Ein Sommer in Saint Tropez

David Hamilton ist sicherlich einer der Regisseure welcher mit seinen Filmen bei vielen nie einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zu ruhig, zu langsam, zu schwulzig waren seine Werke, er wollte nur seine Welt der Fotografie auf Filme übertragen. Dabei hatte er einen bestimmten Frauentyp, es waren immer eine Art Lolitas die er zeigte, was auch schon immer etwas Skandalös war. Als sein Film Erste Sehnsucht floppte, produzierte er seinen letzten Film Ein Sommer in Saint Tropez direkt für den Heimkinomarkt und ging einen anderen Weg. Denn ohne zwänge irgendwelche Kinonormen zu erfüllen hat er einfach einen Film gedreht ohne Dialoge oder einer Handlung die man als Zuschauer direkt entdecken könnte. Es ist ein Experiment in 4:3, als Zuschauer sieht man also das was Hamilton ausmachte, man entdeckt sehr viel aus seinen anderen Filmen wieder. Auch Monica Broeke aus Erste Sehnsucht ist wieder mit dabei, ansonsten sind es alles unbekannte Darstellerinnen.

Es gibt zwar sowas wie ein Grundgerüst und daran hält sich der Film auch aber eine eigentliche Handlung gibt es nicht. Wir werden eher zeugen, wie eine gruppe junger Frauen in einem Sommerhaus irgendwo in Saint Tropez einen Sommer verbringen. Dabei erleben wir viele kurze Episoden der einzelnen Damen und alles ist möglich. Dabei versucht man alles so natürlich zu zeigen wie es geht. Also so wie es in das Genre passt, obwohl hier ein Genre zu finden auch schwer ist. Am nächsten ist man dem erotischen Film. Ansonsten bekommt man also alles geboten, was wie ein Best Of von David Hamilton wirkt. Die Handlung gibt alles her was man von ihm gewohnt ist.

Es gibt ein paar Filme die machen es einem schwer, nicht weil sie so Komplex sind, sondern weil man als Zuschauer versuchen muss so erahnen was das ganze soll. So ein Film ist Ein Sommer in Saint Tropze, denn man verzichtet auf Dialoge oder eine Handlung die durch die Bilder erzählt werden, denn alles funktioniert auch sehr unabhängig. Es gibt nur eine Geschichte die sich durch den erotischen Spielfilm ziehen.

Keine Handlung was nun Ein Sommer in Saint Tropez

Das ein Film nicht unbedingt Dialoge braucht um eine Handlung zuerzählen, zeigten schon die Anfänge des Filmemachens mit den Stummfilmen, da wurde alles über die Bilder erzählt und ein paar Inserts. So ist die Idee von Ein Sommer in Saint Tropez nichts besonders, dennoch macht es der Film dem Zuschauer schwer. Denn es gibt keine wirkliche Handlung die ersichtlich ist. Es ist viel mehr so, dass wir einfach nur beobachten und uns treiben lassen sollen von dem was wir sehen. Es fängt Momente und Träume ein, dabei ist alles sehr warm gehalten und erotisch. Die Mädchen erleben unterschiedliche Abenteuer, da ist alles dabei, vom herum liegen in der Sonne im Sommer, bis hin zu einer Kissenschlacht. Man will uns die schönen Seiten des Lebens zeigen und was die jungen Frauen in diesem Sommer erleben.

Es gibt einen roten Faden im Film und wie immer bei David Hamilton ist es ein ältere Mann der eine der jungen Frauen bekommt. Hier ist wieder das Lolita Thema sehr deutlich zu sehen. Dabei wird man aber nie wirklich explizit oder gar exploitativ. Man konzentriert sich auf die unschuldige Liebe und am Ende gibt es sogar eine Hochzeit. Dazwischen erleben wir das Paar wie es sich langsam näher kommt. Ansonsten ist alles andere sehr frei Interpretierbar. So gibt es ein paar Mädchen die Ballette machen und wieder ein Thema was Hamilton bewegt, wie schon bei Der Geschichte der Laura M.

Ansonsten gibt es keine Handlung in Ein Sommer in Saint Tropez und als Zuschauer wird man damit allein gelassen und man selbst entscheiden wie man damit umgeht. Denn man bekommt einen Film geboten, der einen zwar nicht so sehr fordert aber man muss schon Aufpassen, denn ohne Konzentration kann man leicht abschweifen und vergessen dass man einen Film schaut.

Erotik

Der Film ist sehr erotisch auch wenn es die typischen heterosexuellen Fantasien sind, die hier David Hamilton zeigt. Sie funktionieren, dabei hat alles mehr anspruch als ein Sexploitation Film und auch mehr als der typische erotische Film. Man bekommt sehr viel nackte Haut geboten und alles ist wie immer mit einem weich Zeichner versehen. So wirkt das Bild an vielen stellen auch sehr warm und die Mädels bewegen sich auch so. Man sieht sehr viele unterschiedliche Situationen und man merkt auch deutlich welche Vorlieben Hamilton hatte und diese baut er immer wieder unverschömt in den Film ein. Manches wirkt wie ein Ritual oder einfach nur Ballette, welches hier auch in paar mal uns erleben lässt.

Man merkt aber, dass er bei Ein Sommer in Saint Tropez sich sehr stark wiederholt und viele Szenen kennt man schon aus seinen anderen Filmen und hier sieht man zwar viel nackte Haut aber nicht immer gibt es viele Details, was an dem VHS Look liegen mag aber auch wie alles gefilmt ist. Nippel oder Venushügel werden gern mal verdeckt. Er spielt mit dem Zuschauer und will etwas noch der Fantasie überlassen.

Optik

Man sieht es Ein Sommer in Saint Tropez an, es ist ein David Hamilton Film, auch wenn das Bidlformat mit 4:3 nicht unbedingt das Beste ist für seine Bilder. Denn alles wirkt hier doch etwas billiger, obwohl es bei den Szenen keinen Unterschied zu den Vorgängern gibt. Man merkt einfach sehr deutlich, dass er von der Fotografie kommt. So sehen viele Szenen wie Bilder aus. Dabei nutzt er auch unterschiedliche Stilmittel. Es gibt ein paar Zeitlupen aufnahmen oder er füllt das Bild komplett aus, was bei 4:3 immer etwas anders aussieht. Dennoch schafft Hamilton es auch hier ein paar wunderschönen Bilder auf dem heimnischen Fernseher zu zaubern.

Auch beid er Umbegung merkt man sehr deutlich, dass David Hamilton sich an gewohntes hält. Es gibt ein Bad was sehr groß wirkt und die jungen Frauen Duschen auch zusammen. Dazu gibt es verlassen Orte, wo schon mal jemand einfach Cello spielen kann, das wirkt sehr Traumhaft wie vieles in dem Film, was an dem berühmten weich Zeichner liegen mag. Als Zuschauer bekommt man hier also 69 Minuten lang David Hamilton unkomprimiert präsentiert und er lässt alles weg, was bei den anderen Filmen ihn noch störte.

Fazit:

Ein Sommer in Saint Tropez ist sicherlich kein Film der irgendwie noch ein Publikum finden könnte. Etwas vergessen und sicher nur bei Menschen beliebt die seichte erotische Filme mögen, die ohne Dialoge auskommen. Dennoch hat der Film ein hohes Niveau und die Erotik wirkt anspruchsvoller als bei anderen Filmen. So ist es ein Experiment auf das man sich einlassen muss.

Ein Sommer in Saint Tropez

Movie title: Ein Sommer in Saint Tropez

Director(s): David Hamilton

Actor(s): Joan, Catherine, Esther, Monica Broeke, Ellen, Anne, Hélène, Cyrille, Renaud

  • 2/10
    Handlung - 2/10
  • 5/10
    Schauspiel - 5/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 8/10
    Erotik - 8/10
5.8/10

Produkte von Amazon.de

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.