Recht und Leidenschaft

Anfang der 70er Jahre war Italien noch nicht soweit, das der Polizieschi wirklich ein Genre war. Viel mehr waren die Thriller und auch Dramen noch von den Problemen mit der Mafia geprägt und so gibt es ein paar Filme, die wegweisend für das Genre waren und Geschichten erzählten, die unter die Haut gingen. Einer davon ist Recht und Leidenschaft. Hier bekommen wir nicht nur Ornella Mut in ihrer ersten Rolle zu sehen, sondern auch in einem sehr wichtigen Film. Denn er zeigt eine junge Frau die für ihr Recht kämpft und zeigt, welche Angst die Menschen vor der Mafia hatten. Es beruht auf einem echten Fall, wo auch eine junge Frau sich gegen einen Mafiaboss gewehrt hat und erfolg hatte. Es ist ein Zeichen von Feminismus aber auch Heldentum. Denn sich gegen alle durchsetzen und das Leiden ertragen ist eine Leistung, die sehr viel Respekt verdient hat.

Die Handlung spielt in Sizilien, welches Probleme durch ein Erdbeben hatte und die Mafia versucht die Menschen einzuschüchtern. Ein Clan geht freiwillig ins Gefängnis. Ein junger Mann namens Vito Juvara soll, solange die Geschäfte führen und er bekommt noch einen Rat von seinem Onkel, er soll sich eine junge Braut suchen, am besten aus armen Verhältnissen. Auf der Straße trifft er auf Francesca. Sie ist gerade mal 15 Jahre alt und verliebt sich am Anfang auch in Vito, doch schnell merkt sie, dass er es mit seinen Machtspielen übertreibt. Als sie ihn verlässt, ist Vito außer sich vor Wut, er entführt Francesca und vergewaltigt sie. Doch anstatt sich ihn hin zugeben, nimmt Francesca all ihren Mut zusammen und geht zur Polizei, damit tritt sie aber eine Welle von Problemen los.

Mit Recht und Leidenschaft bekommt man es als Zuschauer mit einem ernsten Drama zu tun, was unter die Haut geht, denn wir Leiden mit Francesca mit. Denn damals muss das noch schockierender gewesen sein, als man es heute empfindet. Man sieht eine junge Frau voller Mut die sich nicht unterkriegen lässt und nicht klein bei gibt. Das ist sehr interessant, weil sie Vito immer wieder die Stirn bietet und man eindeutig merkt, dass man hier keine Romanze erwarten muss.

Recht und Leidenschaft: Drama ohne Schnulze

Am Anfang von Recht und Leidenschaft lernen wir erst Vito und seine Jungs kennen und erfahren etwas mehr, in welche Position er rein rutscht. Man könnte meinen hier beginnt dann die typische Liebesgeschichte, denn Vito könnte ein netter junger Mann sein, welcher sich für Francesca ändern wird, doch dem ist nicht so. Zwar flirtet er am Anfang mit ihr noch normal aber schon, wie er sie zur Heirat bekommen will, wirkt wie eine List und nicht besonderes romantisch. Dennoch treffen sich beiden immer wieder. Doch Vito hat ein hitziges Gemüt und scheint Probleme damit zu haben, dass Francesca ihren eignen Kopf hat. Die Trennung ist vorprogrammiert und so kommt sie auch. Hier nimmt der Film dann seine Wendung, da zwischen lernen wir auch mehr über die Mafia und Sizilien kennen, wir sehen ein armes Land, was unter der Kontrolle der Gangster ist.

Francesca wird als starke Frau dargestellt, die trotzt ihrer ärmlichen Verhältnisse, sehr schnell viel versteht. Sie merkt auch früh das Vito probleme bedeutet und sie geht lieber nicht zu der Hochzeit. Das führt aber zu vielen Problemen. Die Entführung alleine zeigt deutlich das Vito seinen willen bekommen will, egal um welchen Preis. Diese Einstellung zeigt aber auch das er sich, wie ein bockiges kleines Kind benimmt und nicht wie ein Mafiaboss, der versucht einen guten Ruf zu haben. Er ist der kleine Gangster, der mehr sein will. All das zeigt ihm Francesca immer wieder auf. Sie nimmt das nicht hin, wie sie behandelt wird. Auch als sie vergewaltigt wird und ihr Ruf im Dorf damit ruiniert wär, lässt sie sich nicht unterkriegen, sie geht zur Polizei. Das führt aber zu mehr Problemen als gedacht.

Die ganzen Probleme und das Leiden von Francesca werden nicht verharmlost, auch wird sie nicht als Böse dargestellt, sondern als Opfer, was sich wehrt, sie ist sehr feministisch gezeichnet und passt so gar nicht in das Bild von so mancher Figur im Film. Hier zeigt sich sehr deutlich wie progressiv Recht und Leidenschaft war. Man bekommt eine Heldin mit schwächen gezeigt, die Einstecken und austeilen kann.

Moral und sonstige Anmerkungen

Auch wenn Recht und Leidenschaft nicht in das Polizieschi Genre passt, so zeigt er wie die Mafia agiert und wie machtlos die Menschen sind. Die Polizei hat Probleme, eine Anzeige zu bekommen oder gar jemanden zu verhaften. Francesca steht alleine da, selbst ihre Familie leugnet was passiert ist und will keine Probleme mit Vito haben. Das geht soweit im Film, dass Francesca sogar etwas tut, damit die Familie ihr endlich zur Seite steht, doch auch das hilft nicht. Hier merkt man dann, dass man sich den Höhepunkt wirklich für das Finale aufheben wollte, die Wendung die Katharsis wird vollendet und man bekommt so was wie Gerechtigkeit. Dabei zeigt sich der Film aber immer wieder als moralisch und zeigt eindeutig, was für eine Person Vito ist und wie sehr Francesca leiden muss. Als Zuschauer fühlt man mit ihr mit.

Francesca funktioniert aber auch nur so gut, weil die junge Ornella Mut mit hier gerade mal 15 Jahren eine unglaubliche Gute schauspielerische Leistung vollbringt. Sie verkörpert die junge Frau, die leidet, weil sie für ihr Recht kämpft perfekt. Sie zeigt, wie wichtig diese Tat ist und war. Denn die Konsequenzen sind schlimm aber zu schweigen und es hinzunehmen waren schlimmer. Sie holt sich aber auch rat bei einer Frau, die es genauso erging und die sich nicht gewehrt hat. Dabei wirkt Francesca immer sehr menschlich, selbst als ein Attentat auf Vito verübt werden soll, will sie dies nicht haben. Sie will, dass er die gerechte Strafe bekommt und nicht den schnellen Tod.

Optik

Recht und Leidenschaft zeigt uns ein zerfallenes Land, wir sehen viele Häuser, die durch ein Erdbeben zerstört wurden. Menschen leben in Baracken und schuften auf dem Feld, um etwas Geld zu haben. Das sieht man den Personen auch deutlich an. Auf der anderen Seite ist da Vito in seinem Anzug und seinen Autos, welcher auf Gangster macht, doch immer irgendwie scheitert, auch wenn die Menschen angst vor ihm haben. So wirkt er sehr temperamentvoll und übereilt alles viel zu schnell. Das sieht man deutlich, wenn Francesca ihm die Stirn bietet. Vorher sehen wir aber auch was er ihr bieten will und was sie alles bekommen würde, doch dafür müsste sie klein bei geben.

Man merkt, dass man in Italien zu der Zeit ohne Ton gedreht hat und somit mit der Kamera freier war. Die Kamerafahrten im Film am Anfang und Ende zeigen den Unterschied der Charaktere und man sieht das Francesca sich nicht freut, sondern sie geht davon. Die Menschen im Dorf dagegen kommen immer wieder unangenehm nah und das zeigt auch die Kamera, es ist ein Mob, der immer größer wird. Hier zeigt man die Macht von Vito und wie sehr die Menschen angst haben, denn die Mafia half auch das sie etwas zu Leben haben. Doch zu welchem Preis? Auch interessant ist es immer wieder zu sehen wie distanziert Francesca zu Vito ist, nur um ihn dann näher zu kommen, wenn sie ihm die Stirn bietet.

Fazit:

Recht und Leidenschaft ist ein sehr ernstes Drama, was eine starke junge Frau zeigt, ganz ohne die Stereotypen. Man sieht, wie sie Leiden muss und was sie alles durchmacht und wir die Zuschauer leiden mit ihr mit. Man sieht auch das der Film hier nie versucht das alles runter zuspielen, sondern bleibt sehr realistisch. Dazu bekommt man einen tollen Soundtrack von Ennio Morricone.

Recht und Leidenschaft

Movie title: Recht und Leidenschaft

Director(s): Damiano Damiani

Actor(s): Ornella Muti, Alessio Orano, Tano Cimarosa, Pierluigi Aprà, Joe Sentieri, Enzo Andronico, Amerigo Tot, Fortunato Arena, Sandro Arlotta, Salvatore Baccaro, Gaetano Di Leo, Giuseppe Lauricella

  • 9/10
    Handlung - 9/10
  • 9/10
    Schauspiel - 9/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 8/10
    Spannung - 8/10
  • 8/10
    Anspruch - 8/10
8.6/10

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BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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