Wenn man an Filme denkt, die sehr moralisch fragwürdig sind und aus den 30er Jahren kommen, denkt man sicher eher an die ein oder andere UFA Produktion aus Deutschland, das ist aber auch ein ganz anderes Thema. Auch aus Hollywood kamen ein paar Filme die aus heutiger Sicht wohl eher irgendwo in einem Tressor verschlossen liegen sollten. Denn sie behandeln Themen, welche man gern totschweigen will. Denn es gab eine Zeit da war die Kinderehe auch in den USA noch erlaubt. Ein Film der das Thema aufgreift und versucht Objektiv zu bleiben aber daran scheitert, dazu aber später mehr, ist Child Bride. Ein Film der auch gut aus den 70ern sein könnte. Nicht nur zeigt man die 12 Jährige Hauptdarstellerin Minuten lang beim nackt Baden, sie wird auch als Kinderehefrau dargestellt und der Film geht mit diesen Themen so exploitativ um, wie es 1938 nur ging.

Die Handlung dreht sich um die junge Jennie, welche wohl so elf oder zwölf Jahre alt ist. Sie lebt irgendwo in den Bergen in den USA. Dort hat sie ein unbeschwertes Leben. Ihre Lehrerin ist sogar sehr progressiv und will das alle Lesen und Schreiben lernen. Sie ist auch gegen die Kinderehe, dass geht einigen Bewohner des Dorfes aber auf den Sack, sie wollen witerhin junge Mädchen heiraten dürfen. Sie tun alles dagegen dass die Lehrerin verschwindet. Während Jennie langsam aufblüht und so manchen Jungen, vor allem ihren besten Freund Freddie scheint langsam zu merken das sie zur Frau wird. Doch auch andere Männer merken es und so soll sie auch bald verheiratet werden.

Holy Shit, also ernsthaft kann man kaum glauben, dass es so einen Film wie Child Bride gibt. In Zeiten wo wir Filmen wie Lolita am Scheideweg, den einen den wir nicht nennen dürfen aber ihr wisst schon und andere Filme aus den 70ern und 80ern, dazu die Bravo in den 90ern. Alles aus heutiger sicht sehr Kontrovers und wahrscheinlich nicht so peinlich wie dieser Film.

Child Bride mit sehr unentschlossener Handlung

Man merkt dem Film zwar an, was die Macher vor hatten aber die Handlung ist dabei so wirr, dass man als Zuschauer sich fragt, was man nun gerade schaut. Dadurch, dass Child Bride gerade mal 62 Minuten geht, könnte man meinen, dass die Handlung schnell erzählt ist. Man hat ja ein wichtiges Thema, man will sich gegen die Kinderehe aussprechen, was im Grunde eine sehr noble Geste war für die Zeit. Doch irgendwie vergisst man das alles sehr schnell wieder und es passiert so nebenbei. Viel mehr passiert so viel unglaubliches in diesem amerikanischen Spielfilm, dass man sich echt wundert, was das alles soll. Es geht los das man immer wieder zwischen den Genres fröhlich hin und her springt und nie etwas zu Ende bringt, wir haben Drama, Rache Thriller, etwas Komödie und Coming of Age Story verbaut und alles schlägt gleichzeitig auf einem ein.

Jennie wird uns als ganz normales Mädchen vorgestellt, das halt in einem Bergdorf wohnt, auch ihr bester Freund Freddie ist ein ganz normaler Junge, welcher halt kein Bock auf Schule hat. Man hat hier noch das Gefühl alles könnte fast normal verlaufen. Doch schon in der ersten halbe Stunde des Films passiert so viel. Wir haben eine wütende Meute an Männern, welche die Lehrerin entführen und auspeitschen wollen, hier kann der Vater von Jennie aber dazwischen gehen. Der Vater von Freddie wird angeschoßen. Das wird danach einfach ignoriert und auch für die Lehrerin ist es normal, man fragt zwar warum die Beiden etwas später kommen aber das wars. Müssen echt derbe Zeiten gewesen sein. Wahrscheinlich realistischer zeigte es Jahrzehnte später Winter’s Bone mit Jennifer Lawrence.

Auch die andere halbe Stunde des Films ist voll gepackt mit so viel, das man sich fragt ob das alles nötig war. Schon der plötzliche Wechsel von dem Verhalten des Vaters von Jennie, der wird die ganze in Child Bride als vernünftige Person dargestellt. Auf einmal ist er betrunken und schlägt seine Frau und dann kommt eine Wendung auf die man erst mal kommen muss. Am Ende geht es dann auch um die Kinderehe auch ohne Konsequenzen für jemanden, also fast. Dann hat man doch noch ein Happy End. Als Zuschauer hat man dann schon das Gefühl man sah zwei lange Stunden in gerade mal 62 Minuten gestopft.

Skandalträchtig

Die Kinderehe gibt es in den USA immer noch, es gibt wirklich noch Bundestaaten wo 12 jährige Mädchen einen älteren Mann heiraten müssen, wenn die Eltern zustimmen. Im Film wird das zwar gezeigt und auch dass Jennie nicht darüber erfreut ist und für sie schrecklich ist. Dabei spielt man das aber alles so runter wie es nur geht. Man will eher auf die Senstaton setzen und provozieren. Auch wenn am Ende Child Bride eine positive Wendung für die Charaktere macht, für uns dem Zuschauer hat alles einen sehr faden Beigeschmack. Denn irgendwie hat man das Gefühl dass es doch OK ist, denn man zeigt uns ja noch eine andere Szene im Film, welche den ein oder anderen Skandal auslösen könnte und das heute immer noch, also neben der Kinderehe.

Es gibt in Child Bride eine längere Szene wo Jennie nackt Baden geht und Schauspielerin Shirley Mills war gerade mal zwölf Jahre alt, zwar sagte sie nie etwas schlechtes über die Szene aber es ist dennoch eine sehr fragwürdige. Denn anders als man es gewohnt ist aus der Zeit, hält die Kamera doch sehr deutlich auf die Szene, dazu dauert das alles wirklich lange, es soll wohl auch die Unschuld verkörpern, für dass was danach kommt. Dabei wird sie aber beobachtet, hält vorher noch eine Ansprache an Freddie das sie nicht mehr zusammen Schwimmen gehen können, weil sie jetzt ein Alter erreicht hätte, wo sich das nicht mehr gehört, Küssen wär aber OK solange beide angezogen sind.

Optik

Also 1938 waren die filmischen Standards noch andere und das merkt man Child Bride auch an, man versucht zwar alles um zu zeigen das man ein Film ist. Dennoch wirkt alles sehr altbacken. Vor allem bei der Kamera, es gibt immer wieder die gleichen Einstellungen, zwar arbeitet man auch etwas mit dem Schnitt, vor allem bei der Schwimmszene. Denn Schauspielerin Shirley Mills konnte nicht schwimmen, wurde von einem Mädchen aus dem Ort gedoubled, so ist sie es nur aus den Nahaufnahmen. Man merkt auch, dass man hier wirklich in den Anfängen des Exploitativen Kinos ist und dem Zuschauer mehr zeigen will, als es das Studiosystem zu lässt, denn Child Bride ist eine Independent Produktion, fern ab von Hollywood.

Ansonsten sieht man Child Bride auch an, dass man in dem Bergdorf wohl viele Szenen gedreht hat. Jedenfalls zeigt man hier sehr viel davon und versucht das alles sogar Traumhaft dar zustellen, wie auch immer es wohl wirklich 1938 war. Man will dem Zuschauer einen Ort zeigen, wo es für die Menschen normal ist, was sie tun und niemanden dort interessiert ist. Alles wirkt aber auch sehr romantisiert von dem Leben. Auch die Lehrerin, welche hier sehr fortschrittlich gezeigt wird aber am Ende dann auch noch jung ist und ihren Freund, welcher für ein Gesetz gegen die Kinderehe ist und auch daran arbeitet. Man bekommt immer wieder merkwürdige Andeutungen zu diesem Thema.

Fazit:

Child Bride ist ein Film, der wohl vergessen ist aber auch zeigt, wie man außerhalb von Hollywood in den 30ern Filme drehte und man merkt deutlich wohin alles ein paar Jahrzehnte später gehen wird. Der Film geht mit seinem Thema nicht gut um und will dazu auch viel zu viel erzählen und vergisst immer wieder was in der Handlung gerade noch passiert ist. Sollte man nur schauen, wenn man sich für skandalöse Filme interessiert aber es sind 62 Minuten die sich nicht wirklich lohnen.

Child Bride

Movie title: Child Bride

Director(s): Harry Revier

Actor(s): Shirley Mills, Bob Bollinger, Dorothy Carol, Diana Durrell, Warner Richmond, George Humphreys, Angelo Rossitto, Frank Martin, Al Bannon, George Morrell

  • 4/10
    Handlung - 4/10
  • 5/10
    Schauspiel - 5/10
  • 5/10
    Regie - 5/10
  • 1/10
    Spannung - 1/10
3.8/10
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