Zärtliche Cousinen

Die Filme von David Hamilton sind sehr umstritten, denn der Meister des Weichzeichners hat vor allem optisch immer auf junge Frauen gesetzt und mit ihrer Erotik gespielt, schon bei seiner Fotografie, auch in seinen Filmen. So ist der Zuschauer also in diesem Dilemma, wie bei jedem anderen Film der mit diesem Typ Frau spielt und ihn benutzt. Manche werden dazu auch berühmter, man nehme nur die Filme mit Katja Bienert und wie man sie damals eingesetzt hat. Etwas was heute undenkbar wär. Dabei zeigen seine Filme also eine Zeit, welche längst vergessen ist und moralisch hat sich alles gewandelt. Das zeigt auch sein Film Zärtliche Cousinen, welcher im Sommer 1939 spielt und die Nazis gerade den zweiten Weltkrieg anfangen. Man zeigt also eine unschuldige Zeit in einer Welt die am Abgrund steht. Dennoch bekommt man hier auch den etwas untypischen David Hamilton Film geboten, weniger Melancholie in den Bildern und der Musik.

Die Handlung spielt im Sommer 1939 in Frankreich in einer kleinen Pension, dort lebt der fast 15 Jährige Julien, dieser ist gerade in seiner Pubertät und von seinen Gefühlen hin und her gerissen. Als seine erste Liebe zu Besuch kommt, scheint die Welt für ihn perfekt zu sein. Das Problem seine Liebe ist seine Cousine Julia und diese will nichts von Julien wissen, sie steht auf jemand anderen. Dazu kommt die Schwester von Julia die auf Julien steht. Seine ältere Schwester die bald Heiraten soll. Doch ihr Verlobter ist ein Schwerenöter und begrabscht jede Frau in seiner Umgebung.

David Hamilton bleibt zwar seiner Linie bei Zärtliche Cousinen auch treu, dennoch ist der Film anders als seine anderen Werke. Es fehlt die Melancholie und man hat sogar mehr Humor eingebaut, vielleicht liegt es auch an der Verdrängung der Charaktere, denn die Wissen, was kommen könnte. Denn im Radio hört man es und es ist Thema Adolf Hitler hat den zweiten Weltkrieg in Gang gebracht und die Nazis beginnen langsam Europa zu übernehmen. Dennoch wirkt alles wie immer unschuldig und dennoch etwas anders und erfrischender als sonst bei Hamilton.

Erwachsen werden ist schwer auch bei Zärtliche Cousinen

Der Sommer 1939 hat die Welt für immer verändert, das zeigt uns auch Zärtliche Cousinen auch wenn in dem Mikrokosmos man von dem zweiten Weltkrieg nicht viel mit bekommt. So ist es auch ein Teil der Handlung für die Charaktere, auch wenn hier für David Hamilton unüblich ein Junge im Mittelpunkt der Geschichte steht. Mit Julien bekommen wir einen Teenager geboten, der wohl viele an die eigene Jugend erinnert. Er erzählt uns von diesem Sommer und was er dort alles erlebt hat. Es geht um Liebe und das Leben. Denn seine Angebetete ist seine Cousine Julia. Hier beginnen schon die Probleme, er weiß das es falsch ist, dennoch liebt er sie und lässt sie aber auch Leiden im verlauf des Films. Am Ende muss er sie sogar sprichwörtlich niederringen um ihr Herz zu bekommen.

Es ist zwar nichts anderes als ein Coming of Age Drama, was auch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs mit dabei hat. Doch die Charaktere agieren so unbeschwert und frei wie es nur geht. Denn alles wirkt nur so weit weg. Das merkt man auch der Geschichte an. Es kommt zwar der Punkt wo alle Männer in den Krieg müssen, es ist auch so ein dramatischer Punkt in der Handlung, Julia hat ihren 16. Geburstag und dennoch läuft alles schief und dann kommt die Botschaft das der Krieg angefangen hat. Auf einmal ist Julien der Hahn im Korb und muss damit klar kommen.

Während also viele Charaktere ihr Leben vor sich hin Leben und wir immer wieder zeuge werden von dem was passiert. Dabei gibt es auch ein paar fragwürdige Momente, warum darf der Verlobte der Schwester sich so benehmen und die neue Magd sogar vergewaltigen und diese wird dann nochmal Opfer eines sexuellen Übergriffes und man stellt es zwar so dar als ob sie es dann auch wollte. Es ist aber sehr fragwürdig. Es könnte der Zeit geschuldet sein. Dennoch ist es halt etwas was einen faden Beigeschmack hat, etwas was man aus anderen David Hamilton Filmen so nicht kennt.

Erotik

Wie schon erwähnt ist Zärtliche Cousinen etwas anders als die anderen Werke von David Hamilton, denn die Erotik ist hier nur ein kleiner Teil der Geschichte und man hält sich auch mit der Nacktheit zurück, zwar gibt es immer noch Szenen, welche genau das zeigen, doch es gehört zur Handlung und man versucht das alles immer aus der Sicht von Julien zu zeigen. So erleben wir eine Welt die aufregend ist und alles wirkt neu. Dabei erleben wir dann auch seine ersten sexuellen Kontakte und auch die Probleme die es damit gibt. Immer wieder treten Frauen in sein Leben die versuchen ihn zu verführen. Das erste Mal geht für beide nicht besonders gut aus. Am Ende bekommt er für sein Verhalten gegen über den Frauen aber auch die Ohrfeige verpasst.

Wie immer bei Hamilton ist alles in wunderschönen Bildern verpackt, niemals soll die Erotik aufdringlich sein oder man zeigt einfach nur nackte Körper. Man verpackt es in wunderschönen Bildern, alles wirkt sehr naiv und unschuldig. Dabei verändert sich das im Verlauf des Films aber auch etwas. Wenn Julien aufblüht und die Frauen entdeckt, will er auch mehr von ihnen. So deutet man sogar an, dass er von einer Magd einen Blowjob einfordert, sie schämt sich dafür, wir sehen es nie aber wir hören das gestöhne.

Optik

Man bekommt hier einen wunderschönen Film geboten, nicht nur der Weichzeichner tut seinen zweg und zeigt uns seine Welt die wie ein Traum wirkt. Nein, denn David Hamilton nutzt auch viele sanfte Farben in seinen Bildern. Immer wieder sehen wir verschiedene Farbtönen un den Szenen, vor allem die grauen Wände des Hauses und dann kleine Farben im Vordergrund und so ergibt es ein schönes weiches Farbbild. Dabei gibt es ein paar Szenen wo das sehr deutlich wird. Schon im Vorspann wenn Julien uns Julia vorstellt und beschreibt wie schön sie ist, so sehen wir den Einsatz der Farben und des Graus sehr deutlich. Im Verlauf des Films gibt auch viele Szenen die in der Natur spielen, hier ist alles grün und hell gehalten. Wir merken das es Sommer ist und selbst die große Schwester trägt immer wieder einen hautfarbenen Badeanzug im Freien. Nichts wirkt irgendwie hektisch oder bedrohlich. Die Gefahr des Krieges ist verdrängt auch in den Bildern.

Einzig wenn die Männer in den Krieg ziehen gibt es etwas Braun und andere dunklere Tönen und alles wirkt wie ein Abschied und man spürt, dass hier wohl niemand weiß wie es ausgehen wird. Es ist aber eine kleine Szene die auch viel Bedeutung für die Handlung hat, es ist der Wendepunkt und vor allem für Julien beginnt danach eine ganz andere Zeit. Ansonsten sieht man Zärtliche Cousinen an, dass er im Sommer auf dem Land spielt und wahrscheinlich auch 1939, man versucht viele Details zu zeigen, dass wir es mit dieser Zeit zu tun hat, von der Kleidung bis hin zu Gegenständen wie ein Radio oder ein Auto.

Fazit:

Zärtliche Cousinen hebt sich etwas ab von den anderen Werken von David Hamilton, zwar gibt es immer noch den Weichzeichner aber ansonsten hält sich die Erotik zurück und man erzählt uns eine Coming of Age Geschichte, welche zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges spielt. Dabei ist der aber nie wirklich da, sondern sehr weit weg und die Welt wirkt noch unschuldig.

Zärtliche Cousinen

Movie title: Zärtliche Cousinen

Director(s): David Hamilton

Actor(s): Thierry Tevini, Anja Schüte, Valérie Dumas, Évelyne Dandry, Elisa Servier, Jean-Yves Chatelais, Macha Méril, Hannes Kaetner, Silke Rein, Laure Dechasnel, Pierre Vernier, Jean Rougerie

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 6/10
    Erotik - 6/10
7.5/10

 

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Filmfan, Autor dieser Seite.

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