Seeding of a Ghost

Bevor Hongkong 1997 zurück an China gegeben wurde, war der Stadtstaat sehr unabhängig und will es heute auch noch sein, aber damals war die Zeit noch anders. Man wollt sich von China abgrenzen und eigen sein und eine eigene Kultur entwickeln. England beobachtete zwar alles und regulierte mit, aber so konnte man sehr viel alleine machen. Auch bei den Filmen war das so, man wollte eine filmische Kultur haben, die es in China nicht gab oder gibt. Das waren Horrorfilme, welche sich mit schwarzer Magie beschäftigen, dazu Nacktheit und Gewalt. Dinge die es bis heute nicht im chinesischen Film gibt und sogar verboten sind. 1983 produzierten die Shaw Brothers Studios den Horrorfilm Seeding of a Ghost und dieser spiegelt genau dies wider, was man in Hongkong alles sein wollte und zeigt dies sehr deutlich.

Die Handlung dreht sich um einen Taxifahrer Chou in Hongkong, dieser wird verdächtig seine Frau Irene umgebracht zu haben. Er war es aber nicht und er schwört Rache. Alle Versuche die Schuldigen fertigmachen scheitern aber. So sucht er einen Mann auf, den er gerettet hat vor ein paar Bürgern. Dieser kennt sich mit schwarzer Magie auf und er bringt ihm dazu seine Rache zu bekommen. So müssen die zwei Vergewaltiger und Mörder seiner Frau leiden aber Mr. Fang die Affäre von Irene.

Zugegeben die Handlung von Seeding of a Ghost klingt jetzt nicht so, als ob man irgendwas besonderes erwarten sollte. Doch dieses Grundgerüst baut die Geschichte langsam auf und wir erleben die Figuren am Anfang und selbst die kleinste Szene, macht am Ende sinn. Denn man baut hier eine Geschichte rund um Rache auf, die nicht mit Kampfkunst gelöst wird, sondern mit schwarzer Magie. Dabei wird sehr deutlich, wie sehr man sich versucht hat von China zu lösen. Diese Shaw Brothers Produktion ist nicht die erste, los ging das Ganze schon in den 70ern, hier noch am bekanntesten Das Omen des Bösen auch von den Shaw Brothers. Dennoch ist dieser Horrorfilm hier das beste Beispiel für das, was noch folgen sollte, mit den legendären CAT III Filmen aus Hongkong.

Horror in einer anderen Form in Seeding of a Ghost

Horrorfilm sind immer von der Kultur geprägt, das merkt man sehr deutlich, je weiter man in Richtung Osten geht. In Asien werden Horrorfilm anders erzählt als in Europa oder den USA: Es gibt andere Legenden und Geschichten. Doch man denkt selten an Hongkong, weil China die Horrorfilme verboten hat. Dennoch gab es eine Zeit wo einige Horrorfilm im Stadtstaat erschienen, diese sind aber schwer zu bekommen und werden selten veröffentlicht. Dabei lohnen sie sich. Das zeigt Seeding of a Ghost sehr deutlich, denn wir bekommen einen Film, der sehr stark von der Kultur in China geprägt ist, welche aber durch die Regierung damals unterdrückt wurde. In Hongkong war das anders, man wollte sich abheben und dies zeigt die Geschichte.

Dabei beginnt die Handlung schon etwas untypisch, wir lernen Chou und Irene kennen. Er ist Taxifahrer und sie arbeitet in einem Casino, beide sind gerade mal drei Monate verheiratet und waren davor vier Jahre zusammen. Doch Irene ist nicht die Treuste und lernt bei der Arbeit Fang kennen, welcher auch verheiratet ist, beide fangen eine Affäre an, doch schnell wird deutlich, dass Irene mehr will. Fang will dies nicht und lässt sie sitzen. Dort trifft sie auf zwei Typen, welche Irene mit in ein altes Haus nehmen und sie vergewaltigen und sie stirbt dann bei einem Unfall. Chou wird verdächtigt, aber schwört Rache. Dabei kommt er auf normalen Weg nicht weiter. Da sucht er Hilfe bei einem Mann der schwarze Magie betreibt. Hier entfaltet sich dann der Horrorteil der Handlung, davor führt man die Figuren ein und baut sie auch auf.

Dadurch, dass man sich so viel Zeit lässt bei der Einführung der Charaktere, lernen wir auch viel über sie kennen und man muss hier auch den Sex zeigen, was später im Film seltener ist. Man merkt aber sehr deutlich, wie man mit der schwarzen Magie um geht und das man sich Hilfe sucht bei buddhistischen Priestern, was auch im neuem China unmöglich wär. Man zelebriert das sehr deutlich, wie in anderen Horrorfilm aus der Zeit, selbst King Hu tat es bei Legend of the Mountain.

Horror und Sex

Man sollte bei Seeding of the Ghost keinen westlichen Horrorfilm erwarten, man schockt nicht durch leisen tönen. Wenn der Horror losgeht dann aber richtig. So gibt es viele Bilder die Ekele bei dem Zuschauer und den Charakteren auslösen sollen. Das funktioniert auch sehr gut und man baut das alles auf. Die Rache steigert sich und so auch der Horror. Man geht so weit, dass die Ehefrau von Fang besessen wird von einem Geist. Vorher penetriet sie ihm mit einem riesen großen Streichholz anal. Das ist schockierend für ein männliches Publikum. Der Albtraum wird aber noch größer und es gibt Szenen, die man nur versteht, kennt man sich etwas mit schwarzer Magie in China aus. Auch der Exorzismus ist so typisch, wie es nur geht und leutet das Finale ein. Hier wird es dann richtig spektakulär und auch etwas blutig. Hier zeigt der Film dann, warum später CAT III Filme aus Hongkong so beliebt und berühmt sind.

Doch bevor es Horror gibt, gab es Sex im Film. Hier zeigt man an Nacktheit alles, was in einem Mainstream Film geht. Man hebt sich so auch von China ab, wo man so was nicht zeigen darf. Wir bekommen viele nackte chinesische Frauen zu sehen, dabei beschränkt man sich nicht nur auf Brüste und Po, sondern zeigt uns auch in Großaufnahme die Intimbehaarung Trends der 80er in Hongkong. Das zieht man auch durch den Film durch und baut es immer wieder ein.

Optik

Auch wenn Seeding of a Ghost eine Shaw Brothers Produktion ist, wurde der Film nicht im Shawscope gedreht, sonder er ist nur in 16:9. Das passt auch besser zu einem Horrorfilm. Man will keine großen und weiten Bilder zeigen. Der Zuschauer soll nah dran sein und das ist man immer wieder, wie schon erwähnt, bei der Nacktheit gibt es viele Nahaufnahmen und fährt über den Körper der Frauen. Das ist wirklich exploitativ in Szene gesetzt. Alleine schon wenn Irene oben ohne am Strand entlang läuft, filmte man dies in Zeitlupe. Wie die Nacktheit ist auch der Horror immer nah dran, von Kotzen von leben Insekten bis hin zu schleimigen Monster, wir sind nah dran und erleben alles im Detail. Dabei ist der Exorzismus auch optisch ein Highlight, der Kampf von Gut gegen Böse, wird mit vielen spektakulären Bildern gezeigt.

Im Gegensatz zu den Martial Arts Filmen der Shaw Brothers, spielt Seeding of the Ghost im modernen Hongkong und wir befinden uns in den 80ern. Das zeigen uns die Outfits und auch die Umgebung. Vor allem die Wohnung von Fang spiegelt das besonders gut wieder. Interessant ist aber auch, dass Hongkong immer noch sehr europäisch aussieht. Das Polizeirevier wirkt aber nicht so. Wahrscheinlich soll es dies auch nicht, man will zeigen, wie unfähig die Polizei ist und Chou nicht hilft. Das machen diese Szenen auch sehr deutlich.

Fazit:

Seeding of a Ghost ist ein sehr unterhaltsamer Horrorfilm aus Hongkong, welcher sehr deutlich zeigt, dass der Stadtstaat nicht zu China gehören wollte und man hier alles einbaut, was auf dem Festland nicht möglich wär. Das alleine ist schon interessant, dazu ist der Film voller Nacktheit und auch etwas Gewalt im Finale. Ansonsten bekommt man viele spektakuläre Bilder geboten.

Seeding of a Ghost

Movie title: Seeding of a Ghost

Director(s): Richard Yeung Kuen

Actor(s): Norman Tsui Siu-Keung, Philip Ko, Wong Yung, Maria Jo, Wai Ka-Man, Wai Yee-Yan, Hung San-Nam, Tien Mi, Pak Man-Biu, Yee Muk Kwan San, Foo Ling Kei, Ting Tung

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Schauspiel - 8/10
  • 8/10
    Regie - 8/10
  • 6/10
    Spannung - 6/10
  • 9/10
    Unterhaltung - 9/10
7.6/10

 

BastitheEnd

Filmfan, Autor dieser Seite.

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