The Man with a Shotgun

Bevor Seijun Suzuki mit seinen Filmen Tokyo Drifter und Branded to Kill zwei legendäre japanischen Filme gedreht hat, war er schon als Regisseur für Nikkatsu tätig. Langezeit gab es diese Filme nicht ausserhalb von Japan, doch dank Arrow Video dürfen wir nun auch in der restlichen Welt sein frühes Schaffen bestaunen und da sind einige Filme dabei, welche man sich anschauen kann und vielleicht auch wichtig wären für die Filmgeschichte. So auch The Man with a Shotgun, denn dies ist ein japanischer Western. Ein Genrebeitrag, welcher sicherlich doch schon etwas selten ist. Denn man kennt zwar den ungekehrten Weg, das aus Samuraifilmen Western werden aber dass man in Nippon einen dieser Filme dreht ist sehr selten. Dabei wirkt das alles aber auch sehr wie eine Satire auf das Genre, denn man nimmt es und packt es einfach in die moderne und lässt es auch gleich 1961 spielen.

Die Handlung dreht sich um Ryoji, welcher durch die japanischen Berge wandert. Er hat immer eine Shotgun dabei und sagt er wär ein Jäger. Als er in einem kleinen Bergdorf angekommt, stellt er schnell fest, dass hier etwas nicht stimmt. Er nimmt dennoch einen Job in der Mine an. Langsam lernt er auch ein paar Leute kennen, wie die Geschwister, wo der Bruder der Sheriff des Dorfs ist, denn die Polizei ist weit entfernt. Die Schwester scheint sich auch in Ryoji zu verlieben. Es gibt aber noch weitere Wanderer, welche hier einen Job haben. Die wirken aber alles andere als nett und da wär noch sein Gegenspieler, welcher scheinbar der Böse ist.

Wenn man ein paar Filme gesehen hat und die Genres dann schon unterscheiden kann, fällt einem bei einem Film schnell auf welches Genre er ist. Auch wenn er nicht danach aussieht und alles nicht so wirkt. So ein Fall ist The Man with a Shotgun, denn der Film von Seijun Suzuki ist ein Western. Schon etwas abgewandelt von den typischen US Western aber noch nicht so schmutzig wie ein Italo-Western aber er geht genau in diese Richtung. Ryoji ist auch mehr Antiheld als Held und auch die anderen Figuren wirken alles andere als typisch.

©1961 Nikkatsu

The Man with a Shotgun: Genre Typischer oder doch nicht?

Schon die erste Szene von The Man with a Shotgun zeigt was uns erwartet. Wir sehen drei Personen in eine Art Bus und ein fremder Mann genehmigt sich einen Drink und belästigt dann die junge Frau neben ihn, sie soll doch auch einen nehmen. Diese will aber nicht. Ryoji liegt einfach nur da mit seiner Shotgun im Schoß und scheint zu schlafen. Als der Mann aber aufdringlicher wird, nimmt er den Flachmann und wirft ihn aus dem Fenster. Danach hält er noch seine Waffe auf den aufdringlichen Typen. Als Zuschauer ist uns jetzt schon klar, wir sind in einem Western. Diese Szene ist so typisch für die Einführung eines Helden und vor allem in dem Genre, dass man auch die anderen Fakten ignorieren kann.

Auch die nächsten Szenen zeigen sehr deutlich, dass The Man with a Shotgun ein Western ist. Unser Held kommt im Dorf an und hier entfaltet sich dann die Handlung, welche am Anfang noch sehr typisch für das Genre zu sein scheint. Doch schnell merkt man als Zuschauer, man will hier doch andere Wege gehen. Denn Ryoji kommt nie dazu seine Waffe wirklich einzusetzen. Am Anfang darf er paar mal schießen. Einmal sogar sehr auffällig zu oft ohne nachzuladen. Das wirkt fast schon wie eine kleine Parodie auf den Western, wo die Helden immer unendlich viele Schüße haben, außer es wird wichtig und man braucht etwas Spannung, dann musste der Held nachladen. Hier schießt er mit seiner Doppelläufigen Shotgun dreimal obwohl sie nur zwei Schüsse hat.

Man merkt dem Film auch seine Zeit an, denn Anfang der 60er Jahre war die Welt noch eine andere. Vor allem in einem japanischen Bergdorf, es gibt kaum Frauen und so sollen Töchter schon mal als Schulden erlassen genommen werden. Doch Ryoji kann das noch verhindern. Man sieht also immer wieder das unser Held, so düster er auch wirkt immer noch gute Seiten hat. Auch bei anderen Charakteren merkt man dies immer wieder.

Genre Typischer oder doch nicht? Part 2

Immer wieder bricht The Man with a Shotgun auch mit dem Western Genre und geht seinen eigenen Weg, nur um dann doch wieder in dem Genre anzukommen. Dennoch merkt man als Zuschauer schnell, dass man versucht dieses Genre zu verändern und vielleicht will man ihn auch dem Samurai Film aufzwingen. Denn Ryoji wirkt auch wie ein Ronin der nur Rache will. Man merkt halt immer wieder wie gleich diese beiden Genre sind aber dieser Film hier ist anders. Das sieht man auch immer wieder. Schon alleine die Momente wo es zu einer Schießerei kommen sollte und man doch keine zeigt, weil es keine Waffen gibt oder man eine andere Lösung findet. Alleine wie Ryoji zum Sheriff wird ist schon ein kleines Highlight, wo wieder merkt, dass der Spielfilm doch in den 60ern spielt.

Auch die typischen Jungfrau in Nöten Szenen sind wenige, viel mehr ist die Frau hier auch die Stimme der vernuft auf die Ryoji hören sollte. Vor allem im Finale. Vorher wird sie aber entführt und er muss sie retten. Dabei geht man auch hier wieder ein paar andere Wege. Man will dem Western verändern an vielen Stellen oder man ist schon drauf bedacht ihn zu demontieren. Es wirkt aber auch so wie die Vorstufe zum Spaghetti Western, welcher auch in Japan sehr beliebt ist. Auf jeden fall ist The Man with a Shotgun zwar immer wieder Genre typisch aber an vielen Stellen dann doch nicht.

©1961 Nikkatsu

Optik

Man sieht The Man with a Shotgun sehr deutlich an, wann er entstanden ist. Denn die Kamera ist noch nicht so losgelöst wie ein paar Jahre später bei anderen Seijun Suzuki Filmen. Es ist viel mehr sehr traditionell, obwohl man hier und da schon merkt, dass der japanische Regisseur es etwas anders machen will. Vor allem bei den Charakteren, es gibt ein paar falsche Fährten wer nun der Böse ist und wer nicht. Dazu ist das Nikkatsuscope echt gut gelungen. Man sieht dem Spielfilm aber auch an, dass er Alt ist und nie außerhalb von Japan gelaufen ist. So gibt es immer noch einige abnutzungsspuren, was aber ein besonderen Charm hat und dem Film zu gute kommt.

Die Sets sind sehr gelungen, vor allem die Außenaufnahmen an echten Orten, ein schöner Fluß und Wasserfall und die Landschaften von Japan. Im Verlauf des Films wechselt es auch langsam, von den schönen Orten und dem offensichtlichen Studio mit Bild einer Landschaft im Hintergrund, vor allem bei den Barszenen ist das sehr deutlich. Hin zu einem düsteren Ort, die Landschaft wird karger und der Sand auch dunkler. Am Ende sind wir an einem Strand und es gibt die Auflösung und den letzten Konflikt und die Frage was wir Ryoji tun.

©1961 Nikkatsu

Fazit:

The Man with a Shotgun ist ein kleiner feiner Geheimtipp. Ein japanischer Western, der andere Wege geht aber dem Genre immer wieder treu bleibt, nur damit er es an anderen Stellen demontieren kann. Hier bekommt man ein Stück vergessene Filmgeschichte präsentiert.

The Man with a Shotgun

Movie title: The Man with a Shotgun

Director(s): Seijun Suzuki,

Actor(s): Yôko Minamida, Hideaki Nitani, Akio Tanaka

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 7/10
    Unterhaltung - 7/10
7.0/10
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Bilder Cooyright: ©1961 Nikkatsu

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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