Sammo Hung kann auf eine lange Karrie zurückblicken, fing er als Stuntman an für Filme wie Ein Hauch von Zen und dann auch als Regisseur für einige Jackie Chan Filme, bekam er ende der 90er Sogar eine TV-Serie in den USA. Doch schon im Jahr 1997 drehte er seinen letzten Film. Doch man soll nie Nie sagen. Denn im Jahr 2016 kam er zurück auf dem Regiestuhl mit The Bodyguard. In Hongkong hat sich aber einiges geändert, denn dadurch das man nun zu China gehört gibt es weniger Freiheiten und das merkt man vielen Filmen an. Auch hier versucht man zwar politisch zu sein, doch all zu kritisch geht es nicht mehr vor. Man sollte auch kein Actionfilm erwarten, denn man bekommt eher ein Drama mit ein paar Actionszenen geboten. Alles wirkt auch sehr sentimental und weich gespült, was aber einen harten Kontrast zur Gewalt im Film liefert.

Die Handlung dreht sich um Ding, einen alten Ex-Bodyguard des Militärs, der nun an Demenz leidet. Er vergisst langsam alles und kann sich schwer erinnern. Das führt zu Problemen im Alltag. Einzig Cherry die Tochter seines Nachbarn ist ein Lichtblick in seinem Leben. Doch der Nachbar ist Spielsüchtig und hat so hohe Schulden, dass er für einen Verbrecher einen Job erledigen soll. Dabei geht aber einiges schief und er flieht mit dem Geld. Der wütende Mob aus Verbrechern will Rache und als dann auch noch Cherry verschwindet, ist für Ding klar, dass sie entführt wurde.

Als Zuschauer hat man mit The Bodyguard so einige Probleme, auf der einen Seite versucht die Handlung uns nicht damit zu erdrücken, dass Ding bald alles vergessen wird. Auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele stereotypische Szenen die genau auf das Anspielen. Die Nachbarin die versucht ihm zu helfen. Dann wär da noch Cherry die ihn sein Trauma vergessen lässt, was immer wieder hoch kommt und dann wär da noch die Verbrecher aus China und Russland.

The Bodyguard ist nicht sehr Subtil

Die Bildsprache in asiatischen Filmen erzählt meist sehr viel die Geschichte. Denn viele Dinge bleiben unausgesprochen, man deutet es an und zeigt es dann durch Symbolik. Bei The Bodyguard ist das nicht anders aber Sammo Hung geht hier als Regisseur wohl lieber mit dem Vorschlaghammer vor. Selbst für das westliche Publikum ist dieser Film sehr einfach zu Lesen. Nicht nur das wir hier eine Handlung haben, die Stark an Man from Nowhere oder Man on Fire erinnert, nur dass der Hauptcharakter hier schon langsam alles vergisst. Nein, man baut das Ganze auch nicht besonders gut auf. Das mag zwar auch daran liegen, dass Ding viel vergisst und wir die Welt aus eine Erzählung sehen. So muss nicht alles Stimmen was wir erblicken. Dennoch wirkt manches doch so wild mit dem Holzhammer auf das Publikum eingeschlagen, dass wir ja mitbekommen sollen was passiert und was die Charaktere fühlen.

Am besten merkt man es in einer Szene, wo Cherry verschwindet, weil sich ihr Vater versteckt. Wir sehen eine Montage von Ding und wie er sich einsam fühlt. Dazu läuft Ain’t No Sunshine von Bill Withers. So singt man das es keinen Sonnenschein mehr gibt, weil sie da ist. Also perfekt passend zu dem was wir sehen. Feinfühlig und Subtil geht doch etwas anders, am Ende dieser Szene gibt es zwar ein Happy End und Ding darf seine Katharsis nicht haben, wie im ganzen Film nicht. Er darf immer nur alles vergessen. Das was in seiner Vergangenheit passiert ist und warum er im Exil ging in diese Grenzstadt, das deutet man nur an und erklärt uns zwar immer wieder. Man braucht eine Motivation warum das Finale passiert.

Der Vater von Cherry wird uns als nicht so Böse verkauft, er opfert sich für seine Tochter wirklich auf. Er kann für seine Probleme nichts und ist das gefundene Fressen für die Bösen. Denn es ging da noch den Bandenkrieg und wir sind mittendrin. Doch die anderen Bösen sind dann auch nur da und sind so flach gezeichnet, dass sie nur Böse sind. Es liegt vielleicht auch an dem Twist den man am Ende einbaut und alles davor doch sehr Sinnlos wirken lässt. Vielleicht versucht man so die Handlung mit der Demenz zu erklären aber im Grunde läuft dann ein alter Mann nur Amok und erledigt aus Versehen die Bösen.

Action

Nicht nur Jackie Chan ist alt geworden auch Sammo Hung, nur dreht weniger Filme und choreografiert Hinter der Kamera immer noch die ein oder andere Martial Arts Szene. Bei The Bodyguard meldet er sich im Finale mit einen großen Knochenbrechenden Geräusch zurück. Anders kann man das gar nicht erklären. Denn man baut alles für diese eine lange Szene auf. Hier geht es dann zur Sache und man merkt eindeutig. Das Sammo Hung wirklich Talent hat und man sollte sich nochmal vor Augen rufen was er für den Martial Arts Film getan hat. Es ist auch diese Sequenze welche am meisten überzeugen kann in dem Film.

Neben der einen langen Szene wo Sammo Hung zeigt, das er auch hier noch einen anderen Stil zeigen kann, der sehr auf Nahkampf ausgelegt ist und der ganze Körper als Waffe genutzt wird, komplett untypisch für einen Martial Arts Film aber sehr passend für eine Figur, die beim Militär war. Ansonsten gibt es noch eine kurze Verfolgungsjagd und das wars auch schon. Man sollte also nicht so viel Hoffnung haben, dass man hier von Anfang bis Ende Action bekommt. Dafür reicht diese eine Szene im Finale aber auch aus.

Optik

Wie schon erwähnt, sehr Subtil ist der Film nicht, weder beim Drama noch bei der Action. Das geht in der einen langen Actionszene soweit, das wir immer wieder eine Art Röntgenaufnahmen von den Knochen sehen die Brechen. Das verleiht dem Film natürlich auch eine gewisse Härte, neben den Geräuschen von brechenden Knochen. Dabei merkt man aber, dass Sammo Hung hier auch eine Art verwirrtheit mit ins Spiel bringen will, denn alles wirkt zwar Temporeich geschnitten aber manchmal wirkt die Zeitlupe befremdlich und dann agiert Ding auch etwas anders. Dies kann den ein oder anderen Zuschauer auch stören. Denn es ist immer noch ein moderner Actionschnitt, wenn auch ohne Wackelkamera. Man sieht alles noch sehr deutlich. Sammo Hung nutzt aber auch sehr viele Nahaufnahmen von Händen oder anderen Körperteilen in diesen Szenen.

Auch sonst ist The Bodyguard bei den Bildern nicht sehr Subtil, wie schon angesprochen, sehen wir Ding immer wieder in seinem Alltag und man haut sehr deutlich mit dem oft erwähnten Holzhammer auf das Publikum, sei es dass er sein Schloss knackt, weil er nicht weiss wo sein Schlüssel ist. Er sitzt auch im Bus verlassen und allein. Meist ist er alleine und schaut einfach einsam in alle Richtungen. Wir sollen niemals vergessen Ding hat Demenz und so bekommen wir viele Szenen zu sehen wo man uns genau das zeigt. Die Einsamkeit kommt noch dazu, es ist halt alles sehr typisch Drama.

Fazit:

The Bodyguard ist zwar kein richtiger Reinfall aber was Sammo Hung hier als Regisseur abliefert ist alles anderes als feinfüliges subtiles Kino. Dabei würde die Handlung das hergeben, auch hat man das Gefühl als Zuschauer irgendwie alles zu kennen, zwar ist es nicht schlimm für ein Genrefilm bestimmte Dinge zu übernehmen aber wenn andere Filme im selben Bereich die Geschichte besser erzählen und die neuen Ansätze kaum genutzt werden, hat man am Ende auch keine richtige Lust mehr auf den Film.

The Bodyguard

Movie title: The Bodyguard

Director(s): Sammo Hung

Actor(s): Sammo Hung, Jacqueline Chan, Andy Lau, Zhu Yuchen, Li Qinqin, Feng Jiayi, Yuen Biao, Feng Shaofeng, Tsui Hark, Karl Maka, Dean Shek, Yuen Qiu

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 4/10
    Action - 4/10
  • 3/10
    Spannung - 3/10
5.4/10