Vampire haben es in der japanischen Popkultur schwer, auch wenn in den vergangenen Jahren immer mehr auftauchten, vor allem im Anime oder auch im Manga, so sind sie in Filmen doch kaum vertreten. Auch als die Hochphase der Gothic Horror Filme war und die Hammer Studios mit ihren Werken den Genremarkt eroberten. So kam aus Japan kaum etwas. Dennoch traute sich Studio Toho etwas, denn man wollte auch den eigenen Beitrag dazu leisten. Auch wenn man augenscheinlich kein großes Interesse dran hatte, produzierte man den Film The Vampire Doll. Hier gibt es keine großen Namen oder einen bekannten Regisseur hinter der Kamera. Dennoch muss der Film so erfolgreich gewesen sein, dass noch zwei Sequels folgten. Auch waren die Filme Jahrzehnte kaum zugänglich in der westlichen Welt. Das hat sich dank Arrow und einer schicken Blu-ray Veröffentlichung geändert.

Die Handlung beginnt mit Kazuhiko, welcher nach sechs Monaten unterwegs seine Freundin Yûko besuchen will. Bei ihrem Haus angekommen, erfährt er von ihrer Mutter, dass sie bei einem Autounfall verstorben sein. Doch in der Nacht sieht Kazuhiko sie, wie sie über die Wiese vor dem Haus umherläuft. Ein paar Tage später, Keiko die Schwester von Kazuhiko wacht Schweiß gebadet auf aus einem Albtraum. Sie hat angst um ihren Bruder, zusammen mit ihrem Freund Hiroshi macht sie sich auf die Suche nach ihrem Bruder. Auch sie landen bei dem Haus, die Mutter erzählt ihnen, dass ihr Bruder längst wieder abgereist sei. Da das Auto eine Panne hat, bleiben sie über Nacht, auch sie sehen Yûko und hören ein Mädchen weinen. Langsam merken Beide das hier etwas nicht stimmt.

Bei The Vampire Doll merkt man noch sehr deutlich, dass man hier noch nicht so sehr auf Gothic Horror machen wollte. Alles wirkt wie ein fiebriger Traum aus dem es scheinbar kein erwachen gibt. Alles hat diese ruhige düstere Atmosphäre einer klassischen Schauergeschichte aber sonst ist man rein optisch von einem typischen Hammer Studio weit entfernt, viel mehr erinnert es an Mario Bava. Also doch etwas Gothic Horror. In einem Absatz sich selbst widersprechen, sollte man nicht machen. Jedenfalls man merkt sehr deutlich, wo man in 71 Minuten hin wollte.

©1970 TOho co. LTD

The Vampire Doll sitzt zwischen den Stühlen

Man merkt sehr deutlich bei The Vampire Doll, dass es in Japan zwar Vampirartige Wesen gibt in der Popkultur aber mit den klassischen Vampiren aus der westlichen Mythologie hat das wenig zu tun. Man versucht hier also zwei Welten mit einander zu verbinden. Was auch Heute noch der Fall ist. Denn in der aktuellen Popkultur gibt es zwar Vampire aber sie sind niemals das was man gewöhnt ist, es ist alles immer etwas anders, wie immer in Japan bekommt man eine sehr eigenen Version des Stoffes angeboten. So ist es auch bei diesem Film. Obwohl man hier schon merkt, dass man sehr westlich sein will. Das liegt vor allem an dem Schauplatz wo die Handlung spielt und wie die Geschichte am Ende erzählt wird. Man macht sogar einen Ausflug zu Hitchock.

Bei der kurzen Laufzeit von The Vampire Doll könnte man meinen, dass der Film aufs Tempo drückt, was am Anfang auch noch der Fall ist. Bis wir die eigentlichen Hauptfiguren sehen dauert es etwas, hier baut der Film aber schon seine Atmosphäre auf. Dabei werden wir immer mit neuen Charakteren beworfen, nicht alle sind am Ende dann noch dabei. Es geht aber bei diesem Horrorfilm noch. Man hatte wohl nicht so viel Geld, für viele Nebendarsteller. Es hält sich also in Grenzen. Dafür baut man den Mythos auf und die Hintergrundgeschichte, was alles in dem Haus passiert ist und die Auflösung am Ende ist etwas merkwürdig, passt aber perfekt zum Genre.

Wir erfahren über einige Charakter etwas mehr als über andere. Interessant ist, dass wir über die eigentlichen Hauptcharakter, wenig erfahren. Von Keiko und ihren Freund wissen wir wenig. Sie untersuchen zwar alles auf eigene Faust und so erfahren sie auch mehr was alles in dem Haus passiert ist und auch was es mit Yûko auf sich hat. Doch am Ende wissen wir als Zuschauer über Beide nicht mehr als am Anfang. Hier merkt man halt sehr deutlich, worauf man sich beim Drehbuch schreiben konzentriert hat.

Atmosphäre und Spannung

Man bekommt eine ganz gute Atmosphäre geboten bei The Vampire Doll auch wenn die immer wieder nachläst. Doch die ganzen Szenen mit Yûko und ihrem Auftauchen in der Nacht haben eine schöne schaurige Atmosphäre. Auch das Haus hilft hier bei. Man erklärt uns auch warum es so westlich aussieht. Das hilft dem Zuschauer zu verstehen, warum wir hier in einem doch sehr fremden Genre sind für Japan. Leider fällt die Atmosphäre immer wieder runter in manchen Szenen und man nutzt nicht jede Chance um alles noch typischer für das Genre zu machen. Dennoch reicht es aus um uns den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Dasselbe gilt auch für die Spannung, immer wenn wir mehr über die Hintergründe erfahren und die Mythologie so steigt die Spannungskurve, leider flacht sie auch wieder ab und so wirken die 71 Minuten an manchen stellen doch etwas lang. Am Ende wird man aber mit interessanten Ideen belohnt, welche aber aus anderen Filmen abgekupfert sind, manches wirkt immer noch erfrschend neu und funktioniert erstaunlich gut. Andere Schockmomente, sind nicht sehr überzeugend und man weiss genau was passieren wird in diesem Moment.

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Optik

Man sieht The Vampire Doll sehr deutlich an, was die Macher hier versucht haben zu drehen. Dabei merkt man als Zuschauer aber auch, dass man solche Filme nicht oft in Japan produziert hat. Denn an manchen stellen ist es dann zu japanisch für einen typischen Gothic Horror Film. Das alte Haus wirkt sehr typisch für das Genre, auch wenn an manchen stellen doch etwas fehlt. Man weiss zwar nie genau was, vielleicht hätte etwas mehr Nebel geholfen, eine bessere Atmosphäre zu erzeugen. Am Ende bekommt man dennoch tolle Aufnahmen, vor allem mit Yûko wie sie über die Wiese läuft, das hat etwas. Auch im Finale bekommt man einige tolle Aufnahmen geboten, obwohl eine eindeutig bei Hitchock entliehen wurde.

Das The Vampire Doll 1970 gedreht wurde sieht man den Film auch sehr deutlich an, denn immer wieder schwingt schon die typische 70er Jahre Mode mit in den Film. Auch wenn es versucht alles etwas Zeitlos zu halten, merkt man doch sehr deutlich dass der Film in der Moderne spielt, was man wohl bei den typischen Gothic Horror Film nicht immer machte. Hier bekommt man dann auch sehr deutlich zu sehen, wie unterschiedliche die Kulturen sind. Alleine die Szene am Esstisch wirkt doch sehr befremdlich.

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Fazit:

The Vampire Doll ist ein sehr interessantes Zeitdokument und der Anfang für eine interessante Trilogie an Filmen, die zeigt das man auch in Japan versucht hat Vampirfilme zu drehen, dabei sich am Gothic Horror orientiert hat. Hier bekommt man in 71 Minuten ein paar interessante Ideen geboten.

The Vampire Doll

Movie title: The Vampire Doll

Director(s): Michio Yamamoto

Actor(s): Jun Hamamura, Yukiko Kobayashi, Kayo Matsuo, Yôko Minakaze, Atsuo Nakamura, Akira Nakao, Sachio Sakai, Kinzo Sekiguchi, Itaru Takashima, Jun Usami

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 7/10
    Atmosphäre - 7/10
6.6/10
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