Eiskalte Typen auf heißen Öfen

Regisseur Ruggero Deodato kennen viele von Euch durch sein berühmt brüchigen Film Cannibal Holocaust, doch schon davor drehte er Filme. Einer davon ist Eiskalte Typen auf heißen Öfen. Das ist Deodatos Beitrag zu den Polizeschi Genre, was in den 70er Jahren in Italien berühmt war und viele Filme hervorbrachte. Dabei ist interessant zu sehen, wie man die Genremuster nutzt und fast schon wirkt dieser Film wie ein sehr ironischer Beitrag dazu, denn nicht immer mag man glauben, dass Drehbuchautor und Regisseur das wirklich so ernst gemeint haben könnte. Wir lernen hier zwei Männer kennen, die keine sind. Sondern Kinder die Polizisten spielen, das passt dann auch zu der restlichen Handlung und dem Vorgehen, alles wirkt überspitzt, wie als ob man angeben würde. Das könnte zu dem ironischen satirischen Stil von Ruggero Deodato passen und er wollte hier vielleicht den Zuschauern den Spiegel vorhalten.

Die Handlung dreht sich um die zwei Polizisten Alfredo und Antonio, die jeden Verbrecher ausschalten, der ihn in den Weg kommt. Sie arbeiten für eine geheime Einheit der Polizei, welche versucht die Mafia zu vernichten. Mafiaboss Roberto Pasquini hat da etwas dagegen. Also Alfredo und Antonio eins seiner Casinos hochgehen lassen will Pasquini Rache. Doch es ist schwer, die Beiden zu fassen, auch sein Spitzel ist nicht behilflich, als er aber einen anderen Cop töten lässt, schwören Alfredo und Antonio Rache.

Bei einem Genre, wo die Regeln immer sehr eindeutig sind, versucht Eiskalte Typen auf heißen Öfen manche zu umschiffen aber das bleibt in kleinem Rahmen. Dennoch hat man als Zuschauer immer das Gefühl, dass Regisseur Ruggero Deodato hier etwas anderes machen wollte, als den typischen Polizeschi Film. Er nutzt das Genre für sich und baut zwei Charaktere auf, die charmant sind, mit dem System kämpfen aber nach ihren Regeln und dafür auch schon Ärger bekommen. Dabei bekommt man als Zuschauer aber einiges Geboten und alleine der Anfang lohnt.

Eiskalte Typen auf heißen ÖfenSatarisch das Genre betrachtet in Eiskalte Typen auf heißen Öfen

Wie schon kurz erwähnt verhalten sich Alfredo und Antonio im Film immer wieder wie Kinder die Polizisten spielen. Sie baggern auch immer wieder die Sekretärin an, als ob sie gerade in die Pubertät kommen. Das verhalten ist anders als bei dem typischen Charakter, sie wirken so, als ob es jemand erzählt und übertreibt. So wirkt vieles sehr stark überzeichnet. Das zeigt schon der Anfang und die Verfolgungsjagd, wo am Ende einfach einen der Verbrecher das Genick gebrochen wird. Hier zeigt Eiskalte Typen auf heißen Öfen schon sehr deutlich, dass man keine Gefangenen macht aber auch, dass man hier zeigt was das Publikum sehen will aber alles hat auch diesen bitterbösen Beigeschmack und das Lachen bleibt einem auch im Hals stecken.

Im Verlauf des Films wird das immer deutlicher, man zeigt hier nicht nur die typischen Genremuster, sondern versucht sie auch zu brechen. Man zeigt sogar einen Bösen, der versucht heraus zu finden wer die zwei Helden sind und das mit allen Mitteln. Dabei gehen Alfredo und Antonio aber mit dem Vorschlaghammer vor, spätestens wenn die Schwester von Pasquini flachlegen, sollte jeder Böse wissen, was los ist. Vor dieser Szene hat Alvaro Vitali einen kurzen Auftritt, er gibt eine homosexuellen Mann, welcher extrem stereotypisch dargestellt wird. Auch vorher schon, interessant ist dabei aber, das die beiden Hauptfiguren nicht so herablassen reden wie man es erwarten könnte, viel mehr scheint beide auch eine Bromance zu verbinden und man legt auch dieselbe Frau flach. Man spielt also immer wieder mit der typischen Männlichkeit der Charaktere im Polizeschi.

Dabei erzähl Eiskalte Type auf heißen Öfen dieselbe Krimi Handlung wie jeder andere Genrefilm auch, nur ist alles so überspitzt, dass man am Ende wirklich nur sagen kann, das ist Satire. Deutlich wird das auch wenn Alfredo und Antonio in einer Kiesgrube Schießübungen machen, dabei schießen sie auf Dosen und weichen den Schüssen des anderen aus. Das zeigt deutlich, wie sehr beide noch Kinder sind.

Action

Wie schon erwähnt, der Film beginnt mit einer Verfolgungsjagd und die hat es in Sich, denn hier geht es ab. Auf Motorrädern durch Rom. Dabei zeigt man waghalsige Stunts, man fährt über Autos, Treppen rauf und runter, auch durch ein Café. Man zieht alle Register und der Zuschauer ist mittendrin und dann kommt der Moment, wo der Film die Stimmung wechselt und all die Freude an der Action ist dahin. Im Verlauf des Films wird diese Qualität der ersten Minuten nie wieder erreicht. Dabei baut man aber auch Spannung auf, wenn man ein paar Verbrecher heimlich auf offener Straße erledigt.

Das Finale kommt sehr plötzlich und bietet ein merkwürdiges Ende, es hört auf. Das Ganze wirkt wie ein Witz, man arbeitet zwar da auf etwas hin aber eine richtige Konfrontation der beiden Parteien entsteht dabei nie. Es wirkt so als ob Eiskalte Typen auf heißen Öfen das Ganze auch einfach nicht zeigen will. So führt die Spannung auch nirgendwo hin, was die Stimmung trübt.

Optik

Man sieht Eiskalte Typen auf heißen Öfen an, dass Regisseur Ruggero Deodato das Genre studiert hat und man in Italien sehr kostengünstig arbeitet. Man drehte eh ohne Ton und so war die Kamera beweglicher, das merkt man hier schon bei der Anfangsszene, die Verfolgungsjagd ist sehr gut gefilmt und verleiht einem das Gefühl von Action. Auch im Verlauf des Films ist die Kamera immer nah dran und so fühlt man auch mit einigen Charakteren mit. Manchmal wird es aber auch unangenehm, vor allem wenn die Schwester des Mafiaboss erst bedrängt wird und dann willig ist, sie wird auch so gezeichnet. Das wirkt nicht erotisch, sondern eher abstoßend. Denn hier verlieren beide Charaktere auch ihren Charme, denn sie danach aber wieder bekommen. Hier wird dem Publikum sehr deutlich der Spiegel vorgehalten. Dann aber nutzt der Film etwas Nacktheit, um Schleichwerbung für JB Whisky zu machen.

Ansonsten ist es ein typischer 70er Jahre Film, die Mode und auch die Orte sind alle so typisch für das Jahrzehnt wie es nur gut. Beide Hauptcharaktere aber sind etwas anders, sie sind fast schon zu schön für die Rolle und haben kein Bart. Hier kommt wieder Spiel mit der Männlichkeit zum Vorschein. Die Bromance wird auch im Vorspann sehr deutlich, beide fahren zusammen auf einem Motorrad. Im Verlauf von Eiskalte Typen auf heißen Öfen wird das bei der Bildsprache immer wieder deutlich, beide sind Archetypen der Buddy Cop Action Filme.

Fazit:

Eiskalte Typen auf heißen Öfen ist eine kleine Demontage des Genres, dabei schafft er es aber nicht immer das zu zerlegen, was er zeigt. Er nutzt es zwar für sich aber am Ende ist es ein typischer Genrevertreter, der alles etwas anders macht, dies ist erfrischend. Am Ende fehlt aber etwas, dennoch bekommt man als Zuschauer einen unterhaltsamen Film geboten.

Eiskalte Typen auf heißen Öfen

Movie title: Eiskalte Typen auf heißen Öfen

Director(s): Ruggero Deodato

Actor(s): Marc Porel, Ray Lovelock, Adolfo Celi, Franco Citti, Silvia Dionisio, Marino Masé, Renato Salvatori, Sergio Ammirata, Bruno Corazzari, Daniele Dublino, Sofia Dionisio, Tom Felleghy

  • 6/10
    Handlung - 6/10
  • 7/10
    Schauspiel - 7/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 5/10
    Action - 5/10
  • 5/10
    Spannung - 5/10
  • 6/10
    Unterhaltung - 6/10
6.2/10

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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