Nach dem sich das Regieduo Hélène Cattet und Bruno Forzani mit Amer und Der Tod weint rote Tränen im Giallo Genre ausgetobt haben und zeigten, das man Filme drehen kann, die alleine schon auf der visuelle Ebene dem Genre treu bleiben, war es wohl Zeit sich einem anderem Genre zu zuwenden. Das passierte mit Leichen unter brennender Sonne. Denn dieses Mal nimmt man Motive aus dem Poliziottesco Genre und erzählt schon fast eine normale Geschichte, jedenfalls im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Das mag auch daran liegen das man ein Roman, als Vorlage hatte. Dennoch erzählen beide den Film in ihrer Art, so gibt es viele Szenen, die sehr typisch für das Genre sind und man spielt mit dem Zuschauer und bombardiert ihn mit vielen Bildern und einer sehr symbolischen Sprache.

Die Handlung spielt im Sommer auf Korsika in einer verlassenen Burgruine. Dort lebt die Künstlerin Luca mit ihren zwei Liebhabern. Doch sie hat im Moment auch Besuch von einem Gangstertrio, welches am Mittag einen Überfall begeht und auf dem Rückweg nehmen sie noch zwei Frauen und ein Kind mit, welche auch zu Luca wollen. Es stellt sich heraus, dass das Kind zu einem der Liebhaber gehört und dazu auch seine Frau. Doch die Lage spitzt sich zu, denn die Polizei ist hinter allen her. Am nächsten Tag tauchen zwei Polizisten in der Burgruine auf und die Lage spitzt sich zu.

Obwohl alles so einfach klingt, ist auch Leichen unter brennender Sonne wieder ein Film, der das Publikum spalten wird. Denn immer wieder verlieren sich Hélène Cattet und Bruno Forzani in Szenen und Bildern und der Mainstream Zuschauer wird sich schnell fragen, was das alles soll. Die ganze Symbolik und vor allem auch die Bildsprache sprechen zwar Bände aber man muss sich auf diesen Spielfilm einlassen. Dazu ist es besser man kennt den Italowestern und den Poliziottesco, ansonsten sieht man nur aus unbekannten Genres.

Klare Genre Handlung in Leichen unter brennender Sonne

Wir haben es hier mit einem Poliziottesco zu tun, auch wenn die Handlung uns hier nur die Gangster zeigt und die Künstlerin, die Polizei bleibt etwas im Hintergrund. So sind die Motiv sehr typisch für das Genre. Wir haben einen Überfall und eine Geiselnahme, nur dass die Geiseln es nicht wissen. Dann taucht auch die Polizei auf und es wird eine Belagerung in der Burgruine. Dabei gibt der Film am Anfang auch sehr viel Gas und führt uns alle Charaktere ein. Hier scheint man als Zuschauer auch noch zu glauben, Leuchen unter brennender Sonne wär so etwas ein normaler Film. Doch das ändert sich schnell. Denn die Handlung ist in Uhrzeiten unterteilt und da kann es schon mal sein, das wir eine bestimmte Stelle immer wieder sehen nur aus der Sicht eines anderen Charakters.

Dabei muss man als Zuschauer auch sehr deutlich aufpassen, denn Leichen unter brennender Sonne verrät uns die Motive der einzelnen Charaktere nicht in den Dialogen. Es wird zwar mehr gesprochen als in den anderen Filmen des Regieduos, doch es geht nicht immer um das Wesentliche. Es gibt Andeutungen, wer gerade gegen wen agiert. Am Ende ist das aber auch egal. Es läuft auf ein Duell zwischen Rhino und dem Polizisten hin. Bis dahin wird die Figur von Luca immer mysteriöser und sie scheint wie ein Geist durch die Burgruine zu wandern und man sieht sie immer wieder in Rückblenden als Schatten, die eine Kunstvorführung macht.

Im Grunde sind alle Charaktere in der Handlung dem Zuschauer egal, die Spannung wird durch die Bilder erzeugt und den Szenen. Man will dennoch wissen, wie es ausgeht. Auch wenn man bei der Geschichte uns der viel Freiraum lässt was, als Nächstes passieren könnte. Dieser typischer Stil von Hélène Cattet und Bruno Forzani ist was Leichen unter brennender Sonne ausmacht.

Spannung und Symbolik

Auch wenn die Handlung sehr generisch wirkt, so bekommt man dennoch sehr viel Spannung. Denn ist die Geschichte von Leichen unter brennender Sonne aufgebaut und sind die Polizisten angekommen, geht es los mit der Spannung. Denn man weiß nie was als Nächstes passiert. Man kommt sich vor, als sei man in einem Kriegsgebiet, das liegt auch an dem, wie manches gefilmt ist. Die Action ist nah dran aber wir sehen nie viel, immer nur das nötigste. Dazu die Spannung, was könnte in der Dunkelheit sein, woher kam der Schuss, was ist da gerade passiert. Dann springt die Zeit zurück und wir sehen alles aus einer anderen Perspektive. Das zieht der Film dann bis zum Finale durch und hier merken wir auch wieder die typischen Italowestern Elemente, die uns sehr deutlich gemacht werden. Dieser Genremix sorgt dafür dass der Spielfilm von Anfang, bis Ende sehr viel Spannung bietet.

Bei Leichen unter brennender Sonne gibt es so viel Symbolik, das man den Film mehr als einmal gesehen haben muss, um alles zu erfassen, und wahrscheinlich entdeckt man auch beim zehnten Mal noch etwas neues. Sehr auffällig ist aber, dass jeder der im Film stirbt vorher mit einem Totenschädel zu sehen ist, diese Art von Forshadowing macht der Film sehr gern. Auch wird Luca immer mehr zu einem Geist, der das alles mehr kommentiert und beobachtet und alle gegeneinander ausspielt.

Wie schon erwähnt, sieht man sie in den Rückblicken auch immer wieder Luca bei verschiedenen Aufführungen. Alles ist aber als Silhouetten gehalten. Man sieht also Schatten, die etwas machen. Hier geht es von Luca mit Goldstaub beschmeißen bis das hin, dass sie auf jemanden pinkelt, der in der Erde eingegraben ist und sie Haut vorher noch ein Kreuz in den Boden, was wohl auch zu einer Verhaftung führte. Diese Szene sehen wir noch mal, hier wird aus dem Urin, dann aber geschmolzenes Gold, was auf eine Person tropft.

Optik

Rein optisch ist Leichen unter brennender Sonne eine Wucht. Die Bilder im Cinemascope Format sehen wunderschön aus. Hier merkt man die Liebe für Bilder des Regieduos, ähnlich wie bei den Vorgängerfilmen, kopieren sie dabei aber auch viele Einstellungen aus dem Genre, das geht soweit, das man auch wieder Soundtracklieder aus anderen Filmen einpackt. Alleine schon der Anfang wenn man in der Burgruine Mittag isst und Luca und Rhino sich gegenüber sitzen und die Kamera hin und her fährt zwischen beiden und immer wieder ist die Einstellung näher an den Charakteren. Es gibt sehr viele Close Ups von Augen und Mündern, was sehr deutlich an Leone erinnert und den Italowestern Touch des Films noch mehr verdeutlicht.

Auch wenn sich Hélène Cattet und Bruno Forzani mit dem Bilderrausch bei Leichen unter brennender Sonne etwas zurückhalten, so gibt es diese Szenen immer wieder. Je länger der Film läuft desto mehr gibt es diese zu entdecken und zu erleben. Der ganze Film ist voller Szenen, die einfach unglaublich sind. Hier merkt man die Liebe fürs Details und jeder kleiner Schnitt und Einstellung passt perfekt ins Genre. Auch der Look. Man weiß nicht, zu welcher Zeit der Film spielt, es ist Sommer und es ist heiß und das sieht man sehr deutlich. Die Polizisten in ihrem Lederoutfit sehen genauso aus, als ob sie direkt aus den 70ern kommen. Die Burgruine wirkt eher wie ein Set von einem Western oder Gothic Horrorfilm.

Fazit:

Leichen unter brennender Sonne ist eine tolle Hommage an zwei Genre des europäischen Kinos. Dabei zeigt man nicht Dinge, die man kennt, sondern zitiert sehr einfallsreich und als Fan muss man genau aufpassen, woher man, welche Einstellung kennt. Auch ist der Film etwas zugängerlicher als die beiden Vorgänger. Ein sehr warmer Film für heiße Sommertage perfekt.

 

Leichen unter brennender Sonne

Movie title: Leichen unter brennender Sonne

Director(s): Hélène Cattet, Bruno Forzani

Actor(s): Marc Barbé, Bernie Bonvoisin, Dorylia Calmel, Stéphane Ferrara, Bamba Forzani Ndiaye, Elina Löwensohn, Michelangelo Marchese, Pierre Nisse, Marine Sainsily, Tristan Schotte, Hervé Sogne, Aline Stevens

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 10/10
    Regie - 10/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
  • 7/10
    Anspruch - 7/10
7.8/10