Antiporno

In den 70er Jahren gab es in Japan neben dem Pinku Eiga auch noch den Roman Porno, welche von dem legendären japanischen Filmstudio Nikkatsu produziert wurden. Sie boten etwas mehr Handlung aber auch Sex und waren genauso Kontrovers. Dennoch sehr beliebt beim japanischen Publikum, welches halt etwas sehen wollte was sie sonst nicht kannten. Die Zielgruppe waren junge Männer, auch gern aus ländlichen Gegenden, die solche Art von Filmen nicht kannten. Man fand also eine gute Zielgruppe. Die Zeiten haben sich aber geändert, dennoch startet Nikkatsu 2016 das Roman Reboot Project, wo bekannte japanische Filmemacher ihre Version eines Roman Porno drehen sollte. Einer davon ist Sion Sono, welcher dafür bekannt ist, nicht den Regeln zu folgen. So entstand Antiporno. Er macht mit diesem Film da weiter, wo er bei Tag aufhörte.

Die Handlung dreht sich um die Autorin und Künstlerin Kyôko, welche alleine in ihrem Appartement lebt und hier auch arbeitet. Ihre Assistentin kommt vorbei und will mit ihr den Tag besprechen. Doch Kyôko liebt es auch ihre Assistentin Noriko zu Quälen und sie will aus ihr eine Hure machen. Dabei ist sie es aber nie wert eine Hure zu sein, sie sei nur Schmutz. Das ganze Eskaliert bei einem Interview und Fotoshooting. Hier scheint Kyôko durch zudrehen und vergessen was die Realität ist und was nicht. Es folgt eine Reise durch ihre vergangenheit und sie glaubt alles sei nur ein Film.

Willkommen in der Welt von Sion Sono, sollte man noch nie einen Film des japanischen Regisseurs gesehen haben, man wird bei Antiporno wohl so einige Probleme haben. Denn anders als andere Regisseure aus Japan, spricht Sono viele Probleme direkt an. Er will provozieren und bricht dabei grenzen. Bei Antiprono geht er auch etwas weiter, er nutzt den Roman Porno für sich und zeigt uns dem Zuschauer schonungslos, was er von dem Genre hält und was die Probleme in Japan sind und wie schwer es für Frauen ist.

©2016 Nikkatsu

Zwischen den Welten bei Antiporno

Die Handlung von Antiporno fängt an wie ein normales Drama oder gar ein normaler Roman Porno, wir lernen Kyôko kennen. Sie scheint einige Probleme zu haben. Sie redet mit sich selbst ob sie auf dem Klo war und ob sie auch Stuhlgang hatte und pinkeln musste, weil das wichtig ist. Dazu sieht sie ihre tote Schwester welche am Piano spielt und über Schmetterlinge redet. So sieht man schnell, das ist keine heile Welt in der wir uns befinden. Dazu die grellen Farben des Appartement, alles ist Gelb, außer der Bereich mit dem Klo, dieser ist Rot. Dazu Ventilatoren wo durch helles Licht leuchtet, wie durch die Fenster. Es wirkt alles so künstlich und als ob man wieder in den 80ern wär. In dieser Welt lebt Kyôko also und als ihre Assistentin auftaucht, merkt man schnell da ist noch viel mehr.

Die Fassade bröckelt langsam und die anderen Charaktere sind einfach nur da, wir sehen alles aus der Sicht von Kyôko und hier passiert dann auch die erste Wendung und wir stellen alles in Frage was wir gesehen haben und was wir sehen werden. Die Handlung nimmt ein paar solcher Wendungen. Spricht uns den Zuschauer auch immer wieder an. Die Frage ist viel mehr, wie weit bricht Antiporno wirklich die vierte Wand und das immer wieder. Ist nur eine Fantasie von Kyôko oder weiß sie wirklich das sie nur ein Charakter in einem Film ist, welcher Leute unterhalten soll?

All das wird in 75 Minuten erzählt, also wirklich wie ein Roman Porno. Dabei behandelt Sion Sono hier aber auch viele Themen die ihm wichtig erscheinen. Seinen Charakteren auch, obwohl Kyôko keinen Themen für ihre Charaktere zu haben, sie kommt auf die Ideen wenn sie beim Autofahren masturbiert. Alles dreht sich auch immer wieder um Sex und wie er in Japan behandelt wird.

Misogynie in Japan und das Frauenbild im Roman Porno

Das Frauen es auf der ganzen Welt schwer haben, sollte jedem Klar sein und das wir immer noch in einer Welt leben, wo es Länder gibt wo Frauen keine Recht haben auch. Sion Sono spricht bei Antiporno aber die Probleme in Japan an und auch die sollten jedem Aufgefallen sein, wer schon mal einen Pinku Eiga oder Roman Porno gesehen hat, oder eine der Subgenres dazu. Vergewaltigungen gehören zum guten Ton und die Frau muss immer unterwürfig sein, außer es geht um BDSM dann dürfen sie in diesen Filmen auch schon mal dominanter sein. Dabei wird die Frau aber immer als Objekt dargestellt, es gibt wie immer auch ausnahmen. Die Pink Violence Filme, wo es starke Frauengruppen waren, diese sind aber auch eher als Böse dargestellt worden.

Diese Misogynie sprechen die Charaktere im Film immer wieder an und halten einen Monolog darüber was Freiheit in Japan bedeutet. Es ist harte Kritik für einen Film der auf diesem Konzept basiert. Sono bricht hier mit den Regeln und hält allen den Spiegel vor und das sogar Bildlich. Es gibt Szenen da stehen Figuren im Bild die einen Spiegel in die Kamera halten, was das Licht reflektiert. Am meisten aber sind es die Szenen mit Kyôko wo sie mit ihren Eltern am Tisch sitzt und sie Fragen stellt über Sex. Dazu versuchen sie ihr den Unterschied zwischen Genitalien und Schwanz und Fotze zu erklären. Denn das eine ist gut und das andere ist schmutzig und obszön und Filme darüber sind es auch. Es ist die Doppelmoral der Menschen die hier aufgezeigt werden.

Als Zuschauer wird man als mit dem Konfrontiert, was man gerade sieht und muss darüber nachdenken, ob man nun wirklich einen Film voller Erotik sieht oder nicht. Denn Sono setzt die Nacktheit auch ästhetisch in Szene aber nie wirkt alles so erotisch. Es ist zwar da, weil es zum Genre gehört, wird aber für einen anderen Zweck genutzt, damit man Provozieren kann. Der Zuschauer soll darüber nachdenken ob er nun wirklich zu der Schauspielerin masturbieren soll, die nackt ist oder darüber nachdenken was sie gerade erzählt. Nacktheit ist in Antiporno normal und gehört einfach zum Leben dazu, wie es in der Realität es auch ist.

©2016 Nikkatsu

Optik

Antiporno sieht einfach gut aus, die Farben, die Kamera und wie alles geschnitten ist. Man merkt einfach, dass Sion Sono eine Vision hatte, welche er hier umgesetzt hat. Zum größtenteils spielt der Film auch nur in dem Appartement von Kyôko, welches wie schon erwähnt von grellen Farben dominiert wird. Ansonsten wechselt es auch immer mal wieder und Möbel und Gegenstände verschwinden. Was gewollt ist, denn man spielt mit uns dem Zuschauer. Denn wie auch schon erwähnt, ist nicht immer sicher ob alles echt ist was wir sehen.

Auch die Brüche die wir erleben sind gut umgesetzt, sie reißen uns aus dem Film und bringen uns gleich wieder rein. Denn Antiporno ändert dann seinen Look etwas und die Farben sind nicht mehr so grell, dafür nutzt man andere Stilmittel. Es gibt Szenen wo dann der Weichzeichner etwas höher ist oder wir starken Lensflair haben oder einfach das Bild sehr digital und künstlich wirkt, das aber so gut gemacht ist, das es perfekt aussieht. Vor allem die Szene wenn Kyôko ihr erstes mal hat. Was sie auch auf dem Projektor in ihrer Wohnung zeigt, wo das Bild durch den Hintergrund gelb wirkt. Dazu auch die erwähnten Spiegel, die immer wieder auftauchen und für Lichtreflektionen genutzt werden.

Es gibt auch stellen, da gibt es keinen Schnitt und die Szene läuft länger und die Kamera verfolgt den Charakter, dass passiert vor allem bei Monologen und bei manchen Dialogen, wenn die Realität eh auseinander bricht und wir einfach eine Szene sehen wie etwas passiert sein könnte. Auch wenn Kyôko an einer Stelle auf Wanderschaft geht, so gibt es längere Einstellungen und Kamerafahrten, alles wirkt sehr homogen, wie eine Miss-En-Scene sein sollte.

©2016 Nikkatsu

Fazit:

Antiporno ist ein kleines Meisterwerk von Sion Sono, welches perfekt das Genre demontiert in dem es spielt. Dazu gibt es sehr viel Kritik an dem wie Frauen in Japan behandelt werden. Man wird aber auch so unterhalten, denn der Roman Porno ist eine Achterbahnfahrt und man weiß nie was als nächstes passieren wird.

Antiporno

Movie title: Antiporno

Director(s): Sion Sono

Actor(s): Ami Tomite, Mariko Tsutsui

  • 10/10
    Handlung - 10/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
  • 9/10
    Anspruch - 9/10
9.5/10

Bilder Copyright: ©2016 Nikkatsu

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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