Hausu

Japan in den 70er Jahren, das Kino war im Umschwung wie in der ganzen Welt, das Fernsehen wurde immer beliebter und wurde eine starke Konkurrenz, denn nicht überall konnten Menschen so einfach einen Film schauen. Man musste etwas neues bieten. Regisseur Nobuhiko Ôbayashi hatte eine Idee, doch diese sollte nicht umgesetzt werden. Dennoch war man bei Toho dran mit ihm ein Film zu drehen. Nach einem Gespräch mit seiner elf Jährigen Tochter und deren Horrorvision von Dingen, entstand ein Drehbuch und es war wohl genau das, was den frischen Wind ins Kino bringen sollte. Dabei war alles erlaubt was Spaß macht und das sieht man Hausu deutlich an. Denn man baute einfach alles ein was geht, moderne Tricktechnik und viele Ideen, die den Zuschauer erschlagen können. Auch interessant ist, dass der Titel  nur aus einem Wort bestand und dies sogar in Englisch ist, man nennt den Film auch House.

Die Handlung dreht sich um Angel, diese will eigentlich mit ihren Freundinnen und ihren Vater ein paar schöne Tage im Sommer verbringen. Doch es kommt alles anders, ihr Vater hat eine neue Freundin und will erst Mal mit dieser etwas Zeit verbringen. So schreibt Angel ihrer Tante einen Brief, denn diese wohnt in einem großen Haus irgendwo auf dem Land, also der perfekte Ort für die Freundinnen. Die Tante antwortet auch und irgendwie taucht ihre Katze Snowy mit auf. So ziehen Angel, Mac, Kung Fu, Fantasy, Prof, Melody und Sweety los um die Tante zu besuchen. Als sie angekommen sind, stellen sie schnell Fest das irgendwas mit dem Haus nicht stimmt, doch da ist es längst zu spät für alle.

Klingt die Handlung von Hausu auf dem Papier noch nach einem normalen Geisterhaus Film, so wird man als Zuschauer schon gleich am Anfang eines besseren belehrt. Denn das erste was wir lesen sind die Worte A Movie, also ein Film. Man sagt uns das es ein Film ist. Doch dann sehen wir schon dass Regisseur Nobuhiko Ôbayashi keinen einfachen Horrorfilm gedreht hat. Wir werden in diese surreale Welt geworfen und die nimmt uns für die nächsten 90 Minuten gefangen.

Sieben Mädchen und ihr Albtraum in Hausu

Wo fängt man bei einem Film wie Hausu an, denn es ist nicht der typische Genrefilm Beitrag und einfach wird es auch nicht. Denn selbst wie die Handlung in den ersten 30 Minuten noch sehr normal wirkt, so ist alles drumherum es nicht. Das müssen wir für diesen Momente ausblenden und versuchen wir uns auf die Geschichte zu konzentrieren. Wir haben hier diese sieben Mädchen und die sind auch sehr einfach gestallt. Schon die Spitznamen die sie haben, deuten auf ihre Charaktereigenschaft hat. Das ist sehr einfach gehalten aber funktioniert. Angel sieht aus wie ein Engel und benimmt sich auch so, ihre Wandlung in der Horrorgeschichte ist vielleicht sogar die typischte und passende für den Namen. Die anderen Charaktere sind da schon stereotypischer. Nehmen wir Mac, sie heißt sie weil sie gerne isst und wahrscheinlich auch mal gern einen Big Mac. Melody macht gern Musik. Sweety ist einfach niedlich bzw. Kawaii,. Mit Fantasy haben wir ein Mädchen was viele Tagträume hat und viel fantasiert. Prof dagegen ist belesen und glaubt nicht an übernatürliches und Kung Fu ist gut in Karate und sowas wie die Heldin in der Geschichte.

Die Tante dagegen wirkt freundlich aber schon schnell merkt man als Zuschauer das irgendwas nicht mit ihr Stimmt. Dennoch ist sie nur ein kleiner Nebencharakter. Der irgendwann im Verlauf der Handlung von Hausu unwichtig wird. Viel mehr geht es um andere Dinge und hier zeigt sich, dass man aus einer tragischen Liebesgeschichte auch einen Horrorfilm machen kann. Denn man baut auch ein Mythos um das Haus auf und was mit den Menschen darin passiert. Dabei lässt man den Zuschauer aber mit sehr vielen Fragen zurück und das ist auch der Reiz der Geschichte, denn nicht viel wird erklärt, wir müssen versuchen das alles in den Bildern zu lesen und nach ein paar mal anschauen, wird man auch langsam etwas schlauer.

Manchmal macht es der Film den Zuschauer aber auch leichter. Alleine schon die Sache mit der Katze, hier deutet man vieles an und am Ende bekommt man dazu sogar eine Erklärung aber das ist nur ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein. Denn Hausu bombardiert einen mit so vielen Dingen, dass man schnell die Handlung aus den Augen verlieren kann.

Unheimliches Haus

Da vieles was wir bei Hausu sehen aus den Ideen der Tochter des Regisseur entstand, merkt man auch immer wieder an. Es sind Horrorvorstellungen eines Teenagers, welcher seine Fantasie auslebt. Das überträgt sich sehr gut auf den Film. Auch wenn man hier keinen Horrorfilm bekommt der einen so schockiert das man nicht mehr schlafen kann. So raubt einem der Film auf andere Weise den Schlaf. Denn wir sehen sehr viele surreale Dinge und die sind schwer ein zu ordnen. Dabei muss man sich auf einiges gefasst machen. Die Stimmung kann auch immer wieder schnell umschlagen. Denn den Humor vergisst man hier auch nicht. Am Ende ist man aber gefangen in diesem Haus und hier ist einfach alles möglich und das machen die Bilder sehr deutlich.

Nehmen wir nur das Verschwinden von Mac und wie sie von Fantasy gesucht wird. Dabei landet sie an den Brunnen und holt die Wassermelone hoch, welche eigentlich Mac holen sollte. Doch Fantasy schaut nicht genau hin, sie ist abgelenkt von der Schönheit des Sonnenuntergangs. Denn statt einer Wassermelone erwartet sie hier der Kopf von Mac, der anfängt zu fliegen und greift sie an, am Ende beisst er ihr noch in den Po und landet wieder auf dem Brunnen. Fantasy flieht und der Kopf spuckt noch blutiges Wasser und verschwindet wieder in den Brunnen. Damit leutet Hausu seine surreale Horrorphase ein und aus der gibt es kein Entkommen mehr. Alles in dem Haus greift die Mädels an.

Man merkt auch, dass Regisseur Nobuhiko Ôbayashi etwas an der Therie von Freud des Unheimlichen hält. Denn in dem Wort befindet sich auch das Wort Heim, also ein Haus. Genau das sehen wir, den Horror in den eigenen vier Wänden und dieser ist immer überzeugender als ein anderer Ort, es greift uns sehr Privat an. Auch wenn Hausu hier mit uns auch immer wieder etwas spielt. Wir Angel beim Baden zu sehen und alles sehr romantisch und friedlich wirkt, so passiert bei der Szene nichts mit ihr. Auch wenn Melody nach jemanden ruft, so braucht sie nur Klopapier. Es sind aber auch diese Momente, die zeigen dass man hier die typische Spannung demontieren will.

Optik

Kommen wir zu dem was Hausu wirklich aus macht, die Optik. Im schicken 4:3 gedreht, zeigt Regisseur Nobuhiko Ôbayashi das er wirbliche aus der Werbefilm Welt kommt. Denn er benutzt einfach alle Stilmittel die ihn einfallen und will dem Zuschauer auch etwas vor dem Kopf stoßen. Er dreht den Film anders als es die großen japanische Regisseure tun würden und versucht etwas neues und frisches. So zitiert er aber auch sehr eindeutig Dario Argento in einer Szene inklusive passenden Soundtrack, so wirkt diese Aufnahme wie einem Giallo und im nächsten Moment befinden wir uns aber in einem Film der sehr viele experimente macht. Als Zuschauer muss man das erst mal verkraften. Sieht man den Film zum ersten Mal kann das sehr viel sein was man sieht und man kann es vielleicht auch falsch deuten.

Nehmen wir nur die Szene im Zug, alles wirkt wie ein Set und spielt damit auch, doch dann erzählt Angel die Geschichte von ihrer Mutter und ihrer Tante. Dabei scheinen sich die Mädchen Bilder anzusehen und kommentieren. Wir uns den Zuschauer wirkt es aber so, als ob sie einen alten Stummfilm sehen, welcher uns die Geschichte zeigt und sie kommentieren diesen Film. In einer anderen Szene wirkt es so als ob das Bild stocken würde, hier spielte man einfach nur mit der Framrate, das wirkt sehr befremdlich für den Zuschauer, passt aber auch zu dieser Szene. In anderen Szenen kommt der Greenscreen oder vielleicht auch Bluescreen zum Einsatz. Man merkt das man mit Projektionen arbeitet und bestimmte Szenen zu zeigen, das wird alles irgendwann so absurd, das Melody sogar kommentiert was mit ihrem Körper in dem Piano passiert.

Hausu steckt so voller Symbole und Szenen, dass man nicht alles in Worte fassen kann. Es ist einfach zu viel. Alleine schon das Finale, wenn dann Prof ins blutige sWasser fällt und auf einmal ihre Kleidung verliert und sich langsam auflöst. Ist das alles sehr ästhetisch gefilmt und wirkt sehr ruhig. Genauso wie die Badeszene mit Angel, hier kommt auch der Weichzeichner zum Einsatz.

Optik

Hausu macht sehr viel Spaß, dabei ist es kein einfacher Film. Auch wenn die Horrorgeschichte sehr simpel ist, so sind es die Bilder die einem vor eine herausforderung stellen. Am Ende wird man aber belohnt und bekommt einen tollen Film geboten, der nur so vor kreativer Engergie strahlt. Man sollte den Film aber mehr als einmal schauen um alles zu entdecken und zu verstehen, wass Regisseur Nobuhiko Ôbayashi hier gemacht hat.

Hausu

Movie title: Hausu

Director(s): Nobuhiko Ôbayashi

Actor(s): Kimiko Ikegami, Kumiko Ohba, Yôko Minamida, Fumi Dan, Shôichi Hirose, Mitsutoshi Ishigami, Miki Jinbo, Asei Kobayashi, Ai Matsubara, Tomokazu Miura, Masayo Miyako, Kiyohiko Ozaki

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
  • 9/10
    Unterhaltung - 9/10
8.0/10

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BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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