Baby Doll – Begehre nicht des Anderen Weib

Skandalfilme gibt es in jedem Jahrzehnt und irgendwann fragt man sich, warum die Aufregung darüber? Denn schaut man viele dieser Filme heute merkt man, dass die Zeiten sich geändert haben und man merkt nichts mehr davon warum es einst so schlimm war. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wo die Geschichte immer noch ein Tabubruch ist oder Szenen die dem Zuschauer immer noch herausfordern. Einer dieser Skandalfilme war Baby Doll – Begehre nicht des Anderen Weib, welche 1956 für sehr viel Aufsehen sorgt, dabei war der Film damals dann auch kein Erfolg, wegen des Skandals. Doch nach über 60 Jahren ist alles was dem Skandal ausmachte verflogen und man bekommt eine Dramdy, die immer noch erstaunlich gut funktioniert. Was wohl am Regisseur liegt, denn Elia Kazan drehte auch Jenseits von Eden und Die Faust im Nacken. Er machte Marlon Brando und James Dean groß. Man hat hier also einen der klassischen Hollywood Regisseur vor sich.

Die Handlung dreht sich um die 19 Jährige Baby Doll, welche seit einem Jahr mit Archie Lee verheiratet ist. Doch ihr Ehemann darf sie nicht anfassen, so lange sie noch keine 20 ist. Die Geschichte beginnt zwei Tage vor Baby Dolls Geburtstag. Wie immer streiten sich beiden. Denn Archie hat Probleme, durch die Konkurrenz im Baumwollgewerbe hat er kein Geld mehr. Das geht soweit, dass man sogar die Möbel pfändet. In der Nacht brennt die Lagerhalle der Konkurrenz ab. Der Besitzer Silva kommt beim Anwesen von Archie Lee vorbei. Baby Doll ist hin und weg von dem Mann, denn er ist das Gegenteil von ihrem Ehemann.

Sollte man noch nie einen klassischen Hollywood Film gesehen haben, wird man mit Baby Doll wohl kaum eine Freude haben. Außer man gewöhnt sich an dem langsamen Erzählstil. Denn der Film braucht lange bis er fahrt auf nimmt. Doch dann wird man als Zuschauer belohnt, vorher erlebt man auch schon einiges und man merkt, dass Charakterentwicklung wirklich früher Großgeschrieben wurde.

© 1956 Warner Bros.

Bei Baby Doll stehen die Charaktere im Vordergrund

Am Anfang des Films stehen die beiden Hauptfiguren und schon in der ersten Szenen wird sehr schnell deutlich, dass hier etwas nicht stimmt. Baby Doll liegt in einem Kinderbett und lutscht an ihrem Daumen und Archie Lee sucht sie und entdeckt sie aber schnell. Er fängt dann aber an sie durch ein Loch in der Wand zu beobachten. Dann bricht der erste Streit der Beiden aus. Denn Baby Doll macht ihrem Ehemann Vorwürfe, denn er bespannt sie und das im einzigen normalen Raum im Haus. Denn der Rest des Gebäudes ist genauso brüchig wie die Beziehung der Beiden. Archie versucht aber immer noch alles das Herz von Baby Doll zu erobern, doch die hat keine Lust drauf. Denn sie kennt ihr Versprechen, wenn sie 20 wird, darf Archie Lee mit ihr schlafen. Denn dann ist sie volljährig. Schnell wird uns auch gezeigt, dass Archie Lee ein Alkohol Problem hat und Baby Doll nimmt kein Blatt vor dem Mund.

Man lässt den Charakteren sehr viel Zeit sich zu entwickeln, man erlebt einen Tag der Beiden. Doch Archie Lee überkommt langsam immer mehr die Wut und Baby Doll versucht auch nicht viel um etwas dagegen zu tun. Sie scheint die Ehe auch nur wegen ihrem Vater eingegangen zu sein. Mit dem Auftauchen von Silva kommt ein weiterer Charakter dazu und wir lernen ihn auch besser kennen und man merkt, er will etwas und nimmt sich immer das was er will. Denn er beginnt ein Spiel mit Baby Doll und sie merkt es nicht mal, weil sie sehr naiv ist und man erfährt auch, dass sie die Schule schon nach der vierten Klasse verlassen hat. Wahrscheinlich war Archie Lee auch der einzige Mann, der sie heiraten wollte. Dabei ist Baby Doll wunderschön und verführerisch.

Silva will wissen wer seine Fabrik und Lagerhalle abgefackelt hat und er hat einen Verdacht. Als Zuschauer wissen wir es schon. Dabei arbeitet Baby Doll aber auf ein sehr gewagtes Ende hin. Denn hier kommt die Moralkeuel heraus und Baby Doll muss lernen, dass sie wohl verarscht wurde. Während Archie Lee sie wirklich liebt.

Der Skandal

Man fragt sich natürlich, was bei diesem Film der Skandal war. Es gibt ein paar Informationen. Auf der einen Seite ist Archie Lee viel älter als Baby Doll und sie ist noch Minderjährig, was natürlich damals wieder ein Tabu war, die Menschen sind moralischer geworden und haben gemerkt, dass man nicht einfach eine 14 Jährige heiraten darf. Aus heutiger Sicht ist das alles aber sehr altbacken, denn Baby Doll war 18 als sie geheiratet hat, also ist das alles in Ordnung. Dazu ist auch noch Jungfrau, also wurde die Ehe nicht vollzogen, was sicherlich ein paar gläubige auch vor dem Kopf gestoßen haben können. Dazu gibt es auch eine gewagte Szene im Bad, wo man als Zuschauer aber nichts sieht. Doch man merkt, dass Archie Lee seine lüste nicht mehr unter Kontrolle hat.

Der andere Skandal war, dass Silva hier Baby Doll verführt und das über einen längeren Zeitraum. Er geht sogar etwas weiter, auch dies wird uns nicht gezeigt, sondern nur angedeutet. Denn Baby Doll bekommt auf einmal Gefühle, die sie vorher nicht kannte und kann damit auch nicht umgehen. Das belustigt natürlich Silva und zeigt perfekt, was für ein Typ er doch ist. Scheinbar war auch diese Szene damals zu viel, für viele Zuschauer. Auf der anderen Seite wurde der Film gleich für vier Oscars normiert. Auch Carroll Baker für ihre Rolle als Baby Doll, was sie wirklich gut macht.

© 1956 Warner Bros.

Optik

Man sieht Baby Doll sein alter doch sehr deutlich an. Dabei wird man als Zuschauer aber in eine andere Zeit gezogen, die Outfits und Orte, sehen alle aus wie aus einer längst vergessenen Zeit, obwohl die 50er auch immer mal wieder IN sind. So ist Baby Doll ein Film einer ganz anderen Ära, was nichts schlimmes bedeutet. Denn das ganze Set spiegelt auch die Gefühle der Charaktere wieder und in vielen kleinen Details, kann man erkennen, welchen Charakter die Figur hat. Das geht schon am Anfang los, wenn wir Baby Doll in diesem Kinderzimmer sehen, zeigt es perfekt, welch kindliches Gemüt sie doch hat und immer wieder versucht Erwachsen zu spielen. Das Haus wirkt auch sehr brüchig und es gibt viele Baustellen. Dazu ist es leer, denn die Möbel wurden genommen. Es spiegelt perfekt die Beziehung des Ehepaars wieder. Wenn im Finale Archie Lee dann durchdreht, zieht auch ein Sturm auf.

Die Kamera in Baby Doll ist typisch für die Zeit, es gibt viele lange Szenen und Kamerafahrten, man zeigt die Schauspieler wie die Schauspielern. Es gibt typische Gegenschitte in Dialogen oder man verfolgt den Charakter wenn er etwas im Haus macht. Einiges wirkt schon etwas moderner, doch vieles schreit einfach klassisches Hollywood Kino. EIn Highlight ist aber das Katz und Maus Spiel von Baby Doll und Silva, welches sehr unterhaltsam in Szene gesetzt wurde.

© 1956 Warner Bros.

Fazit:

Baby Doll – Begehre nicht des Anderen Weib ist kein Skandalfilm mehr aber immer noch ein unterhaltsames Stück Filmgeschichte. Denn die Handlung funktioniert immer noch und man fühlt mit Baby Doll mit.

Baby Doll

Movie title: Baby Doll

Director(s): Elia Kazan

Actor(s): Karl Malden, Carroll Baker, Eli Wallach, Mildred Dunnock, Lonny Chapman, Eades Hogue, Noah Williamson, Madeleine Sherwood, Rip Torn

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 6/10
    Unterhaltung - 6/10
7.5/10
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Bilder Copyright: © 1956 Warner Bros.

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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