Sion Sono dreht was er will und wahrscheinlich auch wie er es will. Von einer Hommage an Japan und den japanischen Film in Love Exposure über einen Schlüpferninja, bis hin zu feministischen Roman Porno Film wie Antiporno. Alles ist bei ihm möglich, auch TV-Serien die auch zu einem Kinofilm werden, wie The Virgin Psychics. Auch für Amazon hat er schon eine Serie produziert, diese heißt Tokyo Vampire Hotel und gibt es auch bei uns in Deutschland. Doch wer sich die zehn Folgen nicht anschauen will, muss wohl noch etwas warten. Denn es gibt auch eine Filmversion der Handlung, welche das alles Kompakter erzählt in 142 Minuten. Doch was erwartet einem bei einem Vampirfilm von Sion Sono? Alles ist bei ihm möglich und man merkt es auch diesen Film an. Viel mehr ist die Frage, was ist der Unterschied zur Serie?

Die Handlung beginnt im Jahr 2021 ist sind nur noch ein paar Stunden bis zum 22. Geburtstag von Manami, sie will mit ein paar Freundin feiern in einem kleinem Resturant in Tokyo. Doch dazu wird es nie kommen. Giga taucht auf und bringt alle um, sie sucht nach Manami, denn sie hat das Blut von Dracula in sich, damit ist die letzte ihrer Art und die Rettung für die Vampire, denn die Welt wird untergehen in ein paar Stunden. Manami will aber fliehen kommt aber nicht weit, sie trifft auf K und auch die ist ein Vampir, denn es herrscht Krieg zwischen den Draculas und Covrins. Beide Fraktionen wollen sie und es kommt zum finalen Kampf in einem unterirdischen Hotel, wo die Vampire ein paar junge Menschen eingeladen haben, damit sie eine Zukunft haben, bis man wieder an die Oberfläche kann.

Sion Sono kommt und zeigt, dass auch die Filmversion von Tokyo Vampire Hotel funktioniert, man bekommt hier all das was wichtig ist aus der Serie in 142 Minuten präsentiert, dabei lässt man natürlich auch viel Handlung weg und man erfährt etwas weniger über die Hintergründe. Dennoch ist alles dabei was die Serie ausmacht. Man bekommt einen sehr blutigen und unterhaltsamen Film. Doch wie geht Sono mit dem Vampiremythos um?

Vampirmythos trifft auf Japan in Tokyo Vampire Hotel

Vampire werden in Japan immer etwas anders dargestellt, vor allem in der aktuellen Popkultur, zwar gibt es auch Vampirfilme die etwas klassischer sind aber in der modernen Welt ist das anders. Hier nimmt man zwar den Mythos auch und die Legende um Dracula aber baut sich etwas eigenes auf. Bei Sion Sono ist das nicht anders, er lässt gleich zwei Mythen aufeinander treffen, einmal den klassischen Dracula Mythos, wird hier vertreten durch die Vampire die auch von Dracula abstammen und die neuen die Corvins, welche nichts mehr dem gängigen Mythos zu tun haben. Sie sind die modernen Vampire und haben keine angst vor Kreuze. So entsteht ein Kampf der zwei Generationen in einem unterirdischen Hotel. Doch bis es soweit ist, lässt sich der Film viel Zeit und wir sehen fast die komplette erste Episode der Serie. Denn erst nach 42 Minuten kommt der Titel und ein kurzer Vorspann. Es ist typisch Sion Sono, der einfach macht was er will.

Das merkt man auch an der Handlung, denn wenn man denkt, dass Manami hier der wichtigste Punkt ist und sie der Hauptcharakter, der täuscht sich etwas, denn sie wird irgendwann fast unwichtig. Denn es entwickelt sich nach und nach eine große Liebesgeschichte rund um K und Noa, die immer nur in den Dialogen angedeutet wird aber in den Bildern sehen wir es sehr deutlich. So wird K hier zum Mittelpunkt und ihr Weg ist es auch den wir verfolgen. Hier merkt man auch etwas den unterschied zur Serienversion von Tokyo Vampire Hotel, denn hier erfahren wir auch etwas mehr über die Vergangenheit von Manami, das alles wird im Film nur kurz angerissen. Wir wissen zwar immer noch das nötigste über Manami aber sie ist nur eins der Rädchen im Getriebe der Handlung des Films.

Die Handlung von Tokyo Vampire Hotel entwickelt sich erst nach und nach und baut dann eine Welt auf in die wir abtauchen. Dabei merkt man zwar an einigen Stellen, das man etwas mehr über ein paar bestimmte Charaktere wissen will und manche scheinen nur noch da zu sein aber über di wichtigsten Erfahren wir viel. Es gibt sogar Elizabeth Bathory, welche bekanntlich eine der Inspirationen für die Figur des Draculas war. Auch das Hotel bekommt seinen eigenen Mythos und wie es existiert. Das alles wird uns in den 142 Minuten erzählt. Dabei ist die Handlung sehr schnell und flott unterwegs, dennoch lässt sich Sion Sono auch immer wieder Zeit für bestimmte Szenen.

Typisch Sion Sono

Sion Sono ist einer der Regisseur der einfach macht was er will, egal wie sehr es gegen die Genrekonvention ist. Das zeigt sich auch deutlich bei Tokyo Vampire Hotel, zwar gibt es hier vielleicht ein Gerüst, was die typischen Elemente eines Vampirefilms beinhaltet. Doch das wird nur genutzt um das Ganze etwas zusammen zu halten. Am Ende bekommt man etwas völlig anderes. So nutzt er die typischen Mythen für sich. So wie die Schatten, welche ja bekanntlich bei Vampire auch gern ihr Eigenleben haben, sind hier ein Schwachpunkt und das wird uns eindrucksvoll gezeigt. Auch die Trennung der beiden Vampircläne und wie sie auf Kreuze reagieren. Zeigt deutlich, dass er hier seine Hausaufgaben gemacht hat. Dazu spielt auch ein Teil der Handlung in Romänien, wo ja auch Transylvanien liegt aber man weiss, dass das Schloß von Dracula wohl nicht wirklich dort ist. Dies ist aber bei Tokyo Vampire Hotel eh egal. Da alles unter der Erde sich abspielt.

Schon der Anfang des Films macht einem klar, Sono will uns im Blut baden sehen und so gibt es immer wieder Szenen wo der rote Lebensaft nur so spritzt. Hier wird das alles nicht immer Hypercool dargestellt. Viel mehr nutzt er diese Momente vorher um den Zuschauer aber nicht das zugeben was er erwartet. So baut er die Szene auf und lösst einen dann noch etwas länger warten. Auch kann es sein, dass sich diese blutige Szene in etwas ganz dramatische verwandelt, wie im Finale von Tokyo Vampire Hotel. So kann man den Film nicht auf seine Gewalt reduzieren. Denn Sono ist sich bewusst, dass Vampire auch etwas sehr sexuelles sind und so stellt er Bisse und Szenen auch da. Er deutet nichts an, er haut bei den Bildern mit dem Holzhammer auf den Zuschauer ein um zeigen, dass es Sex ist.

Auch baut Sion Sono hier immer wieder Zitate aus anderen Film ein. Sehr deutlich wir es in einer Szene, hier stand Scarface Pate. Doch er schreit es nicht heraus oder erwähnt es irgendwie, als Zuschauer muss man schon selbst drauf kommen, dass er diesen Film meint. So wie man es eigentlich machen sollte. Auch tauchen andere Filme auf. Bei einer Szene kann es vielleicht nicht so deutlich heraus lesen, wenn K gerade leidet und das Bild langsam die Farbe verliert und sie dann mit ihrem Schwert durch Gegner kämpft, zeigt das auf der einen Seite sehr deutlich ihre Trauer und das die Welt für sie in diesen Moment trostlos geworden ist aber es könnte auch eine Anspielung an Kill Bill sein, wobei der Film in Japan immer in Farbe zusehen war und die eine Szene wo das Bild Monochrom wird, gibt es in Japan nicht.

Optik

Sion Sono und seine Filme, meist sehen sie immer sehr unterschiedlich aus. Auch bei Tokyo Vampire Hotel ist es der Fall. Die Bilder sprechen hier aber eine eindeutige Sprache, wie fast immer bei Sono. Dieses Mal geht es aber um nichts politisches. Obwohl er auch in Dialogen und Bildern andeutet, dass die Menschen sich wie wilde Tiere benehmen aber denken sie sein etwas besseres, das macht dann der Abspann auch nochmal sehr deutlich. Doch shcon vorher tauchen wir in eine Welt ab wo alles möglich scheint. Schon die Szene m Restaurant am Anfang, wenn die Kamera an den Tischen vorbei fährt und wir zeuge von Dialogen werden und hören wie drei Frauen sich darüber unterhalten das sie lange niemanden mehr getötet haben. Dann fährt sie aber weiter, man hat das Gefühl zu wissen um wen es gehen wird. Doch dann kommt die erste Wendung.

Man wird das Gefühl nie los bei Tokyo Vampire Hotel, dass jede Szene etwas unerwartes passieren kann, dass ist bewusst so gesteuert durch den Anfang. Wir sind als Zuschauer dadurch so konditioniert, dass wir uns nicht sicher fühlen und Sono kann mit uns machen was er will als Regisseur. Er hat hier die Freiheit und die nutzt er auch. So können Charaktere einfach so durch das Hotel laufen und zu einem Walzer tanzen. Immer wieder gibt es Momente wo der Film mit sich bricht und aus dem Thema zieht, das verzeihen wir ihm aber immer wieder sehr schnel, weil wir uns daran gewöhnt haben.

Auch die Farben in Tokyo Vampire Hotel sind wichtig, sie sind sehr dominant. Das ganze Hotel ist in kräftigen Farben gehalten. Während man tiefer bei den Draculas alles in einem Grau gehalten hat, sie tragen weiß, was in Japan aber auch die Farbe der Trauer ist. Es gibt hier keine anderen Farben außer das Boot wo K und Manami drin sitzen, das ist Gelb und Blau. Diese Farben sehen wir immer wieder. Hier kann man wahrscheinlich sehr viel in die Farben hineininterpretieren. Dabei spricht das Bild auch sonst eine deutliche Sprache, auch wenn die Charaktere es nicht aussprechen.

Fazit:

Tokyo Vampire Hotel ist ein unglaublicher Film, den man erlebt haben muss. Sion Sono macht aus seinem wilden Trip der Serie eine Filmversion, die alles wiederspiegelt was die Show ausmachte. Dafür bekommt man aber etwas weniger Handlung, dennoch ist es eine tolle Interpretation des Vampirthemas.

Tokyo Vampire Hotel

Movie title: Tokyo Vampire Hotel

Director(s): Sion Sono

Actor(s): Kaho, Yumi Adachi, Megumi Kagurazaka, Shinnosuke Mitsushima, Ami Tomite

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 8/10
    Unterhaltung - 8/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
8.2/10

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