Das Mondo Genre gehört zu den umstrittensten Genres der Welt, es ist immer wieder ein Streitthema darüber was ein Film zeigen darf und was nicht und ob das nicht schon Snuff ist. Denn Mondos sind nichts anderes als Dokumentationen, dabei zeigt man aber auch Mord und Gewalt. Sowas gibt es auch in normalen Dokumentationen, vor allem wenn man wichtige Szenen aus der Geschichte zeigt. Doch im Mondo wird alles sehr selbstzweckhaft und sehr reißerisch in Szene gesetzt. Die Macher hatten immer Probleme, sie mussten auch beweisen, dass manche Szenen nicht Extra für den Film gedreht worden sind, vor allem bei Hinrichtungen. Auch Africa addio ist ein Mondo und einer, der immer noch sehr umstritten ist. Das liegt vor allem an seinem Thema, denn es geht um Afrika und was passierte als die kolonial Mächte das Land verlassen haben in den 60ern. Dabei ist der Film immer wieder Thema bei der Kontroverse um Rassismus im Film.

Die Handlung spielt in einem Zeitraum von knapp vier bis fünf Jahren in Afrika, das Filmteam rund um Gualitero Jacopetti und Franco Prosperi  schaut sich das Land an und filmt Szenen. Denn man will zeigen was in dem Land passiert. So sehen wir als Zuschauer unterschiedliche Szenen, das geht los mit dem Verlassen der kolonial Mächte und die Übernahme durch die afrikanische Bevölkerung, doch schnell wird klar, es gibt Aufstände. Rebellen kämpfen für ihre Freiheit und man will den weißen Mann verdrängen. Hier wird schon sehr schnell deutlich, warum der Film immer wieder Kontrovers ist. Denn wie typisch für die 60er Jahre, war man noch nicht so weit und hat bei manchen Dingen, nicht weiter gedacht. Manches wirkt sehr rasistisch aber steht immer noch im Kontext. Denn man will zeigen, wie sich das Volk fühlt. Dabei lässt man aber nichts aus.

Als Zuschauer wird man bei Africa Addio auf die Probe gestellt, wie bei vielen Mondos, denn die eigene Moral und Ethik wird immer wieder gefragt, bei dem was man sieht. Dabei zeigt sich auch der Kontrast zwischen den Szenen, man will Objektiv sein aber manchmal schießt man etwas über das Ziel hinaus. Auf der einen Seite bekommt man einen sehr ruhigen Film der bedacht zeigen will was passiert, was wohl an Franco Prosperi liegt, auf der anderen Seite ist der Film sehr exploitativ, was an Gualitero Jacopetti lag.

Africa Addio ist voller Kontraste

Als Zuschauer von Africa Addio hat man es nicht leicht, denn der Film ist ein Mondo und das durch und durch. Man wird mit reißerischen Szenen Bombardiert. Das geht los mit Mord an Tieren, man sieht Wilderer und Eingeborene wie sie Tier jagen aber auch Verbrecher die Tiere von unschuldigen Farmern töten. Hier kommen wir kurz zu dem nächsten Punkt was sehr umstritten ist. Diese Szene wirkt sehr gestellt. Genaus wie eine Fuchsjagt, welche von vielen Weißen durch geführt wird und der arme Afrikaner muss als Fuchs weg rennen und wird gejagt. Das ganze wirkt wie eine inszienerte Actionszene, was sie wohl auch ist. Im Verlauf des Films gibt es immer wieder solche Szenen in Africa Addio.

Auf der anderen Seite zeigt der Film aber auch das Gegenstück dazu, wie Menschen versuchen den Tieren zu helfen und wie man gegen die Wilderer vorgeht. Dennoch sieht man sehr drastische Szenen und das in verschiedenen Einstellungen. Im Verlauf des Films wird das aber immer drastischer, man zeigt auch den Völkermord in Sansibar und wie später Söldner dagegen vorgehen. Dabei sieht man auch den berühmt berüchtigen Kongo Müller. Hier gibt es eine weitere Kontroverse in Africa addio, man soll Söldner bestochen haben, damit sie Hinrichtungen verschieben, so dass man sie gut Film kann. Dies wurde aber nie bewiesen und Gualtiero Jacopetti konnte sich von diesem Vorwurf immer wieder rein waschen. Man sieht aber auch wie das Filmteam verletzt wird und selbst hingerichtet werden sollte. Sie sind nur davon gekommen, weil sie Italiener waren.

Man zeigt aber auch Südafrika und vor allem Kappstadt kurz im Film, hier sieht man die weiße bevölkerung, wie sie ihre Welt aufbaut. Dabei gibt es dann eine Szene wo viele junge Frauen im Bikini und Badeanzug, fröhlich umher hüpfen, was eindeutig, wohl etwas Erotik in Africa addio bringen soll. Dann folgt aber das Gegenstück, nackte Eingeboren, welche aber auch nur von einer Filmschule kommen und dafür bezahlt werden. Es ist wohl ein Filmset. Dieses ganze Stück in Africa addio ist sehr absurd und wirkt nur noch befremdlich, weil es auch um Kleidung und Mode geht. Vielleicht ist es auch sehr rassistisch was man hier andeuten will. Es wirkt aber eher lächerlich und belustigten, was aber auch am Soundtrack von Riz Ortolani liegen mag.

Fazit:

Africa addio ist ein Stück Filmgeschichte, welches für viele und lange Diskussion sorgte und sorgen wird. Denn es ist ein kontroverser Film, welcher uns aber auch sehr deutlich macht, was die Menschen damals in Afrika angerichtet haben und was sie zurück gelassen haben. Viele Bürgerkriege gibt es heute noch. Es ist dennoch kein leichter Film und man wird sehr gefordert beim schauen, vor allem die eigenen ethnischen und moralischen Grenzen werden sicherlich das eine oder andere Mal überschritten.