The Assassin

Das Wuxia Genre gehört zu den ältesten in China und umfasst alle möglichen Medien und so ist es wohl auch kein Wunder das jeder Regisseur mal einen Film drehen will. Auch wenn Regisseur Hou Hsiao-Hsien in Taiwan lebt und viel mehr für andere Filme bekannt ist, so wollte er schon immer einen Martial Arts Film drehen. Dabei wird es aber auch für ihn eine Herausforderung, weil er es schwer findet Martial Arts Szenen zu drehen und er wohl das Genre komplett umkrempeln wollte, drehte er mit The Assassin seine Version dieses Genre. Dabei hat er in der Hauptrolle Shu Qi, welche schon vorher in ein paar seiner Werke zu sehen war. Dazu ist sie auch sehr bekannt in China und der Welt, denn alleine durch Under Control mit Jackie Chan eroberte sie die Herzen vieler Männer, schon vorher war sie in ein paar Filmen zu sehen auch erotischer. Doch hier zeigt sie sich von ihrer besten schauspielerischen Seite.

Die Handlung spielt in China im achten Jahrhundert, dort lebt die Auftragskillerin Nie Yinnniang, welche tödlich und präziese ist. Doch bei ihrem letzten Auftrag hat sie versagt, denn sie wollte ihr Ziel nicht töten, weil der kleine Sohn ihres Opfer dabei war. Jiaxin die Nonne welche sie aufzog seit sie zehn Jahre alt war, schickt Nie in an den Fürstenhof von Weibo, dort soll sie ihren Cousin Tian Ji’an umbringen. Dabei entfaltet sich die Geschichte langsam und wir erfahren das Nie und Tian sogar einst versprochen waren. Doch wird sie ihren Auftrag erfüllen können?

Als Zuschauer wird man wohl bei der ersten Sichtung von The Assassin einige Probleme haben. Denn Regisseur Hou Hsiao-Hsien hat nicht einfach einen Wuxia Film gedreht, er hat viel mehr den Geist des Genres genommen und daraus einen Film gedreht, sehr Spirituell ist und wie eine Meditation wirkt. Dabei ist alle komplett entschleunigt erzählt und die wenigen Martial Arts Szenen zeigen mehr die Essenz von dem was sie aus machen als Action.

Bei The Assassin muss man zwischen den Zeilen lesen

Wenn man sich The Assassin anschaut könnte man zu der Meinung kommen, dass der Film keine Handlung hat. Doch diese wird durch die Bilder erzählt und hier geht Regisseur Hou Hsiao-Hsien aber feinfühlig mit der Handlung um und nutzt alles dafür. Das geht schon beim Bildformat los. Denn der Film ist in 4:3 gedreht und nur eine Szene ist in 16:9 diese enthält die Geschichte von einem Vogel der eingesperrt wird und singen soll es aber nicht kann. Dies kann man als Parabel für die Geschichte von Nie verstehen, denn sie ist auch nur ein armer kleiner Vogel, der hier töten soll aber es nicht kann. Sie hat damit Probleme und hat sogar ein gewissen. Etwas was im Kontrast zu dem Anfang steht.

Denn am Anfang sehen wir sie in einem Baum stehen und hören auch wie ihre Ziehmutter ihr erklärt, wer ihr Ziel ist. Das alles in Monochrom gehalten, es wirkt zwar alles hell aber es ist auch der Kontrast zu dem was danach passiert. Der Name der Hauptfigur bedeutet im chinesischen auch Baum aber das nur am Rande, was den Anfang etwas erklärt. Denn nach den nüchternen und hellen Bildern in Monochrom, wechselt das Bild in Farbe und wir sehen eine prächtige Welt des Fürstenhofs von Weibo. Dazu immer wieder die schöne Landschaft. Die Handlung entwickelt sich aber sehr langsam.

Am Fürstenhof gibt es viele Probleme, alles wird zwar nie wirklich ausgesprochen aber wir können es ablesen. Wenn die Konkubine von Jian Schwanger ist und täuscht vor ihre Periode zu haben ist sehr viel Hektik. Dabei scheint es dem Fürsten auch sehr stark zu bedrücken. Er hält doch alleine Weibo zusammen. Währendessen steht Nie immer nur rum und lauert, dabei beobachtet sie aber auch alles. Sie will sehr genau wissen ob ihr Ziel wirklich den tot verdient hat. Hier merken wir auch wie moralisch sie ist und wie sehr die Handlung gegen das Wuxia Genre arbeitet.

Sehr viel Bildsprache

Ein Film wie The Assassin ist auch eine Herausforderung, denn man sollte keinen Film erwarten der einem alles erklärt und erzählt in den Dialogen. Wir müssen aufpassen und zuschauen. Auch wenn es immer wieder Abblenden gibt und wir uns dann zu einem anderen Zeitpunkt in der Handlung befinden, so erzählt es auch viel. Denn wir sehen nur das was wir sollen, was scheinbar wichtig ist, egal wie für unwichtig wir es doch halten. Schon als Nie die Geschichte von Jian hört und sie mit einem Tuch vor dem Gesicht ihre Emotionen raus lässt, sonst zeigt sie nie welche. Denn es ist auch ihre Geschichte und die über ein Leben was sie nie wollte.

Dazu ist sie perfekt in der Kampfkunst, so gut das sie so erhaben über allen steht, das sie ihre Gegner sogar verschont und zeigt, dass sie besser ist und menschlicher. Sie tötet zwar auch aber meist geht ein Kampf nicht sehr lange. Die Bilder zeigen sie wie ein Lehrmeister kämpfen der in jeder Situation den Überblick hat. Sie kann von niemanden besiegt werden. Das zeigen uns die wenigen Martial Arts Szenen in The Assassin. Diese reichen aber auch aus und bringen die Handlung voran. Auch das Zusammentreffen mit der maskierten Frau, welche scheinbar genauso stark ist. Doch auch hier gibt es am Ende die Information für den Zuschauer, welche uns eines besseren belehrt.

Es gibt auch viele Szenen, welche an die Mystik und Legenden des alten Chinas anspielen, alleine wie man mit dem Problem der schwangeren Konkubine umgeht, scheint sehr befremdlich zu sein. Doch das gehört auch zum Wuxia Film, man muss hier halt nur genau hinschauen und differenzieren und versuchen das Genre zu erkennen.

Optik

Anders als Perfekt kann man The Assassin nicht beschreiben, denn man bekommt einen wunderschönen Film zu sehen. Wo jede Einstellung sitzt und alles hat eine Bedeutung. Das geht von Schleiern vor der Linse die immer wieder in einem Moment weggenommen werden und so mit etwas preis geben. Dazu auch das Bildformat, hier scheiden sich aber auch die Geister. Regisseur Hou Hsiao-Hsien meint, es fängt die Zeit am besten ein. Man kann es aber auch als den Käfig für den Vogel verstehen, dessen Welt sehr eingeschränkt ist. Wie man es nun sehen will. Das Bild ist in den Szenen an dem Fürstenhof immer voll und man kann sehr viel sehen. Dabei gibt es auch ein Spiel mit den Farben. Während es zwar nie grelle Farben gibt, so ist in dem Palast sehr viel Gold und etwas Rosa zu entdecken, was einen schönen Kontrast gibt.

Auch sonst bekommt man bei The Assassin sehr viele wunderschöne Bilder geboten. Die Welt ist Traumhaft schön, die Landschaften und auch die Kameraeinstellungen, manchmal ruht sie nur auf eine Person und bewegt sich langsam. Alles wirkt auch hier sehr ruhig und wie eien Meditation. Als Zuschauer muss man sich auf dieses langsame Tempo einlassen. Denn man wird auch dafür belohnt. Alleine schon im Finale auf einen Berg und der Nebel steigt langsam auf, es hat etwas mystisches und es wirkt auch wie ein Abschied.

Fazit:

The Assassin ist eine Bereicherung für das Wuxia Genre. Regisseur Hou Hsiao-Hsien fängt den Geist des Martial Arts ein und liefert einen Film ab, welcher seine Handlung in den Bildern erzählt. Dabei ist es aber auch eine Herausforderung für den Zuschauer, wenn man sie annimmt wird man reichlich belohnt.

The Assassin

Movie title: The Assassin

Director(s): Hou Hsiao-Hsien

Actor(s): Shu Qi, Chang Chen, Zhou Yun, Satoshi Tsumabuki, Ethan Juan, Nikki Hsieh Hsin-Ying, Sheu Fang-Yi, Ni Dahong, Shih Chun, Jacques Picoux

  • 9/10
    Handlung - 9/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
  • 10/10
    Anspruch - 10/10
9.5/10

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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