Menschen können sehr viel ertragen und dennoch gibt es den Moment wo alles zu viel wird, das kann dann die Fliege im Auto sein und der Mensch fängt an Amok zu laufen, wie es der Charakter von Michael Douglas in Falling Down tut. Andere haben Rachephantasien die sie vielleicht nie ausleben oder gar nicht mehr wissen ob es wirklich passiert ist, weil sie einfach dazu gehören wollen. So ergeht es Patrick Bateman in American Psycho. Die Medienwelt ist voller Figuren, die am Rande des Zusammenbruchs stehen und nicht wissen wie es weiter geht. Es können bitterböse Parodien auf einen Lebensstil sein (American Psycho) oder ein düsterer Thriller (Falling Down), alles ist möglich. Auch in Japan, denn hier haben wir mit Swaying Mariko einen Beitrag zu diesem Thema, hier aber mit viel schwarzen Humor und der Film sitzt zwischen den Genrestühlen.

Die Handlung dreht sich um Mariko, sie arbeitet in einem Batting Center, wo Menschen ihre Baseball Schlagtechnik üben können, doch der Job ist nicht der beste. Die Kunden sind unfreundlich und der Boss will den Damen an die Wächse, er beobachtet alle und scheint auch eine Affäre mit einer Kollegin von Mariko zu haben. Auch sonst läuft in ihren Leben alles schief. Sie ist seit sechs Jahren verheiratet, ihr Mann zeigt kein Interesse mehr an ihr und hat wohl auch eine Affäre. Sie vertieft sich immer mehr in Rachefantasien und langsam vermischt sich die Fantasie mit der Wirklichkeit.

Mit gerade mal 65 Minuten ist Swaying Mariko ein etwas kürzerer Film, so braucht er auch kaum Zeit um zeigen, was in dem Leben von Mariko alles schief läuft. Dabei erleben wir sehr deutlich was alles passiert, dennoch ist nicht immer klar ob sie sich das gerade vorstellt oder ob es wirklich passiert. Hier spielt der Film etwas mit uns dem Zuschauer. Auch wenn das Thema und das gezeigt immer wieder ernst ist, so merkt man doch sehr deutlich, dass man alles mit etwas Humor versehen hat.

Einsamkeit und Rache in Swaying Mariko

Auch wenn Swaying Mariko auf den ersten Blick wie das typische Rachedrama aussieht, wo man den Zuschauer am Ende damit belohnt oder bestraft wie er mit anssehen muss, wie der Charakter seine Rache bekommt und sich Befreiung für alle einstellt. So nimmt der kurze japanische Spielfilm doch ein paar andere Wendungen. Wir lernen am Anfang Mariko und ihr Leben kennen, auch wenn es erst Mal so wirkt als würde es um Yoshimo gehen, denn die junge Frau hat ein Problem mit einem Kunden, doch schnell schwingt die Handlung zu Mariko und wir verfolgen sie und was sie so erlebt. Wir hören ihre Gedanken und hier merkt man schnell, dass Leben läuft nicht gerade besonders gut für sie. Als sie sich mit einer Ex-Arbeitskillegin trifft und diese über sie schlecht redet, fasst Mariko den entschluss sich zu Rächen. Hier merkt man als Zuschauer zwar schon, dass nicht alles was wir sehen wirklich passiert, doch die Grenzen sind so verschwommen das man nie merkt, wann es nun stimmt und wann nicht.

Wie schon erwähnt, nimmt der Film einige wendungen und so zeigt Swaying Mariko auch ein anderes Problem was es in Japan gibt, die Einsamkeit. Zwar gibt es viele Menschen, doch durch die viele arbeit und die einprägung der Kultur, sind die Menschen nicht immer so gesprächig. Das sieht man deutlich an der etwas jüngeren Kollegin von Mariko, sie redet viel mehr und dennoch scheint Mariko immer abwesend zu sein. Probleme werden auch nie ausgesprochen, das ist der Punkt der zu dem allem führt was wir im japanischen Spielfilm sehen. Denn als Zuschauer merkt man schnell, würden die Charaktere mehr miteinander reden, so würde vieles vielleicht nicht im Raum stehen.

Diese Einsamkeit und die unausgesprochen Probleme führen zu den Fantasien von Mariko und das alles endet dann anders als man es erwarten könnte. Denn hier zeigt der Film das es auch anders geht. Es ist schon ein Lichtblick, obwohl am Ende gibt es noch einen bitterbösen Witz, man merkt auch sehr deutlich, dass Swaying Mariko es mit Humor nimmt und immer wieder gibt es die Momente, wo eine Situation mit einem Witz auflöst, in wenigen Fällen ist das nicht der Fall.

Schwarzer Humor

Wie schon öfters erwähnt ist Swaying Mariko eine schwarze Komödie. Der Humor ist sehr trocken und böse. Das merkt man an vielen stellen sehr deutlich. Alleine schon wenn Mariko hier ein Messer kaufen will und der Verkäufer überlegen muss, welches er ihr nun gibt. Sie will das schärfste was er hat. Er merkt schon das etwas nicht mit ihr Stimmt. Die Auflösung was er ihr für ein Messer gegeben hat, folgt viel Später im Film und zeigt, dass man hier nichts vergessen hat. Man löst sehr viele Dinge auch immer wieder auf. Zwar bekommt man als Zuschauer nur einen kurzen Einblick in das Leben von Mariko, wir sind schon am Siedepunkt angekommen und so beginnt der Film auch. Man will uns direkt in die Handlung einwerfen.

Durch den Humor wirkt die ganze Geschichte von Swaying Mariko auch etwas harmloser und an vielen stellen entpuppt sich das auch als Harmlos. Als Zuschauer ist man dennoch faszieniert von dem was passiert. Alleine die Szene wo Mariko von einem Baseball getroffen wird und dann Leute auf der Straße verprügelt. Hier gibt es Humor und eine der besten Szenen des Films. Denn wir wissen nicht ob es wirklich passiert oder nicht, man löst es auch nicht auf. Genau diese Momente machen Swaying Mariko aber aus.

Optik

Man sieht Swaying Mariko an, dass es ein kleiner Film ist und man zeigt auch keine großen Bilder. So ist alles etwas kleiner gehalten und die Kameraeinstellungen sind auch sehr zweckhaft. Auch wenn es viele Momente gibt, wo man mit dem Zuschauer spielt und man uns nicht gleich sagt, ob es stimmt was wir sehen. Das führt zu einigen absurden Szenen. Dabei merkt man aber schnell, dass es hier auch Fantasie sein könnte, vor allem das benehmen von Mariko verändert sich und man zeigt dies auch deutlich. Die beste Szene des Spielfilms haben wir schon kurz angesprochen. Denn es ist die wo Mariko komplett durchdreht und durch die Straßen läuft und Menschen verprügelt. Dies ist ein One Take und wir Verfolgen sie ein paar Minuten. Hier führt man uns aber auch auf die falsche Fährte. denn es wirkt so als ob nun der Racheteil des Films anfangen würde.

Man hat bei Swayinf Mariko zwar alles on Location gedreht und so bekommt der Film auch einen guten Hauch realität. Doch man sieht auch, dass man wohl nicht viel Geld hatte. Man dreht sehr viel in Räumen und vor allem Wohnung und es gibt nur ein paar Orte die wir besuchen. Das stört alles weniger. Es passt zu dem Film aber man zeigt uns auch immer nur das nötigste. Man kennt auch das Haus von Mariko nicht wirklich. Dafür aber das Batting Center und den Fahrstuhl, der wird sogar wichtig. Denn am Anfang und am Ende gibt es eine Szene in diesem und die ist wichtig für die Handlung und rundet alles etwas ab. Jedenfalls zeigen die Orte das trostlose und einsame Leben von Mariko doch schon eindrucksvoll.

Fazit:

Swaying Mariko ist eine schwarze Komödie, die mit 65 Minuten recht kurz ausgefallen ist. Dabei sehen wir als Zuschauer zwar viele Genre typische Elemente für einen Rachefilm, doch am Ende kommt alles ganz anders und das macht diesen kleinen Film doch zu etwas besonderen.

 

Swaying Mariko

Movie title: Swaying Mariko

Director(s): Kôji Segawa

Actor(s): Mayumi Fukuhara, Hikari Gotô, Tomoko Katô, Hide Miura, Emi Negishi, Kaori Nishio, Tôte Takahashi, Chise Ushio, Keita Yamashina, Kazunari Yanagitani

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 7/10
    Regie - 7/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
7.0/10