zu gewinnen. Während man in der Sendung schon den nächsten Kandidaten vorstellt, welcher passender zu seien scheint. Man erfährt im Verlauf von Das Millionenspiel aber auch, das jeder erst durch andere Gameshows durch muss, bis er in dieser Show landet. Es ist nichts anderes als Gameshow hopper oder Talkshow Hopper, welche es früher wirklich gab aber erst nach dem Fernsehfilm.

Spannung

Man kann es sich vielleicht kaum vorstellen aber Das Millionenspiel funktioniert noch immer. Man fiebert immer noch mit ob Lotz es schafft oder nicht. Im Finale sitzt man dann am Rand seines Sitzes und hofft es. Es sind 96 Minuten welche schnell vergehen. Da es eine TV-Show ist, will man natürlich auch alles schnell und mit viel Tempo erzählen. Denn als Zuschauer soll man dran bleiben und nicht umschalten. Obwohl es damals nur drei TV-Sender gab. So waren die Chancen natürlich geringer, das jemand das Programm wechselt. Dennoch schauen auch die Macher was auf den anderen Sender läuft. Hier ist man meist sehr kritisch über dem was sie produzieren.

Es werden auch Zuschauer befragt, welche ihre Meinung von sich geben. Man merkt auch hier das einige sehr kritisch eingestellt sind. Genauso wie Lotz, er glaubt auch schon das Aufgeben die bessere Wahl war. Die Frau die ihn mitnimmt, fragt ihn aber was mit anderen Kandidaten passiert ist die Aufgeben haben. Einer hat sich selbstumgebracht, weil er nicht damit fertig wurde, das er aufgegeben hat. Scheinbar ist die Teilnahme an der Show und der Gewinn so ein großes Ziel, das es die Kandidaten mehr fertig macht, als die Tatsache das sie sterben könnten.

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Optik

Man sieht Das Millionenspiel an, dass es in den 70ern enstanden ist. Alles schreit danach, von der Kleidung bis hin zum TV-Studio alles ist so 70er wie es nur geht. Das stört aber weniger, denn auf seiner Flucht hat Lotz eh nicht viel Zeit um stehen zu bleiben und mancher Raum wirkt karg was wohl auch der Produktion liegt oder man es realistischer halten wollte. Schon das Hotel wirkt herunter gekommen, die leerstehende Wohnung auch. Das TV-Studio und die Mikrophone wirken sehr alt, dennoch funktioniert alles immer noch sehr gut.

Dadurch das es ein Fernsehspiel ist, sieht man auch darüber hinweg, dass es halt genauso aussieht. Der Film wurde fürs TV produziert und das sieht man ihn auch an. Was an der 4:3 Optik liegt aber auch an der Kameraführung, obwohl sie auch immer sehr nah ist. Man erklärt auch nicht wirklich, wie sie immer bei Lotz sein könnte und man alles gut mitfilmen kann. Dieses Logikloch sollte man schnell ausblenden, denn es ist auch egal. Denn Das Millionenspiel ist auch etwas futuristisch gehalten. So könnte man das auch erklären. Highlights sind die Werbespots, die definitiv auf dem Höhepunkt der filmischen Technik ihrer Zeit entstand, für das Mineralwasser hat man schnelle Schnitte und Fischaugenlinse genommen. Das verleiht dem ganzen schon etwas besonderes.

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Fazit:

Das Millionenspiel ist ein interessantes Experiment, welches immer noch funktioniert. Der Film bietet sehr viel Spannung und ist dabei aber auch bitterböse Satire auf das was aus dem TV werden könnte. Vieles ist auch eingetroffen oder so ähnlich passiert. Auch das TV-Shows von Werbung unterbrochen werden gibt es nun. Ein Film der sich immer noch lohnt.

Das Millionenspiel

Movie title: Das Millionenspiel

Director(s): Tom Toelle

Actor(s): Arnim Basche, Hans Werner Conen, Heribert Faßbender, Theo Fink, Josef Fröhlich, Ralf Gregan, Andrea Grosske, Theodor Haarmann, Hans-Jörg Hack, Dieter Hallervorden, Dieter Thomas Heck, Peter Kletschke

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
7.8/10
Sending
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Bilder Coypright: ©WDR