Die 70er Jahre haben viele Filme hervor gebracht, die zum Teil vergessen sind oder auf einer Welle schwammen, manche waren auch ihrer Zeit etwas voraus und so auch leider vergessen. Willard gehört auch etwas zu diesen Filmen. Dieser Tierhorrorfilm von 1971 kam ein paar Jahre zufrüh, denn erst mit Der weiße Hai von Steven Spielberg gab es eine neue Welle an Filmen wo Tiere das Böse darstellen. Wahrscheinlich waren aber auch die Horrorfilm am Anfang der 70er noch von anderen Subgenres geprägt als die der Tiere. Denn man nimmt sich im Film viel Zeit für seine Hauptfigur und die Bedrohung und der Ekel durch die Tiere wird selten dargestellt. Dennoch war der Film so erfolgreich das er es auf ein Sequel brachte und 2003 gab es sogar ein Remake. Also schauen wir doch einfach mal ob Willard immer noch begeistern kann.

Die Handlung beginnt mit dem 27. Geburstag von Willard, da er aber keine Freunde hat, hat seine Mutter ihre Bekannten eingeladen und alle machen Willard dann noch fertig und reiten auf sein Leben rum. Denn er arbeitet in der Firma die einst seinen Vater gehört hatte, doch dieser ist tot und Mr. Martin hat sie übernommen und behandelt ihn wie ein Stück Dreck. Dieses Mobbing bekommt Willard immer wieder zu spüren. Als er im Garten ein paar Ratten töten soll, freundet er sich lieber mit ihnen an und beginnt eine ungesunde Beziehung mit den Nagetieren. Auch als Joan ihn bei der Arbeit helfen soll und sie die erste Frau in seinem Leben ist, die nett zu ihm ist, kann Willard seine Ratten nicht vergessen. Wie lange kann er diesen Qualen noch durchstehen?

Als Zuschauer merkt man schnell, dass Willard nicht der Überhorrorfilm wird, was man vielleicht glauben mag, auch die Beziehung zu den Ratten wird zwar immer so dargestellt, als könnte er sie verstehen aber am Ende sind die Nagetier auch nur Nebendarsteller. Viel mehr sehen wir einen jungen Mann der immer mehr den Halt im Leben verliert. So ist es schwer zu sagen ob Willard nun ein Drama ist oder ein Psycho Horrorfilm.

Willard der arme junge Mann

Schaut man sich Willard an, kann es passieren das man sich als Zuschauer wunder ob man wirklich einen Horrorfilm schaut. Denn das ganze könnte auch ein Psychodrama sein um einen armen jungen Mann, der alles im Leben verliert und langsam verrückt wird, weil ihm der halt fehlt. Das merkt man sehr deutlich, denn die Handlung zeichnet Willard als eben diesen Mann, der mit 27 noch bei seiner Mutter im Haus wohnt, sein Boss hasst ihn und versucht alles um ihn fertig zu machen. Das geht sogar soweit, dass er Willard nicht einmal darüber informiert, dass etwas mit seiner Mutter passiert ist. Mr. Martin versucht alles um an das Haus von Willard zu kommen. Als Zuschauer muss man so sehr lange mit anschauen, wie die Hauptfigur leidet. Das Leiden will auch nie aufhören. Nicht einmal als er sich mit den Ratten anfreundet.

Dieses Leiden wird aber nicht immer so gut dargestellt. Natürlich ist es verständlich, dass nicht jeder sich gleich gegen alles auflehnt und wir brauchen auch die Katharsis für Willard, er muss am Anfang Leiden, damit er am Ende sein Erlösung finden kann. Doch für ein Film mit Ratten und auch den Ansätzen die uns die Handlung in diesem Bereich liefert, ist manches doch etwas in die Länge gezogen. Vor allem merkt man schnell, das hier etwas nicht stimmt und selbst wenn durch Joan die Stimmung etwas umschwinkt, zeigt man Mr. Martin immer noch als Ekel, selbst wenn man als Zuschauer es selbst längst schon gecheckt hat, zeigt man nochmal eine Szene die zeigt, was für ein Typ er ist. Man hat immer das Gefühl, die Macher wollen es unbedingt immer wieder zeigen. Natürlich kann sowas auch zur Handlung und zur Rache beitragen, welche nicht nur den Hauptcharakter eine Art Befriedung geben soll, sondern auch den Zuschauer.

Willard und die Ratten

Die Ratten im Film sind nur ein kleiner Bestandteil, auch wenn dies langsam aufbaut und man sieht wie alles entkleist. So sind sie es doch, die langsam auch zeigen wie verrückt Willard wird. Dabei merkt man als Zuschauer auch schnell, dass es sehr schlaue Nagetiere sind und sich schnell vermehren in seinem Keller. Dabei nutzt man dies und die Beziehung von Willard zu den Tieren aber nur selten. Diese Momente sind aber auch dann die Highlights im Film. Der erste richtige Auftritt, deutet eigentlich an, dass es hier los geht und man endlich mehr Horror zu Gesicht bekommt. Das passiert aber leider nicht. Was Schade ist, denn diese Szenen funktioniern gut.

Es gibt auch eine Szene die nochmals zeigt was für ein Typ Mr. Martin ist und wir als Zuschauer sollen mit Willard mitleiden. Das klappt nur nicht mehr weil an diesem Punkt ist einem die Hauptfigur leider schon sehr egal. Denn hier hat man den Zuschauer verloren und man hofft das der Film bald zu Ende ist, nicht unbedingt weil er so schlecht ist. Sondern weil die Geschichte einen nicht mehr fesselt oder interessant ist. Man hat alles mitbekommen und irgendwie ist hier Leerlauf. Zwar ist diese Szene der Motivator für das Handeln von Willard und sein Befreiungsschlag aber so richtig will das nicht mehr funktionieren.

Optik

Willkommen in der biederen Welt von Willard zwar schon Anfang der 70er gedreht, dennoch wirkt alles noch sehr bieder. Die Kleidung und auch alles andere könnte noch aus den 60ern kommen. Das passt zwar zur Handlung des Films aber sieht aus heutiger sicht, nicht mehr so schick aus. Das zieht sich auch durch den ganzen Film, zwar ist dieser verlassen Garten mit den Ratten ein optische Highlight im Film. Ansonsten sieht man Wohnungsräume, Büros und auch ein Keller. Alles wirkt aber nicht so ansprechend oder gar interessant. Es ist alles mehr zweckhaft und man braucht es für die Geschicht aber es ist alles sehr langweilig.

Die Kamera ist auch sehr zweckhaft gehalten und zum größten Teil wirkt der Film so als ob man ihn fürs TV gedreht hat. Anders kann man das alles nicht erklären, zwar sieht das HD Bild gut aus und die Farben kommen gut rüber aber irgendwie fehlt etwas. Zwar gibt es ein paar Szenen mit den Nagetieren, wo man auch den Horror rüberbringt aber das ist selten im Film. Viel mehr bekommt man lange Einstellungen geboten.

Fazit:

Willard ist zwar kein großer Wurf, kann auch nicht immer so unterhalten. Es ist aber kein totaler Reinfall und man will tortz einiger längen in der Handlung wissen wie es ausgeht. Ansonsten ist es schon fast ein Sonntags nachmittags Horrorfilm.

Willard

Movie title: Willard

Director(s): Daniel Mann

Actor(s): Bruce Davison, Elsa Lanchester, Ernest Borgnine, Sondra Locke, Michael Dante, Jody Gilbert, Joan Shawlee, William Hansen, J. Pat O'Malley, John Myhers, Helen Spring, Pauline Drake

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
  • 5/10
    Unterhaltung - 5/10
6.0/10