Baby Love

In der Filmgeschichte gibt es einige Skandalfilme, welche versuchen mit einer jungen Darstellerin für aufsehen zu sorgen, oder weil man provozieren will oder es ist egal. Jedenfalls, sind viele dieser Film sehr bekannt, weil man darüber immer wieder spricht, ein paar davon sind so sehr Verboten in Deutschland, dass man ihren Namen nicht ausspricht. Es war aber alles in den 70ern und 80ern. Danach war dieses Thema durch und höchsten die Bravo in den 90ern machte mit Jungen und Mädchen die sich nackt präsentieren Aufklärung. Ein Film, der dabei immer wieder vergessen wird, ist Baby Love aus dem Jahr 1968/69. Hier macht man das mit der damals 15 jährigen Linda Hayden, welche ein paar Jahre später dann im britischen Horrorfilm ein paar Rollen übernahm und auch das machte, was sie hier zeigte nur legaler. In diesem Film nimmt man die typischen Lolita Momente und versucht ein Drama über ein Trauma und dem Erwachsen werdne zu machen.

Die Handlung dreht sich um 15 jährige Luci, die den Selbstmord ihrer Mutter mit ansehen musste. Sie kommt bei dem Ex-Freund ihrer Mutter unter. Dieser ist nun Arzt und führt ein Leben im Luxus. Doch Luci leidet immer wieder unter Albträume und ihre Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Dabei versucht sie nur ein normales Leben zu führen. Sie wird langsam erwachsen und will verführen, am liebsten Dr. Robert Quayle, doch dieser ist so verbissen mit der Vergangenheit und den Fehlern, die er gemacht hat. Sein Sohn Nick steht auch auf Luci und seine Hormone spielen auch verrückt. Hier bekommt er aber immer wieder die kalte Schulter von Luci zu spüren, obwohl sie mit ihm spielt und auch mit fremden Männern.

Die skandalösen Szenen halten sich zwar in Grenzen bei Baby Love, dennoch gibt es sie. Das macht den Film aber nicht besser, als Zuschauer muss man durch ein sehr langsames und dröges Coming of Age Drama durch. Das aber wirklich gut gefilmt ist, so bekommt man bei den Bildern sehr viele nette Ideen geboten, aber bei dem Rest fragt man sich: Wohin das alles führen soll.

Coming of Age in Baby Love

Zugeben im Jahr 1968 muss ein Film wie Baby Love ein großer Skandal gewesen sein, falls ihn damals jemand sehen wollte. Denn man redet auch heute nicht über diesen Film, alle anderen Skandalfilme werden immer wieder besprochen und erwähnt irgendwo. Hier aber nichts, was vielleicht an der Verfügbarkeit lag aber wär er wirklich so schlimm gewesen, würde man heute ihn eher nennen. Jedenfalls die Handlung des Films ist sehr langsam und langweilig erzählt, weil sie nirgendwo hin will, das muss bei diesem Genre und Thema nichts Schlimmes sein, wir bekommen Szenen aus dem Leben von Luci zu sehen aber da wird deutlich, immer wenn man ihre Probleme anspricht, weicht man dem lieber aus. Es wär interessanter zu sehen, woher das Trauma von ihr herkommt und warum sie so handelt.

Die Ansätze sind da in Baby Love, Luci wurde nie gut behandelt von ihrer Mutter, das erfahren wir. Dazu soll sie sich auch wie sie benehmen immer wieder. Scheinbar ist sie manisch depressiv, doch niemand in der Familie, die sie aufnahm, will darüber reden. Die Mutter scheint Luci als Tochter Ersatz anzusehen und benutzt sie auch für ihre gelüstet. Was bei Luci aber auch ein Trauma wieder auslöst. Man spricht es aber nie weiter an, hier und da deutet man alles immer wieder an. Auch wie sie mit Nick umgeht, immer wieder spielt sie mit ihm und lässt ihn dann wieder fall, so das sein Frust immer weiter wächst. Dazu das Trauma mit dem heißen Wasserdampf, was mit dem Selbstmord der Mutter zu tun hat, damit spielt man zwar immer wieder und im Finale wird es auch genutzt, doch dann ist der Film vorbei.

Man merkt auch, dass man hier wohl etwas erzählen wollte. Luci kommt in eine neue Welt und versucht damit klar zu kommen aber so richtig gefällt es ihr in der Luxuswelt nicht, obwohl sie sich immer wieder freut über die Geschenke. Hier deutet man immer wieder ihre Abhängigkeit an und das sie sich wie ein kleines Kind benimmt. Das Trauma ist also da und mit den Albträumen und manchen Szenen nutzt man es, auf der anderen Seite will man dann provozieren und kommt wieder mit der Lolita Handlung bei Baby Love.

Lolita Luci

Im Verlauf von Baby Love wird aber auch sehr deutlich warum der Film als erotisch oder Skandal dargestellt wird. Es ist auch eine moralische Frage: Ob man es noch OK finden darf, die 15 Jährige Linda Hayden erotisch zu finden, zugeben 3 Jahre später war sie 18 und zeigt in so manchen Horrorfilm auch ihren nackten Körper, jedenfalls war sie dann da aber legal. Hier sind es aber auch sehr kurze Momente und man spielt sie nicht als Highlight auf. Viel mehr wirkt es wie bei Lolita von Kubrick, nur geht man hier auch etwas weiter. Man zeigt sie deutlich, wie sie auf ältere Männer wirkt. Das alles wird aber auch so ausgelegt, als ob sie diese Verführen will, das könnte mir ihrem Trauma und ihrer Mutter zusammenhängen.

Auf der anderen Seite spielt Luci nicht immer mit Absicht mit ihren Reizen. Dennoch wird sie benutzt, wir wissen nicht wie weit sie immer mit Nick geht, man deutet nur einiges an und die einzige Szene wo sie dann oben ohne vor ihm liegt, wird abgeblendet und es geht wo anders weiter. Bei der Mutter ist man deutlicher und zeigt es auch bis zu einem bestimmten Punkt. Der Vater dagegen scheint nur Schuldgefühle zu haben und die Erinnerungen an die Mutter von Luci sind größer.

Optik

Womit Baby Love wirklich punkten kann, ist die Kameraführung. Man hat hier wirklich alles verbaut, was damals wohl ging und gerade aktuell war. So gibt es viele subversive Kamerafahrten, die uns die Sicht von Nick auf Luci zeigen. Auch verfolgt die Kamera einen Charakter schon mal durch das Haus und so kommt viel Bewegung in das Ganze. Auch andere Kamerafahrten gibt es. Es gibt Zooms und Nahaufnahmen von Augen oder Münder. Vieles davon versucht auch nicht erotisch zu sein. Es gibt auch Szenen, wenn Nick Luci beobachtet und es genauso gefilmt ist, auch seine Schüchternheit zeigt die Kamera deutlich und dann den Mut, einfach in das Zimmer zu laufen, wenn sie nackt ist. Das Hauptthema ist aber Wasser und der heiße Wasserdampf, der kommt immer wieder vor im Film.

Man kann es aber auch nicht leugnen, dass Baby Love in den 60er Jahren entstand. So sieht auch die Kleidung und die Häuser aus, auch merkt man, dass der Film in England spielt. Ein paar Szenen sind sehr fragwürdig, nicht etwa die Nacktheit von Linda Hayden, sondern auch andere. Wenn man in einem Klub ist und dann Personen zeigt, die Drogen nimmt und ein paar sind davon Schwarz und am Abend hat Luci einen Traum von einem der Männer, der sie animalisch nehmen will, wirkt das sehr rassistisch aus heutiger sicht.

Fazit:

Baby Love ist ein langsames und langweiliges Coming of Age Drama, was mit sehr moralisch fragwürdigen Szenen daher kommt aber nicht so exploitativ ist wie andere Filme dieser Art. Dafür gibt es eine wirkliche tolle Kameraführung und hier kann der Spielfilm wirklich überzeugen. Ansonsten ist es ein langsames Psychodrama mit Lolita Momenten.

Baby Love

Movie title: Baby Love

Director(s): Alastair Reid

Actor(s): Julian Barnes, Keith Barron, Terence Brady, Timothy Carlton, Patience Collier, Troy Dante, Vernon Dobtcheff, Diana Dors, Dick Emery, Linda Hayden, Derek Lamden, Michael Lewis

  • 5/10
    Handlung - 5/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 9/10
    Regie - 9/10
  • 4/10
    Spannung - 4/10
  • 6/10
    Anspruch - 6/10
  • 1/10
    Erotik - 1/10
5.5/10

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BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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